Rundstricken auf kleinem Fuß

Beim Stricken hat ja jeder so seine Vorlieben und Lieblingstechniken. Der eine mag knifflige Zopfmuster und freut sich an bunten Zopfnadeln (oder dem Nervenkitzel beim Verzopfen ohne Zopfnadel), die nächste mag riesige Lace-Mustercharts, der übernächste vielleicht Socken mit selbst-streifendem Garn und dann gibt es sogar Leute, die mögen – wirklich wahr! – Fäden zu vernähen. Das beeindruckt mich, ehrlich gesagt, am meisten 😀

Ich persönlich liebe vieles am Stricken und ganz besonders, so profan es auch klingt, liebe ich Rundstricken. Dieses kaum einmal durch das Überheben eines Markers oder eine Zunahme unterbrochene, fast meditative Produzieren von Maschen, Mustern und Farbverläufen finde ich einfach herrlich. Ich glaube, Leute die gern Autobahn fahren, verstehen das gut.

Ich sträube mich dagegen, Pullover in Teilen zu stricken: nicht nur wegen der Nähte, sondern weil ich dann ständig wenden muss. Randmaschen beachten muss. Bei Charts umdenken muss – Stichwort Rückreihen. Das sind rote Ampeln für mich. Ich weiß, was ich zu tun habe, und das Ergebnis ist auch ganz nett. Aber viel lieber fahre ich auf der Strickautobahn 😉 Rundstricken und ich: wir verstehen uns. Geht euch das auch so?

Bild für Beitrag „Rundstricken“ 3

Und jetzt kommt das Aber. War ja klar, Rundstricken ist auch nicht unbegrenzt schön, nein, lesen Sie das Kleingedruckte. Irgendwann kommt ein Projekt, das zwar rundgestrickt wird, aber: Kaum angeschlagen, ist die geliebte Rundstricknadel irgendwie zu leer. Da hilft kein Zerren und kein Jammern.

Unterhalb von … sagen wir 50 cm Rundgestrick-Durchmesser ist bei den üblichen Nadeln mit der üblichen Methode einfach Schluss. Das heißt aber natürlich nicht, dass Socken, Ärmel und Babymützen nur in Reihen und mit Nähten möglich sind, nein. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe – haha! – von Möglichkeiten, kleine Durchmesser rundzustricken und die will ich heute mal samt Vor-, Nach- und Einzelteilen für euch beleuchten.

1. Nadelspiel

Sehr klassisch und schon auf Kindesbeinen bei Oma gesehen, vielleicht altmodisch aber – Vorteil – definitiv bewährt ist das kleine Rundstricken auf einem Nadelspiel. Die Maschen sitzen adrett verteilt auf zumeist vier optimalerweise identischen Nadeln und werden mit einer fünften, ebenfalls identischen Nadel reihum abgestrickt.

Nachteil: Pro Runde muss man ganze vier mal die Nadel wechseln. Das ist sowas von gar nicht grüne Welle. Außerdem produzieren ungeübte Stricker gern Spurrillen an den Übergängen, also sichtbar größere Abstände zwischen zwei benachbarten Maschen.

Das Verteilen der Maschen nach dem Anschlag und die ersten Runden können schweißtreibend sein, denn die Nadeln sind glatt und schneller herausgefallen sowie unterm Sofa verschwunden als man fluchen kann. Und dann noch der Unfallschwerpunkt „perforierter Po nach herzhaftem Draufsetzen“! Heieiei, Skandal-Methode.

2. Zwei Rundstricknadeln

Anstelle von vier festen Nadelspielnadeln kann man seine Maschen auch auf zwei Rundstricknadeln verteilen. Das ist nur logisch weitergedacht. Aufgrund der Elastizität des Seils braucht man nicht mal eine zusätzliche Nadel zum Abstricken, sondern strickt stets die erste Hälfte der Maschen auf der ersten Nadel und die andere Hälfte auf der anderen Nadel ab.

Vorteil: Wie auch beim Nadelspiel kann man beliebig kleine Durchmesser in der Runde stricken. Kleiner Tipp: Unterhalb von 5 Maschen lohnt sich ein gewöhnlicher I-Cord. Man hat hier aber nur noch zwei statt vier Nadelwechsel pro Runde. Außerdem ragen die Nadeln nicht ganz so widerborstig und stachelig aus dem Projekt heraus wie beim Nadelspiel. Nachteil: Man braucht zwei Rundnadeln in derselben Stärke.

Wer sich gleich zu Beginn ein Rundnadelset mit aufschraubbaren Spitzen gekauft hat und dachte, damit für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, wird mit dieser Methode entweder scheitern oder sehr, sehr viel schrauben 😉 Außerdem entstehen bei dieser Methode, je nach persönlicher Strickfestigkeit, ebenfalls sichtbare Abweichungen des Maschenbilds an den Übergängen zwischen erster und zweiter Nadel. Wer dieses Problem hat: locker bleiben!

3. Magic Loop

Wenn man noch weiter denkt, fällt einem auf, dass man – ob nun auf dem Nadelspiel oder auf zwei Rundnadeln – doch immer nur zwei Nadelspitzen gleichzeitig benutzt, während die anderen zwei bis acht bestenfalls lustig, schlimmstenfalls lebensgefährlich herum-unnützen. Das muss nicht sein.  Wenn man alle Maschen auf einer Nadelspitze und einem gegenüber liegenden Seilstück derselben Nadel verteilt, dann strickt man den sogenannten Magic Loop:

Vorteile: Hier wird nur eine Rundstricknadel benötigt – ich finde übrigens eine Länge von 80 cm optimal –, was die Methode für die oben erwähnten Nadelsystembesitzer attraktiv macht. Logischerweise gibt es auch keinen Nadelwechsel, aber dennoch – Nachteil – zweimal schieben und sortieren pro Runde.

4. (Klitze-)Kleine Rundstricknadeln

Super pragmatisch: kleiner Durchmesser, kleine Nadel! Wir hätten da süße 40 cm und putzige 25 cm im Angebot. Damit kommt man durchaus auf üblichen Mützen-, Ärmel-, Socken- und Handschuh-Durchmesser herunter. Funktioniert genau wie normales Rundstricken, aber wenn ihr schauen wollt, hier:

Vorteil: Hier ist nur endlich unterbrechungsfreies Rundstricken möglich! Hurra! Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung!

Nachteil: Aufgrund der kleinen Gesamtlänge müssen zwangsläufig auch die Nadelspitzen kürzer sein. Das ist nicht gleich jedermanns Sache. Carolin berichtete darüber. Wenn man sein Strickstück auf dem Kopf, an den Zehen oder Fingerspitzen auch noch schließen will, muss man außerdem kurz vor Schluss auch noch auf eine der weiter oben genannten Methoden umsteigen.

5. Trick-I-Cord

Ja, auch eine I-Cord-Kordel wird rundgestrickt (hier nachzulesen). Die gewöhnlichen I-Cords mit zwei, drei oder vier Maschen sind aber meist zu eng, um auch nur den kleinen Zeh zu bekleiden – okay, je nach Garndicke. Wenn man, sagen wir, den Daumen eines Handschuhs mit DROPS Karisma stricken will, bräuchte man eher so um die 18 Maschen – und die als I-Cord gestrickt –; das erinnert schon ein bisschen an Maschenproben in Runden.

Man kommt schnell voran aber … nee, das geht nicht, da bleiben ja ganz lange, nackige Fäden als Hängebrücken zwischen der ersten und der letzten Masche. Eine Monster-Spurrille! Das sieht doch aus wie Fallmaschen, oder?!

Bild für Beitrag „Rundstricken“ 1

Schon. Und was macht man mit ungewollten Fallmaschen? Richtig, wieder hochhäkeln. Oho, schon viel hübscher!

Bild für Beitrag „Rundstricken“ 2

Diese super schlaue Methode wurde von Meg Swansen, Tochter der I-Cord-Erfinderin Elizabeth Zimmermann, entwickelt. Da hat jemand gute Gene 😉 Ich habe sie jedenfalls in Ysolda Teagues Anleitung für die halbfingrigen Handschuhe „Belyse“ aufgeschnappt und finde, sie darf in dieser kleinen Auflistung hier nicht fehlen – auch wenn sie nur ziemlich begrenzt einsetzbar ist. Und jetzt ihr: kennt ihr noch weitere Methoden zum Rundstricken auf kleinen Durchmessern? Welche mögt ihr am liebsten?

Belyse ist übrigens auch mein aktuelles Ufo-Buster-Projekt (siehe erstes Foto). Aber dieses Mal wird nicht geribbelt! Den zweiten strick’ ich noch! Den Daumen hab ja jetzt, dank euch, schon mal 🙂

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Kommentare

  1. Von Natascha am 24. März 2017:

    Sehr schönes Thema 🙂
    Ich bin glühender Fan der Minirundnadeln. Seit ich vom Spiel darauf umgestiegen bin, hab ich freiwillig drei Ärmel gestrickt – und das will was heißen. Trotzdem stricke ich auch gern mit dem Spiel, da hat man so angenehm kurze Zwischenziele: „juhu, schon wieder eine Nadel geschafft!“

  2. Von Nina am 24. März 2017:

    Ich liebe Nadelspiele.Das hat so einen schönen altmodischen touch und jeder guckt bewundernd hin wenn ich im Wartezimmer oder so stricke……

  3. Von Ingrid am 24. März 2017:

    Für mich kommt nur der Magic Loop infrage. Und gegen den Drehwurm drehe ich einmal nach rechts und einmal nach link, klappt gut (habe aber auch einige Zeit gebraucht, bis ich drauf gekommen bin).
    LG
    Ingrid

  4. Von Susanne am 24. März 2017:

    Ich stricke sehr gerne mit Nadelspielen. Aber wenn der Durchmesser sehr klein wird, stricke ich hin und zurück: immer eine Masche rechts stricken, die nächste mit dem Faden hinter der Arbeit links abheben. Am Ende der Reihe umdrehen und genauso zurück. Natürlich muss die Maschenanzahl gerade sein, dann strickt man bei der Rückreihe immer die Maschen, die man bei der Hinreihe abgehoben hat.
    LG Susanne

  5. Von Petra P. am 24. März 2017:

    Hallo Antje,
    ich liebe Rundstricknadeln ,habe sogar welche, die nur 15 cm lang sind. Damit zu stricken ist für mich überhaupt kein Problem. Da ich Pullover und Jacken mit Raglan stricke sind Rundstricknadeln das Beste. Aber auch flache Teile stricke ich nur mit einer Rundstricknadel.
    Ich habe mich sehr schwer getan, als ich das erste Mal Socken gestrickt habe mit einem Nadelspiel. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt aber mein Favorit sind diese Nadeln nicht.

  6. Von Britta am 24. März 2017:

    Danke für Deinen lustigen Beitrag :-)))

    auf jeden Fall Nadelspiele :-))) bis 5 M pro Nadel kann man gut mit 4en stricken, bei weniger geht es auch mit drei Nadeln und eine vierten zum Abstricken.es muß ja kein Viereck sein, Dreieck geht auch :-))) . Diese Zieherei mit dem ML hält irgendwie auf….

    Gegen Nadelverluste oder Löcher im Sofa habe ich immer ein Tablett neben mir auf dem Sofa. Da rollen die Knäuel auch nicht mehr herum und die Teetasse passt auch noch drauf. bei Pieken im Poppes findet man die Nadel wenigsten wieder….wenn sie allerdings in die Lücke zwischen Lehne und Sitzfäche rutscht….grummel…..

    Die Spurrillen kann man vermeiden, indem man je nach Muster immer zwei bis vier Maschen von der nächsten Nadel noch mit der vorherigen abstrickt und dann erst zur leeren wechselt. Auf diese Weise wandern die Übergänge rundherum und geben keinen Dehnungsstreifen.

  7. Von Hesindiane am 01. April 2017:

    Ein Tip für Magic-Loop- und Zwei-Rundnadel-Strickerinnen:
    Jeweils eine der Nadelspitzen dient bei dieser Technik immer nur dazu, die Maschen ABzustricken, die andere nur dazu, die Maschen aufzunehmen.
    Diese Tatsache kann man dahingehend nutzen, dass man bei wechselbaren Nadelspitzen die Abstrick-Nadelseite z.B. eine Stärke niedriger nimmt als die Nadel, auf der die Maschen beim Stricken landen (weil nur diese Nadel wichtig ist, um den Maschen die richtige „Größe“ zu geben).
    Das ist insbesondere praktisch, wenn man nur ein Nadelspitzenset pro Größe hat (dann geht die Zwei-Rundnadel-Technik trotzdem), oder wenn man so fest strickt wie ich und sowieso immer das Problem hat, dass die Maschen nicht so richtig von der Abstrick-Nadelseite flutschen wollen.

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