Nadel-Typberatung Teil 2 (Materialien)

Hallo und herzlich willkommen zu Teil zwei unserer kleinen Nadel-Typberatung! Heute dreht sich alles um das Material der vielseitig einsetzbaren (siehe letzter Teil) Strickwerkzeuge.

Hätte ich mich Mitte des 18. Jahrhunderts mit dem Thema beschäftigt, stünde hier jetzt allerhand über Walknochen und Elfenbein, aber diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Ich finde ja sowieso, dass Wale mit Knochen wesentlich geschmeidiger daherkommen als solche ohne, und dass Elfenbein in Elefantengesichtern deutlich besser aufgehoben ist.

Wobei, das muss ja kein Hinderungsgrund sein. Stellt euch vor: Mit nur zwei fügsamen und geschickten, jungen Elefanten könnte man doch innerhalb kürzester Zeit einen, sagen wir mal … Bettüberwurf auf „Nadelstärke“ 200-300 stricken. Das ergäbe wahrscheinlich selbst bei Polaris zehnfach noch ein relativ luftiges Gebilde … Aber ich schweife ab.

Holznadeln

Durch alle Altersklassen und Erfahrungslevel hinweg beliebt und meist aus Birkenholz gefertigt, liegen diese Nadeln gut in der Hand und bieten dem Strickstück einen gewissen Halt, sodass man sorglos beim Stricken einfacher Passagen schwatzen oder Löcher in die Gegend schauen kann, ohne dass die Maschen ein übermäßiges Eigenleben entwickeln.

Außerdem fühlt sich Holz in der Hand immer angenehm temperiert und nie kalt an. Etwas höherpreisige Varianten der Holznadeln sind extra verdichtet und laminiert. Das macht sie robuster und verleiht ihnen die von vielen geliebte bunte Optik.

Die Spitzen sind in der Regel ausreichend spitz für Lochmuster (im Gestrick und im rechten Zeigefinger, logisch). Die dünnen Durchmesser sollten mit entsprechender Vorsicht behandelt werden, weil sie gerne mal entzweibrechen.

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Holznadeln sind bei Lanade zu haben unter den schönen Namen DROPS Basic Birke, DROPS Pro Romance, KnitPro Symfonie, KnitPro Dreamz und KnitPro Cubics Holz.

Bambusnadeln

Nein, Bambus ist kein Holz. Bambus ist ein Gras. Wieder was gelernt. Aus diesem Material hergestellte Nadeln sind sehr leicht, was für manche ein unschätzbarer Vorteil ist. Bambusnadeln sind außerdem griffiger als Holznadeln – mir persönlich sind sie, ehrlich gesagt, zu griffig. Ich bin dann mehr mit dem Weiterschieben der Maschen als mit Stricken beschäftigt.

Außerdem können dünne Bambusnadeln bei ausreichender Misshandlung dauerhaft verbiegen. Das sieht lustig aus, kann aber unpraktisch sein. Die Rundstricknadeln des Hersteller KnitPro haben aus einem mir nicht bekannten Grund vergoldete Metallverbindungen. 24 Karat! Bling Bling!

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Bambusnadeln findet ihr bei Lanade unter KnitPro Bamboo.

Metallnadeln

Wer schon oft Nadelbruch erlitten hat, sollte über einen Materialwechsel nachdenken. Metallnadeln bieten da eine gute und robuste Alternative. Neben Stahl und Aluminium (auch sehr griffig) findet vor allem beschichtetes Messing Verwendung. Metallnadeln sind zu Beginn etwas kühl im Griff, nehmen aber sehr schnell die Temperatur der Hände an.

Sie sind meistens hohl (sonst wären sie viel zu schwer) und funktionieren wunderbar als Klangkörper für den klassischen Nadelklapper-Soundtrack beim Stricken. Die Beschichtung macht sie glatt, geschmeidig und meiner Erfahrung nach sehr schnell. Meine Lieblingsnadeln.

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Ihr findet sie bei uns im Shop unter den Namen DROPS Basic Alu, DROPS Pro Classic, KnitPro Nova und KnitPro Nova Cubics.

Karbonnadeln

Für den geneigten High-Tech-Fan hat KnitPro noch ein Ass im Ärmel. Warum immer nur Flugzeuge, Wasserski und Weltraumstations-Bauteile? Man kann doch auch Stricknadeln aus Karbon herstellen. Warum nicht. Karbon ist leicht und sehr fest. Aufgrund spezieller Materialeigenschaften ist es unter Zugbelastung quasi unkaputtbar, bricht aber leider trotzdem, wenn man sich daraufsetzt oder darauftritt.

Die Spitzen der eleganten, schwarzen und eher griffigen Karbonnadeln sind allerdings wieder aus beschichtetem Messing, was sowohl optisch als auch technisch eine gelungene Kombination darstellt.

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Karbonnadeln bekommt ihr bei Lanade unter dem Namen KnitPro Karbonz.

Eine Frage, die nur begrenzt mit dem Material zu tun hat, ist noch unbeantwortet geblieben. Was hat es eigentlich mit diesen Cubics auf sich? Da hat sich KnitPro etwas einfallen lassen: quadratische Nadeln! Laut Hersteller bahnbrechend und höchst angenehm für Personen, die beim Stricken schnell an Ermüdungserscheinungen leiden, weil sie sich besser greifen und festhalten lassen.

Ich habe es getestet und festgestellt, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Ich stricke mit Cubics nämlich wie der erste Mensch. Die Teilnehmer meines Strickkurses waren allerdings begeistert und wollten sofort welche haben. Kleiner Tipp: geht davon aus, dass ihr eine halbe Nadelstärke mehr als gewohnt benötigt, um auf die richtige Maschenprobe zu kommen. Sagen die, die es umfangreicher getestet haben als ich.

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Noch mehr Interessantes zum Thema Nadelmaterial und Maschenprobe tauchte neulich aus den Tiefen des Internets in unserer Facebook-Gruppe auf. Wer des Englischen mächtig ist, dem empfehle ich die Lektüre: Needle material affects gauge – Knit Darling.

Damit sind wir im Universum der Nadelmaterialen natürlich noch weit entfernt von „allumfassend informiert“, aber ich denke einen guten Überblick solltet Ihr bekommen haben 🙂 Jeder von uns hat seine persönlichen Vorlieben und ich hoffe ich konnte einigen von euch einen nützlichen Tipp bei der Suche nach der individuell perfekten Nadel mitgeben.

Mein Fazit, und ich leihe mir gern die Worte des geschätzten Farin Urlaub, lautet jedenfalls: Es ist egal womit du strickst – Hauptsache ist, es macht dich glücklich! In diesem Sinne: Frohes Stricken und bis zum nächsten Mal 🙂

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Kommentare

  1. Von Monica am 30. September 2015:

    Wie immer – wunderbar erklärt ^_^

    Ich persönlich schwöre ja auf die Marblz (Acryl) und Symfonie. Ganz früher hab ich immer mit Metall gestrickt, hatte aber wahnsinnig verkrampfte Hände und Schultern.

  2. Von Nadine am 30. September 2015:

    Ich bin schon ganz gespannt. Ich möchte auch endlich stricken lernen und hab mir heut KnitPro Symfonie bestellt. Bei den Häkelnadel schwöre ich ja auf die Wave von KnitPro

  3. Von madame flamusse am 30. September 2015:

    Die Holznadeln fand ich immer sehr schön, aber zum stricken bevorzuge ich eindeutig Bambus und Metall. Zum Häklen will ich Holz noch probieren 😀

  4. Von Angela am 30. September 2015:

    Ich habe die Carbonnadeln ausprobiert – fühlt sich gut an, aber ich habe festgestellt, dass zumindest bei mir das Maschenbild nicht so gleichmäßig ist wie mit Metall- oder Holznadeln. Ich schwöre tatsächlich auf hochwertige Holznadeln, die liegen schön in der Hand und sind sehr entspannt zu stricken.

  5. Von Claudia Vauha am 30. September 2015:

    Ein Hinweis noch für alle, die gelegentlich unter Rheuma in den Händen leiden: stricken hält die Hände beweglich, die Wärme der Wolle tut gut. Kritisch wird es aber, wenn die Nadeln schwingen, wenn sie aufeinander treffen. Also eher Acryl oder Holz, Metall und Karbon sind da ungünstiger…

  6. Von eva macht´s selbst am 01. Oktober 2015:

    ich liebe die cubics!! ich finde die geben ein super Maschen Bild. Leider gibt es die auswechselbaren Nadelspitzen erst ab stärke 4 🙁
    Habe zumindest bisher noch keine kleineren gefunden…
    Lg eva

  7. Von Ella Berti am 01. Oktober 2015:

    Ich bevorzuge die NovoNadeln. Die KarbonNadeln sind eigentlich unschlagbar, nur wenn die Spitze sich um den Bruchteil eines Millimeters löst, dann hackt jede Masche. Eigentlich schade bei dem Preis. Die SyphonieNadeln sind bei dunklem Garn und bei BaumwollGarn, das leicht spleißt, ungünstig. Übrigens haben die Nadelspitzen noch einen großen Vorteil zur Rundnadel. Bei glatt rechts gestrickten Strickstücken, verwende ich für die linke Reihe, die immer etwas lockerer wird, eine Nadelstärke schwächer.

  8. Von Monika am 06. Oktober 2015:

    Hamma (das ist schwäbisch, und der Superlativ von „wow“, halt :“der Hammer“)

    ich schweife auch, wie die Hamma-Bloggerinnen immer wieder mal, ab. „Hamma“ war der Kommentar eines 22-jährigen gutaussehenden, jungen Mannes ;), der mit einer FISCHLAND-Mütze beschenkt wurde. Gestrickt hab ich sie mit Metallnadeln, auf die ich mich schon vor Jahren, weg von Holznadeln, umgestellt habe. Zum ersten Mal habi mit 5er Nadeln gestrickt: Malabrigo Rios. Wahnsinns-Wolle (weichweichweich), tolles Maschenbild trotz quietschender Nadeln („die laufet oifach doch it besser“) 🙂
    Fazit: Metallnadeln Nr.5 werde ich zukünftig meiden. Den Blog weiterhin „lieben“ und mich nochmal über die FischlandMützenanleitung freuen. Ist eine echt tolle, runde Sache Anleitung. Passform, Garn = Hamma
    Thx in den Norden

    • Von Carolin am 07. Oktober 2015:

      Hi Monika,
      na, wenn das mal kein wahres Lob von besagtem jungen Mann ist!
      Denn wie ist’s bei den Schwaben? Ned g’schempfd isch gnuag g’lobd? Dann muss ja ein „Hamma“ eine wahre Lobeshymne sein, nicht wahr?
      Ich freu mich, dass Dir die Fischland Freude bringt. Demnächst werde ich auch wieder anfangen mit den Mützen.
      Viele Grüße aus dem hohen Norden in meine alte Heimat,
      Carolin

  9. Von Karolina am 01. Januar 2016:

    Hallo an alle lieben Stricker/Innen!
    Ich stricke seit Jahren (wohl aus Kostengründen) mit Metallnadeln, meist Alu. Eine Freundin besorgte sich mal 3mm Holznadeln zum Sockenstricken, laminiert und nett eingefärbt, doppelter Preis im Vergleich zu Alu.
    Doch als bei ihr eine Nadel vor meinen Augen brach, dachte ich: Das ist nix haltbares auf Generationen!
    Darum kaufe ich bis heute keine Holznadeln unter 4mm.
    Aber: Alles was darüber liegt, jedenfalls beim NADELSPIEL, wird für´s Strickstück einfach zu schwer. Bei einem Ärmel, den ich mit 4,5 mm Alunadeln strickte, wurde mir dies richtig bewusst! Eine Nadel wiegt ja wenig und ist etwas hohl, aber wenn 4 solche Dinger an den Seiten, wie Steine, baumeln…macht kein´Spaß! Würde ich Anfängern/innen ni cht empfehlen. Ab 4mm lieber Holz oder Plaste.
    Die eckigen Nadeln sind kubisch, dachte ich immer, damit die Dinger nicht vom Tisch rollen, oder??
    Die Carbonnadeln empfinde ich als Modegeck und finde die kurze Lebensdauer eigentlich total schade, für die Leute, die sich erst darüber gefreut haben und nun feststellen, dass die Nadeln auseinandergehen.
    Carbon ist nichts anderes, als mit Harz verstärkter Kohlenstoff, also eine Art Kunststoff. Kunststoffe gehen mit Metall grundsätzlich keine chemische Verbindung ein, darum gehen die Metallspitzen bei den Nadeln irgendwann ab, wie beim Pinsel der Borstenhalter vom Holzstiel. Man kann die Teile nur kleben oder eng ineinander stecken, das ist der ganze Halt.

    Ansonsten muss und will ich noch sagen, dass die DROPS Pro Classic Rundnadeln, für den günstigen Preis, recht gut sind! Besonders das Verbindungskabel ist schön geschmeidig, was ich bei Rundnadeln für´s „Händling“ als wichtig empfinde. Und auch beim Übergang Nadel/ Kabel bleibt nichts hängen, echt gut gearbeitet!

    Liebe Grüße aus dem untersten Niedersachsen!

  10. Von Anja am 20. Januar 2019:

    Hallo Mädels ,habe gerade eure Meinung zu den Synfonie Holz Nadeln gelesen .Also ich muß sagen stricken lassen die sich gut ABER ich habe mir vor kurzem das Deluxe-Set gekauft und eine Schal gestrickt danach waren die Zahlen der Nadelstärke weg .Dann habe ich mir mal davon das Nadelspiel gekauft dann einige Socken gestrickt das Ende vom Lied war das sich kleine Holzfasern gelöst habe und meine Maschen gehangen haben jetzt ist mir eine durchgebrochen .Also mein Fazit ist diese Marke wirbt für gute Qualität die ich so nicht unterstreichen kann , und ist auch nicht billig .Ich würde mich gerne mal mit dem Hersteller in Verbindung setzen wenn ich eine Adresse hätte .Ich denke ich werde zu Addi Bambus Nadeln wechseln .Viel Spaß euch noch beim Stricken

    • Von Antje am 21. Januar 2019:

      Hallo Anja,
      du hast recht, die Beschriftungen bei KnitPro sind nicht sehr langlebig. Das können andere Hersteller besser und wir sind auch schon dran unser Sortiment entsprechend zu ergänzen 🙂 Wenn dir eine Nadel beim normalen Gebrauch durchbricht, können wir das aber beim Hersteller reklamieren. Bitte wende dich dazu an unseren Kundendienst per Telefon, Chat oder eMail an info@lanade.de

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