Kleiner Sockenlehrgang, Teil 3: Let’s go crazy!

Gestern hat mir jemand erzählt, dass jetzt der Winter komme. Ist das zu glauben? Fake News, sage ich! Mein Liegestuhl steht noch auf der Terrasse, das spricht ja wohl für sich. Außerdem ist mein Motto: Solange Wollsocken dafür sorgen können, dass ich ohne blau gefrorene Zehen in Turnschuhen herumlaufen kann, ist es noch nicht Winter. Apropos Wollsocken – habt ihr Lust auf noch eine Runde des Sockenlehrgangs?

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Nachdem es in den ersten beiden Teilen um Fersen und Spitzen ging, wollte ich mal sehen, wie man Socken noch alles stricken kann als immer nur klassisch vom einen Ende zum anderen. Die folgenden Muster zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie an einer unerwarteten Stelle beginnen und/oder in unerwartete Richtungen laufen.

Sei es, um einfach mal aus der Routine auszubrechen oder sei es, um sockengesegneten Familienmitgliedern mal etwas spektakulär Neues unter den Tannenbaum legen zu können: Jeder sollte mal ein verrücktes Paar Socken stricken!

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1. Der Drehwurm: Carousel

Äh … was? Carousel von Louise Robert ist eine Gratisanleitung aus der Knitty Frühjahr/Sommer 2012. Es gibt sie leider nicht auf Deutsch, aber sie ist so einfach, dass man ohne Doktortitel durch das Englische kommt.

Crazy-Level: „Krieg‘ ich hin!“

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Wo gehts los? Auf dem Fußrücken hinter den Zehen. Man strickt nämlich erst den schmalen Streifen, der sich wie ein Pferdchen auf dem Kinderkarussell rund um den Fuß dreht, Spitze, Ferse und Bündchen werden erst ganz am Ende angestrickt. Am besten sieht diese Socke mit Farbverlaufsgarn wie DROPS Delight oder musterbildendem Garn wie DROPS Fabel aus.

Persönliches Urteil: Ich mag den Look dieser Socke total gern. Nur diese unzähligen ultrakurzen Reihen … argh! Ging aber schneller als gedacht.

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2. Halb und halb: Stitch Surfer

Was’n das? Stitch Surfer ist ebenfalls von Louise Robert, ebenfalls in der Knitty erschienen, ebenfalls auf Englisch und ebenfalls sehr gut für Einsteiger in die Welt der wilden Socken geeignet. Das Konzept des Stitch Surfers gibt es noch in vielen weiteren Varianten mit noch mehr Farben, wenn man es noch wilder haben will.

Crazy-Level: „Das ist einfach! Oder …?“

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Wo gehts los? An der Zehenspitze. Damit ist der Stitch Surfer fast schon eine klassische Socke, die auf den ersten Blick auch aussieht, als werde sie klassisch in Runden gestrickt. Aber wenn wir genau hinsehen, erkennen wir: Der zweigeteilte Look kommt durch die Intarsien-Technik zustande. Und wie wir gelernt haben, kann man Intarsien nicht in Runden stricken. Man strickt also tatsächlich zweifarbig in Reihen, die unterwegs zur Runde geschlossen werden. Das ist nicht schwer, nur ein bisschen fummelig in den Rückreihen.

Persönliches Urteil: Die große Stärke des Stitch Surfers ist, dass er Sockenwollreste in ein spektakuläres Design verwandelt. Allerdings fühle ich mich immer etwas betrogen, wenn ich bei einem röhrenförmigen Strickstück Rückreihen stricken muss. Für so eine coole Socke nehme ich das aber glatt in Kauf! Zähneknirschend.

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3. Der Quereinsteiger: Longitudinal

Longi … hä? Longitudinal ist von Nicola Susen und gratis auf Deutsch erhältlich. Kommt am besten mit gemusterten Garn, damit man deutliche Querstreifen erhält.

Crazy-Level: „Was stricke ich hier eigentlich?“

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Wo gehts los? Wir starten diesmal an der Seite des Fußes. Von dort aus entwickelt sich in kraus rechts gestrickten, U-förmigen Reihen etwas, was zunächst einer langen Zunge ähnelt, dann einer mutierten Gurke, dann einem modernen Kunstwerk und dann ganz plötzlich die Form eines menschlichen Fußes hat. Da staunt die Strickerin und die Designerin lacht sich ins Fäustchen.

Durch die ungewöhnliche Konstruktion wird Longitudinal ausschließlich in Reihen und auf einer Rundstricknadel gestrickt – perfekt für alle mit Nadelspiel-Abneigung. Das flexible Kraus-Rechts-Muster macht die Socke auch extra warm und extra anpassungsfähig, ganz hoher Weihnachtsgeschenk-Faktor also!

Persönliches Urteil: Weil ihr euch sicher fragt, warum ich diese Socke nicht am Fuß vorführe, gebe ich es gleich zu: Ich habe keine Maschenprobe gemacht und deshalb eine viel zu große Socke produziert. Asche auf mein Haupt! Die Anleitung trifft keine Schuld, aber wenn ihr sie strickt: Lernt aus meinem Fehler. Macht eine Maschenprobe.

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4. Quadratisch, praktisch, passt: Square Sock

Nie gehört! Um meinen Glauben an meine Strickfähigkeiten wiederzufinden und aus Angst, dass Nicola mich beim nächsten Strickfestival mit der Glocke der Schande durch die Gänge treibt, habe ich mich an eine zweite ungewöhnliche Socke aus der Susen’schen Designschmiede gewagt: Die Square Sock.

Crazy-Level: „Nie im Leben wird das eine Socke!“

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Wo gehts los? Ich dachte ja, Longitudinal wäre verrückt. Aber hier wird es richtig wild: Wir beginnen unter dem Fußballen, stricken ein Quadrat in der Runde, bis sich die gegenüberliegenden Ecken auf dem Fußrücken treffen. Dann bildet ein kleineres Viereck den Deckel über den Zehen, in die andere Richtung geht es in Runden weiter bis rauf zum Bündchen. Eine sehr unterhaltsame und kurzweilige Konstruktion mit wirklich ungewöhnlichem Look und hervorragender Passform. Die Ferse bildet sich dabei praktisch von selbst durch die Winkel, in denen die einzelnen Elemente aufeinander treffen.

Persönliches Urteil: Die Square Socks kriegen von mir drei große Pluspunkte: Sie eignen sich für Wollreste, sie werden komplett in Runden gestrickt und sie brauchen keine Maschenprobe. Halleluja!

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5. Crazy Kringelei: Double Heelix

Das kenn’ ich doch! Und ob ihr das kennt: Über die Helix-Ringel-Technik hat meine bezaubernde Kollegin Nora letzte Woche berichtet. Die Double Heelix Socks von Jeny Staiman verbinden die Helixringel mit einer ungewöhnlichen Zunahmetechnik und moderner Hirnchirurgie zu einer Socke, die lustiger aussieht als sie zu stricken ist.

Crazy-Level: „Warum tue ich mir das an?!“

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Wo gehts los? An der Ferse. Eine Socke an der Ferse zu beginnen ist erstmal gar nicht so viel anders als eine Socke an der Spitze zu beginnen: Man strickt durch schnell aufeinander folgende Zunahmen eine Art Tütchen, in das dann die Zehen beziehungsweise die Ferse passen, und von da aus den Rest der Socke. Die Besonderheit der Double Heelix ist nun, dass man, wie von Nora beschrieben, zwei Farben gleichzeitig umeinander rotieren lässt, dabei aber mit jeder Farbe mithilfe des Arbeitsfadens und eines langen, langen Fadenendes immer wieder Maschen per Magic Cast On angeschlagen werden.

Maximaler Fadenchaosalarm! Ist die Ferse endlich überstanden, wird der Fußrücken mit provisorischem Maschenanschlag gebildet und die Socke erst in die eine, dann in die andere Richtung vollendet. Wenn man die ganze Geschichte nicht vorher versehentlich mit Benzin übergossen, angezündet, die Asche vergraben und alle Stricknadeln zerbrochen hat, um sich dem Briefmarkensammeln oder der professionellen Hamsterzucht zuzuwenden.

Persönliches Urteil: Ich habe es vielleicht schon subtil anklingen lassen: Diese Socke war eine echte Herausforderung für mich. Vier Fäden auseinander halten, den Magic Cast On immer richtig hinkriegen, nicht den Punkt für den Übergang zur nächsten Farbe verpassen – diese Socken haben es echt in sich. Gleichzeitig waren sie aber auch eine Herausforderung im positiven Sinne für mich. Ich habe lange nicht mehr so über meinen Stricknadeln geknobelt und gegrübelt und mich so über ein gelungenes Ergebnis gefreut! Beim nächsten Paar Heelix Socks hätte ich vermutlich sogar genug Übung, um sie problemlos und fix fertig zu kriegen. Eines fernen, fernen Tages. Der niemals kommen wird.

Ich kann nur allen, die klassische Socken öde finden, ans Herz legen, mal eine verrückte Konstruktion auszuprobieren. Von schwierig aussehenden Anleitungen sollte man sich eh nicht einschüchtern lassen. Mein Bericht hat euch hoffentlich verdeutlicht: Jeder macht mal Fehler. Und wenn man Wolle lange genug anschreit, tut sie irgendwann, was man von ihr will.

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Kommentare

  1. Von Petra P. am 12. Dezember 2018:

    Hallo Nina,

    wirklich ganz interessanter Beitrag. Doch manche Socken Gebilde sagen mir nicht so richtig zu. Ich weiß ja selbst, man hat immer etwas Wolle übrig aber dann stricke ich doch lieber gleichzeitig auf 2 Nadelspielen. So verstricke ich die Restwolle . Habe zwar vom Schaft bis zum Zeh unterschiedliche Garne verstrickt, sieht aber trotzdem gut aus.. Mit den anderen Socken kann ich mich nicht so anfreunden,. ich stricke doch dann lieber die klassische Ferse doppelt, da weiß ich, die tritt sich nicht durch und alle sind zufrieden damit.

    • Von Nina am 13. Dezember 2018:

      Hallo Petra,
      durch diese Exoten habe ich die klassischen Socken auch ganz neu schätzen gelernt. 😉
      Aber es war sehr spannend, mal neue Pfade zu beschreiten!

  2. Von Britta D. am 12. Dezember 2018:

    Hallo, Nina,

    Zit: “Persönliches Urteil: Ich habe es vielleicht schon subtil anklingen lassen:”

    was habe ich gelacht danke für diesen wirklich lustigen Beitrag. Ich stricke keine Socken, auch nicht normale, erst recht werde ich diese schrillen Teile nie in Angriff nehmen, aber Dein Beitrag hat meine Winterlaune gerade schlagartig geboostet, hab Dank dafür, bester Sockentalk ever

    • Von Carina am 13. Dezember 2018:

      Guten Morgen!
      Die Socken sind ja alle herzallerliebst! Toll!
      Am Besten gefällt mir Stitch Surfer, der Farbeffekt ist klasse! Allerdings komme ich mit der Anleitung nicht so gut zurecht, da brauch ich noch Zeit.
      Getestet wird auf jeden Fall!!
      Viele Grüße, Carina

    • Von Nina am 13. Dezember 2018:

      Hallo Carina,
      die Technik des Stitch Surfers gibt es auch noch in einigen anderen Anleitungen, vielleicht kommst du mit denen besser klar. Schau mal bei Pole Dance oder Colour Play rein! Ansonsten könntest du es mit Stripe Tease versuchen, die ist etwas anders aufgebaut, sieht aber ähnlich aus.

      Viel Spaß beim Stricken!
      Nina

    • Von Nina am 13. Dezember 2018:

      Haha, danke Britta! Ich wünschte, mir wäre der Begriff “Sockentalk” eingefallen, das wäre eigentlich der beste Titel für die ganze Serie gewesen. 😉

  3. Von Annika am 13. Dezember 2018:

    Ich liiiiebe mein Sockenpaar mit der Heelix-Ferse und plane gerade ein zweites Paar bei dem sich die Ringel in Schaft und Fuß fortsetzen. Kenie Angst davor haben, es gibt ein paar tolle Videos, die die Fersenkonstruktion super erklären!
    Viele Grüße, Annika

    • Von Nina am 13. Dezember 2018:

      Hui Annika, Respekt! Die Socken würde ich gerne sehen, wenn sie fertig sind. 🙂

  4. Von Juliane am 13. Dezember 2018:

    Wieso ist von jeder Socke nur ein Exemplar zu sehen? Liegen die armen Einzelsocken dann bei dir in der gleichen dunklen Schublade wie die Pullover mit nur einem Ärmel?
    So kurz vor Weihnachten finde ich das doch reichlich herzlos!

    • Von Nina am 14. Dezember 2018:

      Tja, das ist so … die Zweitsocken sind gerade alle auf dem Weihnachtsmarkt. Ehrlich wahr! Themawechsel?
      ;-P

  5. Von Dini am 13. Dezember 2018:

    Magst du vielleicht vom Stitch Surfer noch ein Bild der Sohle hinzufügen?

    • Von Nina am 14. Dezember 2018:

      Hallo Dini,
      die Sohle sieht tatsächlich genauso aus wie der Fußrücken, bis zur Ferse kann man sich also aussuchen, welche Seite oben und welche unten sein soll. Die Ferse ist dann eine einfache Bumerangferse, danach geht das Muster weiter. 🙂

  6. Von Carina am 13. Dezember 2018:

    Hallo Nina!
    Vielen Dank für den Tipp.

  7. Von Hanka am 14. Dezember 2018:

    Liebe Nina,
    vielen Dank!!!!
    Ich habe längst vor, vom Pullistricken zum Sockenstricken zu wechseln, und wenn ich diese lustigen Socken sehe, glaube ich, dass es eher kommt, als gedacht 🙂 die sind ja witzig! Und schön! Vielen Dank!
    Meine Familie kriegt einen coolen Socken-Look 😉

    • Von Nina am 19. Dezember 2018:

      Gerne, liebe Hanka! 🙂
      Lustigerweise kannte ich bisher nur Leute, die mit Socken angefangen haben und von da aus zu Pullovern übergegangen sind. Du bist eine der Wenigen, die den umgekehrten Weg geht. 😀

  8. Von Ute am 15. Dezember 2018:

    Liebe Nina,

    danke für deinen lustigen Beitrag!
    Was strickt man denn nu nach Weihnachten? Socken? Nach unzähligen vor Weihnachten? Ne.. nicht schon wieder. Oder doch?…
    Für die Square Socks habe ich mir grad die Simply.. bestellt.. und beim stöbern bin ich über welche gestolpert, die dir vll auch gefallen dürften? Schau mal: https://www.ravelry.com/patterns/library/wraptor-2
    Wie wärs denn mit einem Thread “ausgefallene Socken” bei ravelry, ohne Zeitvorgabe wäre toll.
    Denn nach Weihnachten muss ich einen versprochenen Pulli fertig machen.. aber dann…

    Eine besinnliche Weihnachtszeit ans ganze Team und liebe Grüße
    Ute

    • Von Nina am 19. Dezember 2018:

      Hallo Ute,
      haha, die Wraptor Socks hatte ich auch auf meiner Liste und nur aus Zeitgründen nicht mit präsentieren können! Möchte ich aber auf jeden Fall auch noch ausprobieren, danke für die Erinnerung. 😀
      Auf ein sockenreiches neues Jahr!

  9. Von Apfelsine am 17. Dezember 2018:

    Äh, da muss man ja nähen 😉

  10. Von Susanne am 18. Dezember 2018:

    Hallo Nina,
    danke für den interessanten Beitrag. Allerdings frage ich mich bei einigen der gezeigten Exemplare wirklich, ob die entstehenden “Nähte” nicht unangenehm beim Tragen “aufragen”? Also ob die Wülste, die durch die Maschenaufnahmen oder die Wollwechsel an den Übergängen nicht leicht zu Druckstellen fühlren, gerade wenn sie wie biei dem Square Sock einmal längs und einmal quer über den Fußrücken laufen….

    Herzliche Grüße

    Susanne

    • Von Nina am 19. Dezember 2018:

      Hallo Susanne,
      das frage ich mich tatsächlich auch immer, habe aber noch nie Probleme damit gehabt. Die kleinen Wülste werden anscheinend schneller plattgelaufen als sie Ärger machen können. Ich nehme an, dass Sockenwolle da auch recht kooperativ ist. Baumwollsocken beispielsweise könnten da schon mehr Schwierigkeiten bereiten.
      Bei den Square Socks gibt es übrigens keine richtigen Nähte, da wird alles an stillgelegte Maschen angestrickt. 😉

      Viele Grüße
      Nina

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