Stricksachen baden und spannen? So gehts!

Ihr wisst es so gut wie ich – das eigentliche Stricken macht beim Stricken nur die halbe Miete aus. Die andere Hälfte besteht aus sehnsüchtigem Surfen durch Ravelry, Niederschreiben von meterlangen Strick-Ich-Mal-Listen, Planen konkreter Projekte, Maschenproben, Ribbeln, Fäden vernähen sowie dem Blocken und Spannen des fertigen Strickstücks. Letzteren Punkt wollen wir uns heute mal genauer ansehen.

Es gibt Projekte, die sind sozusagen fertig, sobald man das letzte Fädchen abgeschnitten hat. Einfache Schals zum Beispiel, viele Mützen oder auch Socken gehören dazu. Viele, viele Projekte allerdings kommen eher unspektakulär von den Nadeln. Lace sieht meistens erstmal nicht so überwältigend aus, Fair Isle wirkt erstmal hubbelig und verzogen und selbst glatt rechts Gestricktes wirkt bei einigen Garnen erstmal etwas unregelmäßig. In diesen Fällen steht ein entspannendes Bad mit anschließender Trocknungszeit an.

Die gute alte Waschmaschine und Kollege Wäschetrockner sind aber nur in den wenigsten Fällen die optimalen Ansprechpartner und können im schlimmsten Fall dazu führen, dass euer neuer Pullover am Ende bestenfalls noch dem Dackel passt. Wir möchten euch lieber ein paar andere Methoden empfehlen.

Phase 1: Nass machen

Ganz wichtig zu Beginn: Mit was für einem Garn haben wir es zu tun? Baumwolle und moderne Garne mit Superwash-Ausrüstung verzeihen eine Menge und können in der Regel einfach in handwarmes Wasser eingelegt oder sogar in die Waschmaschine gegeben werden (Wäschenetz und Wollwaschprogramm sind empfehlenswert).

Naturgarne ohne Superwash, insbesondere Schafwolle, sollten besonders reibungsarm und eher kühl baden, damit nichts filzt. Ich bin so ein Angsthase und bade alles mit spitzen Fingern im Waschbecken, in der Regel reicht es aber schon, wenn man nicht wie irre am Strickstück herumscheuert.

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Eine gute Richtlinie sind immer die Waschhinweise in der Garnbanderole: Was für die Handwäsche empfohlen wird, ist in der Regel etwas filzanfälliger. Was für niedrigere Wassertemperaturen empfohlen wird, sollte tunlichst nicht in zu heißes Wasser eingelegt werden.

Jeder, der schon mal einen Merinopullover zu heiß gebadet und im Anschluss ebenso heiße Tränen vergossen hat, weiß wovon ich rede. Die Hitze kann einem Garn die Spannkraft nehmen und es lappig und schlapp werden lassen. Kein schönes Schicksal!

Ein Schuss Wollwaschmittel tut einem Bad nicht weh und kann viele Garne tatsächlich noch weicher machen. Wenn kein Spezialwaschmittel zur Hand ist, funktioniert auch ein mildes Shampoo ganz gut – Wolle ist ja auch eine Art von Haaren.

Wenn sich die Fasern gut mit Wasser vollgesogen haben, lasse ich das Wasser ab, drücke das Gestrick vorsichtig aus (niemals wringen!) und wickle es in ein großes Handtuch. Dieses Handtuch falte ich dann zu einem kleinen Päckchen, lege es auf den Boden und stelle mich drauf, um das Wasser aus der Wolle zu pressen. Das ist vermutlich nicht sehr effektiv, macht aber Spaß.

Ganz delikate Fälle wie zum Beispiel hauchdünne Lacetücher könnt ihr statt zu baden auch einfach nur im aufgespannten Zustand vorsichtig mit Wasser besprühen, das setzt sie geringerer Belastung aus. Wie man ein Projekt richtig aufspannt? Dazu kommen wir jetzt.

Phase 2: Trocknen

Wie ein gebadetes Strickstück am besten trocknet, hängt natürlich wieder stark davon ab, was ihr mit welchem Garn gestrickt habt und wo ihr damit hin wollt. Ein einfacher Pullover kann einfach flach auf einen Wäscheständer oder eine sonstige freie Fläche gelegt und sich selbst überlassen werden. Hängend sollten Kleidungsstücke nur getrocknet werden, wenn sie länger werden sollen – gerade feuchte Merinogarne werden nämlich von der guten alten Erdanziehungskraft ganz schön gezogen.

Das kann man natürlich auch nutzen: Ich lege gebadete Pullover oft flach auf den Wäscheständer, lasse die Ärmel aber herunterhängen, weil sie mir gar nicht lang genug sein können (und ich sie aus Ungeduld schon mal zu früh abkette, aber das ist wohl ein anderes Thema).

Wenn mir aus Garnknappheit der ganze Körper zu kurz geraten ist, die Ärmel aber okay sind, trockne ich einen Pullover, indem ich einen Besenstiel von Ärmelbündchen zu Ärmelbündchen durchschiebe und zwischen zwei Stuhllehnen klemme. Der Rest des Pullovers kann sich dann aushängen, ohne dass wie bei einem Kleiderbügel Beulen an den Schultern entstehen.

Einige Kleidungsstücke sowie so ziemlich alle Tücher sollten allerdings aufgespannt werden. Das öffnet Lacemuster, gibt Konturen einen Schubs und kann ein beinahe misslungenes Projekt noch einmal retten.

Für den Anfang reichen dafür schon ein Päckchen Stecknadeln aus Omis Nähkörbchen und eine ausreichend große Unterlage, in die man die Nadeln stecken kann – der Teppich, ein Handtuch, ein Gästebett, der Karton der letzten Lanade-Bestellung, Spielmatten aus Schaumstoff oder Ähnliches. Das feuchte Strickstück wird vorsichtig ausgelegt und an den wichtigsten Punkten festgepinnt.

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Dazu ein paar Tipps:

  • verwendet lieber zu viele als zu wenige Nadeln
  • haltet ein Lineal oder ähnliches bereit, damit gerade Kanten auch gerade bleiben

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  • spannt Teile, die später aneinander genäht werden sollen (zum Beispiel Cardiganfront, -rücken und -ärmel), gleichzeitig und möglichst nebeneinander, damit die Nahtkanten nicht zu unterschiedlichen Maßen trocknen
  • achtet bei geraden Kanten darauf, mit euren Nadeln nicht durch zu hohe Spannung ungewollte Zacken zu bilden

Gerade Kanten, vor allem bei Tüchern, kann man gut aufspannen, indem man einen Draht durch die Randmaschen fädelt und diesen dann mit Stecknadeln fixiert. Draht bekommt man im Baumarkt, man kann aber auch einfach dünne Paarnadeln oder Strumpfnadeln aus Metall nehmen, wie sie auf wundersame Weise in fast jedem Strickerhaushalt zu finden sind. Ich habe jedenfalls etliche davon, obwohl ich niemals mit ihnen stricke.

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Wenn ihr viel strickt und spannt, kann ich euch aber auch wirklich Profimaterialien ans Herz legen. Die Spannkämme von KnitPro zum Beispiel machen Bastelarbeiten mit Draht und Stecknadeln in den meisten Fällen überflüssig und beschleunigen das Aufspannen enorm. Man vergisst auch nicht so schnell einen Spannkamm im Gestrick wie eine kleine Stecknadel (was wirklich sehr unangenehm ist).

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CocoKnits hat außerdem ein kleines, aber feines Set mit Spannmatten, Nadeln und einem Karotuch zum Unterlegen, das beim Abmessen hilft.

Die Alternative: Das Bügeleisen

Und dann gibt es da natürlich noch das gute alte Bügeleisen. So geht es natürlich auch – vorausgesetzt, das Garn macht mit. Achtet auch hier wieder auf die Pflegehinweise auf den Garnbanderolen! Ein zu heißes Bügeleisen kann nicht nur Gestrick wortwörtlich plattbügeln, es kann auch beispielsweise Polyacryl-Anteile zum Schmelzen bringen oder Fasern verbrennen. Alles, was auch nur ansatzweise eine plastische Struktur hat (Zöpfe, Noppen etc.), sollte auch immer mit der Vorderseite nach unten gebügelt werden.

Eine gute Methode beim Blocken oder Dämpfen besteht darin, ein feuchtes Baumwolltuch auf das trockene Strickstück zu legen und mit dem entsprechend der Banderole eingestellten Bügeleisen drüber zu fahren. So wird das Gestrick schonend entspannt, ohne geplättet zu werden. Gerade hartnäckig umklappende Knopfleisten, Tuchkanten und Anderes können so zur Vernunft gebracht werden.

Bügeleisen mit Dampffunktion können einen ähnlichen Effekt ohne das vermittelnde Baumwolltuch erzielen. Hier rate ich aber, vorab an einem Strickstück zu üben, an dem nicht gleich das ganze Herz hängt.

Kennt ihr noch mehr Tricks zum Baden, Spannen und Blocken von Stricksachen?

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Kommentare

  1. Von Petra P. am 28. Dezember 2017:

    Guten Morgen Nina,

    das ist ja wieder ein interessanter Beitrag. Das mit den Stecknadeln und zusätzlichen Stricknadeln an der Kante, das gefällt mir sehr gut. Dadurch zieht sich das Strickstück nicht so zusammen, werde ich das nächste Mal auch so machen. Ich nehme fast immer große Styroporplatten, lege da ein altes Bettlaken drauf( ohne Gummizug ringsrum ), dann mein Strickteil, was ich auch mit Stecknadeln befestige, sprühe es ein , lege nochmal ein Bettlaken drauf und obenauf lege ich meist etliche Bücher als Druckmittel. So trocknet es vor sich her und gut ist es. Ob ich es dadurch richtig mache, weiß ich nicht, Hauptsache das Ergebnis stimmt für mich.
    LG Petra

    • Von Nina am 01. Januar 2018:

      Hallo Petra,
      stimmt, Styroporplatten eignen sich sehr gut. Und das mit den Büchern probiere ich bei der nächsten Strickjacke auf alle Fälle mal aus, um die Knopfleiste flach zu kriegen!

  2. Von Eeva / Oh, wie nordisch! am 28. Dezember 2017:

    Kleinere Strickstücke wie Mützen und Socken dämpfe ich in einem Kochtopf mit Dampfeinsatz. Mein Topf ist länglich, so passt alles recht gut rein. Eine Tasse Wasser unten auf den Boden, wenn genügen Dampf ist die Socke kurz rein, ein bisschen dran rumziehen, dann nochmal in den Topf und zum Schluss flach auf der Küchenarbeitsplatte ausdampfen lassen. Gerade Fair-Isle-Socken profitieren von dieser Behandlung.

    • Von Nina am 01. Januar 2018:

      Hey Eva,
      das ist ja mal echt ausgefuchst! Wie bist du auf diesen Trick gekommen? Ist das ein altes Familiengeheimnis oder das Ergebnis eines mutigen Experiments? 😀

  3. Von Juliane am 28. Dezember 2017:

    Hallo,
    Es gibt Spanndrähte von KnitPro, die Ihr nicht führt. Haltet Ihr nichts davon? Erfüllen Drähte aus dem Baumarkt den gleichen Zweck?
    Danke und liebe Grüße
    Juliane

    • Von Susanne am 28. Dezember 2017:

      Es gibt 100 cm lange Schweißdrähte aus Edelstahl, dadurch riostfrei. Ich nehme die mit 1,6 mm Durchmesser, damit kann man auch längere und größere Teile prima spannen und auch Rundbögen, z.B. an Tüchern sehr gleichmäßig ausformen. Man bekommt sie leider nur im Fachhandel, nicht im Baumarkt, kann sie aber auch sehr gut im Internet bestellen (1 kg Stäbe entspricht ca. 60 Stk,, 500 g reichen als gut aus….)

    • Von Uta am 28. Dezember 2017:

      eine Freundin von mir nutzt Schweißdrähte aus dem Baumarkt für ihre Lacetücher.
      Die sind mal grundsätzlich 1m lang, können aber schön angepasst werden. Wenn man dann welchen für Edelstahl- oder Alu-Schweißen nimmt, dann ist auch die Feuchtigkeit/Rosten kein Thema. Gibts in 1,2mm 1,6mm 2,0mm bis zu 4 oder 4mm Stärke. Kannst ja mal beim Baumarkt Deines Vertrauens fragen 😀

  4. Von Uta am 28. Dezember 2017:

    Hi,
    zum einen nutze ich gern die Badewanne zum Baden meiner Pulloverschätze, da kann ich dann noch vorsichtiger arbeiten als im Waschbecken, weil ich eben mehr sehe.
    Zum anderen nutze ich bei manchen Strickstücken Mutter Natur und hänge Sachen abends raus, lasse den Nachtnebel/Morgentau etc. das Strickstück langsam in die Entspannung bringen – besonders toll wirkt es bei Brushed Alpaca Silk. Wenn es ein Tuch ist, muss man es dann ’nebelfeucht‘ noch ausbreiten und spannen (hier nutze ich T-Pins von KnitPro oder Patchwork-Stecknadeln, auch oft in Verbindung mit 20cm langen Sockennadeln, die ich zum Stricken nicht nutze).
    Wenn ich ein Stück in der Wanne gebadet habe, lege ich es nach dem ersten Auspressen zwischen 2 Duschtücher oder Badelaken, roll es dann auf und laufe auf der Frotteewurst hin und her oder wippe; so geht doch schon einiges an Wasser raus, das mit dem ersten Auspressen in der Wanne nicht rausging.
    Oft lege ich auch ein weiteres Badelaken aufs Bett, bevor ich es dann ausbreite – so kann das Strickstück nach oben hin Wasser verdunsten und von unten her saugt das Frottee ein wenig.

    • Von Nina am 01. Januar 2018:

      Hi Uta,
      das ist ja toll, wenn Mutter Natur mithilft! 😀 Bei mir ist sie leider nicht so freundlich – immer wenn ich ein Strickstück auf der Terrasse aufhänge, regnet es unter Garantie. Einmal ist mir sogar ein frisch gebadeter Pullover über Nacht steifgefroren! Na gut, ich hätte vermutlich den Wetterbericht konsultieren sollen …

  5. Von Britta D. am 28. Dezember 2017:

    EDELSTAHLSCHWEIßDRAHT gibt es in der Bucht, z.B. 10 Stück je 1 m lang Durchmesser 1,6 mm für EUR 6,25 + Porto EUR 6,90, Auktionsnr. 190294348072…. wenn man die aufruft kann man weiter durchklicken, gibt es auch in Alu….

  6. Von Britta D. am 28. Dezember 2017:

    PS: die sind für V2A und V4A Stahl, sollten also tatsächlich rostfrei sein, Deutscher Anbieter, kauft bloß nix aus China….

  7. Von Britta D. am 28. Dezember 2017:

    und da gibt es Kiloware, ca 17 Stück mit Durchmesser 3 mm, Auktionsnummer
    263334840940, Porto Nr. 3,90….

    Einfach durch die Bucht surfen

    • Von Juliane am 28. Dezember 2017:

      Vielen vielen lieben Dank für die ausführlichen Antworten und Links!
      Toll, was hier möglich ist!!
      Liebe Grüße Julisne

    • Von Susanne am 28. Dezember 2017:

      Ich benutze wie gesagt 1,6 mm V2A-Stahl Die finde ich von der Stärke genau passend. Nicht zu dick, so dass man noch gut das Strickwerk drauffädeln kann und gleichzeitig stabil genug, dass sie ordenzlich Zug aushalten. 3 mm wäre mir glaube ich zu steif….
      1 kg = ca. 60 Drähte hat ca. 15 € inkl. Porto, Versand aus Deutschland, gekostet.

  8. Von Britta D. am 30. Dezember 2017:

    Hallo, Susanne, danke für den Hinweis zum besseren Auffädeln bei der 1,6 mm Stärke, das ist ein super Erfahrungstipp. Ich versuche mich gerade an meinem ersten Laceprojekt , dem „Lente“ von Anjelique den Brok und der hat doch recht enge Randmaschen.

    Allen Bloggerinnen, Strickerinnen, Lanadeteammitgliedern und ihren Familien
    an dieser Stelle: Guten Rutsch und ein glückliches, gesundes, friedliches, schönes und bestrickendes neues Jahr 2018 🙂

  9. Von BrittaKM am 02. Januar 2018:

    Hallo! Einen tollen Tipp zum Anfeuchten des Strickstücks habe ich aus dem Buch Klompelompe als Omas Stricktipp: das fertige Stück wird über Nacht in ein feuchtes Handtuch gewickelt, locker natürlich. Am nächsten Morgen hat man den „Nebelfeucht“-Effekt, die Maschen haben sich entspannt, Perlmuster sind erhaben und nicht platt gebügelt und man hat die gute Merinowolle nicht ersäuft. Hat bei kleinen Teilen prima funktioniert.

  10. Von Friederike H. am 03. Januar 2018:

    Ich nehme zum Spannen meiner Tücher zwei Gymnastikmatten zum Aufstecken und in den oberen Rand fädele ich einen Draht von einer Gardinenseilspanngarnitur (gab es preiswert bei eb..y. Das Ganze wird dann mit Stecknadeln fixiert, damit Spannung entsteht.
    Ich hatte auch früher die Karbondrähte aus dem Hobbybastelladen. Aber die sind ja max. 1 m lang und immer zu kurz für die Tücher.

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