Flackernde Atlas-Liebe

Was ich euch heute erzähle, könnte einem kitschigen Groschenroman entstammen, aber manche Dinge im Leben sind eben einfach genau so schwülstig passiert, nicht wahr?

Aber worum geht’s? Um Atlas. Sandnes Atlas. Und mich.

Es begab sich vor ein paar Wochen, als sich ein Knäuelchen Sandnes Atlas in mein Leben schlich. Recht unscheinbar, in sehr modernem Alltags-Beige, mit dem man mich eher nicht so hinter der Skepsis-Brille hervorlockt.

Allerdings mutete es durchaus vielversprechend üppig an in seiner schicken Banderole und wirkte zugleich luftig und wohlig weich. Voll vorsichtiger Neugier griff ich also in die Kiste.

Und – Holla die Waldfee! – also die Atlas und ich … also, wie soll man das erklären? … es war mehr als jedes abgedroschene „Liebe auf den ersten Blick“-Ding. Es war Schicksal. Es war Bestimmung. Ich wusste nicht, dass wir uns suchten und doch fanden wir derart leidenschaftlich zusammen.

Sandnes Atlas erfüllt wahrlich all meine Worsted-Träume. Auf ihren 108 Metern pro 50-Gramm-Knäuel verteilt sie luftige Üppigkeit und schließt darin mit Leichtigkeit wohligste Wärmeschauer in Sachen Tragegefühl ein.

70 Prozent ihrer Fasern zierten vor der Schur niedliche, norwegische Lämmchen und man meint, dass in Sandnes deren Niedlichkeit irgendwie gleich mit ins Garn versponnen wurde. Die restlichen 30 Prozent der Fasern kommen aus Argentinien, in Form wunderbar weicher Merinowolllocken.


Wer jetzt – so wie ich – ein norwegisches Lämmchen mit Merinowollschal vor dem inneren Auge sieht, dem möchte ich dieses vollständig KI-generierte Bild nicht vorenthalten. Auch wenn ich wenig von selbigen halte: zur Visualisierung lustiger Gedankenblitze können sie durchaus dienlich sein.


Meisterlich in Norwegen im Hause Sandnes in Sandnes (jajaja, ich mag’s halt) superluftig versponnen, hat man plötzlich ein Garn in der Hand, das irgendwie alles kann.

Es ist wohlig-weich im Griff, fühlt sich voll und warm an. Die Strickstücke haben irre guten Stand, sind aber zeitgleich leicht und ganz wunderbar hautverträglich.

Dass sie sich damit auch für Colorwork eignet, versteht sich ja fast schon von selbst. Ach ja, für Zöpfe auch. Naja, also glatt gestrickt ist sie auch fein. Ja doch, alles. Sie kann irgendwie alles.

Sogar bauschen! Oh ja, das ist Gold!
Das Teilchen ist fertig gestrickt und jetzt ein bisschen uneben? Beim Stricken bisschen angespannt gewesen in der ein oder anderen Reihe, weil vor Weihnachten nun auch noch der Herd verreckt ist? Gar Colorwork gestrickt?

Alles kein Problem: Ein halbes Stündchen ins lauwarme Wasser legen, danach in einem Handtuch aufrollen und ausdrücken. So zurecht zubbeln, wie man das Teil gerne haben will – eventuell sogar aufpinnen, das zahlt sich bei Farbmusterstrickerei sehr aus – und trocknen lassen.

Tadaaa – jede Faser weiß nun, wo ihr Plätzchen ist und was von ihr erwartet wird.


Um aber an obiger, leidenschaftlicher Begegnung anzuknüpfen: Ich habe natürlich direkt alles stehen und liegen gelassen und meine neue Muse auf die Nadeln gepackt.

Der „Flicker&Flame“-Hat von Andrea Mowry hat es nicht ohne Grund in die Liste meiner Quick-Fix-Projekte geschafft. Wann immer die Frage im Raum steht, ob eine beliebige Kombi für den nächsten (gedanklich bereits fertig gestellten *hust*) Pullover in grob dieser Stärke geeignet wäre, ist diese Mütze schneller gestrickt, als man den Gedanken an „Colorwork-Maschenprobe in Hin- und Rückreihen“ überhaupt zu Ende führen könnte. Somit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe und hat direkt auch noch was für die eigenen Ohren oder überraschend auftretende Geburtstage.

Da mir der Zauberball Stärke 6 ein bisschen zu dünn für Worsted-Vorhaben ist, habe ich ihm noch einen – ebenfalls bauschfähigen – Kumpel an die Seite gegeben: die Loch Lomond Lace von BC Garn. Die sorgt obendrein dafür, dass die recht wilde Farbe Drachenauge ein bisschen zahmer um die Ecke kommt. Hat sich sehr gut ergänzt, wie ich finde.

Natürlich halte ich jede Person an, es mir nicht gleich zu tun und das Foto vor dem Waschen zu schießen. Es hätte wirklich sehr viel schöner sein können. Aber Geduld wächst offenbar hierzulande derzeit recht wenig an den Tannen, sodass ich euch lediglich zusagen kann, beizeiten mal noch ein ergänzendes Foto zu präsentieren.

Als Fazit bleibt also:
Sandnes Atlas hat beim Stricken meine Erwartungen sogar übertroffen. Glasklare Empfehlung!
Einzig Langzeit-Berichte in Sachen Haltbarkeit und Pillingverhalten bleiben abzuwarten. Grundsätzlich gilt ja immer: Je weicher, desto Fusselrasierer. Ob sich das hier nun bestätigen wird, kann ich euch in einem Folgebeitrag erzählen.

Der Mütze jedenfalls folgt nun ein Bergman Sweater, bei dem ich derzeit einen heilsamen Prozess im Kampf gegen das Second-Sleeve-Syndrom durchlebe.

Mit etwas Glück, zeige ich euch den auch bald in Gänze. Dann aber gewaschen und mit ordentlichen Fotos. Versprochen.

Des Weiteren liegt hier bereits ein bisschen glitzeriges Material für einen Halibut Cowl.

Sandnes Atlas darf hier zusammen mit der ebenfalls neuen Sandnes Paljett glänzen. Welches Fädchen ich dieser an die Seite geben werde, habe ich aber noch nicht entschieden.

Bis dahin! Erzählt mir in den Kommentaren gerne von euren Erfahrungen mit der Sandnes Atlas!

Eure Carolin

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