Verkürzt mit Schatten – Shadow Wraps

Donner-wittchen! Ich fürchte, diesen Blogbeitrag muss ich jetzt wirklich mit „Es war einmal …“ beginnen. Denn einst, in märchenhafter Vorvergangenheit, saßen wir hinter den efeuberankten Mauern des Lanad’schen Stricklustgartens und sprachen gerade über verkürzte Reihen – da hatte ich euch angeboten noch eine weitere Wendetechnik zu beschreiben. Wisst ihr’s noch? Heute ist es dann mal soweit 🙂

Bild für Beitrag „Shadow Wraps“ 1

Ich versteh’ nur Rotkäppchen

Verkürzte Reihen brauchen wir immer, wenn wir geradeaus Gestricktes an unsere weniger quadratischen Körperpartien anpassen wollen. Also zum Beispiel Schulter- und Brustpartien, Hosenböden oder – ganz prominent – Fersen. Verkürzt formuliert (haha) strickt man dort, wo man mehr Material braucht, einfach mehr Reihen als im Rest der Reihe oder Runde.

Und damit die Wendestellen nicht auffallen, braucht man dort … Wendemaschen. Die Varianten mit den Wickelmaschen und Doppelmaschen hatte ich euch anno dazumal schon gezeigt – heute ergänze ich die Schattenmaschen (englisch Shadow Wraps), die man für eine weitere Variante der verkürzten Reihen verwendet.

Klar zur Wende?

Es funktioniert mit linken und rechten Maschen recht ähnlich. Ich zeige euch zuerst das Wenden an einer rechten Masche:

  1. bis zur Wendemasche stricken, Faden hinter die Arbeit legen (falls er da nicht schon ist)
  2. das rechte Maschenbein der Masche unter der Wendemasche auf die linke Nadel heben und …
  3. (nur) dieses rechts abstricken
  4. die neue Masche zur Wendemasche auf die linke Nadel heben
  5. Arbeit wenden und in die entgegengesetzte Richtung weiterstricken

Die Wendemasche hat jetzt sozusagen einen Schatten – daher auch der Name –, der aus derselben „Muttermasche“ hervorgeht. Wenn ihr das nächste Mal an diese Stelle kommt, strickt ihr die beiden „Töchter“ ganz unspektakulär rechts zusammen.

Bild für Beitrag „Shadow Wraps“ 3

Und links? Fast analog, nur mit dem winzigen Unterschied, dass man den Schatten auf die andere Seite der Wendemasche legt. Schaut mal:

  1. bis zur Wendemasche stricken, Faden vor die Arbeit legen (falls er da nicht schon ist), Wendemasche auf die rechte Nadel heben ohne sie abzustricken
  2. den Kopf der Masche unterhalb der Wendemasche auf die linke Nadel heben und …
  3. diesen links abstricken
  4. Wendemasche und Schattenmasche zusammen auf die linke Nadel heben
  5. Arbeit wenden und in die entgegengesetzte Richtung weiterstricken

Auch hier müsst ihr, wenn ihr das nächste Mal an die Wendemasche kommt, nichts weiter tun, als die beschattete Masche links zusammenzustricken.

Bild für Beitrag „Shadow Wraps“ 2

Ich weiß, das klingt irgendwie viel zu einfach, aber ich schwöre, das ist schon alles. Kein Ziehen, kein Wickeln, nur ein geschickt platzierter Schatten, den man in der nächsten Reihe unauffällig verschwinden lässt. Wie schon erwähnt, könnt ihr danach auch gleich die nächste Masche als nächste Wendestelle wie beschrieben bearbeiten, ohne dass das zu Unregelmäßigkeiten, Löchern, Knubbeln oder Sonstigem führt.

Bild für Beitrag „Shadow Wraps“ 5

Das hübsche Söcklein da ist übrigens aus unserer neuen Lazy Lion von Kremke Soul Wool in der Farbe 001, Indian Summer. Aber das nur am Rande. Seht ihr die verkürzten Reihen? Ich auch nicht, ist einfach zu unsichtbar 😀 Deswegen hier noch mal ein Beweisfoto mit Kontrastfarbe:

Bild für Beitrag „Shadow Wraps“ 4

Fazit:

Diese Wendemaschen-Technik ist unanständig simpel, quasi unsichtbar und auch für den Spezialfall „Wenden bei jeder Masche“, die meine ansonsten bevorzugte Doppelmasche leider nicht so gut bewältigt, absolut tauglich. Das ovipare Schafkuhschwein lässt grüßen. Probiert es aus 🙂

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Kommentare

  1. Von Franziska am 30. Juli 2019:

    Hallo Antje,
    ich bin völlig hin und weg bin dass es so einfache und unsichtbare Wendemaschen geben soll und ich sie bisher noch nie gefunden hab! Davon mal ganz abgesehen: das ovipare Schafkuhschwein wird sofort in den aktiven Wortschatz aufgenommen 😀
    Danke für beides 😉

    • Von Antje am 30. Juli 2019:

      Oh super, dann sind wir ja schon zwei ;D Immer gern, liebe Franziska!

  2. Von Annette am 30. Juli 2019:

    Hallo Antje,
    Kannst du noch sagen , nach welcher Anleitung Du die Socken gestrickt hast?

    • Von Antje am 30. Juli 2019:

      Hallo Annette, die „Anleitung“ hat meine Mama mir auf zwei Schmierzettel diktiert. Da gehts ganz simpel geradeaus mit Hufeisenferse. Die hübschen Streifen macht das Garn von ganz alleine! Das ist die neue Lazy Lion von Kremke in der Farbe 001, Indian Summer. Ich ergänze das gern noch im Text, danke!

  3. Von Nicolor am 30. Juli 2019:

    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Ich benutze immer diese Art für die verkürzten Reihen, jetzt kann ich euch verlinken, wenn meine deutlich kürzere Erklärung mal nicht reicht. 🙂

    • Von Nanu am 01. August 2019:

      Haha – gerade dachte ich: Dieses Wendemanöver habe ich doch vor Kurzem aus der Sockenanleitung “Dehungsfuge” gelernt. Funktioniert wirklich besser (ist vor allem weniger löcherig) als eine Bumerangferse mit Doppelmaschen.
      Allerdings wusste ich nicht, dass das “Shadow Wraps” heißt.
      Danke Euch allen für die guten Erklärungen!

  4. Von Petra P. am 31. Juli 2019:

    Toller Blog Beitrag, dass mit den rechten Wende Maschen habe ich immer schon gemacht. Wusste aber nicht, dass sie “Schatten Maschen” heißen.
    Aber wie Du das mit den linken Maschen gemacht hast, finde ich spannend, sieht aber auch etwas kompliziert aus.
    Die rechten shadow Wraps habe ich bei Socken noch nicht angewandt aber bei anderen Sachen schon.
    Ach, man kann alt werden wie ein Haus, man lernt einfach nie aus! Danke

  5. Von Ute am 02. August 2019:

    Huhu Antje,
    danke! So kannte ich’s noch nicht, wird aber auf jeden Fall versucht!
    Stricke Socken am liebsten wie meine Omi, Käppchenferse, aber jep, jetzt wird auch ein Bummerang versucht!
    Petra P. hat absolut recht, alt wie ne K….. und man lernt immernoch dazu. Da seid ihr nicht ganz unschuldig dran. Danke!

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