Für Fair-Isle-Füchse: Ladderback Jacquard

Ich weiß, ich renne hier nur offene Türen ein, aber ich muss es trotzdem mal loswerden: Stricken ist toll! Mich begeistert immer wieder, dass man sowohl friedlich-stupide vor sich hinmaschen kann, wenn einem danach ist, sich aber auch jederzeit in richtig knifflige Knobeleien und höhere mathematische Berechnungen stürzen kann. Und am Ende kommt auch noch ein neues Kleidungsstück dabei raus, was will man mehr?

Was das friedliche Rummaschen angeht, bin ich wunschlos glücklich. Aber in Sachen Knobeleien bin ich immer wieder auf der Suche nach technischen Tricks, um mir das Stricken zu erleichtern oder schönere Ergebnisse zu erhalten. Und in diesem Zuge bin ich neulich auf eine spannende Sache gestoßen: Ladderback Jacquard!

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Als Ladderback bezeichnet man prinzipiell erstmal den Trick, lange Spannfäden auf der Rückseite von Fair-Isle- oder Jacquard-Strick mit einer Maschenleiter zu sichern. Die Spannfäden können so eine optimale Fadenspannung halten, ohne ungebändigt herumzuwuseln und ohne wie beim klassischen Einweben auf der Vorderseite durchzublitzen.

Ich habe schon früher ein paar Mal Ladderbacks gesehen, fand die dazu beschriebene Technik aber so umständlich, dass ich die ganze Sache gar nicht erst ausprobieren wollte. Maschen umwickeln, entwickeln, fallen lassen, hochhäkeln, einstricken … äääh, nein danke. Aber dann habe ich eine Methode gefunden, die total einfach ist und wunderbar funktioniert. Schaut selbst!

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Testhalber habe ich ein Pröbchen gestrickt, bei dem zwei Felder meiner Kontrastfarbe relativ weit auseinander liegen und lange Spannfäden entstehen. Da stricke ich nun bis zu einer Masche der Hauptfarbe, die mehr oder weniger in der Mitte zwischen den Farbfeldern liegt.

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Hier mache ich nun das gleiche, was Antje euch neulich in ihrem Beitrag zu Shadow Wraps gezeigt hat. Diese Schattenmaschen sind nämlich ganz schön vielseitig und dienen uns jetzt dazu, eine Maschenleiter hinter unserem eigentlichen Strickstück aufzubauen.
Dazu hebe ich die Masche unter der nächsten zu strickenden Masche mit auf die linke Nadel und stricke sie dann mit der Kontrastfarbe ab. Ganz wichtig: Der Faden in der Hauptfarbe liegt dabei vor der Arbeit! Damit stricke ich als nächstes die Masche, aus der ich den Shadow Wrap geholt habe.

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Dann kann ich den Faden der Kontrastfarbe fallen lassen und bis zum nächsten Farbfeld in der Hauptfarbe weiterstricken. Dort wechsle ich die Fäden und stricken meine Kontrastfarbe nach Plan. Fertig ist die Hinreihe. Fertig sind jetzt auch die Shadow Wraps, mehr als den einen brauchen wir nicht.

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Auf der Rückseite geht es nun normal weiter, bis wir die Masche in der Kontrastfarbe erreichen, die wir per Shadow Wrap erzeugt haben. Jetzt kommt der Faden der Hauptfarbe nach hinten, wir stricken die Kontrastmasche mit der Kontrastfarbe und dann geht es weiter in der Hauptfarbe, bis die Kontrastfarbe ihren Einsatz für das Muster hat.

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Und so geht es jetzt immer weiter, solange die langen Spannfäden der Kontrastfarbe gemanagt werden müssen. Nach einigen Reihen wird deutlich, dass der Shadow Wrap die Maschenleiter in der Kontrastfarbe hinter das Strickstück schiebt, sodass man von der Vorderseite nichts mehr davon sieht. Gleichzeitig sorgt die Leiter dafür, dass die Spannfäden flexibel bleiben und das Strickstück nicht verziehen oder verzerren.

Sollte die Kontrastfarbe auf Höhe der Leiter dennoch von der Vorderseite aus sichtbar werden, liegt das mit seeehr hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass ihr an irgendeiner Stelle den Faden der Hauptfarbe versehentlich auf der falschen Seite des Strickstücks hattet. Unter Umständen lässt sich das mit Fallenlassen und neu Hochstricken der Masche neben der Maschenleiter beheben.

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Wenn ihr fertig seid mit euren langen Spannfäden, sichert ihr die Leiter ganz einfach, indem ihr die Kontrastmasche mit der Masche, aus der ihr den Shadow Wrap geholt habt, zusammenstrickt. Natürlich mit der Hauptfarbe.

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Und so sieht das dann von vorne und hinten aus. Die Leiter ist nur in der Anfangs- und Endreihe der ganzen Aktion mit dem Strickstück verbunden, der Hauptteil ist sozusagen freischwebend. Und was noch wichtiger ist: von vorne unsichtbar.

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Zugegeben, die Ladderback-Technik ergibt nicht bei allen Fair-Isle-Mustern gleich viel Sinn. Bei Mustern mit kurzen, schnell wechselnden Farbfeldern hat man keine langen Spannfäden und muss auch keine Ladderback übers Knie brechen. Auch wenn nur ein langer Spannfaden über eine einzelne oder zwei Reihen gebracht werden muss, kann man sich schneller mit dem üblichen Einweben des Kontrastfadens in den laufenden Hauptfaden behelfen. Aber in vielen Fällen ist ein Ladderback ein echter Gewinn. Ich zeige euch mal ein Beispiel aus meiner eigenen Strickstube:

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Beim Professor Meow, den ich gerade stricke, ist so ziemlich alles zum Einsatz gekommen, was die mehrfarbige Strickkunst hergibt: Der Hauptteil der Katze ist als Intarsie entstanden, Augen und Nase habe ich aufgestickt und die Öhrchen sind Fair Isle, weil ich keine Lust auf Intarsien mit fünf Knäueln gleichzeitig hatte. Dort, wo das schwarze Garn die grauen Ohren überbrückt, habe ich den Faden einfach eingewebt. Aber dort, wo das graue Garn von Ohr zu Ohr wandern muss, habe ich zwei Ladderbacks gebaut. Die Katz ist zufrieden, die Nina ist zufrieden, alle sind zufrieden. Tolle Technik!

Kanntet ihr die Technik schon? Wie verfahrt ihr üblicherweise mit Spannfäden, webt ihr sie ein oder lasst ihr sie frei schwingen?

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Kommentare

  1. Von Daniela am 18. September 2019:

    Jetzt habe ich gelernt, wie die Technik heisst…
    Ich kenne die Leiter allerdings so, dass sie auf der Rückseite als rechte Masche, eben als “Leiter” erscheint, d.h. bei glatt rechts wird die Leitermasche in Hinreihen links und in Rückreihen rechts abgestrickt.

    • Von Frauke am 18. September 2019:

      Jaaa, genau, bei mir ist sie auch auf der Rückseite eine Leiter aus rechten Maschen.
      Aber meist verwebe ich.
      Jedenfalls schön, wieder eine neue Idee /Abwandlung einer Idee gesehen zu haben. Man lernt nie aus

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