Uno, Dos, Tierras! Oder: Achtung, fertig, weben!

Vor einiger Zeit hat euch unsere liebe Nora ein Stückchen weit ins Land der Weberspinnen Weberinnen mitgenommen, die Grundlagen des Webens erklärt und euch einen phänomenalen Schal gezeigt, erinnert ihr euch?

Irgendwann keimte dann auch in mir der Wunsch auf, mir einen Webrahmen zuzulegen. Nicht, dass man nicht eigentlich schon genug Hobbies hätte und mein Spinnrad mich jeden Tag erwartungsvoller aus seiner Ecke anblinzeln würde. Vom Stickrahmen ganz zu schweigen …

Aber egal! Nach einiger Überredungsarbeit von Carolin – „Du Caro, ich glaube, ich möchte mir vielleicht einen Webrahmen kaufen.“ – „Mach das! Weben ist sooo schööön!“ – „Okay.“ – war er dann bei mir. Und was soll ich sagen: Weben ist sooo schööön! Ich liebe es, wirklich! Das Spinnrad ist nun vollends beleidigt und den Stickrahmen müsste ich erst gründlich suchen, aber, hey, Weben ist sooo schööön!

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Nach den ersten Gehversuchen wollte ich mich dann auch mal an etwas Besonderem versuchen: Log Cabin Weave (Blockhüttenmuster)! Ein wirklich spektakulär aussehendes Muster, was einzig und allein durch geschickt platzierte Farbwechsel zustande kommt.

Wenn man das Ergebnis lange und intensiv anstarrt, bekommt man karierte Augen. Von Weitem ist es fast unauffällig, aber so aus normaler Betrachtungsdistanz: tolles Muster, wirklich! Es ist im Grunde denkbar simpel, auch wenn einige Tutorials und Videos im Netz es auf den ersten Blick nicht so erscheinen lassen. Bei Bedarf kann ich das Muster und seine Herstellung in einem weiteren Beitrag gern genauer erläutern. Jetzt, wo ich es verstanden habe 🙂

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Für ein tolles Muster muss ein tolles Garn her, keine Frage. Eine große, außergewöhnliche Stola sollte es werden. Aus Malabrigo Dos Tierras, dieses Garn stellte ich mir perfekt dafür vor. 50 Prozent Merino, 50 Prozent Alpaka, das Beste aus zwei Welten, was will man mehr? Durch den Alpaka-Anteil im Garn sollte die Stola einen herrlichen drape bekommen und meine Schultern sanft umfließen, ohne labberig zu wirken, merinoweich sollte sie sein und wunderbar wärmend. Elegant, aber alltagstauglich, mit langen Fransen, die die geometrische Strenge des Musters mildern, aber trotzdem nicht zu verspielt wirken. So dachte ich mir das. Tja, und so kam es dann auch.

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Beim Schären der Kette hatte ich, wie Nora damals, auch etwas Bedenken. Nicht, dass das Garn reißen könnte, nein. Die Dos Tierras ist ein solides, verzwirntes Garn, total stabil. Ob es nicht vielleicht zu elastisch sei, war die Frage. Wellt sich die fertige Stola nachher? Denn auf der Kette ist immer ordentlich Zug während des Webens, wenn man hier nicht aufpasst, oder die Elastizität der Garne nicht zusammen passt, erlebt man unschöne Überraschungen, sobald man das fertige Stück vom Rahmen nimmt. Aber hier ist alles gut gegangen, yay!

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Am liebsten hätte ich sie gar nie wieder abgelegt und als Schmusedecke mit ins Bett genommen. Ob die Dos Tierras das aushält? Ich glaube fast, das würde sie wirklich! So weich und anschmiegsam, man würde nie für möglich halten, wie robust sie dabei ist. Für diese Stabilität sorgt einerseits der Alpaka-Anteil, andererseits die relativ feste Zwirnung des Garns. Diese wiederum verhindert, dass einen die Alpaka-Haare, die sonst das reine Alpaka-Vergnügen immer etwas trüben, pieksen. Und die Mischung aus Alpaka und Merino sorgt für den absoluten Kuschelfaktor!

Einen robusten Männerpullover mit ordentlich Strukturmuster würde ich daraus jetzt nicht stricken, aber so eine Tunika … vielleicht in schwarz, so für unter die Stola? Kann man eine Tunika auch als Nachthemd nehmen? Hmmm, mal kurz nachdenken!

Aber leider, leider, ich werde ja nicht klüger, habe ich mich mal wieder in ein Ausstellungsstück für die Wullstuw verliebt. Denn gleich nach Fertigstellung habe ich diese schöne Stola in ein Paket gelegt und nach Prerow geschickt, wo sie nun in der Wullstuw hängt und meinem Rosykätzchen Gesellschaft leistet. Immerhin bleiben euch so Fotos von mir im Bett mit Dos-Tierras-Schmusedecke erspart, ist doch auch was, oder? Aber das mit der multioptionalen Tunika überlege ich mir noch!

Fazit: Die Malabrigo Dos Tierras ist vollständig Mimosen-erprobt, sehr gut zum Weben geeignet und dieses Projekt wird bestimmt nicht mein letztes sein!

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Webrahmen: Ashford Rigid Heddle Loom, 60 cm
Gatterkamm: 30/10
Schuss und Kette: Malabrigo Dos Tierras, Fb. 033, Cereza und 036, Pearl, jeweils 2 Stränge

Die Stola misst circa 146×46 cm, ohne Fransen.

 

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Kommentare

  1. Von birgit am 18. Januar 2019:

    Die Stola sieht EXTREM chic aus !!! Bitte unbedingt mehr Informationen über die Herstellung. Weben spukt schon lange in meinem Gehirnkasten rum ! Und als Bett-Schmuse-Decke …. dieser Gedanke ist unheimlich verlockend. Ich habe nämlich eine solche, zwar aus einem anderen Garn und im Fischgrätmuster, aber warum nicht eine zweite aus Dos Tierras ?! Liebe Sarah, Danke für so eine schöne perfekte Arbeit … wenigstens zum Anschauen ! Und um mit den Worten meiner 6jährigen Enkelin zu sprechen, die ein kleines Strickstück für ihren Baby-Cousin begutachtete: Ich bin ein bießßßchen eifersüchtig …. ;)))

    • Von Sarah am 21. Januar 2019:

      Hallo Birgit, dankeschön! Sobald der Webrahmen wieder frei ist, mache ich für euch nochmal ein Log Cabin Muster und dokumentiere die Herstellung, versprochen. Im Moment webe ich gerade an einer Tagesdecke, das dauert noch etwas… 🙂

  2. Von Juliane am 19. Januar 2019:

    Oh, mich interessiert das auch! Was für ein tolles Ergebnis.
    Mit welchem Webstuhl webst Du denn?
    Ich möchte auch gern weben, aber das Angebot ist ja so riesig und ich weiß gar nicht, was für Anfänger geeignet ist.
    Vielleicht kannst Du da auch mal was berichten?
    Liebe Grüße, Juliane

    • Von Sarah am 21. Januar 2019:

      Hallo Juliane, dankeschön! Ich webe mit einem „rigid heddle loom“ einem Webrahmen (nicht Webstuhl) mit einem festen Gatterkamm (= rigid heddle). Nora hat für ihren Webschal damals ein ähnliches Modell genutzt. Vom Aufbau sind die alle ähnlich und alle mehr oder weniger anfängerfreundlich. Im Gegensatz zu einem Webstuhl hat man bei einem Webrahmen keine Möglichkeit, verschiedene Schäfte zu bilden, deshalb hat man den Dreh schnell raus. Diese Stola war mein viertes Webprojekt überhaupt.

  3. Von Juliane am 21. Januar 2019:

    Ich schließe mich meiner Namensvetterin an und interessiere mich sehr für den Webrahmen. Könntest Du nicht mal ein Bild vom Rahmen zeigen? Danke Dir 🙂
    Der Schal ist wunderbar…
    Liebe Grüße Juliane

    • Von Sarah am 24. Januar 2019:

      Hallo Juliane, Der Webrahmen ist, wie ich Deiner Namensvetterin schon berichtet habe, ein „rigid heddle loom“. Nora hat einen ähnlichen Rahmen, in ihrem Beitrag sind auch mehr Bilder drin. Ich werde, sobald der Rahmen wieder frei ist, ein Log Cabin Tutorial für euch machen, versprochen!

  4. Von Christine Henning am 21. Januar 2019:

    Hallo Sarah,

    ich würde mich auch sehr für die Herstellung interessieren. Ich habe mir auch nach Noras Beitrag einen Webrahmen gekauft, aber mir fehlen gerade ein bisschen die Ideen.

    • Von Sarah am 24. Januar 2019:

      Hallo Christine! Für Ideen (und Hintergrundwissen) empfehle ich das Buch „Inventive Weaving on a Little Loom“ von Syne Mitchell! Das Log Cabin Muster ist nicht drin, dafür aber viele Grundlagen, Tricks und andere Muster/Techniken. Ein tolles Buch, wirklich. Sollte jede/r Weber/in besitzen.
      Dann gibt es noch das „the weaver’s idea book“, von Jane Patrick, da ist so ziemlich alles drin, was man aus einem Webrahmen herausholen kann, inklusive Muster mit Pick up Stick und solchen mit 2 Gatterkämmen.

  5. Von Petra am 22. Januar 2019:

    Hammer. Ich wusste gar nicht das weben so genial sein kann. Ich will jetzt auch. Herrlich. Herrlich. Danke für den input

  6. Von Petra am 22. Januar 2019:

    Wobei ich auch gerne noch mehr Infos hätte. Auf was ist zu achten…

  7. Von Sibylle Holtschoppen am 25. Januar 2019:

    Der Schal sieht super aus! Weben hatte ich vor einiger Zeit schonmal im Hinterkopf, aber mit dem Beitrag ist es weit nach vorne gerutscht und der Ashford-Webrahmen steht auf meiner Geburtstagswunschliste. 🙂

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