Och, och, noch ein Loch!

Handgestrickte Socken! Ach, für die kalten Winterfüße gibt es doch kaum was Besseres, oder? Doch was, wenn sie löchrig werden? Wegwerfen, neue Wolle bestellen und neu stricken? Hmmm, nicht wirklich, oder? Wie wäre es mit: Stopfen, neue Wolle bestellen und was Anderes stricken? Klingt doch gleich viel besser 🙂 Ich zeig euch mal, wie es geht.

Für mein Beispiel müssen hier Strümpfe aus DROPS Karisma herhalten. Gut, die Karisma eignet sich nur bedingt für Socken. Und wenn, sollte man sie tunlichst als Haussocken in der Wohnung tragen. Und nicht drei Stunden drin wandern gehen. Wieder was gelernt …

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Was wir brauchen: eine stumpfe Stopfnadel, eine Nadel zum Vernähen der Enden, Garn (am besten passende Reste), ein Stopfei, Stopfpilz oder, in Ermangelung eines solchen, ein kleines Glas oder auch eine Espressotasse. Dieses Utensil wird zum „Aufspannen“ des Lochs unter selbiges gelegt, so dass man gut daran arbeiten kann.

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Und es kann losgehen! Fädelt den Stopffaden so in das Gestrick, dass das Endstück auf der linken Seite ein paar Zentimeter lose hängt, die braucht ihr später zum Vernähen. Wir bauen uns zuerst eine Art Gerüst, an dem wir im zweiten Schritt die Fäden verweben. Mehr ist es eigentlich nicht. Weben.

Also, um es in Webersprache zu sagen: Wir schären die Kette. Dazu pieken wir jeweils ein paar Maschen vom Loch entfernt oben und unten in das Gestrick und nähen ein paar Maschen im normalen Heftstich (hoch–runter–hoch–runter) bis zum Loch, Spannfaden spannen, und auf der anderen Seite wieder Heftstich (hoch–runter–hoch–runter).

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Achtet darauf, mit den Heftstichen weit genug aus den morschen Maschen rauszukommen, so dass alles gut gesichert ist. Das macht ihr so lange, bis ihr genügend Spannfäden über das gesamte Loch gespannt habt. Macht im Zweifel ruhig zwei mehr als zwei weniger, also setzt sie relativ eng, so wird auch die Flickstelle stabiler.

Im zweiten Schritt wird euer Faden nun zum Schussfaden, das heißt, ihr dreht das Ganze um 90 Grad, näht wieder brav am Rand eure Sicherungsstiche und verwebt dann den Faden mit den gespannten Kettfäden. Achtet auch hier darauf, dass ihr schön eng arbeitet und dass ihr wirklich immer reihenweise abwechselnd den Faden über und unter der Kette führt.

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So, schon fertig! Unsichtbar? Kunstvoll? Nein, wirklich nicht. Besser als vorher? Auf jeden Fall!

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Und weil es so schön war, habe ich direkt auch noch die anderen Löcher gestopft.

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Fazit: Für meinen ersten Versuch finde ich es schon ganz ok, es ist in Sachen Kunstfertigkeit sicherlich noch Luft nach oben. Falls meine Socken aus DROPS Fabel mal ähnliche Auflösungserscheinungen zeigen sollten, werde ich sie sicherlich auch wieder stopfen, zum Wegwerfen sind mir handgearbeitete Sachen einfach viel zu schade.

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Kommentare

  1. Von Britta D. am 06. März 2018:

    Du hast mehr Freude an der Stopfarbeit, nämlich anschließend beim Laufkomfort, wenn Du die erste Lage, nämlich die von Dir bezeichnete „Kette“ aus halbiertem Faden herstellst, sonst wird der Bereich, den Du mit Heftstich in die alten Maschen einziehst, unglaublich dick und drückt beim Laufen, wenn Du Pech hast gibt es sogar Blasen. Da hast Du nämlich im Übergangsbereich die neue „Kette“, en neune Schuß und auch noch die gruscheligen Reste der alten Maschen.

    Die Schußfäden am besten auch halbieren und dafür sehr dicht setzen, und beim Wenden jede 2. Wende vor- bzw. nach der vorherigen Wende machen, damit die Runde, die ja auch noch extra überlappt, ein bißchen im Zickzack verteilt wird, damit da nicht ein extradicke gerade Kante entsteht.

    Alternativ kannst Du auch den Schaft der Socke abtrennen und einen neuen Fuß anstricken.

  2. Von Britta D. am 06. März 2018:

    PS: beim Neustricken am besten gleich die Fersenkappe und Fußsohle verstärkt stricken

  3. Von Klara am 06. März 2018:

    Ich repariere Socken, indem ich zunächst die offenen Maschen sichere (mit dem Garn, allerdings nur ein-fädig, maximal zweifädig). Danach stricke ich über die gesamte Breite des Loches einfach hoch und stricke immer die letzte Masche an das ursprüngliche Gestrick an (ich glaube ich mache ein ssk, bin mir aber nicht sicher… wenn ich es mache, kommt das automatisch). Zuguterletzt wende ich die Socke und schneide sorgfältig die ausgefranselten Reste der alten Stelle abgeflacht ab.
    Konzentration, sehr gutes Licht und Ruhe sind die wichtigsten Vorraussetzungen, damit dieses Manöver gelingt.
    Freilich gibt es im Internet diese Tipps. Tom of Holland ist hier der Oberguru in Sachen „Mending“.

    • Von Sarah am 06. März 2018:

      Oh, das klingt ja sehr interessant! Da werde ich mich mal einlesen, danke! Genau so etwas meinte ich mit „es ist noch Luft nach oben“ 🙂

  4. Von Petra P. am 06. März 2018:

    Hallo Sarah,

    also ich bin gerade beim Socken stricken. Ich stricke immer eine doppelte Ferse und da hat noch niemand gesagt, Sie habe ein Loch in der Ferse, eher einmal an den Zehen. Dann mache ich es so wie Klara es beschrieben hat. Das funktioniert super und fertig.
    Die Ferse doppelt stricken hat sich daher sehr bewehrt, dass dauert bestimmt sehr lange bis man die durch gelaufen hat.

    • Von Klara am 06. März 2018:

      Stimmt, das mache ich auch. Das polstert zusätzlich. Unsere Pfadibande im Haus ist äusserst dankbar!

    • Von Sarah am 07. März 2018:

      Ja, eine verstärkte Ferse ist immer eine feine Sache. Hierbei wäre es mir aber doch zu dick geworden. Ich hätte halt mit den Strümpfen nicht wandern gehen sollen. Aber Hey, wenn ich das nicht getan hätte, hätten wir alle jetzt nicht diesen tollen Austausch über Techniken und Material!

  5. Von Klara am 06. März 2018:

    Mir ist noch ein Tip eingefallen. Diesmal von Cat Bordhi (ich weiss nicht ob der Nachname genau stimmt…, jedenfalls ist sie auch so ein buntes Tier im Strickreich). Im Fersenbereich und an den Zehen strickt sie immer einen Faden Kidsilk mit. Zum einen verstärkt ein Seidenfaden diese neuralgischen Punkte, und ist wohl unverwüstlich. Um anderen hat Mohair ebenfalls unverwüstliche Eigenschaften und hält aussergewöhnlich warm. Mohair filzt nicht. Seither stricke ich an diesen Stellen immer (farblich abgestimmt) ein solches Garn mit.
    Wir sind begeistert.

    Diesen Tip hat sie im Kommentarbereich von Meg Swansens Blog weitergegeben. Megs Blog ist ebenfalls ein Muss unter technikbegeisterten Strickern und Strickerinnen. Nur so nebenbei…

  6. Von Klara am 06. März 2018:

    Zum Thema Ausbessern hatte ich einen komplizierten Fall. Ein maschinengestrickter Cardigan hat ein kleines aber merkliches Loch am Rücken bekommen. Der liebe Mann war etwas unvorsichtig beim Einstieg in den Zug – zack, schon war es passiert! Die Bitte war, es wieder tragen zu können. Die Reperatur sollte möglichst kaum sichbar sein.
    Das arme Ding lag bestimmt zwei Jahre rum, weil ich ratlos war. Was tun? Dann kommentierte eine Blogleserin auf meine Schilderungen, und schlug vor, von der Innenseite eine klassische Sicherung durch das hier gezeigte Weben zu machen. Und auf der Vorderseite dann eben ein „aufstricken“ im entsprechenden Stich. Voilà! Die Arbeit war an einem Abend erledigt.

  7. Von Chrisstrick am 06. März 2018:

    Meiner Erfahrung nach halten Socken, die an einer Stelle durchgelaufen sind, insgesamt nicht mehr lang. Außerdem sind die wärmsten Socken immer die „frisch“ gestrickten. Deshalb trenne ich, falls der Schaft aufwendig war, lieber den Fuß ab und stricke ihn neu an.

    • Von Sarah am 07. März 2018:

      Uhh, also das wäre mir dann doch zu viel gewesen. Für die Wohnung als Kuschelsocken reichen sie allemal noch, auch mit der Flickstelle 🙂

  8. Von Juliane am 06. März 2018:

    Danke für den Tip mit den Socken! Sie sind sooo schön und ich weiß schon, was der Osterhase meiner Tochter bringen wird 🙂 (Und nein, ich stricke keine Socken sondern Stulpen, da stellt sich die Löcherfrage gar nicht erst ;-))

    • Von Sarah am 07. März 2018:

      Na DAS ist doch mal ein kluger Plan! Da hat die Tochter aber wirklich einen lieben Osterhasen 🙂 Ganz viel Freude beim Stricken!

  9. Von HCL am 06. März 2018:

    Und noch was „Historisches“ zum Thema: Meine Oma hat Unmengen von Socken gestrickt, die bei der Enkelschar immer sehr beliebt waren. Das war im vorigen Jahrhundert, aber ich trage sie noch heute (ok, nur wenn es richtig kalt ist) und habe noch nie eine flicken müssen. Auch einer meiner Brüder meinte unlängst, er habe und nutze noch einige.

    Das Geheimnis ist vermutlich der oben schon erwähnte Beilauffaden (nur bei Ferse und Spitze verwendet), den es damals offenbar genau zu diesem Zweck im Wollladen gab; von der gleichen Firma und in den gleichen Farben wie ihr bevorzugtes Strumpfgarn. Man bekam den Rest auch manchmal zu den Strümpfen dazu „falls Du mal ein Loch stopfen mußt…“.

    Also müßt Ihr wohl die Drops-Leute überzeugen, so etwas auch anzubieten :-))

    • Von Cordula am 07. März 2018:

      Der Beilauffaden war früher bei gutem Sockengarn in der Mitte des Knäuels „versteckt“ und zwar immer schön farblich passend zur Wolle . War eine praktische Sache.
      Die Idee mit einem Mohairfaden finde ich auch gut, da schön dünn.
      Schön, dass Ihr so viele praktische Ideen habt. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden, auf welche Art und Weise ich die durchgescheuerten Socken meines Mannes flicke.

    • Von Sarah am 07. März 2018:

      Ja, der Beilauffaden war früher das, was heute der Polyacryl-Anteil im ganzen Knäuel ist. Aus richtigem Sockengarn gestrickte Socken halten ja auch weeesentlich länger also solche aus Karisma oder Nepal.

    • Von Annie am 07. März 2018:

      Es gibt immer noch einen einschlägigen Sockengarnanbieter, bei dem das Beilaufgarn in jedem Knäuel beibefügt ist. 😉

  10. Von Petra P. am 06. März 2018:

    Das mit dem Beilauffaden an Ferse und Spitze habe ich auch schon gehört aber es noch nie angewendet. Wirklich eine gute Idee. Ich stricke sehr viel Socken, die ganze Familie ist begeistert davon und super, beim nächsten Paar wird es sofort angewandt.
    Vielen Dank

  11. Von Eva am 07. März 2018:

    Eine andere Methode wäre noch, den Fersen- und Spiteznbereich des Sockens durch Hebemaschen zu verstärken.
    Da gbits in Netz dieverse Anleitungen für z.b. hier: https://www.garnstudio.com/video.php?id=235&lang=de
    oder: http://www.teddys-handarbeiten.de/xstrick-w-verstaerke-ferse.htm
    Ich finde die Idee mit dem Beilauffaden allerdings besser.
    Ich stopfe übrigens auch. Handgestrickte Socken wegwerfen kommt bei mir nicht in Fragr, höchstens, wenn sie völlig durch sind,

    • Von Klara am 07. März 2018:

      Das mache ich auch. Ich kenne den „Eye of Partridge“ Stich. Das sieht gleich noch schön aus!

  12. Von Heike Herrmann am 07. März 2018:

    Wie schon gesagt, stopfen, also weben, am besten mit halbem Faden, dafür schön dicht. Und damit es toll aussieht, kann man dann mit Maschenstich nochmal drüber sticken, dann hat man auch gleich eine Verstärkung der Loch-Stelle. Meine Oma konnte fast unsichtbar stopfen. Ich leider nicht.

    • Von Sarah am 14. März 2018:

      Hallo Heike, wird die Flickstelle denn dann nicht zu dick wenn nochmal Maschenstich drüber gestopft wird?

  13. Von Eva am 08. März 2018:

    Die ‚modernen‘ Leute kaufen bei Kik oder Primark 5 Paar Socken für einen Euro – made in Bangla-Desh und werfen sie nach 2 Mal Tragen weg.
    Wir stricken, stopfen und tun damit was für die Umwelt!
    Ich find uns toll!

    • Von Britta D. am 09. März 2018:

      Die Billigproduktion in Asien ist nichts anderes als die moderne, globalisierte Form der Sklavenhaltung. Leider zieht sich die mangelnde Bereitschaft, für Arbeit, Wissen und Qualität angemessen zu bezahlen durch alle Gesellschaftsschichten und Lebensbereiche, s z.B. .Discounterfleisch.

  14. Von Petra P. am 09. März 2018:

    Ja, Eva Du hast recht. Ich weiß bloß nicht, ob das wirklich „moderne Leute“ sind, die so handeln. Ich nenne es „Wegwerfgesellschaft“ und das ist nicht nur bei Socken so-leider.

  15. Von Britta D. am 09. März 2018:

    also ich kaufe meine Socken für EUR 20,– bei Falke und die halten 3 Jahre….

    weggeschmissen habe ich alle selbstgestrickten Socken, die erstens nach 2 x Tragen durch waren, verfilzt, kratzten und sich auf den linken Maschen unter der Fußsohle doof und unangenehm tragen ließen und auch noch dauernd in den Schuhen zusammenklumpten, ich bin da sehr empfindlich und wählerisch und hasse selbstgestrickte Socken schon seit 50 Jahren, selbst die meiner Oma habe ich verweigert.

    Selbstgestricktes kommt nur noch als Stulpe an die Beine, Problem gelöst.

    • Von B. Cottin am 14. März 2018:

      All diese Socken sind/waren einfach zu groß, zu lang, zu weit … für den entsprechenden Fuß.
      Leider geben die meisten Sockentabellen viel zu lange Werte an.
      Ein Strumpf muss immer kürzer und enger als die Fußgröße sein und sich um den Fuß spannen.
      Ein Kapitel für sich!

  16. Von Britta D. am 14. März 2018:

    aha? danke für den Tipp!

  17. Von Susanne am 14. März 2018:

    So viele Möglichkeiten!
    Meine gestopften Socken sahen auch nie so gut aus wie die meiner Omas.
    Beilaufgarn oder verstärkte Ferse funktionieren gut. Demnächst werde ich den Kidsilk-Faden mit einstricken 😉

    Und B. Cottin kann ich nur zustimmen!

  18. Von Gaby am 24. April 2018:

    Hi, also ich stricke mit SoWo z. B. Herzchenferse, Läppchen gleich verstärkt im Halbpatent,
    und beim Zusammenstricken Herzchen (sitzt Fußunterseite) mit Beilauffaden verstärkt.
    Ich mag nämlich Nähen nicht so sehr. ^^ Noch keine Löcher.
    Zum Stopfen würde ich auch Stopfgarn/Beilauffaden nehmen. Ist dünner und wg. des Polesteranteils, und schräg zum Maschenbild stopfen.
    Haussocken: Kacheln sollen auch gut rubbeln. ^^ VG

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