Wolle wickeln für Fortgeschrittene

So langsam neigt sich das Jahr 2015 seinem Ende entgegen und auch wenn wir bei der Auswahl der Blogthemen nicht unbedingt alphabetisch vorgehen, sind wir heute trotzdem bei „W“ wie „wunderbare Wolle wickeln (with) Wollwickler“ 😀

Seit ein paar Wochen haben wir den Wickler von KnitPro im Sortiment und den will ich euch heute vorstellen.

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Lange Zeit habe ich die Malabrigo-Schätzchen per Hand vom Strang zum Knäuel gewickelt. Für mich war das nie ein notwendiges Übel, sondern eine herrliche, genussvolle Arbeit, manchmal sogar in allerschönster Umgebung. Aber nachdem ich mir einmal den Spaß gemacht hatte, auszurechnen, wie viele Kilometer pro Stunde ich da zustande brachte (weit unter Schrittgeschwindigkeit), wurde mir klar: bisschen schneller wär’ auch noch schön.

Kurze Zeit später zog also KnitPros robustes, kleines Arbeitstier bei mir ein, war schnell zusammengebaut (man befestige den Konus am Drehteller, fertig) und drehte auch gleich die ersten Runden. Die Mechanik, die praktischerweise mit einem Dichtring gegen Fusselflug immun ist, macht trotz der überwiegend in Kunststoff gehaltenen Ausführung einen soliden Eindruck und bisher keinerlei Mätzchen.

Der Wickler lässt sich an Tischkanten oder ähnlichem bis 6 cm Dicke befestigen und hält, solange die Kante nicht zu rund ist, bestens dank einer Gummierung an der Schraubklemme. Ein schwenkbares, kleines Drahtärmchen führt den Faden, der in einem Schlitz oben auf dem Konus festgeklemmt wird. Es empfiehlt sich, den Faden zusätzlich zwischen den Fingern durchlaufen zu lassen, weil man so wunderbar kontrollieren kann, wie fest oder locker die Wicklung wird und man außerdem das Drahtärmchen am Herumzappeln hindert.

Die kleine Kurbel im KnitPro-Corporate-Identity-Lila produziert nun, im Uhrzeigersinn gedreht, wunderbar ebenmäßige, zylindrische Knäuel bis 100 g, die sich von innen oder außen hübsch gleichmäßig abwickeln lassen, ohne dabei doof durch die Gegend und bevorzugt unters Sofa zu rollen.

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Der Profi-Tipp von Carolin, zu Beginn locker und dann mit mehr Fadenspannung zu wickeln, erwies sich als perfekt, um ein durchweg glatt laufendes und gegen Ende nicht in sich zusammenfallendes Knäuel zu bekommen. Wenn man das mit der Fadenspannung erstmal raus hat, kann man übrigens auch zwei Fäden gleichzeitig zu einem Knäuel wickeln: zum doppelfädig Stricken 😀

Man kann durchaus auch fertige Knäuel umwickeln (und sich schon mal seelisch und moralisch auf eventuell enthaltene Knoten vorbereiten oder sich zu freuen, dass keine drin sind) und nervenzerfetzende Fälle von Wollkotze nach dem Entwirren als krönenden Abschluss wieder richtig in Form bringen.

Übrigens: wer motorisch schon halbwegs befähigte Kinder im Haushalt hat, der kann seine Wollwickel-Zeit fast bis auf Null reduzieren, denn die meisten Kinder lieben Wollwickler. Es ist nur die Frage, ob man Ihnen den Spaß gönnt oder lieber heimlich abends, wenn sie schon schlafen, selber an der kleinen Kurbel dreht 😉

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Fazit: Der kleine Plaste-Kumpel tut zuverlässig und ordentlich was er soll und hat sich hier zum unverzichtbaren Zubehör gemausert. Mit seinen runden Formen ist er hübsch anzusehen. Natürlich bleibt er optisch hinter den wunderschönen, handgefertigtigten, hölzernen Varianten zurück. Preislich aber auch und zwar noch deutlicher 😉

Die selbstgemachten Knäuel (englisch übrigens „cakes“) rücken das Garn hübsch gleichmäßig und ohne Mätzchen heraus und garantieren bestes Strickvergnügen für viele, viele Projekte. Wer also darüber nachdenkt, beim Wolle wickeln technisch aufzurüsten, dem sei der KnitPro Wollwickler wärmstens ans Herz gelegt 🙂

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Kommentare

  1. Von Sonya am 23. Dezember 2015:

    Herzlich, erfrischend und überaus informativ, dein Blogeintrag gefällt mir wieder suuuuuper gut Antje ♡
    Und der Wickler hüpft auf die Wunschliste 😀

  2. Von Anette am 23. Dezember 2015:

    Hallo Antje,
    danke für den Beitrag, wie immer sehr informativ, lustig und – jedem mal weiß ich danach, was ich uuuuuunbedingt auch noch brauche 🙂
    Ich kann mir dies praktisch nicht so ganz vorstellen, was machst Du während des Wickelns mit dem Wollstrang? über die Knie gespannt und mit einer Hand die Kurbel drehen? Wie stellst Du sicher, dass der Strang gespannt bleibt?

    Lieber Grüße
    Anette

    • Von Marianna am 23. Dezember 2015:

      Anette hat bereits die Frage gestellt, die mich ja auch sehr interessieren würde. Zum Strangaufwickeln habe ich bisher Familienmitglieder motvieren müssen mir zu helfen.
      Der Wollwickler wäre für mich auch sehr praktisch.

    • Von Antje am 24. Dezember 2015:

      Hallo Anette und Marianna 🙂
      In der Hand würde ich den Wickler nicht halten, einfach weil ich eine Hand zum Kurbeln und eine zur Fadenführung brauche. Aber die Klemme funktioniert echt gut. Und wenn ich direkt vom Strang wickle, benutz ich zusätzlich eine Haspel. Das funktioniert bei der Geschwindigkeit, die der Wickler bringt, einfach am besten 🙂

  3. Von Alena am 23. Dezember 2015:

    Leider muss ich sagen, dass bei meinem nach mehreren Wochen innen drin etwas geknackt hat – und dann ging nichts mehr. Das Gerät lässt sich leider auch nicht öffnen, da es rundum wohl verklebt ist, so dass ich nicht nachschauen konnte ob es möglicherweise reparabel ist ohne es vollends zu zerstören. Schade.

    • Von Antje am 24. Dezember 2015:

      Hallo Alena,
      Also unsere lassen sich aufschrauben, gar kein Problem. Einfach die zwei kleinen Schrauben auf der Unterseite lösen und die weiße Abdeckung hochziehen und zur Seite drehen 🙂

  4. Von Petra am 24. Dezember 2015:

    Ja,wo lege ich den Strang Wolle ab,um ihn wickeln zu können?
    Ich habe gestern einen Strang Malabrigo Sock gewickelt,ganz einfach. Strang über Drehsessellehne und los ging es. Ich saß bequem auf meinem Stricksessel,schaute dabei noch fern und im Nu hatte ich so ein Wollei fertig.
    Vielleicht sagst Du uns noch,wo Du den Wollstrang hinlegst,irgendwo muss er ja einen Halt haben?
    Liebe Grüße
    Petra

  5. Von Sandra am 28. Dezember 2015:

    Einfach ein tolles Teil Aber der Drahtarm zappelt bei mir nicht den kann man an der Unterseite des Wicklers doch festklemmen LG

  6. Von Sooza am 30. Dezember 2015:

    Sehr nett geschrieben 🙂 Ich habe nach zwei No-Name China-Geräten jetzt auch den von KnitPro hier. Ich finde gut, dass alle Zahnrädchen im Gehäuse versteckt sind und so nicht unfreiwillig zum Wollfresser werden.

    Als einziges Manko empfinde ich die Klemmbefestigung. Man braucht wirklich ein frei liegendes (Regal-)Brett oder so. Ich hatte meine alten Wickler immer dauerhaft am Ikea Sideboard angeklemmt, und die Schublade darunter ging auch noch auf. Dadurch dass der KnitPro unten diese Lange Schraube mit der Flügelmutter hat, geht das leider nicht mehr. Ich muss ihn jetzt an einer Ecke fest machen und da rennt schon mal gerne jemand dagegen – ich eingeschlossen *autschie* :-/

    Die Knäule wickelt er nicht besser und nicht schlechter als die No-Name Geräte. Leider hat auch er die Eigenheit, dass bei zuviel Spannung der Faden irgendwie überspringt und dann auf der Unterseite des Knäules unschöne Schlaufen bildet.

    Was ist Euer Tipp für eine Schirmhaspel? Ich habe hier eine aus Holz von Wollknoll. Das Teil verrichtet seinen Dienst, aber vielleicht gibt es schönere/bessere?

    Frohes Stricken!
    Susan

  7. Von Carla am 06. Januar 2016:

    Ich habe mir den Wollwickler auch gegönnt, als er hier im Sortiment aufkam.
    Mein Mann hat mir eine wunderbare platzsparende Haspel aus einem Drehteller vom Möbelschweden gebaut.
    Ich habe an den ersten beiden Abenden mehr oder weniger meinen ganzen Strang Stash gewickelt. Wunderbar… sieht schön aus und macht echt Spaß

    Liebe Grüß
    Carla

  8. Von Löwi am 04. Juni 2016:

    Mein wollwickler schafft keine 100gramm. Nach ca.2/3strang macht er nur noch Kuddelmuddel. Oder mach ich was verkehrt? Echt ärgerlich, den Rest zu entwirren und dann per Hand zu wickeln. Ich lege den Strang über eine bzw. zwei Stuhllehne.
    LG löwi

    • Von Antje am 05. Juni 2016:

      Hallo Löwi,
      mensch wie ärgerlich. Ich könnte mir vorstellen, dass etwas mehr Fadenspannung dein Problem lösen könnte. Dazu musst du den Faden zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und ihn mit etwas Widerstand durchlaufen lassen. Das Knäuel wird dadurch fester und sauberer. Probiers mal aus und melde dich sonst nochmal bei uns unter info@lanade.de

      LIebe Grüße!

  9. Von Doris am 04. September 2016:

    Ich hab mir beides zugelegt, Wickler und Haspel, aber für mich stellen sich noch 2 Probleme dar: wie befestige ich das Garnende außen fertig gewickelt am besten und wie handhabt ihr das mit den Etiketten? Befestigt ihr die und wenn ja, wie? Liebe Grüße

    • Von Antje am 06. September 2016:

      Hallo Doris 🙂
      Das äußere Garnende wickle ich ein paar Runden wie einen Gürtel um das Knäuel herum und stecke es als Letztes einmal unter dem Gürtel durch. Das hält gut. Das Etikett kannst du unter dem Gürtel feststecken (Malabrigo) oder mit einem Papierstreifen verlängern und es als Mäntelchen (aber über dem Gürtel) um das Knäul legen und mit Klebeband fixieren. Ich persönlich wickle meine Knäuelchen immer erst wenn ich sie brauche und mache mir die Mühe mit dem Etikett erst wenn ein Rest übrig bleibt. 🙂

  10. Von Corinna am 23. März 2017:

    Hey, ich habe mir auch so einen bestellt und theoretisch ist das ne feine Sache, aber bei mir rastet die Spule nicht ein. Die fliegt dann während des Wickelns immer wieder runter. Ist das normal, oder sollte die einrasten? Vielleicht mache ich was falsch…?

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