Vorgestellt: Sandnes Merinoull

Habt ihr das eigentlich auch, dass euch im Sommer die besten Ideen für Winterpullover kommen und ihr im Winter immer nur dünne Garne auf den Nadeln habt? Manchmal denke ich, mein Strickverstand lebt auf der Südhalbkugel der Erde, wo die Jahreszeiten umgedreht sind. Das würde auch erklären, warum ich Anfang des Jahres, also im europäischen Winter, die dünne Sandnes Babyull Lanett verstrickt habe, um mich erst jetzt zu Frühlingsbeginn der dickeren Merinoull zuzuwenden…

Aber ich habe nichts zu bereuen, denn die Sandnes Merinoull macht so viel Freude, dass ich sie vermutlich sogar verstricken wollen würde, wenn ich in der Wüste lebte. Tragen nicht, dafür ist sie dann doch zu kuschelig warm. Aber verstricken schon.

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Die Merinoull ist sozusagen der Merino-Allrounder bei Sandnes. Reine Schurwolle aus Südamerika, wunderbar weich und geschmeidig, wie man es von Merino kennt, natürlich wieder mulesingfrei gewonnen. Die DK-Stärke ist prima für Mützen, Pullover und Jacken und dank Superwash-Ausrüstung sowohl waschbar wie auch langlebig. Mich hat besonders interessiert, wie sie sich von der dünneren Babyull Lanett unterscheidet. Ist die Merinoull die große Schwester der Babyull oder eher eine entfernte Kusine?

Den ersten größeren Unterschied habe ich schon bei der Maschenprobe erlebt. Während ich bei der Babyull Lanett meilenweit von den 27 bis 31 Maschen auf 10 cm entfernt war, die das Etikett empfiehlt, bin ich mit der Merinoull und Nadelstärke 3,5 exakt auf die angegebenen 22 Maschen gekommen. Ich glaube, das ist mir noch nie passiert!

Beim Stricken selbst war mein Eindruck, dass der Faden der Merinoull etwas fester durch die Finger gleitet als der der Babyull Lanett. Also direkt mal beide Garne unter die Lupe genommen: Oben Merinoull, unten Babyull.

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Und siehe da: Die Merinoull ist tatsächlich etwas anders verzwirnt als die Babyull. Wie viele Merino-Allrounder ist die Merinoull ein klassisch cable spun verzwirntes Garn, das durch sein enges In-sich-verdreht-sein die Fasern möglichst eng beisammenzuhalten versucht. So wird verhindert, dass einzelne Fasern bei Reibung auf Wanderschaft gehen, um rumzufilzen oder sich in Wollwürmchen zu verwandeln. Die etwas lockerere Babyull Lanett dagegen hat ein weicheres Herz für zarte Babyhaut und deshalb auch eine weichere Oberfläche.

Da ein Pullover für mich selbst vermutlich erst im Sommer fertig geworden wäre, habe ich aus der Merinoull einen kleinen Kinderpullover gestrickt. Vorbild war der Paint Drips-Pullover von Yvonne Thorsen, der aussieht, als habe man einen Eimer Farbe über einem Kind ausgegossen. Da sich Fair-Isle-Spannfäden und kleine Kinderfinger aber nicht so optimal vertragen, habe ich die Farbtropfen nachträglich aufgestickt.

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Der Vorteil: Man kann den eigentlichen Pullover schnell wegstricken. Der Nachteil: Das Aufsticken dauert eeewig … Die glatte Merinoull ist dabei aber eine große Hilfe, weil sie sich geschmeidig und ohne zu zanken durch die Maschen ziehen lässt. Am besten arbeitet man sich dabei abschnittsweise um den Pullover herum, um immer mehrere Maschen waagerecht nachsticken zu können. Senkrecht nachgestickte Maschen verziehen den Faden schnell, sodass die Maschen des Strickstücks darunter durchleuchten.

Die Arbeit lohnt sich: Die Vorderseite sieht gut aus und auf der Rückseite ist nichts, was sich in Wackelfingerchen verheddern könnte. Schaut mal, wie ordentlich innen alles aussieht!

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Auf das anschließende Bad war ich besonders gespannt, weil die Sandnes Babyull Lanett, so untypisch für Merino, die Form behalten hatte. Die Merinoull folgt jedoch auch hier dem klassischen Weg und gibt im Wasser ordentlich Leine, weil die geschmeidige Verzwirnung weniger Gelegenheit zum Zusammenhalten der Maschen gibt.

Als Garn aus anständigem Hause wächst auch sie natürlich nicht katastrophal, aber durchaus merklich. Wer aus ihr einen Erwachsenenpullover strickt, sollte das also im Hinterkopf behalten. Für kleine Leute wie den Empfänger meines Farbklecks-Pullis dagegen kann man so etwas Zusatz-Luft zum Reinwachsen schaffen.

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Anleitung: Paint Drips Sweater von Yvonne Thorsen mit Flax von Tincankits als Basis, Größe 1-2 Jahre
Garn: Sandnes Merinoull, 1× 2126, Warmes Gelb und 1× 7364, Dunkles Petrol
Nadeln: ChiaoGoo Bambus Rundnadel & Nadelspiel in 3,5 mm (3,0 mm für die Bündchen)

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