Transplantationschirurgie

Es gibt Momente beim Stricken, da zweifle ich ein wenig an meinem Verstand oder diagnostiziere mir im Stillen zumindest eine leichte Form von Aufmerksamkeitsdefi… oh wie nett! Sieh mal, ein Eichhörnchen! Geht euch das auch so?

Jüngstes Beispiel – eine echte Meisterleistung –, ich habe tatsächlich die Maschen für die rechte Seite meines aktuellen Jackenprojekts nicht rechts unten sondern links oben aus dem Rückenteil aufzunehmen. Möööp! Gemerkt habe ich es erst als die rechte Seite schon so groß war, dass ich sie nicht mehr mal eben ribbeln und neu (also richtig) ansetzen wollte. Gemäß dem Motto: „Ich bin vielleicht doof – aber ich bin nicht blöd!“ habe ich stattdessen das Krönchen gerichtet, gedanklich schon mal die Hände desinfiziert und eine kleine Operation geplant 😉

Bild für Beitrag „Transplantation“ 1

Nur ein kleines bisschen Transplantationschirurgie – so schwer kann das doch nicht sein.

Vorbereitung:

Der Patient wurde mit allerhand Nadeln gepiesackt, Maschen sichern, Blutgruppe bestimmen, was man halt so macht 😉 Die letzte Reihe auf der linken Rückenteilseite und die zweite Reihe der Jackenseite wanderten also routinemäßig auf zwei schmalere Behelfsnadeln, indem ich jeweils das rechte Beinchen der kleinen „V“ auffädelte. Sozusagen eine nachträgliche Safety Line. Linke Maschen aufzunehmen finde ich schwieriger, deswegen drehe ich das Strickstück einfach um und erledige das auf der Rückseite.

Bild für Beitrag „Transplantation“ 2

Erster Akt:

Die Maschen aus der ersten Reihe des Seitenteils, also diejenigen, die ich so hübsch aus dem falschen Ende des Rückenteils aufgenommen hatte und die sich jetzt zwischen den beiden Sicherungen befanden, konnte ich dann – nein, nicht zerschneiden, das hier ist Transplantationschirurgie, kein Steek – herausfädeln. Dazu musste ich nur mit einer sterilen stumpfen Wollnadel an jedem einzelnen Maschenbeinchen ziehen bis der Faden freikam; und zwar in derselben Reihenfolge, in der ich die Maschen ursprünglich auch aufgenommen hatte.

Bild für Beitrag „Transplantation“ 3

38 Maschen später war das Organ entnommen. Die Teile konnten neu geordnet werden und nun folgte ganz schnell ein …

Zweiter Akt:

Die 38 stillgelegten Maschen auf der richtigen Seite des Rückenteils wurden auf eine Nadel genommen und kurz und schmerzlos mittels Maschenstich mit dem kurzzeitig herrenlosen Seitenteil verbunden. Dabei konnte ich den langen Faden, der gerade noch eine erste Reihe auf der falschen Seite war, wiederverwenden und so Abstoßungsreaktionen verhindern 😉

Bild für Beitrag „Transplantation“ 4

Et voilà – als wäre es nie anders gewesen – ein rechtes Seitenteil an der rechten Seite. Verrückt!

Bild für Beitrag „Transplantation“ 5

Ach ja, das wird übrigens mein letzter West für dieses Jahr und #GoWestLanade.

Anleitung: „Penguono“ von Stephen West
Größe: M-L
Garn: Ha! Alles was da war 😉 (siehe Ravelry Projekt)
Nadeln: KnitPro Zing, Rundnadel 60 cm und 80 cm, ∅ 4,5 mm und  ∅ 5 mm

Facebook Pinterest Twitter

Kommentare

  1. Von Petra P. am 05. Dezember 2016:

    Hallo Antje,

    Operation gelingen- Patient tot, nein so war es definitiv nicht bei Dir. Aber ich muss schon zugeben, es war bestimmt eine ganz schöne Frimelei, die Du aber sehr gut hinbekommen hast. Die Erklärung dazu von Dir war spitze.
    Ich hasse einzelne Teile zu stricken- nur wenn es unbedingt sein muss. Ansonsten greife ich lieber auf das Raglan stricken zurück.

    • Von Antje am 05. Dezember 2016:

      Nein, der ist tatsächlich quicklebendig, der Patient. Gestern Abend habe ich beide Seitenteile fertiggestrickt, nun fehlen noch Ärmel und Abschlüsse.

  2. Von Anke am 05. Dezember 2016:

    Ich würde an Deiner Stelle einfach sagen, dass Du das völlig absichtlich gemacht hast, um uns diesen Trick im Blog zeigen zu können.

    • Von Antje am 05. Dezember 2016:

      hmmmm… nee Anke, diese Doofheit lässt sich nicht wegargumentieren. Die ist zu offensichtlich 😀

  3. Von Brigitte Wolfrum am 05. Dezember 2016:

    Hmmm ich oute mich jetzt vermutlich als begriffstutzig, aber hätte das Strickstück nicht einfach um 180° gedreht werden können? Dann wird doch aus links oben….rechts unten. Die aktuellen Maschen abketten und aus dem Anschlag neue aufnehmen um in Richtung weiterstricken zu können.

    ich habe mir unlängst auch einen Klopfer geleistet. Beim November10 von Ankstrick (Tragefoto folgt demnächst) habe ich die beiden Taschen in das Rückenteil gearbeitet. Da ging kein Drehen, weil vorn ein V-Ausschnitt ist.

    • Von Antje am 06. Dezember 2016:

      Drehen wäre gegangen, aber wenn du genau hinschaust, siehst du, dass das Rückenteil einen Farbverlauf von hell nach dunkel hat. und ich wollte den hellen Teil oben haben – nicht unten 🙂 Taschen im Rückenteil sind aber auch sehr… unkonventionell 😉 Musstest du ribbeln?

  4. Von Rita Jülicher am 05. Dezember 2016:

    Mir hat ja vor allem dein Blog Beitrag gefallen wegen der wohlfeilen medizinischen Sprache.

    • Von Antje am 06. Dezember 2016:

      Hihihi! Nur ein Minimal-Vokabular 🙂 Freut mich, dass es dir gefallen hat!

  5. Von Anna am 06. Dezember 2016:

    Juhee, eine KTF (Kitteltaschenflasche! XD) Sterilium <3

    Super Manöver! Das fällt bei mir unter die Kategorie: "Ginge nicht auch…? … ……. ……….. Ach, ich legs mal hier in die Ecke, vielleicht erledigt sich das ja von allein." ;D

    • Von Antje am 14. Dezember 2016:

      KTF 😀 Aber ich schwöre ich hab sie nicht an der Uni mitgehen lassen. Die ist legal käuflich erworben. In der Apotheke. Aus hauptsächlich nostalgischen Beweggründen xD
      Und, hat sich schon was getan in der Ecke der abgelegten Experimente?

  6. Von B. Cottin am 09. Dezember 2016:

    Schön gemacht und noch schöner geschrieben.
    Tolle Idee!

    • Von Antje am 14. Dezember 2016:

      Dankeschön 🙂

Neuen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.