Das Lied von Eis und Feuer: Malabrigo Worsted vs. Washted

Darf ich euch einen kleinen Schwank aus meiner Jugend erzählen? Na gut, Jugend ist übertrieben. Fünf Jahre ist es erst her, dass Lanade Malabrigo ins Sortiment aufgenommen hat. Ich war damals noch ein ahnungsloses Ding, das nie ein Fädchen handgefärbten Garns in den Fingern hatte, und dachte bei der Nachricht bloß: Pah, wer braucht denn so was?

Meine Verweigerungshaltung hielt ein paar tapfere Monate, dann fiel mir ein Strang Malabrigo Merino Worsted in die Hände. Das nächste, woran ich mich erinnere, ist dass mein Auto verpfändet wurde und meine Wohnung derart mit handgefärbter Wolle vollgestopft war, dass ich meinen Ehemann nicht mehr wiederfinden konnte. Ihr wisst ja, wie das so ist.

Obwohl ich im Laufe der folgenden Monate und Jahre fast alle Qualitäten von Malabrigo, Madelinetosh und vielen anderen Handfärbern kennen und lieben gelernt habe, ist Merino Worsted immer meine erste Liebe gewesen und sitzt in meinem Herzen auf dem wollenen Thron. Sie ist so fluffig und flauschig und wunderbar! Doch dann kam ein Herausforderer: Malabrigo Washted. Eine Worsted mit Superwash-Ausrüstung? Dem musste ich natürlich auf den Grund gehen.

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Erstmal zu den Basics: Sowohl Washted wie Worsted sind Merino-Dochtgarne, also nur locker um sich selbst gedreht und nicht fest verzwirnt. Das macht sie so schön watteweich und extrem angenehm zu stricken und bringt auch die Farben wie von innen heraus zum Leuchten.

Die Malabrigo Merino Worsted geht mit diesen Startbedingungen nun wie beinahe jedes Dochtgarn durchs Leben. Will heißen, da die einzelnen Fasern nur grob in Zaum gehalten werden, haben sie relativ viel Spielraum, sich untereinander zu verschränken. Vorteil: Die Worsted ist hervorragend für Farbstrick wie zum Beispiel Doubleface geeignet, weil die Maschen trotz lockerer Spannfäden auf der Rückseite gut zusammenhalten. Nachteil: Sie kann verfilzen, wenn man zu grob mit ihr umgeht, etwa durch Reibung oder Waschmaschinen-Attacken.

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Das Schwesterchen Malabrigo Washted dagegen ist durch eine Superwash-Ausrüstung in den Adelsstand erhoben worden. Das bedeutet, dass sie ein spezielles Chemikalienbad genommen hat, das die Faseroberfläche geglättet und versiegelt hat. In den meisten Fällen gibt es diese Behandlung für klassisch verzwirnte Garne, DROPS Merino Extra Fine ist da ein gutes Beispiel.

Man kann den Unterschied zur Worsted tatsächlich trotz gleicher Garnstärke, gleichem Material und gleicher Verzwirnung sehen und fühlen. Die Malabrigo Washted glänzt etwas mehr und fühlt sich auch glatter und geschmeidiger an. Die Farben sind auch etwas satter und leuchtender als bei der eher matten Worsted. Hier seht ihr links die coole Worsted in Blautönen aus dem Paris Teal Set und rechts daneben die brandheiße Washted in der Farbe Cereza.

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Die Malabrigo Merino Worsted hatte ich ja noch aus meinem jüngst entstandenen Fade-Pullover in hervorragender Erinnerung. Also habe ich direkt mal zu Vergleichszwecken ein Projekt aus der Washted angefangen. Entschieden habe ich mich für den schönen Cardigan „Winterfell“ von Katrin Schneider, der mit seinem minimalistischen Zugmaschenmuster die Färbung des Garns gut zur Geltung bringt.

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Ob Worsted oder Washted – das Stricken ist eine echte Freude. Ich komme mit beiden Garnen auf die gleiche Maschenprobe, bilde mir aber ein, dass die Washted noch ein bisschen fixer und geschmeidiger über meine Holznadeln springt. Manche Superwash-Garne gehen im anschließenden Bad noch mal unglaublich auseinander, weil die flutschigen Fasern sich nicht aneinander festhalten können. Das ist aber bei meinem Washted-Winterfell zum Glück nicht passiert, er hat seine Form gehalten, ohne in die Länge oder Breite zu gehen. Und das, ohne dass ich extra hätte fester stricken oder eine Nadelstärke hätte runtergehen müssen. Auch die Waschmaschine hält das Garn wie versprochen aus, sofern man einen schonenden Waschgang wählt.

Muss die Malabrigo Merino Worsted also den Thron für den Emporkömmling räumen? Sagen wir lieber, die beiden Garne können als perfektes Pärchen zusammen auf dem Thron sitzen. Woran erinnert mich das nur …?

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Anleitung: Winterfell Cardigan Aran von Katrin Schneider, Größe M1
Garn: 5× Malabrigo Washted in Fb. 033, Cereza
Nadeln: KnitPro Symfonie Nadelspitzen & Nadelspiel in 4,0 mm (Bündchen in 3,5 mm)

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Kommentare

  1. Von Karin am 19. Februar 2019:

    Den Cardigan durfte ich ja bereits in natura bewundern und finde sowohl die Farbe als auch die Wolle einfach nur traumhaft schön.
    Ein echt gut gelungenes Winterfell, da mag man ja noch gar nicht auf Frühling hoffen 😉

    • Von Nina am 20. Februar 2019:

      Vielen Dank, Karin! Der Frühling kann mich nicht davon abhalten, den Cardigan zu tragen. Irgendeinen Vorteil muss es ja haben, eine Frostbeule zu sein! 😀

  2. Von Petra P. am 19. Februar 2019:

    Hallo Nina,

    Wieder toller Beitrag und wie ich sehe, bringt die Malabrigo Worsted vs. Washted ein klares Maschenbild zu Tage. Das sagt mir sehr zu. Auch das Muster gefällt mir super gut. Nur hätte ich an Deiner Stelle gegenüber Deiner tollen Haarfarbe eine andere Farbe für die Jacke gewählt.
    Das Winterfell kann man auch für kühle Tage gebrauchen, außerdem haben wir noch Winter, auch wenn die Sonne uns die letzten Tage schon verwöhnt hat. Bei uns liegt noch viel Schnee im Garten, den ich zwar nicht mehr sehen kann aber die Sonne schafft doch nicht alles auf einmal.

    • Von Nina am 20. Februar 2019:

      Hallo Petra, vielen Dank. 🙂
      Stimmt schon, pink und rot passen nicht so optimal zusammen wie andere Farben. Aber die Cereza hat mich so wundervoll angeleuchtet, dass ich einfach nicht widerstehen konnte. Und ich sehe meine Haare ja die meiste Zeit nicht, deshalb kann ich mich unbeschwert an dem tollen Rot erfreuen. Dein Hinweis ist aber ein sehr gutes Argument, noch einen zweiten Washted-Cardigan in einer anderen Farbe zu stricken – danke dir! 😀

  3. Von Apfelsine am 20. Februar 2019:

    Schickes Modell! Und die Farbe Cereza ist so schön!!!
    Ich suche seit einer Weile nach einer Jacke, die ich zum Verschenken stricken möchte. Problem: die zukünftige Besitzerin verträgt keine tierischen Produkte auf der Haut. Hat jemand einen schönen Garnvorschlag für diesen tollen Cardigan aus einem Baumwoll-Sonstwas-Gemisch? Das kommt natürlich von der Flauschigkeit niemals mit einem Merinogarn mit – wenn mans halt verträgt 😉
    Ich würde mich riesig über Ideen freuen.

  4. Von Claudia am 20. Februar 2019:

    Sehr schön geschrieben, ich glaube unsere Ehemänner könnten eine Selbsthilfegruppe gründen „lach, zwinker“
    Und der Winterfell ist in natura noch viel schöner
    LG

  5. Von Petra P. am 20. Februar 2019:

    Hallo Apfelsine,

    mir ging es vor Jahren auch einmal so, dass ich tierische Wolle nicht vertragen habe. Aber ich habe es mit Merino ausprobiert und muss sagen, ich habe überhaupt kein Problem mehr damit. Es ist super weich und schmeichelt der Haut, deshalb nimmt man es auch für Babys. Die Woll Verarbeitung hat sich in den letzten Jahren stark verbessert und ich bin super froh, es ausprobiert zu haben. Vielleicht hast Du in Deinem Kleiderschrank ein solches weiches Strickstück, das Diejenige es mal in der Hand hält und sich einmal um den Hals legt, damit kann man schon heraus finden, wie man es verträgt. So habe ich es auch getan.
    Liebe grüße Petra

    • Von Apfelsine am 21. Februar 2019:

      Danke für die Anregung. Die Dame verträgt es leider einfach nicht. Von roten Augen in der Nähe des Gesichts bis zu Neurodermitis bei Hautkontakt. Ich habe ihr meinen Bolero „Something Blue“ aus Baby Alpaca Silk in Cotton Viskose gestrickt „Zuckerwatte“. So einen Twist bräuchte ich halt auch wieder.

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