Wie ist das denn eigentlich mit dem Pilling?

In den vergangenen Tagen habe ich unsere Garderobe frühlingsfrisch gemacht. Sprich, alle Wollmützen, Handschuhe, Loops und Wintertücher sind in die Waschmaschine gewandert und freuen sich nun frischen Duftes auf Ihre Ruhepause im Kleiderschrank. Bevor es dort allerdings hineingeht, gab es für das eine oder andere Teil noch einen kleinen Facelift. Und darüber will ich heute berichten: das Pilling.

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Was ist Pilling eigentlich? Kennen tut es sicherlich jeder. Nicht zwingend beim Namen, aber wer hat nicht schon einmal grummelnd die kleinen Kügelchen vom Lieblingspulli gezubbelt und sich dabei geärgert, dass die Jacke doch gar nicht so alt ist, wie sie aussieht?

Grundsätzlich ist Pilling völlig normal und bei Naturfasern unvermeidbar. Entstehen tut es durch einen ganz natürlichen Prozess: Filzen! Setzt man Wollfasern Reibung aus, bestenfalls in Verbindung mit Feuchtigkeit und Wärme, dann filzen sie. Und das ist auch, was hier passiert. Die kleinen abstehenden Fasern unseres Kleidungsstückes reiben aneinander. Deswegen finden wir Pilling auch zuallererst an Achselhöhlen, Ärmelunterseiten und ähnlichen reibungsfreudigen Stellen.

Gutes Beispiel? Die „Fischland“-Mütze meines Sohnes. Der steckt sich die zwar nicht in die Achselhöhle, schont aber seine Wollsachen in etwa so wie ich Spannbettlaken.
Entsprechend erlebt so eine Kindermütze im Laufe eines Winters einiges. Rubbeln an Baumrinde, in Jackentaschen gestopft oder eine Weile am Boden entlang geschleift werden, Blätter rein gerieben und selbige wieder heraus gezupft bekommen (oder auch nicht), bockig zusammengeknüllt werden und in der nächsten Ecke landen. Man hat’s nicht leicht als Mütze eines Sechsjährigen.

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Womit wir auch direkt zur Lösung allen Übels, zum Retter der schönen Wollsachen und Freund aller Kuschelwoll-Liebhaber kommen: dem Fusselrasierer.

Dieses kleine, völlig unterschätzte Gerät schafft wahre Freude, rettet Wollpullis vor dem Altkleidersack und lässt einen nicht aus Pilling-Angst zu Poly-Garnen greifen. So wie die gute Leinenhose nun mal nach der Wäsche gebügelt werden sollte, ist es einfach ein Teil der Kleiderpflege, Wollkleidung ab und an mal einem Fusselrasierer vorzustellen. Das Gerät ist zudem wahrlich kostengünstig und der Effekt ist enorm.

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Ich muss jetzt nicht schreiben, welche Seite ich rasiert habe, oder? Noch immer nicht sicher?

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Jetzt aber, oder? Es ist beachtlich, in welchem Glanz euer Strickstück plötzlich wieder erscheint. Und das macht das Rasieren auch echt zur Freude. Wer darauf nicht so recht Lust hat, der kann es auch das Nachbarskind im Austausch gegen einen Lolli durchführen lassen, denn das Rasieren ist wahrlich kein Hexenwerk.

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So sieht das dann hinterher aus. Severinchens Bauch ist voller Fussel und die Mütze schön wie am ersten Tag.

Und klar, es gibt Garne, die mehr pillen als andere. Dochtgarn zum Beispiel. Verzwirnt man ein Garn, behält es die Fasern besser im Gestrick. Dafür sind Dochtgarne meist noch einen guten Tick weicher und farblich – gerade bei Handfärbungen wie unserer Malabrigo – einfach unschlagbar brilliant. Häufig pillen auch weichere Garne stärker als nicht ganz so weiche.
Möchte man völlig pillingfrei davonkommen, bleiben einem nur Kunstfasergarne.

Aber sind wir doch mal ehrlich. Auf all die guten Eigenschaften der Naturfasern verzichten, wegen ein paar Pilling-Kügelchen? Auf das „Himmel, ist die weich!“ verzichten, nur weil  sich da ein Faserknötchen bilden könnte? Dann doch lieber ab und an ein paar Minuten Textilpflege betreiben und den traumhaft weichen Merino-Pulli mal rasieren, nicht wahr?

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Kommentare

  1. Von Monika Nieborg am 12. Mai 2015:

    Ich habe die BAS in natur, seegrün und schwarz verstrickt. Nur beim schwarz gab es die nervigen Pillings.
    Es scheint also auch am Färben liegen, oder.
    Liebe Grüße von Monika Nieborg

    • Von Carolin am 13. Mai 2015:

      Hallo Monika,
      vielleicht reagiert die ein oder andere Faser mit dem ein oder anderen Färbemittel ein bisschen anders. Generell ist das aber schon eher eine Frage der Faser, nicht der Farbe.
      Aber probier’s echt mal mit dem Rasiererchen, das lohnt sich auf jeden Fall.
      Liebe Grüße,
      Carolin

  2. Von M. Vogt am 13. Mai 2015:

    Meine Angst ist da immer dass ich den Fasern schade, dass die Wollsachen schneller dünn werden, wenn ich diese ja quasi schützende Filzschicht abrasiere…
    Ist da was dran oder eher nicht?

    • Von Carolin am 13. Mai 2015:

      Hallo Mona,
      so lange das nur oberflächlich auf den Maschen aufliegt, sollte dies nicht der Fall sein, der Rasierer nimmt einfach diesen ausfliegenden Faserflaum und die Knötchen weg. Wenn sich da jetzt schon flächig Filz gebildet hat, würde ich da auch nicht wild drauf drücken und das abschaben, das würde dem Material sicherlich nicht gut tun. Aber so lange da einfach nur oberflächlich der Faserflaum genommen wird, dünnt sich nichts mehr aus als mit dem normalen Gebrauch.

      Liebe Grüße,
      Carolin

  3. Von Vivianne am 13. Mai 2015:

    Ich hab mir extra einen ganz tollen Fusselrasierer gekauft. Aber die Knötchen kriegt er nicht ab, nur die Fusseln. Was mach ich falsch?

    • Von Carolin am 13. Mai 2015:

      Hallo Vivianne,
      das ist natürlich schwer zu sagen, ich kenne ja deinen Rasierer nicht. Stehen die Knötchen denn ab? Kommt er eventuell mit dem Messer gar nicht ran? Bei meinem ist’s so, dass wenn die Fusselkugeln zu dick sind, die nicht mehr durch den Sicherheitsaufsatz passen und dann natürlich auch nicht abgeschnitten werden können, die zubble ich dann eben so ab. Den Rest nimmt er gut auf. Sonst tatsächlich mal mit einer Rasierklinge oder einem Einwegrasierer nachhelfen.

      Liebe Grüße,
      Carolin

  4. Von Lulisaurus am 25. Mai 2015:

    Danke für den Tipp! Ich habe tatsächlich noch nie von diesen Rasierern gehört, aber das Problem aktuell auch bei einem meiner Lieblingspullis. Werde ich also bald mal selbst ausprobieren.

    Liebe Grüße, Julia

  5. Von Doris am 22. August 2015:

    Ob ein Garn pillt oder nicht, hängt nicht davon ab, obs ein Natur- oder Synthetikgarn ist. Ich habe Pullover aus Schurwollgarn gestrickt, die auch nach ca. 15 Jahren noch wie neu aussehen und ich besaß Pullis aus Polyacryl, die stark pielten. M.E. ist es eine Frage der Qualität. Garn aus langstapeligen Fasern neigen weniger oder gar nicht zum Pilling. Also eher bei Kammgarn, bei dem die kurzen Fasern ausgekämmt wurden. Die langen wandern nicht somleicht nach außen.

  6. Von Madame Flamusse am 20. Januar 2016:

    ok jetzt hole ich mir auch so ein Ding, bei Karisma und nepal gibts da doch einiges zu rasieren

    • Von Carolin am 21. Januar 2016:

      Unbedingt, das war eine der besten Anschaffungen meines Haushaltes überhaupt!

  7. Von Dagmar am 29. Januar 2016:

    Ich hatte immer Angst, gerade Grobstrick oder Strukturmuster, die Kleidung zu beschädigen. Aber aufgrund deines Blogeintrags habe ich mir jetzt auch so ein Teil geleistet (wenn eine Handstrickerin drauf schwört, kann’s nicht so verkehrt sein :)). Und ich bin begeistert. Die “wolligen” Sachen werden wieder ganz ok, aber mein BSC aus Drpos Cotton Merino – der wird (noch nicht ganz fertig bearbeitet) wie neu. Oder schöner wie neu, weil auch der leichte Halo, den das Garn beim Stricken bekommen hat, verschwindet. Danke für den Tipp!

    • Von Carolin am 09. Februar 2016:

      Liebe Dagmar, ich freue mich, dass du so viel Freude mit dem Rasiererchen hast. Mir ging es ganz genauso, kann also wirklich nachempfinden, wie sehr du dich freust! Liebe Grüße, Carolin

  8. Von Fusselmeister am 19. Mai 2016:

    Hi ich will mir den Philips 210 kaufen bei http://fusselrasierer-tester.de/ was meint ihr. Was habt ihr bis jetzt für Erfahrungen mit Fusselrasierer gemacht ?

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