Farbabweicher – Wolle zähmen leicht gemacht

Die Rios, die sollt’ werden bunt,
ein frischer Strang, fast kugelrund,
aus Merino, weich und frisch,
das Farbbad stand bereits am Tisch.
Doch einmal tat die Rios schrei’n:
„Ich bad’ in keiner Suppe, nein!
Nein, in der Suppe bad’ ich nicht!“

Bockig wie der kleine Suppenkasper, so stelle ich mir manche Stränge Wolle vor, mit denen man in den Handfärbestuben zu tun hat. Vor allem als ich neulich mein grünes Paket mit fünf Strängen Malabrigo Rios in der Farbe Zarzamora geöffnet habe. Schon mit bloßem Auge und unvollkommenen Lichtverhältnissen wurde klar: Da hat sich der eine oder andere Strang beim Bad in der Farbsuppe sehr gewunden und geziert.

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Garne von Malabrigo, Madelinetosh & Co. werden in Handarbeit gefärbt und sind deshalb auch innerhalb einer Farbe und sogar innerhalb einer Farbpartie Schwankungen unterworfen. Dafür habe ich vollstes Verständnis – meine eigenen Garnfärbe-Versuche haben sich immer angefühlt, als müsse ich einen gereizten Oktopus baden. Wenn ich bei Malabrigo arbeiten würde, könnte man vermutlich gar nicht mehr erkennen, welche Stränge aus dem gleichen Farbbad kommen. Daher bin ich weder überrascht noch verärgert, dass manche meiner Zarzamora-Rios etwas weniger von dem dunklen Violett-Ton abbekommen haben als andere.

Wenn ich jetzt aber alles aussortiere, was farblich abweicht, würde von meinem Rios-Schatz weniger übrig bleiben als vom Suppenkasper nach fünf Tagen Hungerstreik. Ich habe schon als Kind nicht verstanden, warum man dem Jungen nicht einfach mal ein Butterbrot schmieren kann. Meine Wolle lasse ich jedenfalls sicher nicht dahinschwinden! Deshalb tue ich etwas, worum ich mich sonst immer gern drücke, nämlich mit zwei Knäulen gleichzeitig stricken.

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Am besten wechselt man tatsächlich nach jeder einzelnen Runde das Knäul, um nicht versehentlich ein sichtbares Ringelmuster zu produzieren. Wenn man wie in meinem Fall in der Runde arbeitet, ist das einfach und zum Teil sogar besser als das Wechseln nach mehreren Runden, da so keine langen Spannfäden zwischen den Knäuleinsätzen entstehen.

Aber auch beim Stricken in Reihen kann man das Knäuel in der Regel problemlos nach jeder Reihe wechseln. Da strickt man dann die Hinreihe mit Knäuel A, zieht die Arbeit wieder ans Ende der Rundstricknadel, strickt noch mal eine Hinreihe mit Knäuel B, wendet, strickt die Rückreihe mit Knäuel A, zieht die Arbeit wieder ans Nadelende und strickt die Rückreihe noch mal mit Knäuel B. Und immer so weiter. Manche Muster erfordern dafür etwas Knobeln und Umdenken, aber machbar ist alles.

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Wer darauf keine Lust hat, kann auch auf den Trick zurückgreifen, den ich bei den Ärmeln angewendet habe. Hier habe ich nur mit einem Knäuel gleichzeitig gestrickt und nur die letzten paar Runden mit dem neuen Knäuel abwechselnd geringelt, bevor ich vollständig zum neuen Knäuel übergegangen bin. Das gibt einen fließenden Übergang von einer Farbe zur anderen, ähnlich wie beim So Faded Pullover. Beim Körper hätte mir das zu sehr vom Rippenmuster an den Schultern abgelenkt. Aber für die schlicht rechts gestrickten Ärmel passte der Farbverlauf gut.

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Mein Pullover ist übrigens ein Hybrid aus dem Weekender von Andrea Mowry und Tegan von Justyna Lorkowska. Bei letzterem gefällt mir Ausschnitt und Schulterpartie, während ersterer mit glatt links gestricktem Körper die schönen Nuancen meiner Zarzamora zur Geltung bringt – eine gute Kombination also! Mit dem kastigen Schnitt freunde ich mich auch immer mehr an, da die Rios sehr weich fällt und keinerlei Kartoffelsack-Flair aufkommen lässt. An einem Wochenende lässt sich der Weekender zwar nicht fertigstellen, aber schön schnell geht es trotzdem.

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Anleitung: Weekender von Andrea Mowry & Tegan von Justyna Lorkowska, Größe XS beim Tegan, um auf M zu kommen
Garn: 5× 100 Gramm Malabrigo Rios in 863, Zarzamora
Nadeln: KnitPro Symfonie Rundnadel & ChiaoGoo Bambus Nadelspiel in 4,5 mm

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Kommentare

  1. Von Loewi am 29. Oktober 2019:

    Das ist ja witzig, der Weekender steht auch auf meiner Agenda. Deiner ist sehr schön geworden. Ich brauch nur mehr Wärme am Hals ;). Ich weiß nicht, ob ich das hier fragen kann, ich tue es einfach mal:Was macht ihr so mit den geliebten aber zu klein gewordenen Strick Stücken? Mein Schrank ist so voll. Ich habe fast alles noch aus den letzten 10 Jahren, weiß och genau, wie ich die gestrickt habe. Pullis und Jäckchen. Aber von Größe 36/38 auf 40/42, da passt nicht mehr alles. Wohin damit? Herzliche Grüße und fröhliches Stricken von Löwi

    • Von Nina am 29. Oktober 2019:

      Hallo Löwi,
      vielen Dank! Zum Glück kann man ja so einen Weekender sehr gut mit Tüchern und Schals aller Art upgraden, sonst wärs mir auf Dauer auch zu frisch. 😉
      Bei deinem Pullover-Problem kam mir spontan eine süße Idee, hoffentlich ist sie dir nicht zu radikal: Ich habe letztens einen Bericht über eine Dame gesehen, die aus alten Norwegerpullis Teddys näht. Sie hat so für viele Menschen aus Sachen, an denen viele Erinnerungen hingen, kleine Andenken geschaffen. Vielleicht ist das auch was für dich? Klar, man kann Pullover per Steek vergrößern, ribbeln und an kleine Menschen verschenken, aber darüber hast du bestimmt auch schon selbst gedacht. Wenn das alles nicht in Frage kommt, sind Teddys, die dich an schöne Zeiten mit deinen Lieblingspullis erinnern, vielleicht schöner als Sachen, die für immer im dunklen Schrank liegen. 🙂

  2. Von Silvia am 30. Oktober 2019:

    Als Anfänger frag ich mal doof, kann man beim Stricken in Reihen nicht auch einfach das Knäuel in der Rückrunde wechseln? Also Hinreihe mit Knäuel A und die Rückreihe mit Knäuel B?

  3. Von Sarah am 07. November 2019:

    Das handgefärbte Garne sich etwas unterscheiden können ist ja ganz natürlich.
    Aber über so immense Farbunterschiede hätte ich mich beim Öffnen des Paketes schon sehr geärgert.
    Besonders, da die Malabrigo Garne ziemlich teuer sind. Da hätte ich dann vom Hersteller schon erwartet, die unterschiedlichen Färbungen wenigstens grob zu sortieren und nur ähnliche zusammen zu versenden.
    Aber dein Pulli sieht ganz toll aus und steht dir auch wunderbar!

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