Der große Baby(mützen)-Boom

Ich weiß nicht, ob irgendwas in der Luft liegt, aber im Moment scheinen die Babys nur so aus dem Boden zu schießen. Wohin ich im Freundes- und Familienkreis auch schaue: Babybäuche und Babys, so weit das Auge reicht!

Als Strickwillige freut mich das natürlich sehr. Babys haben gleich zwei entscheidende Vorteile: Sie sind sehr klein (und damit schnell bestrickbar) und sie können sich nicht beschweren, wenn man ihnen irrsinnig süße Sachen strickt (und wenn sie es doch tun, hört niemand auf sie). Wenn, wie jetzt, auch noch eine kalte Jahreszeit dazu kommt, fängt bei mir die Großproduktion kleiner Stricksachen an.

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Meine Cousine und eine gute Freundin von mir haben im Januar dieses Jahres praktisch gleichzeitig jeweils ein Kind zur Welt gebracht, die jetzt von mir für den Winter mit Mützchen ausgestattet werden. Praktisch ist, dass ich Größe und Maschenprobe für mein Garn nur einmal austüfteln muss. Unpraktisch dagegen ist die Tatsache, dass ich zweimal hintereinander das gleiche Projekt stricken soll. Öööde …

Ich habe deshalb etwas ausprobiert, was ich mir schon seit einer ganzen Weile überlegt habe: Zwei Mützen gleichzeitig auf einer Rundnadel stricken. Und das nicht etwa so, wie man oft zwei Socken gleichzeitig auf derselben Rundnadel strickt, sondern mit der Doubleface-Technik!

Doubleface habe ich ja schon mal vor gefühlten zehn Jahren hier im Blog vorgestellt (na gut, zwei Jahre ist es her). Bei dieser Technik strickt man praktisch zwei Lagen in zwei verschiedenen Farben gleichzeitig Rücken an Rücken, für das Einstrickmotiv werden die Farben vertauscht, sodass die eine Seite das Negativ der anderen zeigt. Das Ergebnis ist sehr kuschelig (weil zweilagig) und sehr eindrucksvoll – ich liebe meinen Oktopus-Cowl noch immer heiß und innig.

Aber schon damals ist mir beim Stricken aufgefallen, dass die beiden Lagen des Cowls an den Stellen, an denen kein Motiv eingestrickt wird, gar nicht miteinander verbunden sind. Mir ist deshalb eine Idee gekommen: Was ist, wenn ich ein Projekt als Doubleface stricke, aber die beiden Lagen nicht durch gemeinsamen Maschenanschlag, gemeinsames Abketten oder ein eingestricktes Motiv miteinander verbinde? Die Antwort ist natürlich, dass ich dann zwei identische, aber voneinander getrennte Projekte gleichzeitig stricken würde. Zum Beispiel zwei Mützen für zwei gleichaltrige Babys!

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Ich habe also erstmal die beiden Bündchen einzeln für sich gestrickt. Dafür habe ich mit DROPS Merino Extra Fine jeweils 84 Maschen angeschlagen und 8 Runden lang im 2×2-Muster gestrickt – einmal in Lila, einmal in Hellgelb. Dann habe ich die Maschen beider Projekte immer abwechselnd auf eine neue Rundstricknadel gehoben. Vermutlich hätte ich auch direkt auf einer einzelnen Nadel alles von Anfang an stricken können, aber ich wollte mir die Sache auch nicht komplizierter machen als unbedingt nötig.

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Danach habe ich dann einfach wie beim Doubleface die beiden Mützen gestrickt, und zwar jede schön brav in ihrer eigenen Farbe: Eine lila Masche mit lila Garn abstricken, eine gelbe Masche mit gelbem Garn abstricken, eine lila Masche mit lila Garn … und so weiter. Beim Doubleface wird die rückseitige Farbe mit linken Maschen gestrickt, damit später die glatt-rechte Seite die Rückseite bildet. Meine beiden Mützchen sind ja nicht miteinander verbunden, deshalb habe ich die innere Mütze, genau wie die äußere, mit rechten Maschen gestrickt.

Während der ersten Runde habe ich mich gefragt, ob ich eigentlich bescheuert bin. Danach hatte ich den Dreh raus und konnte recht flüssig zwischen den beiden Fäden wechseln. Das Wichtigste ist, dass dabei die Fäden nicht versehentlich verkreuzt werden. Denn was beim Doubleface wünschenswert ist, ist hier fatal: Einmal die Fäden versehentlich verkreuzt und die beiden Mützen sind dauerhaft miteinander verbunden. Nicht so toll. Daher Obacht: Beim Stricken der vorderen Mütze muss der andere Faden hinten bleiben, beim Stricken der hinteren Mütze bleibt der andere Faden vorne.

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Zum Glück kann man mit einem schnellen Blick kontrollieren, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Dann sieht man nämlich sowohl auf der Vorder- wie auf der Rückseite nichts von der jeweils anderen Farbe.

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Für die Abnahmen werden, genau wie beim Doubleface-Knitting, wieder Maschen auf der Nadel getauscht, damit man auch immer die Pärchen nebeneinander liegen hat, die man auch zusammenstricken will, und nicht versehentlich eine Masche der anderen Farbe mit einstrickt. Wenn dann der Faden durch die letzten Maschen gezogen und durchgeschnitten ist, kommt der magische Moment: aus der äußeren Mütze wird eine identische zweite Mütze herausgezogen!

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Fertig! Ein süßes Sternchenmuster ist auch noch reingewandert (entliehen aus Antjes Matariki), ansonsten habe ich eine ganz simple Basismütze gestrickt, wie man sie haufenweise bei DROPS Design findet (zum Beispiel diese hier – ohne Fair Isle, versteht sich).

Mein Fazit dieses kleinen Experiments: Hätte ich die Mützen nacheinander gestrickt, wäre ich vermutlich etwas schneller gewesen, denn das Gefummel mit den beiden Fäden hält ein bisschen auf. Andererseits muss man auch den Verdruss in die Wagschale legen, der aufkommt, wenn zweimal das Gleiche gestrickt wird, während zehn spannende andere Projekte locken. Unterm Strich war es also ganz okay. Muss ich aber auch nicht jeden Tag machen.

Wenn ihr es auch mal probieren wollt, empfehle ich euch, eine Nadelstärke niedriger als gewohnt zu verwenden. Da der Faden zwischen zwei Maschen immer noch mal eine ganze Maschenbreite überbrücken muss, verändert sich die Maschenprobe genau wie beim Doubleface ein wenig und das Strickstück wird größer als erwartet. Aber das ist ja eine weitere praktische Eigenart von Kindern: Sie wachsen fleißig in zu groß geratene Stricksachen rein.

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Kommentare

  1. Von Sarah am 21. November 2017:

    Oh mein Gott, Nina! Du bist echt die irrste von uns allen Irren hier! Auf solche Ideen würde ich im Leben nicht kommen

  2. Von Sarah am 21. November 2017:

    Ey, wo sind die Herzchen hin?? <3 <3 < 3

    • Von Nina am 22. November 2017:

      Da hast du welche auf Vorrat: <3 <3 <3 😀

  3. Von Anke am 21. November 2017:

    Hm, verstehe den Sinn leider gar nicht – wozu macht man das jetzt?

  4. Von Tina am 21. November 2017:

    Weil sie’s kann 😀

    • Von Nina am 22. November 2017:

      Ganz genau! 😉

  5. Von Petra P. am 22. November 2017:

    Hallo Nina,
    Du hast recht, z. Z. gibt es einen Babyboom, bin ja froh, dass das auch Anderen so vorkommt. ich dachte schon, mir geht das bloß so.
    Als Du uns vor gefühlt längerer Zeit das Double-Face stricken mit dem Cowl gezeigt hast, bin ich gleich auf Mützen umgestiegen und habe ja inzwischen etliche gestrickt. So, wie Du es jetzt gemacht hast, finde ich klasse, das werde ich sofort in Angriff nehmen, denn auch ich werde wieder Oma und eine Mütze zum Wechseln, kann nicht schaden. Super Idee! Vielen Dank.
    L.G. Petra

    • Von Nina am 22. November 2017:

      Gern geschehen, liebe Petra. Ich frage mich, ob man nicht theoretisch mit dieser Methode sogar die tolle Fischland-Mütze in einem Rutsch stricken kann. Da muss ich aber nochmal knobeln. 🙂

  6. Von Andrea am 22. November 2017:

    Liebe Nina,

    Die Fischland Mütze steht auf meiner To Do Liste recht weit oben, seit mein Mann letzten Winter so glücklich mit seinem Exemplar war und ich hab mich gerade dasselbe gefragt… Vielleicht wage ich einen Versuch mit irgendeinem Billogarn…

    LG
    Andrea

  7. Von Antje am 23. November 2017:

    Es gibt doch diese Variante des Tubular Cast On bei der man zunächst nur die Hälfte der benötigten Maschen _provisorisch_ anschlägt, ein paar Reihen/Runden glatt rechts strickt* und dann abwechselnd die aktiven und die provisorisch angeschlagenen Maschen auf die Arbeitsnadel nimmt.
    Wenn man beim * oben einen Farbwechsel einbaut (also zum Beispiel 3 Runden in Farbe A und 3 Runden in Farbe B), dann hat man beim abwechselnden Aufnehmen der aktiven und provisorischen Maschen gleich den zweifarbeigen Doubleface-Zustand den Nina oben fotografiert hat und kann tatsächlich eine Fischland in einem Rutsch stricken. Cool!

    • Von Tina am 23. November 2017:

      Ihr seid der Knüller 😀 Das ist hier ja fast wie bei The Big Bang Theory 😉

  8. Von Dini am 24. November 2017:

    Super Idee zwei Mützen mit dieser Variante gleichzeitig zu stricken, der Mehraufwand ist es sicher wert, wenn man dann nicht ständig die Reihen und Runden zählen muss, damit es auch bei jeder Mütze zu 100% stimmt..

    Zwecks Fischlandmütze, einfach mal nach dem Invisible Cast On für Double Knitting suchen, da muss nimmer groß geknobelt werden 🙂

  9. Von Kristina am 27. November 2017:

    Ja der baby Boom ist auch bei uns nicht von der Hand zu weisen. Wobei bei uns eher das nächste Jahr betroffen ist (allein im ersten halben jahr 6 neue Erdenbürger). Bei mir gibt’s als Geschenk immer eine matariki (ich liebe sie). Da kommt also noch so einiges auf mich zu.
    Aber deine Idee ist super und mir gefallen die eingestrickten Sterne auch sehr gut
    Wird gleich heute abend angeschlagen!

    • Von Nina am 28. November 2017:

      Freut mich, dass dir die Idee gefällt! Berichte doch hinterher mal, wie dir die Technik gefallen hat. 🙂

  10. Von Alexandra am 08. April 2018:

    Das ist ja eine tolle Idee. Bin grad eben darauf gestossen. Würde ja theoretisch auch für Socken gehen, sofern man die Ferse im Nachhinein strickt. Und eventuell vieleicht auch für Ärmel…
    Danke

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