Schönen guten Tag, meine Damen und Herren, herzlich willkommen zu unserer ersten Sitzung der anonymen Wollrestsammler. Ich mache gleich mal den Anfang: Mein Name ist Nina und ich sammle Wollreste. Hallo Nina.

Nein, nicht aus Überzeugung oder aus der reinen Freude an halben Restknäueln, die ihr trauriges Dasein in den diversen Schränken, Boxen, Handschuhfächern, Projektkörbchen, Sofaritzen und Katzenverstecken meiner Wohnung fristen. Zum Wollrestesammler bin ich nur aus Mitgefühl geworden. Wie könnte ich den Überrest eines Garns, mit dem ich mich durch die Höhen und Tiefen eines Projekts gekämpft habe, einfach so vernichten?

Außerdem könnte es ja sein, dass ich beispielsweise nach dem zehnten Mal Tragen eines Pullovers merke, dass die Ärmel noch um einen Zentimeter verlängert werden sollten, oder eines Tages ein Loch geflickt werden muss oder mir noch was ganz, ganz Tolles für ein halbes Knäuel genau dieser Wolle in genau dieser Farbe einfällt. Und dann bin ich froh, dass ich es aufgehoben habe!

Aber irgendwann muss selbst ich mal den Tatsachen ins Auge sehen: Diese halben Resteknäuel werden nie mehr gebraucht, sondern türmen sich nur und nehmen dem eigentlichen Wollvorrat Platz weg. Deshalb habe ich mal an einem verregneten Sonntag zwei Handvoll Restewolle und ein paar Utensilien zusammengetragen und ein kleines Bastelprojekt gestartet. Das hier ist dabei herausgekommen:

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Heute kann ich euch endlich ein Projekt zeigen, um das ich seit gefühlten Ewigkeiten herumschleiche und für das ich gefühlt zwei Ewigkeiten zum Stricken gebraucht habe. Reine Übertreibung, ich weiß. Aber trotzdem.

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Wenn ihr in eurer Funktion als Wollliebhaberinnen auf Facebook, Instagram oder sonstwo im Internet unterwegs seid, habt ihr es sicher mitbekommen: letztes Wochenende war BerlinKnits!

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BerlinKnits ist eins der großen Wollfestivals in Deutschland, zu denen Tausende Strickerinnen und natürlich auch Häklerinnen aus dem ganzen Land und teilweise auch aus dem Ausland pilgern. Warum sie das tun? Weil Strickfestivals großartig sind! Stellt euch das Ganze vor wie ein wollenes Woodstock: Wunderbare Menschen kommen zusammen, weil ihr Herz für die gleiche Sache schlägt, alle sind Freunde, alle haben Spaß. Und Wolle!

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Inspiration ist eine eigenartige Sache. An manchen Tagen muss man sie händeringend suchen, bis man sich irgendwann fragt, ob sie sich vielleicht völlig aus dem Staub gemacht hat. Und dann wieder schleicht sie sich von hinten an, springt einem huckepack auf den Rücken und schreit „Hüah, hüah!“. Was für ein Leben!

Die Inspiration zu meinem letzten Pullover kam ganz unschuldig in Einzelteilen und über mehrere Monate verteilt daher. Das hab ich im Griff, dachte ich. Denkste.

Erste Inspiration: Ravello

Vor laaanger, langer Zeit im Jahre 2014 begab es sich, dass Caro hier im Blog zwecks Demonstration der damals brandneuen DROPS Cotton Merino den Ravello-Pullover einer unserer Kundinnen zeigte. Liebe auf den ersten Blick!

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Pimp my Häkelnadel

am 19. September 2017

Kennt ihr das, wenn so ein kleines rotes Birnchen die ganze Zeit im geistigen Hinterkopf blinkt und einen an etwas erinnern will, aber man kommt einfach nicht darauf, was es will? So geht es mir schon seit einigen Wochen. Ganz besonders hektisch blinkt die kleine Birne, wenn ich neue Beiträge für euch plane und schreibe. Hatte ich da irgendetwas vorbereitet, aber nicht umgesetzt? Hatte Caro mich um etwas gebeten und ich habe es vergessen? Verflixt noch mal, rotes Lämpchen, was willst du?!

Bis ich dann neulich mitten in der Nacht aufgeschreckt bin und Häkelnadelgriffe! gebrüllt habe. Na klar! Ich habe doch bei meiner Häkelnadel-Lehre im Mai versprochen, ein Tutorial zum Verschönern von Metallnadeln zu machen! Wie konnte ich das vergessen? Beruhigt legte ich mich wieder hin (während mein Mann, der vor Schreck aus dem Bett gesprungen ist, vermutlich kein Auge mehr zubekommen hat), um am nächsten Morgen frisch ans Werk zu gehen.

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Ich so neulich am Stricken. Hatte an alles gedacht. Maschenprobe? Check. Körpermaße genommen? Check. Richtige Größe in der Anleitung ausgewählt? Check. Anleitung ordnungsgemäß befolgt, check, ja ja. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen, oder? Denkste.

Als ich mein neuestes Projekt, eine Strickjacke aus DROPS Alaska für die ersten kühlen Herbsttage, nach den ersten fünf Stunden hoffnungsvollen Strickens zum ersten Mal hochhielt und so im Ganzen ansah, musste ich der Wahrheit ins Gesicht sehen. Und die lautete: Trotz sorgfältiger Vorbereitungen war ich im Begriff etwas zu stricken, was vielleicht einer Zwölfjährigen passt. Mir jedenfalls nicht. Heul!

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Kennt ihr die Geschichte vom kleinen Prinzen? „Mal’ mir ein Schaf!“ ist das erste, was er vom Bruchpiloten und Erzähler verlangt, als er ihm in der Wüste begegnet. Der überreicht ihm nach einigen Fehlversuchen schließlich statt einer Schafszeichnung die Zeichnung einer Kiste und sagt ihm, er solle sich einfach vorstellen, dass da sein Schaf drin stecke. Der kleine Prinz freut sich – ein vorgestelltes Schaf ist schöner als eines, das der Verstand konstruiert und aufgezeichnet hat.

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I ♥ Intarsia!

am 11. August 2017

Wenn ich mich so auf Ravelry, Facebook, Stricktreffen und in meinem eigenen Kleiderschrank umsehe und die Stricksachen, die ich dort finde, mit den handgestrickten Sachen vergleiche, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnere, fallen mir mehrere Unterschiede auf. Klar, heute sind andere Materialien und Schnitte in Mode als früher. Auch die Strickgarne haben sich weiterentwickelt: hippe Handfärbungen, hochwertige Naturfasern und Neonsprenkel haben Plüschgarne und Plastikkreationen abgelöst.

Darüber hinaus erinnere ich mich aber auch noch an etwas anderes: Gerade Kinderpullover hatten zu meiner Zeit fast immer liebevoll eingestrickte Motive. Rückblickend scheint es mir, als hätte keine Großmutter der Achtziger ihr Enkelkind ohne großes, mehrfarbiges Motiv auf der Brust aus der Strickstube entlassen. Heute dagegen sehe ich kaum noch etwas davon. Fair Isle ja, Streifen ohne Ende, aber eingestrickte Motive? Fehlanzeige. Grund genug für ein Tutorial!

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Mit Nadelspielen ist es wie mit dem Brokkoli und den kleinen Kindern: Manche lieben ihn und manche hassen ihn. Und so, wie manche Kinder gar nicht glauben können, dass irgendwer auf der Welt Brokkoli ohne großes Drama essen kann, können manche Strickerinnen nicht glauben, wie man freiwillig ein Nadelspiel in die Hände nehmen, geschweige denn damit stricken kann. So viele Nadeln, die auch noch an beiden Enden spitz sind?!

Ich kann mich noch gut an meine erste Socke auf einem Nadelspiel erinnern. Für mich stand fest: Ich stricke diese Socke, selbst wenn ich mir bei dem Versuch ein Auge aussteche! Zum Glück sind meine Augen heil geblieben und ich habe den Umgang mit dem Nadelspiel mehr oder weniger gemeistert. Heute stricke ich sehr gern mit Nadelspielen, habe mich aber trotzdem mal nach Alternativen umgesehen. Schließlich ist es immer wieder eine Herausforderung, diese fünf Einzelnadeln beisammen zu halten. Oder man findet sich überraschend im Urlaub ohne Nadelspiel, dafür aber mit großer Sockeninspiration wieder. Wer weiß!

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Ich weiß noch gut, mit welchem Staunen ich bei meinen ersten Pullovern und Strickjacken mitverfolgt habe, wie aus einem widerwilligen Lappen plötzlich ein Kleidungsstück wird. Als Anfängerin habe ich mich, wie so viele, an einfache Raglankonstruktionen gehalten, die in einem Stück von oben nach unten gestrickt werden und bis zur Stilllegung der Ärmelmaschen immer etwas unförmig wirken. Sobald aber die Ärmelöffnung erkennbar ist – hey, ein Pullover!

Nun ja, seit meiner Anfängerzeit sind nun ein paar Jährchen ins Land gegangen und so langsam hat sich die Aufregung etwas gelegt. Raglan von oben oder auch von unten gestrickt ist nichts mehr, wofür ich die Katze mit Hurra-Rufen vom Sofa jage. Deshalb werde ich mittlerweile immer dann hellhörig, wenn mir mal eine ungewöhnliche Pullover- oder Jackenkonstruktion unterkommt. Den Pullover aus der DROPS Frühlingskollektion des letzten Jahres zum Beispiel fand ich großartig, weil er von der Ausschnittmitte nach außen hin gestrickt wird. Hat man nicht jeden Tag.

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Wenn es ums Stricken von Pullovern und Cardigans geht, bin ich ja ein bisschen faul: Ich stricke am liebsten nahtlos in einem Stück. Das erspart mir bei Pullovern und Ärmeln eine Menge linker Maschen – die ich einfach nicht so mühelos hinkriege wie rechte Maschen – sowie das Zusammennähen von Einzelteilen. Außerdem kann ich das Teil zwischendurch anprobieren und so sichergehen, dass ich noch auf dem richtigen Weg bin. Und wenn ich schon etwas stricke, was hinterher Schlauchform hat, sehe ich nicht ein, warum ich es nicht gleich als Schlauch stricken darf.

Nun sind aber leider nicht alle Strickmuster aufs Stricken in der Runde oder auch nur in einem Stück ausgelegt. So wie heute die nahtlose Raglankonstruktion der Standard ist, waren früher einfach andere Trends bei den hippen Strickerinnen angesagt. Alle Teile eines Pullovers oder einer Strickjacke einzeln und in Reihen zu arbeiten hat durchaus und unbestreitbar Vorteile – dazu später mehr.

Es ist nur einfach nicht meine Lieblingsart zu stricken. Und gerade wenn ich mal wieder durch die älteren Musterarchive von DROPS Design blättere, bleibe ich an vielen Mustern hängen, weil sie mir sehr gut gefallen, verwerfe sie dann aber wieder nach dem ersten Blick in die Anleitung. Die Tunika „Lovely in Lace“ (DROPS 94-24) zum Beispiel hatte ich bestimmt schon fünfzig Mal offen, bevor es mir wieder einfiel: Das Teil wird in Einzelteilen gestrickt! Och nee, muss das sein?

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