Willkommen zur Pool Party: So funktioniert Color Pooling

Heute möchte ich euch eine Stricktechnik vorstellen, um die ich schon eine ganze Weile herumgeschlichen bin. Es geht um das Color Pooling, manchmal auch als Planned Pooling bezeichnet, bei dem man das Strickprojekt so anlegt, dass die Farben des Garns (englisch color) immer an der gleichen Stelle zusammenfallen (englisch pooling). So kann Color Pooling aussehen, wenn es fertig ist:

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Netter Effekt, oder? Color Pooling funktioniert nur mit mehrfarbigem Garn, bei dem sich konstant große Farbflächen in der immer gleichen Reihenfolge wiederholen. Für mein Beispiel oben habe ich Malabrigo Silky Merino in 480, Bee genommen. Gut eignen sich aber auch die Farben 476, Bahia oder 479, Vigo.

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Wichtig ist, dass jede Farbe als großer Klecks im Strang vorkommt und nicht sprenkelartig verteilt ist. Am besten erkennt man, ob ein handgefärbtes Garn für Color Pooling geeignet ist, wenn man den Strang einmal aufmacht und locker vor sich hinlegt.

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Ein solches Muster kann man auch mit eigenen Färbeversuchen recht einfach erzielen. Wenn ihr also, inspiriert von Antjes und Caros Färbeaktion im letzten Jahr, sowieso mal Kochtopf und Säurefarben auspacken wolltet – hier findet ihr vielleicht direkt das passende Projekt zu euren Kreationen!

Die Technik des Color Poolings ist sehr simpel. Der entscheidende Nachteil ist nur, dass man wenig Einfluss darauf hat, wie breit das Strickstück hinterher wird. Man kann also sehr gut Cowls und Schals damit stricken, bei denen die genauen Maße nicht allzu entscheidend sind. Einen Pullover dagegen bekommt man so gut wie gar nicht mit sauberem Color Pooling hin – höchstens mit viel Steeken und schwarzer Magie, aber dazu möchte ich euch nicht raten.

Ein Cowl in Runden dagegen ist mit dieser Technik sehr einfach:

  • Schritt 1: Beginnt das Knäuel am Anfang einer neuen Farbe und schlagt so lange Maschen an, bis ihr einmal den gesamten Farbrapport durch habt. Bei meinem Garn habe ich dabei auf das Foto des ausgebreiteten Strangs geschaut, das ich vor dem Wickeln geschossen habe, damit ich sehe, wann ich alle Farbkleckse durch habe. Ich empfehle hier übrigens den Schlingenanschlag oder Anschlagen durch Aufstricken – der Kreuzanschlag würde mehrere Farben in der Anschlagskante vermischen und damit unseren schönen Pooling-Effekt ruinieren.
  • Schritt 2: Maschen zählen und mit der Maschenprobe vergleichen. Reicht die Länge für den Cowl-Umfang? Wenn nicht, werden Maschen für einen kompletten zweiten Farbrapport aufgenommen.
  • Schritt 3: Die Maschen zur Runde schließen (Vorsicht vor verdrehten Maschen!) und losstricken. Für meinen Cowl habe ich sechs Runden kraus rechts gestrickt und dann nur noch glatt rechts weiter. Am Ende dann wieder sechs Runden kraus rechts und fertig.

Das war auch schon die ganze Magie. Indem sich die Maschenzahl am Farbrapport orientiert, fallen automatisch die gleichen Farben auf die gleichen Stellen und ihr erhaltet senkrecht verlaufende Farbstreifen. Die sehen zwar gerade bei handgefärbten Garnen nicht immer akkurat wie mit dem Lineal gezogen aus, aber das macht für mich gerade den Charme des Color Pooling aus.

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Ein Trick zum Troubleshooting: Wenn ihr im Laufe des Strickens merkt, dass eine Farbe völlig aus dem Ruder zu laufen und ihr Farbfeld zu verpassen droht, könnt ihr mit Zu- und Abnahmen ein Stück weit lenkend eingreifen. So lange ihr es nicht übertreibt, tut dem Cowl das nicht weh. Sollte der Pooling-Effekt völlig verloren gehen, hilft nur noch, den Faden abzuschneiden und mit dem richtigen Farbeinsatz neu anzusetzen.

Color Pooling funktioniert natürlich auch in Reihen. Da muss dann nur der Anschlag nicht so gewählt werden, dass er eine Runde im Strang abbildet, sondern so, dass die Farbreihenfolge auch in den Rückreihen mit der der Hinreihen übereinstimmt. Grübelt euch da keinen Knoten ins Gehirn, legt euch das Garn einfach in ein paar Reihen hin und zieht es zurecht, bis die Farben übereinander liegen. Dann sehr ihr, wie lang eine Reihe sein muss.

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Diese Länge schlagt ihr an und strickt sie in Reihen mit einem Muster eurer Wahl. Das Ergebnis ist das gleiche wie beim Stricken in Runden.

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Ich finde, Color Pooling eignet sich sehr gut, um mit wenig Aufwand schöne Effekte zu erzielen. Die Technik ist damit perfekt für besondere Multicolor-Garne, mit denen man sonst nichts anzufangen weiß, oder für schnelle Last-Minute-Geschenke. Wenn man etwas ausgefeiltere Projekte mit Color Pooling stricken möchte, kann man übrigens auch einiges auf Ravelry finden. Martina Behm liefert mit ihrem „Pool & Conquer“ nicht nur einen schönen Riesencowl, sondern auch gleich eine eigene ausgefuchste Technik für die Ermittlung des richtigen Maschenanschlags. Designerin Gladys We ist eine Expertin für Color-Pooling-Schals mit zarten Lace-Mustern, die mir sehr gut gefallen. Und Ursa Major Knits hat sogar ausgeklügelt, wie man ein Dreieckstuch mit Pooling-Effekt hinbekommt.

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Kommentare

  1. Von Monica am 22. Mai 2017:

    Gefällt mir außerordentlich gut, danke für den Tipp, liebe Nina!

  2. Von Andrea am 22. Mai 2017:

    Tolle Erklärung. Vielen Dank dafür 🙂

  3. Von Daniela Stöcker am 22. Mai 2017:

    Das sieht erstklassig aus 🙂 ! Ich kenne das vom Färben von Sockenwolle, wo die Wolle zu s o kleinen Strängen gewickelt wird, daß sich das Muster genau so wiederholt. 😉 Wobei da trotzdem ein bisschen Glück im Spiel ist. Da ist deine Variante sicherer. Und verschwindet nicht unsichtbar im Gummistiefel….

  4. Von Ruth am 22. Mai 2017:

    „Color Pooling“ wieder was neues gelernt 😉 Beim Sockenstricken mit handgefärbter Wolle nennt man es ganz einfach „Wildern“ 😉 LG Ruth

  5. Von Petra P. am 23. Mai 2017:

    Super guter Beitrag zu “ Color Pooling „, Du hast das sehr verständlich erklärt. Ich habe ein sehr altes Strickbuch, wo so eine tolle Decke drin ist, die ich immer schon einmal in Angriff nehmen wollte aber mit der Erklärung ich einfach nicht zu Recht gekommen bin. Deshalb habe ich mich noch nicht heran getraut. Nun könnte ich mich im nächsten Winter mal damit befassen. Vielen Dank.
    LG Petra

    • Von Conny Julien am 31. Mai 2017:

      Hallo liebe Petra, habe deinen Kommentar gelesen und bin süchtig nach einer schönen Deckenanleitung.
      Ist es unhöflich dich nach der Anleitung zu fragen?
      Lg Conny
      Meine email : Corili@live.de oder bitte PN
      Ich würde mich total freuen

  6. Von Nina am 26. Dezember 2018:

    Drops Delight und Big Delight sind dafür absolut ungeeignet. Das habe ich leider erst nach der Bestellung festgestellt

    • Von Nina am 27. Dezember 2018:

      Hallo Nina,
      ich muss mich entschuldigen, da habe ich tatsächlich nicht richtig zuende gedacht. Die beiden Garne haben zwar wiederholende Farbverläufe und sind dadurch rein theoretisch für die Color Pooling Technik geeignet, allerdings dauert es so lange bis ein Farbverlauf sich wiederholt, dass damit natürlich nichts sinnvolles anzufangen ist. Tut mir leid, dich in die Irre geführt zu haben! Ich hoffe, du kannst das Garn noch für ein anderes schönes Projekt verwenden?

  7. Von Jutta am 20. Januar 2019:

    Sehr schön!!!
    Huhu!!!
    Eine Frage …. kann ich damit auch einen Schal/Tuch mit bestimmten Muster häkeln? Z. B. Das Talvi von der Morben Design Gruppe (Facebook)?
    Danke.
    Liebe Grüße, Jutta

    • Von Nina am 23. Januar 2019:

      Hallo Jutta,
      Color Pooling zu häkeln habe ich noch nie ausprobiert, aber theoretisch müsste das genauso gut funktionieren wie stricken. Voraussetzung ist, dass die Maschenzahl pro Reihe bzw. Runde gleich bleibt und immer gleiche Maschen gehäkelt werden (z.B. Stäbchen oder feste Maschen), da die verschiedenen Häkelmaschen im Gegensatz zu gestrickten Maschen deutlich unterschiedlichen Garnverbrauch haben. Das Tuch Talvi kenne ich leider nicht. Wenn es rechteckig wie ein Schal ist, könnte es klappen. Mit Dreieckstüchern oder halbrunden Konstruktionen funktioniert die Technik leider nicht.
      Aber danke, dass du mich auf die Anleitungen von Morben Design gebracht hast! Jetzt habe ich Lust zu häkeln und Herr der Ringe zu lesen. 😉

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