Zauberei? Illusion Knitting!

Ich bin ja für spannende Spielereien immer zu haben. Ob Double Face, Entrelac oder Tunesisches Häkeln – ich muss vielleicht nicht gleich einen ganzen Mantel daraus arbeiten, aber ich muss es zumindest mal ausprobieren. So auch im Falle von Illusion Knitting. Was das ist, fragt ihr? Pure Magie! Schaut her:

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Schnöder Streifen-Strick? Bunte Maschenprobe? Anfänger-Übungslappen? Mitnichten! Verändern wir doch mal den Blickwinkel …

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… und schon wird ein Motiv sichtbar! Wie das möglich ist? Einfacher, als man denken mag. Illusion Knitting (auch Shadow Knitting genannt) ist im Grunde eine Art komplexeres Strukturmuster mit zwei Farben. Beim Strukturmuster wird ein Motiv mit linken Maschen auf glatt rechts gestricktem Grund (oder umgekehrt) gebildet, so dass es sich deutlich vom Hintergrund abhebt.

Illusion Knitting geht nun einen Schritt weiter, indem es das Motiv absichtlich in einem einfachen Streifenmuster versteckt. Jede Farbe geht über zwei Reihen, wobei die eine Farbe immer glatt rechts, die andere kraus rechts gestrickt wird. Das eingestrickte Strukturmotiv vertauscht dann in der jeweils zweiten Runde linke und rechte Maschen miteinander.

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Wenn man direkt von vorne draufschaut, sieht das erstmal sehr unspektakulär und unauffällig aus. Soll es ja auch, sonst käme ja die Illusion nicht so gut zur Geltung. Schräg draufgeschaut verdecken dann nämlich die leicht erhabenen linken Maschen die glatt rechts gestrickten Streifen, sodass die eine Farbe eine solide Hintergrundfläche und die andere das Motiv bildet. Ta-daa!

Und wofür ist das nun gut? Ich sage mal: Die Einsatzmöglichkeiten sind begrenzt, aber schön. Pullover mit Illusion Knitting sehe ich sehr selten und stelle sie mir auch schwierig vor, da der Effekt um die Kurven des menschlichen Körpers herum nicht besonders gut zur Geltung kommt. Sehr begeistert haben mich allerdings diese Socken, die in bester Alice-im-Wunderland-Manier eine Grinsekatze erscheinen und verschwinden lassen. Und vor allem habe ich bei Ravelry schon viele Schals gesehen, die mittels dieser Stricktechnik heimlich politische Statements, Lieblingsfilme und Nerd-Logos zur Schau stellen. Mein Favorit ist da ganz klar der Schal mit „Game of Thrones“-Motiv, den ich sicher auch noch eines Tages stricken werde.

Richtig punkten kann Illusion Knitting aber vor allem bei Heimdeko. Tagesdecken und Kissenbezüge bieten dem optischen Effekt die perfekte Bühne, weil sie sich nicht so viel bewegen. Praktisch ist dabei vor allen Dingen, dass man die Farben völlig unabhängig vom Motiv auf den Einrichtungsstil anpassen kann. Die beiden Farben müssen lediglich gut voneinander unterscheidbar sein. Gesprenkelte und selbstmusternde Garne fallen raus, sonst sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Wer Illusion Knitting in der Profiklasse betreiben will, kann sich direkt an die Muster von Steve Plummer halten. Er verwandelt Gemälde, Fotos und andere komplexe Motive in sagenhafte Wandteppiche, die beim Vorbeigehen ihren magischen Effekt ausspielen. Seine Muster sind so ausgeklügelt, dass sie nicht, wie die meisten anderen, reine Silhouetten abbilden, sondern fein detaillierte Bilder. Ein Beispiel?

Illusion Mona Lisa

Dafür müsste ich dann vielleicht auch noch ein bisschen üben. Meine Probemieze gibt es übrigens gratis auf Ravelry zum Nachstricken, wenn ihr euch auch mal am Illusion Knitting versuchen wollt. Noch ein kleiner Tipp zum Abschluss: Auch wenn die Technik viele Reihen in kraus rechts enthält, neigen Strickstücke wegen des ebenfalls hohen Anteils an glatt rechts gestrickten dazu, sich an den Rändern einzurollen. Plant für Schals, Decken, Untersetzer, et cetera also unbedingt einen nicht-rollenden Rand ein. Dann steht der Magie nichts mehr im Wege 😉

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Kommentare

  1. Von Kathi am 14. November 2017:

    Die Mona Lisa ist schon der Knüller, würde sich gut machen im Flur 😀

  2. Von Petra P. am 15. November 2017:

    Hallo Nina,

    das ist ja interessant, gefällt mir sehr gut. Aber verstehe ich das richtig. Ich stricke erst rechte Maschen und die nächsten 2 Runden statt ein paar Maschen rechts, dafür paar Maschen links. Bei Double Face, was ich ja jetzt schon öfters gestrickt habe, könnte ich mir das eher vorstellen. Statt einer ganzen Runde, nur für das eine Motiv, die Maschen zu wechseln. Denke ich richtig ?
    Liebe Grüße Petra

    • Von Nina am 16. November 2017:

      Hallo Petra,

      man strickt im Grundmuster immer eine Farbe glatt rechts, die andere kraus rechts. Im Motiv tauschen die beiden Farben dann ihr Muster, so dass kraus rechts gestrickt wird, was vorher glatt rechts war, und glatt rechts, was vorher kraus rechts war. Die ganze Sache ist umständlicher zu erklären, als sie wirklich ist. Probiere es einfach mal mit einem kleinen Muster aus, dann verstehst du das Prinzip ganz schnell. 😉

  3. Von Ingrid am 15. November 2017:

    Gesehen habe ich das ja schon öfter. Dank deiner Erklärung habe ich jetzt auch verstanden, wie man das strickt. Muss ich echt mal probieren.

    • Von Nina am 16. November 2017:

      Hallo Ingrid,
      ich habe mich auch ganz lange nicht an die Technik getraut, weil ich mir das alles sehr kompliziert vorgestellt habe. Macht aber echt Laune! 🙂

  4. Von Sonja am 15. November 2017:

    Angefixt! Das hab ich noch nie gesehen, finde es aber sagenhaft! Und es wird der Tux <3

    • Von Nina am 16. November 2017:

      Yay, Nerds unite! 😀

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