Ich weiß noch gut, mit welchem Staunen ich bei meinen ersten Pullovern und Strickjacken mitverfolgt habe, wie aus einem widerwilligen Lappen plötzlich ein Kleidungsstück wird. Als Anfängerin habe ich mich, wie so viele, an einfache Raglankonstruktionen gehalten, die in einem Stück von oben nach unten gestrickt werden und bis zur Stilllegung der Ärmelmaschen immer etwas unförmig wirken. Sobald aber die Ärmelöffnung erkennbar ist – hey, ein Pullover!

Nun ja, seit meiner Anfängerzeit sind nun ein paar Jährchen ins Land gegangen und so langsam hat sich die Aufregung etwas gelegt. Raglan von oben oder auch von unten gestrickt ist nichts mehr, wofür ich die Katze mit Hurra-Rufen vom Sofa jage. Deshalb werde ich mittlerweile immer dann hellhörig, wenn mir mal eine ungewöhnliche Pullover- oder Jackenkonstruktion unterkommt. Den Pullover aus der DROPS Frühlingskollektion des letzten Jahres zum Beispiel fand ich großartig, weil er von der Ausschnittmitte nach außen hin gestrickt wird. Hat man nicht jeden Tag.

Bild für Beitrag „Old Romance“ 1

(mehr …)

Ein Wort zum heutigen Beitrag vorweg: Nein, ich habe nicht den Verstand verloren. Nun, da dieser Punkt geklärt wäre, möchte ich euch gerne mein neuestes Projekt zeigen, das mich in den letzten Wochen endlos begeistert hat. Ja, es handelt sich um einen dicken Pullover. Ja, er wird zweifädig aus DROPS Flora gestrickt. Ja, ich weiß, dass es schon fast Sommer und eigentlich viel zu warm für Alpaka-Pullover ist. Drauf gepfiffen! Denn seht mal, wie toll der ist!

Bild für Beitrag „Dip Dye“ 1

(mehr …)

Ich hatte doch neulich über süße Geheimnisse und deren Auflösung geschrieben (und freue mich übrigens sehr darüber wie gut euch die neue Lanade-Anleitung Glückskind gefällt). Passend dazu geht es heute im weitesten Sinne um: Neugier. Ich gestehe, dass ich neugierig gewesen bin. Designen und Schreiben von Strickanleitungen macht richtig viel Spaß und ein Teil des Reizes liegt darin, selbst herauszufinden, wie Dinge funktionieren und beim Stricken seine eigenen Ideen umzusetzen, ohne dabei in ein Korsett aus vorgegebenen Maschenzahlen, Musterdiagrammen oder Größencharts gezwängt zu werden.

Besonders spannend ist auch immer die Testphase, in der die Eigenkreation sich der Realität und einer Anzahl cleverer Teststricker stellen muss, die sie auf Herz und Nieren prüfen, finden was man übersehen hat und persönliches Feedback geben. Wir haben bei Lanade inzwischen ein Standardvorgehen für die Testphase, das gut funktioniert und manchmal sogar recht unterhaltsam ist!

Aber – so fragte sich meine neugierige Nase – wie machen das eigentlich andere Designer?

Bild für Beitrag „Brioche Bandana Cowl“ 2

(mehr …)

Wenn es ums Stricken geht, habe ich mir in einer stillen Stunde mal so überlegt, hat eigentlich jeder von uns eine große Stärke und eine große Schwäche, oder? Manche können rasend schnell stricken, verlieren aber immer wieder Maschen. Manche können in den wildesten Lace-Charts den Überblick behalten, verzweifeln aber fast am Vernähen der Fäden. Manche haben ein fantastisches Farbgespür, vertun sich aber immer mit der Maschenprobe. Wie wir unsere Stärken ausspielen und unsere Schwächen umgehen, ist dann genau das, was unseren persönlichen Strickstil und unsere Strickprojekte ausmacht – eigentlich eine wunderbare Sache, oder?

Wenn ich meine größte Stärke benennen müsste, würde ich sagen: Ich bin extrem begeisterungsfähig. Meine größte Schwäche: Ich bin extrem begeisterungsfähig. Das ist der Grund, warum ich mich immer wieder mit viel Elan in neue Projekte stürze, die ich dann nach Kurzem bitter bereue – nur um dann gleich darauf eine ähnlich unüberlegte Entscheidung zu treffen. Ein Beispiel gefällig? Lest einfach mal die Einträge in meinem Stricktagebuch zu meinem letzten Projekt …

Bild für Beitrag „Whippet“ 2c

(mehr …)

Ihr erinnert euch noch an das halbe „Marled Magic“-Tuch aus dem Mystery-Knit-Along, das ich euch neulich gezeigt habe? Das ist jetzt fertig. Fertig! Fertig! Fertig!

Ich entschuldige mich für die Brüllerei, aber das musste einfach raus. Vier Wochen lang habe ich jeden Freitag wie auf heißen Kohlen auf den nächsten Teil der Anleitung gewartet und ihn dann wie im Fieber nachgestrickt. Vier Wochen lang überlegen, welche Garne ich als nächstes kombiniere. Vier Wochen lang rätseln, in welche Richtung das Tuch wohl noch wachsen wird.

Bild für Beitrag „Marled Magic“ 5

(mehr …)

Strickideen müssen manchmal reifen wie guter Wein. Das habe ich bei meinem letzten Projekt wieder einmal sehr deutlich festgestellt. Irgendwann einmal hatte ich einen kleinen Bestand DROPS Cotton Merino in Dunkelblau für meinen Vorrat angeschafft. Gutes Ganzjahresgarn, weich, maschinenwaschbar, unverwüstlich – kann man immer mal brauchen.

Etliche Monate später, der dunkelblaue Stash war schon fast in Vergessenheit geraten, blieben nach Abschluss eines anderen Projekts einige Knäuel des gleichen Garns in Dunkelrot übrig. Ab in den Vorratsschrank damit! Zwischendurch flog die vage Idee durch mein Bewusstsein, dass ich mir auch mal wieder selbst einen schönen Basic-Cardigan stricken könnte, den ich bedenkenlos mit meiner Alltagsgarderobe kombinieren kann. Hm ja, mach ich irgendwann mal …

Und so dümpelte alles so vor sich hin, bis ich eines Tages eine Nachricht von Carolin auf dem Handy hatte: Hast du gesehen, dass es die Anleitung für den BlueSand Cardigan jetzt auch auf Deutsch gibt? BlueSand? Cardigan? Der mit drei Farben der DROPS Cotton Merino gestrickt werden kann? Plötzlich fügten sich alle Einzelteile zusammen und ergaben einen wunderbaren Sinn. Ich hätte mir die Anleitung zwar auch auf Englisch vorgenommen, aber aus irgendeinem Grund war die deutsche Übersetzung der zündende Funke.

Bild für Beitrag „BlueSand Cardigan“ 7

(mehr …)

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich könnte stundenlang online Garne anschauen. Mache ich auch oft. Vor allem in der riesigen Farbvielfalt von Madelinetosh gehe ich regelmäßig verloren. Da will ich nur mal schnell nachgucken, wie noch mal dieses Dunkelgrau mit den leuchtend bunten Sprenkeln heißt (Night Hawk!) oder ob es ganz allgemein ein richtig schön dunkles Lila gibt (oh ja: Raspberry Cordial … seuuufz) – und plötzlich sind ungeahnte Zeitspannen nur damit vergangen, dass ich wie ein Kind vor dem Schaufenster eines Bonbonladens jede Farbe einzeln angeschmachtet habe.

Wenn ich dann tatsächlich ein neues Projekt plane, nehme ich aber erstaunlich selten eines der fantastisch gefärbten Madelinetosh-Garne, die ich so schön finde, sondern meistens doch wieder ein sehr zahm gefärbtes Garn ohne große Farbvarianz, Sprenkel und dergleichen. Denn leider Gottes ist es ja meistens so, dass sich aufwändigere Strickmuster wie Zöpfe, Lace oder Strukturmuster sowie lebhaft gefärbte Garne gegenseitig beißen: Einer von beiden stiehlt dem anderen schnell die Show.

Aber deshalb auf die schönen Madelinetosh-Garne verzichten? Nix da! Also habe ich mich auf die Suche nach einem passenden Projekt gemacht. Schlicht sollte es sein, damit das Garn mit all seinen Farben gut zur Geltung kommen kann. Aber nicht langweilig. Vielleicht in Kombination mit einem ruhigeren Garn? Aber nicht geringelt, das mache ich eh schon so oft. Aha: Das Shirt „Walk Along“ von Ankestrick erfüllt alle Anforderungen!

Bild für Beitrag „Twist Light“ 1

(mehr …)

Dieses Projekt ist der Restevermeidung gewidmet. Es kann durchaus recht reizvoll sein, einen ausufernden Restchen-Stash zu besitzen, wenn man regelmäßig einige Stash-Abbau-Projekte in die Agenda schmuggelt. Diverse West-Modelle eignen sich da beispielsweise hervorragend, keine Frage. Tut man dies nicht, scheinen sich die kleinen Knäulchen wundersamerweise in Kaninchenmanier zu vermehren.

Das Stöbern in dererlei Kisten kann richtig Spaß machen, doch gebe ich zu, dass ich gelegentlich das Bedürfnis habe, diese besonders schönen, (schweineteuren,) und quasi vom Munde abgesparten Knäulchen wirklich komplett verarbeitet zu wissen. Gerade dann, wenn ich mich farblich aus meinem Wohlfühlgebiet herauswage.

Bild für Beitrag „Two Skein Project“ 25

(mehr …)

Was mich am Stricken ja so begeistert, ist wie beinahe grenzenlos kreativ man werden kann. Eine Anleitung mag einen Schnitt, eine Vorgehensweise, ein Garn und eine Farbe vorschlagen – aber ob man sich dran hält, ist eine ganz andere Geschichte. Die Passform anpassen, aus einem Top-Down einen Bottom-up oder umgekehrt machen, ein Streifenmuster einbauen oder das Zopfmuster ändern, alles kein Problem.

Am Ende gleicht kaum ein Projekt zu einer Anleitung dem anderen und allesamt sind sie so viel persönlicher und wunderbarer als Anziehsachen von der Stange, bei denen man sich mit viel Glück noch eine von fünf Größen und drei Farben aussuchen kann.

Besonders spannend finde ich es, ein Muster mit einem Garn umzusetzen, das ganz andere Eigenschaften hat als von der Designerin vorgesehen. Der Pullover „Behind my Back“ von Justyna Lorkowska zum Beispiel geistert schon seit Unzeiten in meiner To-Knit-Liste herum und sieht in der vorgeschlagenen Malabrigo Silky Merino auch fantastisch aus. In den vergangenen Winterwochen war es aber so bitterkalt und ungemütlich, dass ich ein großes Bedürfnis nach einem höheren Kuschelfaktor hatte. Und was könnte kuscheliger sein als die DROPS Air?

Bild für Beitrag „Air-Pulli“ 1

(mehr …)

Kennt ihr das, wenn ihr vor einer neuen Anleitung sitzt, schon mal kurz reinlest und dann so hochgradig intelligente Gedanken wie etwa Häää? Wie, was, warum? Bahnhof?! denkt? So oder so ähnlich ging es mir, als ich zum ersten Mal einen sogenannten Garter Tab als Anfang für ein aus der Mitte heraus gestricktes Tuch mit kraus-rechter Kante stricken sollte.

Garter Tab ist englisch und heißt übersetzt soviel wie Kraus-rechts-Steg oder Kraus-rechts-Reiter (wie der Reiter an Karteikarten) und genau das ist seine Aufgabe. Der Garter Tab ist der Vorreiter für die quer verlaufende, lange Kante des Tuchs und ermöglicht es, in drei Richtungen nahtlos vom Startpunkt aus wegzustricken. Da auch unsere aktuelle Anleitung „Modern Love“ mit einem Garter Tab beginnt, möchte ich euch heute zeigen wie der funktioniert und mit welchem Trick ihr euch das Leben dabei leichter machen könnt.

Bild für Beitrag „Garter Tab“ 3
(mehr …)

Puna-Love und UfO-Kummer

am 14. Februar 2017

Ich habe festgestellt: Wenn es um neue Wolle geht, stürze ich mich entweder völlig kopflos darauf oder aber ich schleiche monatelang drumherum und träume von möglichen Projekten, ohne sie tatsächlich zu bestellen. Dazwischen gibt es bei mir nix.

Die DROPS Puna zum Beispiel ist für mich in letztere Kategorie gefallen. Als die ersten Bilder kamen, war ich sehr angetan. Die natürlichen Farben haben mir sehr gut gefallen. Alpaka piekst mich zwar schon mal ganz gerne, aber man muss ja nicht gleich einen Rollkragenpullover daraus machen, gell? Vielleicht einen schönen Cardigan mit tiefem V-Ausschnitt, vielleicht einen Pullover mit Lacemuster, vielleicht das sagenhafte Teil, das Christine bei uns im Blog gezeigt hat …? Und so stand die Puna bei mir immer auf der Demnächst-mal-stricken-Liste, aber nie auf dem Lanade-Bestellzettel.

Als ich dann von der Erweiterung der Farbpalette bei der Puna gehört habe, bin ich fast aus allen Wolken gefallen. Ich habe das Garn noch immer nicht verstrickt? Skandal! Das muss nachgeholt werden. Doch mit welcher Farbe? Das dunkelrosa Pflaume (Fb. 11) hat mich sofort begeistert. Mit grünblauen Tönen wie Nordsee (Fb. 15) kriegt man mich sowieso immer. Aber auch das Marine (Fb. 13) ist schön …

Bild für Beitrag „Puna Love“ 2

(mehr …)

Heute möchte ich mal eine kleine Anekdote aus dem Nähkästchen erzählen, beziehungsweise aus dem Stricktäschchen. Und zwar begab es sich vor einiger Zeit, dass ich in einem Kurs für Business-Englisch saß – wenn man 90 Prozent seiner Englischkenntnisse aus dem Internet und amerikanischen Songtexten hat, kommt man eben nicht in jeder Situation weiter.

Und während ich mir mit meinen Mitschülern die Formen des past perfect progressive und bürotaugliche Redewendungen einzuprägen versuchte, fragte Sandra, unsere irische Englischlehrerin, eines Tages: So what is everyone doing this weekend? Die anderen konnten nun schön losplaudern: Mit den Kindern auf die Kirmes, zum Shoppen in die City, großes Date im Kino. Und Nina? Well … I’m knitting. – But I love knitting! rief Lehrerin Sandra. I’ll show you next week!

In der nächsten Woche hatte sie dann ihr kleines Stricktäschlein dabei, aus dem sie einen halbfertigen Schal in Fußballvereins-Farben für den Freund zog. Viel interessanter fand ich aber die Tasche selbst, denn die hatte Sandra ebenfalls selbst gestrickt. Mit farbenfrohem Garn, einem schönen Noppenmuster und zwei Holzstricknadeln, die die unabgeketteten Maschen festhielten und zugleich der Tasche Stabilität verliehen. Fabulous, Sandra!

Natürlich musste ich das gute Stück direkt nachstricken. Hier ist es:

Bild für Beitrag „Stricktasche“ 4

(mehr …)