Neinein, mir ist nur was ins Auge geflogen!

Heute wurde das Fassadenschild abmontiert und ich habe das Gefühl, dass wir doch noch die Schließung unseres Showrooms erklären müssen. Bisher wurde ja nicht viel mehr kommuniziert als „Is dicht, müssense im Lager abholen.“

Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, betrieben wir seit August 2012 einen Showroom in der Stralsunder Altstadt, gar nicht weit von der Fußgängerzone und dem Ozeaneum, eigentlich genau dazwischen. Kein richtiger Laden, aber erst auf den zweiten Blick: Es wurden nur Proben-Stränge aller Farben all unserer Qualitäten ausgehängt, Bestellungen konnten bei der Verkäuferin aufgegeben werden und wurden entweder noch am selben oder am nächsten Nachmittag vom Lager in die Stadt gebracht – je nach Zeitpunkt der Bestellung.

Vor Ort gab es kaum etwas direkt zu kaufen, erst spät fingen wir an, Garn-Sets zu packen und im Laden auszulegen.

Bild Showroom Lanade 1

In der Konzeptionsphase schien uns das eine ganz gute Idee – das volle Garnstudio-Sortiment (wo es ja generell nicht gerade üppig viele Läden mit dieser Marke in Deutschland gibt), in angenehmer Atmosphäre und mit freundlicher Beratung – mit dem kleinen Wermutstropfen der verzögerten Bereitstellung der gekauften Artikel.

Als Zielgruppe ins Auge gefasst hatten wir natürlich die vielen Touristen, die ein paar Tage in der Stadt oder auf Rügen verbringen und somit die Möglichkeit haben, nachmittags nochmals vorbeizukommen, sowie die Leute aus der Region, die auch nicht gerade mit Wollläden gesegnet ist.

Wir hatten nie vor, mit dem Verkauf über den Showroom reich zu werden. Wir wollten den Leuten die Möglichkeit geben, das Online-Sortiment auch mal in die Hand nehmen zu können, wir wollten direkten Kundenkontakt, Strickabende genießen und einfach auch etwas Schönes in die Welt setzen, was unser Unternehmen und unsere Einstellung repräsentiert.

Und ja, der Showroom war unser Baby – intern natürlich „Laden“ genannt, das andere Wort ist fast zu schrecklich, um es zu benutzen. Aber wie will man den indirekten Verkauf in einem Wort sonst rüberbringen? Jedenfalls haben wir irre Mühe und Geld in den Laden gesteckt, können Sie sich kaum vorstellen.

Nachdem wir unser Lager umgezogen hatten, standen die Räumlichkeiten eine Weile leer, wir waren vertraglich gebunden. Wir hatten uns zu dem Zeitpunkt bereits eine Weile mit dem Gedanken an ein kleines Lädchen getragen und planten nun eifrig und ohne großen Blick auf die Kosten.

Zuerst kamen die Maler, die die miesen Wände aufbereiteten, dann der Graffiti-Künstler, der zwei Monate lang die skandinavische Gebirgslandschaft malte. Anschließend die beiden Ladenbauer, die mit tollen Ideen für Details an vielen Stellen i-Tüpfelchen setzten. Allesamt haben Sie großartige Arbeit geleistet und es blutet uns das Herz, all dies rausreißen und in einen Container werfen lassen zu müssen, wirklich.

Den Laden weiß zu streichen, mit „IKEA Expedit“ vollzustellen und diese mit Wolle zu füllen, hätte einen Bruchteil der Kosten verursacht und wäre wahrscheinlich viel erfolgreicher gewesen – das hat man nun von seiner vermeintlichen Innovativität 😉

Bild Showroom Lanade 2

Jedenfalls, um wieder zur Rechtfertigung für die Schließung zurückzukehren, müssen wir uns an irgendeiner Stelle verplant haben. Sei es fehlende Werbung, uneindeutige Schaufenstergestaltung, das unangenehme Konzept der verzögerten Warenausgabe oder ob am Ende einfach die Region nicht genug hergab, es ist nie ganz klar.
Was auch immer der Grund, der Laden hat sich nicht getragen. Und ja, empfindlich nicht getragen. Natürlich braucht so etwas seine Zeit, aber die Kurve war seit Eröffnung konsequent flach. Und nein, wir hätten nichts dagegen gehabt, für noch ein paar Jahre etwas mehr Geld reinzustecken als wir rausbekommen – unser Baby, wie gesagt. Aber jeder, auch ein Laie, hätte uns angesichts der Zahlen einen Vogel gezeigt.

Und so nutzten wir den auslaufenden Mietvertrag, den schon lang bereitstehenden sauren Apfel zu verzehren. Am 17. April 2014 schlossen wir unseren Laden und sind jeden Tag traurig darüber, natürlich.

An dieser Stelle möchte ich auch unsere Stammkunden um Verzeihung bitten, die wir mitunter damit enttäuscht haben. Ich hoffe, Sie haben Verständnis.

Jedoch haben wir unsere Zuversicht nicht verloren – es ist nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann noch einen Versuch starten werden. Vielleicht nicht in Stralsund, bestimmt nicht mit demselben Konzept, aber wieder mit viel Liebe und Hingabe 🙂

Danke, dass Sie uns erlaubt haben, uns zu rechtfertigen.

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Kommentare

  1. Von Michaela am 06. Mai 2014:

    Ich hatte das große Glück im letzten Sommerurlaub den Lanade-„Laden“ kennen zu lernen und hatte großen Spaß mir vor Ort die Wolle auszusuchen. Am nächsten Tag konnte ich noch im Strandkorb mit dem Stricken beginnen. Seit dem habe ich noch regelmäßiger und viel mehr online die schöne Drops-Wolle gekauft. Ich bedaure es auch ein wenig, hätte aber sicher nicht so schnell wieder den Laden aufsuchen können.
    Dem Lanade-Team wünsche ich weiterhin viel Erfolg und viele treue Kunden.

  2. Von Daniela Stöcker am 06. Mai 2014:

    Ihr Lieben, ich danke Euch für eure ehrlichen Worte. Ich bin recht traurig, denn der Besuch bei euch gehörte für mich zum Rügenurlaub einfach dazu. Aber das war nun mal nur einmal , mit viel Glück zweimal im Jahr. Den meisten anderen Lanade-Fans gings da wohl nicht anders. Davon kann man natürlich keine Miete und Gehalt bezahlen. Und ja ,ich fand das Konzept auch ein bisschen unglücklich. So ein bisschen wie früher die Quelle Bestellshops. Ich bin beim ersten Besuch durchgeaufen , hab alles angefaßt und mir aufgeschrieben , was ich bestellen will. Ich hätte es natürlich lieber gleich mitgenommen. 😉 Zum Glück hatte die liebe Ulrike ja ihre große Kiste im Kämmerchen, da hab ich mir ein wenug Urlaubsproviant mitgenommen. Und ich fand euch für Nicht -Einheimische ein bißchen schwer zu finden , doch etwas unscheinbar.
    🙂 Die Besuche bei euch waren dennoch großartig, ich habe mich jedesmal riesig drauf gefreut und ich werde im September schon recht traurig sein….. Urlaub ohne Lanade….. aber ihr seid ja zum Glück nur 3 Mouseclicks entfernt!;) Liebe Grüße! Daniela.

  3. Von Birgit am 06. Mai 2014:

    SchadeSchadeSchade….
    Aber, jedes Ende birgt auch einen Anfang in sich….
    Die Idee war gut, das Konzept ging leider nicht auf.
    Es gehört auch Mut dazu, einen Schlußstrich zu ziehen. Am Ende siegt die Erfahrung und das Wissen darum, was man beim nächsten Mal anders machen müßte, um erfolgreich zu sein.
    Die Zeit für eine neue Idee wird kommen….

  4. Von Tim am 06. Mai 2014:

    Das ist aber nett – vielen Dank für die ermutigenden Worte. Und ja, wir haben viel Erfahrung gewonnen und würden ein zweites Mal vieles anders machen, ohne Frage.

  5. Von Verena am 08. Mai 2014:

    Das hast du jetzt schön geschrieben Tim. Ich bin sehr glücklich, dass ich letztes Jahr dort war und sehr schöne Tage in Stralsund hatte, mit einigen anderen sehr netten Menschen.
    Außerdem konnte ich mich im April 2014 ja dann glücklicherweise auch noch persönlich vom schönen showroom verabschieden, da bin ich jetzt doch sehr froh drüber.
    Aber ich verstehe, manchmal muss man einfach Prioritäten setzen. Ich bin gespannt auf die Zukunft 🙂
    Liebe Grüße

  6. Von Birgit Schmidt am 08. Mai 2014:

    Auch mich hatte es voll erwischt. Extra von Bad Oldesloe über Rostock – Mutti ins Auto eingeladen -und dann ab nach Stralsund , im Auto in Gedanken schon voll im Kaufrausch.Und dann standen wir vor dem geschlossenen Showroom …eine Woche zu spät.
    Aber wir haben nicht aufgegeben und haben uns zum Lager getraut. Es hat sich gelohnt!!! Abends auf der Couch bei Mutti wurde fleißig genadelt. Nochmals vielen Dank, dass wir so kurz vor Feierabend so unproblematisch einkaufen durften.
    Vielleicht habt Ihr ja die Möglichkeit in Eurem neuen großen Lager mit Eurer wunderschönen, hoffentlich noch nicht entsorgten Laden-Dekoration mal einen kleinen Lagerverkauf aufzubauen. Also ich komme!!

  7. Von Susanne am 09. Mai 2014:

    Ach wie schade… 🙁
    nicht, dass ich mal eben schnell vorbei gekommen wäre, denn ich wohne an einem anderen Ende der Republik, aber da ich einen Urlaub in der Nähe geplant hatte, wäre ich gerne auf nen Sprung vorbei gekommen.
    Am Lager lässt sich kein Verkaufsraum zaubern? Vllt. ist noch was aus dem Container zu retten (ist doch echt schade drum 🙁 )……
    Ich drück die Daumen, dass es wieder mal was in der Art gibt und dass es dann bombig läuft!

  8. Von Sabine H. am 16. Mai 2014:

    Hallo,
    leider habe ich jetzt erst entdeckt, dass Ihr so einen schönen Showroom hattet. Tolle Ideen, die Ihr da umgesetzt habt. Und ich schließe mich den Vorrednern an: Hoffentlich ist nicht alles im Container gelandet.
    Da ich im Rheinland wohne und auch sonst keine Verbindung in den Norden habe, hätte ich den Showroom wohl nicht besucht. Aber ich denke, dass Euer Konzept/ Eure Gestaltung im Zusammenhang mit direktem Verkauf doch erfolgreich sein kann. Mit Sicherheit sollte der Standort dort sein, wo von vorne herein mehr Käuferpotenzial angesprochen werden kann. (Z.B. im Rhein-/ Ruhr-Gebiet 😉 ) Nicht nur einkaufen als Farb- und Garnauswahl, sondern als kleines Erlebnis, Abenteuer, Entdeckungsreise… das fällt mir zu Euren Showroom – Aufnahmen ein. Ich fänd’s schön, wenn Ihr noch mal einen neuen Versuch startet.

    Liebe Grüße und alles Gute

  9. Von Stefanie am 30. Mai 2014:

    Sehr schade, das war ein einzigartiger Laden.

    Allerdings hat die Kombination von „nur schauen, nicht mitnehmen“ meinen spontanen Wunsch nach vieeeeel Wolle – jetzt! – schon sehr gestört.

    Ich freue mich auf einen neuen (Kauf-)Laden zum Schauen, Anfassen und sofort-mit-nach-Hause- nehmen – gerne in Hamburg. 😉

  10. Von M. v. Vogelsang am 08. Juni 2014:

    Habe gerade erst das Drama erfahren… „Drama“ weil ich morgen in Urlaub in Eure Gegend fahre und fest damit gerechnet habe einen Besuch bei Euch zu machen, wo ich über Google sogar die Öffnungszeiten herausgefunden hatte… Nun ist das wieder nichts :-(((
    Es wäre zu schön gewesen alles anfassen zu können bevor man Entscheidungen trifft…
    Andererseits habe ich hier was von „Lager“ gelesen, weiss aber natürlich nicht wo das wäre und ob man da so ohne weiteres auch hinkann…?
    Klärt man mich bitte auf?
    Ansonsten wünsche ich Euch alles Gute! Wenigstens online läuft ja noch was… :-))
    Madeleine v. V.

  11. Von Kirsten am 26. Oktober 2015:

    Ihr Lieben, das ist ja wirklich schade! Aber manchmal muss sich erst eine Tür schließen, damit eine andere geöffnet wird. Ich wäre ja sofort für einen Laden in Berlin zu haben 🙂 Denn auch wenn es hier eine große Auswahl an Läden gibt, ist für mich irgendwie nie der richtige dabei. Ich gehöre zu den Menschen, die eigentlich die Produkte erst einmal live sehen möchten. Wie fühlt sich die Wolle an? Wie sieht die Farbe wirklich aus? Und wie oft fehlt dann einmal doch noch ein Knäuel?
    Vielleicht ist das ja eine neue Möglichkeit!

  12. Von Kerstin am 01. Mai 2017:

    Schade ,schade :-(((
    So ein schöner Showroom. Ich wollte endlich mal hin auf dem Weg nach Hiddensee und habe nach der Adresse gegoogelt, aber leider…
    Hätte mir den „Laden“ gerne mal angeschaut, sooooo schön und: Wolle muss man einfach anfassen können!
    Habe leider kein Auto, sonst wäre ich beim Lager vorbeigefahren. Vielleicht könntet Ihr mal einen Laden in Rostock aufmachen? Hier gibt’s kein Drops-Garn und Wollläden auch nur wenige. Bleibt mir nur wieder das Internet.
    Ich wünsche Euch viel Erfolg und vielleicht sehen wir uns ja hier mal 😉
    Viele Grüße aus Rostock

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