Analog ist in: Ein Notizbuch für die Strickprojekte

Hallo zusammen! Heute möchte ich euch zwei Dinge vorstellen – zum einen mein Projektbuch für meine ganzen Strickprojekte und zum anderen mich selbst. Fange ich doch mal mit letzterem an. Vielleicht erinnern sich einige Leser noch an den weiß-violettfarbenen Webschal oder das (Achtung, Neudeutsch: grau-beige) greige Tuch Modern Love von Angelique den Brok?

Ja? Nein? Diese beiden Projekte habe ich euch vor einiger Zeit vorgestellt und das hat mir und Lanade – und euch hoffentlich auch – so sehr gefallen, dass ich hier nun öfter meinen Senf zu unserem schönen Hobby geben kann. Also ich heiße Nora, bin derzeit 30 Jahre alt und wohne mit meinem Vierertrupp in dem nordöstlichsten Eck des Ruhrpotts (nein, keine Kinder, sondern zwei Katzen und ein Mann).

Stricken, Häkeln und Weben habe ich als kleines Mädchen gelernt und es hat mir früher schon viel Spaß gemacht. Die Interessen waren damals aber doch anders gelagert, sodass ich aktiv erst wieder seit einigen Jahren handarbeite. Zu den genannten ist noch die Spinnerei gekommen (jetzt nicht nur oben rum).

Neben Wolle bin ich außerdem ein Fan von Katzen, Pfingstrosen, Wolle, Wein, Maiglöckchen, Wolle, Erdnussbutter, Wolle, Holz, Blaubeeren und natürlich Wolle. Wie die Liste weitergeht, könnt ihr euch sicherlich so ungefähr denken, deshalb komme ich nun zu meinem zweiten, also dem eigentlich erstgenannten, Anliegen – meinem Projektbuch.

Ich wage mal zu behaupten, dass jeder von euch sicherlich Ravelry kennt und viele es auch aktiv nutzen – da bin ich bestimmt keine Ausnahme. Neben den vielen grandiosen Anleitungen und Gruppen, die es dort zu finden gibt, mag ich besonders die Funktion sein Strickhobby zu strukturieren.

Der Stash (Garnvorrat) kann, wenn gewünscht, dort eingepflegt, Strickprojekte können angelegt, die Projekte und das verwendete Garn kann verlinkt, Nadelstärken und Notizen können angegeben werden. Die Möglichkeiten sind wirklich vielfältig und lassen kaum Wünsche offen. Nun ist diese digitale Buchhalterei nicht für jedermann. Ich persönlich liebe es so sehr, dass ich mir noch eine zweite analoge Akte angelegt habe, und diese möchte ich euch heute vorstellen. Wozu? Dann mal aufgepasst:

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Mein aktuelles Strickprojekt (oder mindestens eins davon) schleppe ich gerne überall hin mit mir herum, und sei es nur mit in ein Wartezimmer. Zudem ändere ich furchtbar gerne Anleitungen so um, dass sie besser zu mir passen. Wenn ich jetzt zum Beispiel mit meinem Sunset-Highway-Sweater-To-Be unterwegs bin und mir dann in den Sinn kommt, die Ärmelabnahmen zu verändern, trage ich die Änderungen direkt in mein Projektbuch ein.

Zu Hause hätte ich das schon wieder vergessen und ein zweiter Ärmel will ja gegengleich gestrickt werden. Ich könnte theoretisch auch über mein Smartphone in meinem Ravelry-Projekt Notizen anlegen, aber neben der Tatsache, nie Netzempfang zu haben, wenn man ihn braucht, ist mir die Tipperei auf dem Handy auch etwas zu umständlich, sobald es mehr als ein Satz ist. Mein Projektbuch wohnt meist inklusive ausgedruckter Anleitung neben meinem Strickstück in einer Tasche, das habe ich also immer mit dabei.

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Sowohl oft benötigte und von mir verwechselte Techniken, als auch wichtige Garntabellen und meine Körpermaße habe ich mir hinten im Buch notiert. Falls ich mal eine Anleitung umrechnen muss oder eine Technik zum x-ten Mal nachschauen muss, habe ich so alles beisammen. Früher hatte ich eine Menge Schmierzettel mit selbigen Notizen, allerdings herrscht in meinem Haushalt ein seltsames Phänomen: Wichtige Notizen verschwinden, aber Wolle vermehrt sich. Geht es noch jemandem so?

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Farbschemata male ich mir direkt mit auf die Projektseite. Den Radiate von Joji Locatelli wollte ich ursprünglich in Puder und Pink stricken. Als ich mir die Farben nebeneinander zeichnete, fiel mir jedoch auf, dass mir der Pulli dadurch zu mädchenhaft und zart für mich wirken würde. Also entschloss ich mich letztendlich für die vorgesehene Grau-Pink-Mischung und bin super zufrieden mit der Farbwahl. Natürlich eigen sich dafür auch Maschenproben, aber Farbstriche aufzumalen geht nun mal etwas schneller 😉

Wenn mir während des Strickens oder am fertigen Strickstück irgendetwas besonders ge- oder missfällt, mache ich mir dazu kurze Notizen zum Projekt. Zum Beispiel habe ich das Kragenbündchen bei dem Radiate eins rechts verschränkt / eins links (statt rechts unverschränkt) gestrickt, um die Rippenstruktur mehr hervorzuheben. Hinterher fiel mir auf, dass sich dadurch das Bündchen in eine Richtung verzieht. Wenn ich den Pulli noch einmal stricken möchte, kann ich nun hier nachlesen, dass dies eventuell nicht so eine gute Idee ist. So etwas vergesse nämlich gerne mal.

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Ich war anfangs nicht sicher, ob ich das Büchlein wirklich aktiv nutzen würde, doch ich blättere erstaunlich oft darin herum, um eine Kleinigkeit nachzuschlagen: Wie habe ich noch mal diese grauen Socken genau gestrickt? Welche Änderung habe ich an Pulli X gemacht, an welchem mir das Bündchen so gut gefiel? Welches Muster und Nadelstärke habe ich noch mal für meinen Topflappen gewählt?

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Anleitungen und Garn zu verlinken funktioniert natürlich nicht so hypermodern wie online, allerdings lässt sich zum Beispiel auch selbst gesponnenes Garn eintragen und mit einer kurzen Notiz zur Seitenzahl einem Projekt zuführen. Eigene Ideen skizziere ich mir in den hinteren Bereich des Buches und schreibe, wenn ich das Projekt umsetze, die Seitenzahl mit zum Projekt (es gibt Notizbücher mit vorgedruckten Seitenzahlen, was ich sehr praktisch finde).

Ebenso kann man sich eine Queue (Warteschlange) anlegen und sich Notizen zum verwendeten Garn machen. Es lassen sich theoretisch auch Fadenreste einkleben oder ausgedruckte Fotos der fertigen Strickstücke, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Die Projektseiten lassen sich aufwendig und hübsch gestalten oder ganz schlicht in Schmierzetteloptik benutzen, so dass mehr Zeit zum Stricken bleibt 😉

Ich kann jedem, der viel strickt und der seine Projektnotizen gerne dabei hat, tippfaul ist lieber mit dem Stift schreibt, öfters mal etwas nachschlagen möchte, sich seine Maße nicht merken kann, ordnungsliebend oder chaotisch ist, gern eine Erinnerung an seine Projekte haben mag, mit der digitalen Welt seine Schwierigkeiten hat oder einfach einen Sammelort für seine Ideen benötigt, nur ans Herz legen, so ein kleines Büchlein einmal auszuprobieren. Es macht riesig viel Spaß und ist sehr nützlich.

Vielleicht konnte ich den einen oder anderen mit meinen Ausführungen etwas inspirieren. Und wer sich jetzt sagt „Hm, ja ja, ganz toll, aber viel wichtiger: was ist das für eine grandiose Farbe, die auf dem ersten Foto zu sehen ist?!“, dem kann ich antworten: Es ist Candlewick auf Madelinetosh Twist Light 😉

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Kommentare

  1. Von Annette S. am 13. Februar 2018:

    Willkommen Nora, wunderschöner Beitrag. Ein solch kunstvoll angelegtes Beispiel macht gleich Lust auf Nachahmung!
    Bislang gehöre ich noch zur Schmierzettelfraktion. Schon länger trage ich mich mit dem Gedanken, ein Büchlein anzulegen. Zeit, damit anzufangen!
    Danke für deinen Blog. 🙂

  2. Von Xtabay am 13. Februar 2018:

    Willkommen, Nora!
    Ein schöner Eröffnungs-Artikel, der bei mir offene Türen einrennt. Ich bin eh ein analoger Typ mit Faible für tolle Notizbücher – also habe ich mir dieses Jahr ein Journal für allerlei Dinge angelegt. Und ein groooooßes Kapitel werden Strickprojekte einnehmen. Es ist nämlich nur zu wahr: Notizzettel verschwinden auf mysteriöse Weise, ein Buch eher nicht…
    Meinen Stash aufzuschreiben würde ich als Mutprobe betrachten – er ist WIRKLICH umfangreich…
    Dein Buch ist auf jeden Fall sehr ermutigend und inspirierend!

  3. Von Tina am 13. Februar 2018:

    Willkommen Nora!
    Was für ein schöner Beitrag! Ich bin ein großer Fan von Ravelry, aber mein Strick-Notizbuch habe ich seit bestimmt 25 Jahren (ja, wirklich!). Da habe ich mir in Vor-Ravelry-Zeiten meine Maschenproben notiert, Farbmuster aufgemalt, Änderungen notiert und Ideen aufgeschrieben. Und ich nutze es immer noch. Es hat immer noch viele freie Seiten (es ist eins von diesen Notizbüchern mit ca 100 Seiten) und ich werde es auch noch viele Jahre haben.
    Und ich blättere es immer mal wieder gerne durch und erinnere mich an alte Projekte.
    Dein Buch ist wunderschön gestaltet, da ist bei mir noch viel Luft nach oben!

  4. Von Christine Strobel am 14. Februar 2018:

    Liebe Nora, das ist ganz toll, ich bin auch der analoge Typ und nutze ravelry nur, um mir Anregungen und Anleitungen zu holen….

    Du bist natürlich extrem kreativ und künstlerisch begabt, das ist ja ein richtiges kleines
    Kunstwerk, Dein Buch.

    Ich finde die Idee toll !

  5. Von Anja am 16. Februar 2018:

    ich mache das seit ein paar Jahren auch so und kann es jedem empfehlen, man kann auch noch die Banderolen einkleben und mit ein paar Zeichnungen und Fadenresten hat man ein wunderschönes Erinnerungsalbum

  6. Von Ute am 16. Februar 2018:

    Toller Artikel und vor allem: wunderschönes Notizbuch!
    Ich habe zwar auch schon einige Notizbücher parallel zu Ravelry geführt, aber so schön sah keines aus. Da werd ich mal ein bisschen üben, denn dann entsteht wirklich eine tolle Erinnerung.
    Vielen Dank für den schönen Einblick 🙂

  7. Von Nina am 17. Februar 2018:

    Duch diesen Beitrag mortiviert habe ich alle meiene zahlreichen Schmierzettel und Notizen in ein schönes Buch übertragen.
    Muß ich jetzt nur dranbleiben und nicht wieder in die Zettelwirtschaft verfallen….

    Danke für die Idee!

  8. Von Christiane am 17. Februar 2018:

    Danke für den tollen Beitrag. Erinnert mich an mein Bullet Journal 🙂 Da habe ich auch ne Liste meiner Strickprojekte – nur nicht ganz so ausführlich 😉

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