Zwei Socken gleichzeitig stricken?!

Mit Nadelspielen ist es wie mit dem Brokkoli und den kleinen Kindern: Manche lieben ihn und manche hassen ihn. Und so, wie manche Kinder gar nicht glauben können, dass irgendwer auf der Welt Brokkoli ohne großes Drama essen kann, können manche Strickerinnen nicht glauben, wie man freiwillig ein Nadelspiel in die Hände nehmen, geschweige denn damit stricken kann. So viele Nadeln, die auch noch an beiden Enden spitz sind?!

Ich kann mich noch gut an meine erste Socke auf einem Nadelspiel erinnern. Für mich stand fest: Ich stricke diese Socke, selbst wenn ich mir bei dem Versuch ein Auge aussteche! Zum Glück sind meine Augen heil geblieben und ich habe den Umgang mit dem Nadelspiel mehr oder weniger gemeistert. Heute stricke ich sehr gern mit Nadelspielen, habe mich aber trotzdem mal nach Alternativen umgesehen. Schließlich ist es immer wieder eine Herausforderung, diese fünf Einzelnadeln beisammen zu halten. Oder man findet sich überraschend im Urlaub ohne Nadelspiel, dafür aber mit großer Sockeninspiration wieder. Wer weiß!

Bild für Beitrag „Zwei Socken“ 7

Dank des berühmten Magic Loop kann man Socken (genau wie Ärmel, Mützchen und Rollkragenpullover für Schlangen) auch auf einer Rundstricknadel stricken. Antje hat das schon mal hier im Blog sehr schön vorgeführt. Da setzen wir heut noch einen drauf: Wir stricken zwei Socken gleichzeitig auf einer Rundstricknadel!

Der Vorteil liegt auf der Hand: wenn fertig, dann fertig. Kein Aufjaulen mehr nach vollendetem ersten Socken, weil dann der zweite angegangen werden muss. Keine Sockeneinzelkinder mehr im Projektkorb. Kein Vergessen der Anleitung mehr zwischen Socke Nummer 1 und 2. Keine unterschiedlichen Maschenbilder aufgrund von unterschiedlichen Tagesformen beim Stricken. Der Nachteil ist natürlich: Ihr braucht doppelt so lang, bis ihr endlich abketten könnt. Aber pssst. Muss der innere Schweinehund ja nicht wissen.

Zwei Socken auf einer Rundstricknadel zu stricken sieht auf den ersten Blick wuselig aus, ist aber ganz einfach, wenn man erstmal den Dreh raus hat. Zur Veranschaulichung nehme ich hier DROPS Nepal, was natürlich kein wirkliches Sockengarn ist, aber zu Anschauungszwecken gute Dienste leistet. Was ihr braucht:

  • Sockengarn, entweder zwei Knäuel oder die beiden Enden eines Knäuels
  • Rundstricknadel von mindestens 80 cm Länge (KnitPro ist für den Magic Loop gut geeignet, weil die Seile sehr flexibel sind)

Und schon gehts los. Der Maschenanschlag setzt direkt mit dem Magic Loop ein, das zur Warnung vorweg. Wer dabei auf unüberwindbare Probleme stößt, kann auch beide Socken ganz klassisch auf dem Nadelspiel anschlagen, ein paar Runden stricken und diese Basis dann mit der Rundstricknadel übernehmen. Wer dagegen direkt mit der Rundstricknadel loslegen will, macht jetzt Folgendes:

  1. Mit Knäuel Nummer 1 die Hälfte der benötigten Maschen anschlagen.Bild für Beitrag „Zwei Socken“ 3
  2. Die gerade angeschlagenen Maschen auf dem Seil nach hinten schieben. Mit Knäuel Nummer 2 die Hälfte der benötigten Maschen anschlagen.Bild für Beitrag „Zwei Socken“ 4
  3. Die gerade angeschlagenen Maschen ein Stück auf dem Seil nach hinten schieben. Das Seil zwischen Maschen und Nadel zur Schlaufe formen und die zweite Hälfte der Maschen mit Knäuel Nummer 2 anschlagen.Bild für Beitrag „Zwei Socken“ 5
  4. Alle Maschen von Knäuel 2 ein Stück nach hinten schieben und mit der Arbeitsnadel und Knäuel 1 die zweite Hälfte der Maschen anschlagen, wo man nach Schritt 1 aufgehört hat.Bild für Beitrag „Zwei Socken“ 6

Und damit ist das Schlimmste auch schon geschafft. Ihr seht jetzt schon, welche Form die ganze Geschicht annimmt: Mit Hilfe mehrerer Magic Loops strickt ihr jetzt zwei Schläuche gleichzeitig, indem ihr immer nacheinander eine halbe Runde jeder Socke arbeitet. Hier zur Illustration, der blaue Pfeil zeigt an, wo gerade (oder als nächstes) gestrickt wird:

Bild für Beitrag „Zwei Socken“ 1Bild für Beitrag „Zwei Socken“ 2

Das hier ist übrigens auch die Stelle, wo ihr mit der Rundstricknadel einsteigen könnt, wenn ihr vorher ein paar Runden auf dem Nadelspiel gestrickt habt. Lasst euch nicht verunsichern: Wenn man einmal dabei ist, ist es absolut logisch, welcher Teil welcher Socke als nächstes gestrickt werden muss. Folgt einfach dem Seil eurer Stricknadel und gebt acht, dass der Arbeitsfaden vom richtigen Knäuel kommt!

Die Magic Loops treten bei dieser Technik immer an der gleichen Stelle aus der Runde aus, nämlich nach der Hälfte der Maschen. Wenn ihr bei einem Loop angekommen seid, formt ihr an dieser Stelle einen neuen und strickt weiter. Sollte das zu sichtbaren Leitern oder Dehnungen im Gestrick führen, könnt ihr die Schlaufe alle paar Runden mit etwas Gefummel um ein paar Maschen versetzen.

Alternativ könnt ihr auch auf zwei Rundstricknadeln gleichzeitig zwei Socken stricken. Das Prinzip hat Antje ebenfalls hier gezeigt und erklärt (Punkt 2). Die Maschen beider Socken liegen dann je zur Hälfte auf der ersten beziehungsweise der zweiten Nadel und anstelle der Magic Loops müsst ihr einfach nur die Arbeit wenden und auf der anderen Nadel weiterarbeiten.

Wie gefällt euch die Technik? Motiviert euch das zum Sockenstricken oder bleibt ihr dem Nadelspiel treu?

Facebook Pinterest Twitter

Kommentare

  1. Von Petra P. am 01. August 2017:

    Du hast das klasse erklärt und auch gut bebildert. Ich habe ein Buch davon, muss aber ehrlich zugeben, dass ich es trotzdem bis jetzt noch nicht auf die Reihe gebracht habe , zwei Socken gleichzeitig zu stricken. Vielleicht sollte ich es jetzt einmal mit Deiner guten Beschreibung probieren, ob ich das so hin bekomme.
    Probieren geht ja bekanntlich über studieren.
    Vielen Dank dafür.

  2. Von Annemarie am 01. August 2017:

    Seid ich 12 bin, stricke ich mit Nadelspiel ( 4 Nadeln). Aber diese gute Beschreibung hat mir so gefallen, dass ich beim nächsten Mal genau so stricken werde. Danke.

  3. Von Heike Schmidt am 01. August 2017:

    Seid ich Magic Loop kenne, stricke ich Socken nur noch so. Da es mir leider sehr häufig passiert ist, wie von Dir beschrieben, am Zielort angekommen Nadeln vom Nadelspiel im Beutel und extra die bereits angefangenen Socken. Die Beschreibung finde ich super, vorallem hat man nicht mehr das Problem, dass die Socken (wenn nicht einfarbig gestrickt wird) auch mal den gleichen Farbverlauf haben. Dann wird man nicht angeschaut als wäre man gerade irgendwo geflüchtet. 🙂
    Ich verfolge schon seit längerer Zeit den Blog und könnte mich krümelig lachen, der Schreibstil ist sehr unterhaltsam.
    Herzliche Grüße von einer stricksüchtigen Leserin

    • Von Nina am 02. August 2017:

      Hallo Heike,
      vielen Dank! 😀
      Als Anekdote am Rande: Ich habe es ein einziges, glorioses Mal geschafft, trotz getrenntem Stricken nacheinander auf Nadelspielen tatsächlich zwei völlig identische gemusterte Socken mit selbstmusternder Wolle zu stricken. Das war absolut ungeplant und ein so fantastischer Zufall, dass ich seitdem meine Socken immer mit Absicht unterschiedlich mustere. Soetwas Großartiges passiert einfach nur einmal im Leben. 😉

  4. Von Thordis am 01. August 2017:

    Ich mag die Magic Loop-Methode sehr, sie hat mir damals den Einstieg ins Sockenstricken ermöglicht, ich hatte nämlich einen ganz schönen Respekt vor den vielen Nadeln 😉 Das hat sich zwar gegeben, aber die ML-Methode finde ich immer noch toll. Ich habe auch schon zwei Socken gleichzeitig nach der von Dir beschriebenen Methode gestrickt und das hat auch wunderbar funktioniert. Mittlerweile stricke ich Socken aber am allerliebsten mit dem Sockenwunder von addi. Hier wechsel ich nur für die Spitze auf ein Nadelspiel. Die ML-Methode verwende ich meist für dicke Bettsocken, weil sie sich damit einfach am besten stricken lassen.

  5. Von Andrea Stock am 01. August 2017:

    Ich liebe mein Nadelspiel da verführt mich auch Deine wirklich sehr klare und ausführliche Beschreibung nicht zum Wechsel

    Liebe Grüße

    Andrea

  6. Von Maike am 01. August 2017:

    Also ich muss auch zugeben, ich bleib meinem Nadelspiel treu oder ersetze dies durch zwei kurze Rundstricknadeln. Allerdings klappt das auch nur mit dem 10cm langem Nadelspiel, die längeren Varianten führen zu bösen Pieks-oder Kratzspuren an den Unterarmen 🙂 Ärmel strick ich mittlerweile auch lieber auf der Rundnadel, aber ich denke das ist Geschmackssache.
    An sich find ich die Magic Loop Variante cool, allerdings für Socken aus einem dicken Knäul gestrickt wieder unpraktisch,da ich in der Regel immer nach der 1. Socke Garn abwickeln muss, um für die 2. dieselbe oder sagen wir mal zu 90%dieselbe Färbung zu bekommen. So kann ich ja nur hoffen,dass das Garn vom inneren Ende aus gleich gefärbt ist,damit es keine Clownsocken werden 😉

  7. Von S am 02. August 2017:

    Danke für die Anleitung. Ich mag Nadelspiele gern; daher erscheint mir die Magic-Looperei wohl unnötig kompliziert. Ich stricke aber auch immer den zweiten Socken gern. 😀

  8. Von Britta D. am 02. August 2017:

    Danke für die Anleitung aber der ML schafft immer Leitern im Strickbild, das Gefriemel ist mir schon für 1 Socke zu umständlich, das ganze mal 2 + 2 Knäuel, nein danke. bei kleinen Socken mit feinem Garn muß man außerdem nicht mit den ganzen Spiel arbeiten, es reichen auch 4 Nadeln und ein gleichmäßiges Dreieck für die Socke, das man dann nur im Fersenbereich um die 5 Nadel ergänzt.

    Dazu kommt noch, daß man bei Verlaufsgarnen sehr auf den Rapport achten muß, damit sie annähernd gleich sind. Das Farbbild ist vor allem bei Drops sehr ungleichmäßig., und rückwärts aus dem Knäuelinnern geht da gar nicht.

    Da ich aber für die letzten Socken aus Drops Fabel 3 Tage gestrickt habe und die Socken dann bereits nach 3 Wäschen am großen Zeh durch waren habe ich mich vom Sockenstricken bei Gebrauchssocken verabschiedet, zumal ich das grobe Gefühl von den krausen Maschen unter der Fußsohle nicht mag. Ich habs lieber glaqtt und weich und gut anliegend und kaufe lieber Socken von Falke, die halten ein Jahr.

  9. Von B. Cottin am 02. August 2017:

    Die Methode geht wunderbar; allerdings ist es mir schon mal passiert, aus Versehen mit dem Faden aus demselben Knäuel weiter zu stricken! Also man muss schön wach bleiben.

  10. Von Heike am 06. August 2017:

    Ich stricke seit einigen Jahren meine Socken nur noch zwei gleichzeitig, sogar die Kleinsten mit nur 32 Maschen. Ich möchte es nicht mehr missen.

  11. Von Nina am 08. August 2017:

    Ich stricke immer nur mit Nadelspiel – das aber sehr gerne.

    Beim ML scheitere ich schon daran, aus dem inneren des Knäuls das Fadenende zu ziehen ohne daß da sofort Wollkotze entsteht und alles verwurstelt…..

    Gibts da einen Trick damit man das schön gleichmäig rausziehen kann? Ich finde das Ende oft gar nicht ohnt was zu vermuddeln…..

  12. Von B. Cottin am 07. September 2017:

    Oh oh, der Faden von innen, der nicht funktioniert, ist ein immer wieder auftauchendes Problem. Wann werden die Spinnereien endlich den Fadenanfang herausgucken lassen?

    • Von Nina am 08. September 2017:

      Das würde ich auch SEHR begrüßen! Kann ich da irgendwo eine Petition unterschreiben?

Neuen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.