Wie aus Mitts Mittens werden

Zugegebenermaßen ist es noch viel zu warm für fingerlose Handschuhe, ganz zu schweigen von Fäustlingen. Aber hey, es ist bald schon Oktober und der fleißige Weihnachtsmann hat seine Vorboten schon in den Supermärkten verteilt. Warum also nicht gleich auch mit der Produktion der Weihnachtsgeschenke beginnen? Handschuhe eignen sich dafür ganz hervorragend. Sie sind recht schnell gestrickt, benötigen keine Unmengen an Garn und die verfügbaren Größen sind überschaubar.

In der Frühlingsausgabe des PomPom-Magazins dieses Jahres habe ich mir schon vor einiger Zeit ein paar fingerlose Handschuhe, im englischen Mitts genannt, herausgesucht. Grade für das Verschenken finde ich sie optimal, das Muster ist schlicht, aber durch die drei Farben absolut nicht langweilig. Allerdings schwebten mir keine fingerlosen, sondern richtige, geschlossene Handschuhe alias Fäustlinge vor, also habe ich die Anleitung kurzerhand modifiziert und das Ganze natürlich für euch mitgeschrieben.

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Diese Anpassung von Mitts zu Mittens kann so gut wie auf jede Anleitung mit ähnlicher Garnstärke (etwa Fingering bis DK) angewendet werden; bei anderen Stärken müsste man gegebenenfalls mit den Abnahmen experimentieren. Wenn ihr aber genau diese hier nachstricken möchtet – die Anleitung heißt übrigens Carimbo und ist von Kelly Ordemann geschrieben – könnt ihr noch eine der letzten PomPom-Frühlingsausgaben im Lanade-Shop erwerben, ein paar sind noch da!

Neben dem gedruckten Magazin in handlicher A5-Größe ist immer ein Code mit dabei, mit welchem man bei Ravelry auch eine digitale Ausgabe bekommt – ziemlich praktisch, finde ich, denn ich habe die Anleitung gerne während des Strickens auf meinem Handy geöffnet. Neben den Handschuhen gibt es in dieser Ausgabe unter anderem noch einen richtig schicken Pulli von Isabell Kraemer, der es mir sehr angetan hat – der auf dem Titelbild. Vielleicht schenkt mir der Weihnachtsmann dieses Jahr etwas mehr Strickzeit für all die großen Projekte auf meiner Wunschliste … aber gut, solange das nicht geschehen ist, gibt es Handschuhe, die sind auch toll!

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Als Garn habe ich eines von Jamieson & Smith gewählt, es passt von seinen Eigenschaften her wie das Knäuel in die Faust, oder so. Die Farbpalette ist riesig und um meine geringe Entscheidungsfreudigkeit nicht zu überstrapazieren habe ich mich nahe am Original gehalten und zum Weiß und Senfgelb ein dunkles Petrolblau kombiniert.

Das zweifädige Garn wird in Großbritannien aus Schafwolle von den Shetlandinseln hergestellt und entfaltet seine wahre Macht erst nach dem Waschen. Ich liebe diesen Effekt und die Verwandlung vom dünneren, etwas widerspenstigen Garn zum aufgeflufften, buttrigen, dichten Strickstück.

Beim mehrfarbigen Stricken pappt das Garn der einzelnen Fäden gerne etwas aneinander, durch einen mittelfesten Ruck der rechten Hand lässt sich dieser Umstand aber gut beheben und gleichzeitig wird die Fadenspannung der Spannfäden gelockert. Da das Garn an sich locker versponnen ist, ist es nicht super reißfest, seid also nicht allzu grob zu dem kleinen Shetländer. Dafür wird es euch mit viel Wärme und Treue belohnen, denn einmal verstrickt ist das Garn so gut wie unverwüstlich.

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Mitts + en = Mittens

Wenn ihr nun also eine Anleitung für Mitts, also fingerlose Handschuhe, vor euch liegen habt – so wie die der Carimbos – haltet euch zunächst ganz brav an den Text. Und zwar so lange, bis ihr dazu aufgefordert werdet, ein Bündchen an das Handteil zu stricken – den Daumen lasst ihr auch erst einmal außen vor.

Den Fäustling stricken und schließen

Ihr strickt den Handteil eurer Fäustlinge-to-be nun so lange im Muster der Wahlanleitung weiter, bis ihr 4 cm von der gewünschten Länge entfernt seid. Falls ihr längere Fingernägel habt, vergesst nicht, diese mit abzumessen 😉 

Nun muss der Handschuh lediglich, ganz ähnlich einem Socken, geschlossen werden. Dafür teilt ihr eure Maschenanzahl der Hälfte nach auf und markiert die Hälfte und den Rundenanfang mit einem Marker. Alle anderen Marker, sofern vorhanden, können entfernt werden. Wenn ihr mehrfarbig gestrickt habt, schneidet ihr alle Fäden bis auf den der Hintergrundfarbe ab.

  • Runde 1 (Abnahme): 1 re, -1.li, re bis 3 Maschen vor dem Marker, -1.re, 1 re, Mü, 1 re, -1.li, re bis 3 Maschen vor dem Marker, -1.re, 1 re, Mü
  • Runde 2-3: alle Maschen re
  • Runde 4 (Abnahme): wie Runde 1
  • Runde 5: wie Runde 2
  • Runde 4 und 5 insgesamt fünf Mal wiederholen.

Danach wiederholt ihr Runde 1 so lange, bis nur noch 10 Maschen auf der Nadel sind. Nun wird der Faden abgeschnitten, durch die übrigen Maschen gezogen und vernäht.

Den Daumen stricken und schließen

Die Maschen für den Daumen nehmt ihr genauso auf, wie es in der Anleitung beschrieben wird. Danach strickt ihr folgendermaßen weiter:

  • Runde 1-2: alle Maschen re
  • Runde 3: vier Maschen gleichmäßig verteilt abnehmen

Danach wiederholt ihr Runde 1 solange, bis ihr 0,5 cm von der gewünschten Länge entfernt seid.

Nun kommen die Abnahmen

*-1.re* solange wiederholen, bis nur noch sechs Maschen übrig sind. Schneidet nun den Faden ab, zieht ihn durch die übrigen Maschen und vernäht auch diesen.

Legende

re: rechte Masche
-1.li: Die nächste Masche wie zum rechts Stricken abheben, die folgende Masche ebenfalls wie zum rechts Stricken abheben, beide abgehobenen Maschen wieder auf die linke Nadel befördern und verschränkt zusammen stricken
-1.re: Die nächsten beiden Maschen rechts zusammen stricken
Mü: Marker überheben

Alternativ lässt sich bei dieser Fäustlingsmethode das Farbmuster auch bis zur Spitze weiter stricken. Dabei müsst ihr lediglich das entsprechende Muster fortführen, anstatt den Faden des Mustergarns abzuschneiden.

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Übrigens: Wenn ihr zuvor noch nie mit diesem tollen Garn gestrickt habt, dann empfehle ich euch vorher unbedingt Ninas Erfahrungsbericht zu lesen. Die Eigenschaften der Shetlandfasern unterscheiden sich schon sehr zu den kuscheligen Merinogarnen und Nina hat ein paar tolle Tipps für den Umstieg parat. 

Und wenn ihr zuvor auch noch niemals nie zweifarbig gestrickt habt, dann würde ich nicht mit den Carimbos starten, sondern mit einer Anleitung ohne größere einfarbige Stellen. Zum Beispiel diese hier oder diese. 

Der Grund ist ganz einfach: Mit zwei Farben gleichzeitig zu stricken bedeutet, zwei Fäden über die Runden mitzunehmen. Wenn nun größere einfarbige Abschnitte in der Runde vorkommen, muss die nicht benötigte Farbe dennoch mitgeführt und bestenfalls auch regelmäßig mit eingewebt werden, damit keine langen Spannfäden entstehen, an denen man später hängen bleibt. Es erfordert etwas Übung darin, die Fadenspannung der einfarbigen und zweifarbigen Segmente gleich zu halten. Das Einweben der Spannfäden sollte zudem regelmäßig passieren, aber nicht immer an der gleichen Stelle. Ansonsten kann es sein, dass diese Stellen später durchscheinen, wie bei meinen Handschuhen ganz gut zu erkennen ist.

Warum ich das trotzdem gemacht habe? Ein Adrian Monk muss tun, was ein Monk tun muss … Und in diesem Fall musste er sich entscheiden zwischen gleichbleibendem Einwebrhythmus und Sichtbarkeit der Spannfäden. Naja, ihr seht ja, wer gewonnen hat 😉

Vielleicht bekomme ich vom Weihnachtsmann auch einen sich automatisch wieder grade rückenden Bilderrahmen, das würde mich bestimmt mindestens genauso glücklich machen wie ein nie endender Wollvorrat. Obwohl … Wolle kaufen macht eigentlich genauso viel Spaß wie das Verstricken, also nehme ich doch lieber den Bilderrahmen.

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Anleitung: Carimbo von Kelly Ordemann aus dem PomPom-Magazin Issue 24
Garn: 2ply Jumper Weight von Jamieson & Smith, 1× Farbe 0001A (Weiß), 2× 0028 (Senfgelb), 1× FC041 (Dunkelpetrolblau)
Nadelstärke: 2 mm für das Bündchen und 2,5 mm für den Rest

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Kommentare

  1. Von Franziska am 25. September 2018:

    Der Bericht kommt genau richtig. Hier hatte es heute morgen fröstelige 3°C, da hab ich schon kurz über Handschuhe nachgedacht als ich aus dem Haus gegangen bin 😉
    Schaffe ich wohl Handschuhe parallel zum MKAL *grübel*?

    • Von Marion K. am 25. September 2018:

      „Parallel“ oder „passend“? Die Clues für die Handschuhe hacken, wie es so (un-)schön neudenglisch heißt ;D

    • Von Nora am 28. September 2018:

      Ach klar, Handschuhe gehen wirklich fix, sogar für Strickschnecken wie mich 😉

  2. Von Marion K. am 25. September 2018:

    Man (okay, ich… *g*) denkt immer, Handschuhe sind ähnlich groß wie Socken, also gleiche Arbeit. Aber für Fäustlinge ist es eigentlich weniger, und irgendwie stricken sich die Dinger auch etwas schneller (weniger Zu-/Abnahmen fürs Formen).

    Mir ist leider auch bei Minusgraden schnell zu warm, daher kommt schön dickes, kuschliges Garn für mich nur bei Geschenke-Stricken in Frage… 🙁

    Aber danke für die Anregungen!

    • Von Nora am 28. September 2018:

      Ja sie gehen wirklich schneller als Socken 🙂 Freu dich dass du immer warme Hände hast, meine sind sogar im Sommer kalt 😀

  3. Von Klapperdame69 am 28. September 2018:

    Es ist eine tolle Anleitung und ich habe noch eine Idee dazu: Es gibt sogenannte Markthandschuhe.Das sind Fingerhandschuhe über die eine Kappe gestrickt und festgenäht wird. Man hat dann Fingerhandschuh und Fäustling in einem Stück.Total super !! Wunderbar für den Herbst und genial zum Radfahren.

    • Von Nora am 28. September 2018:

      Ja stimmt, das ist auch eine gute Alternative 🙂

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