Rockefeller-Memorial. #GoWestLanade

Hach, ich bin aufgeregt. Und so vorfreudig gespannt! Es ist ein bisschen wie eine Kombination aus Weihnachten und einem Blind Date: Der Stephen West Mystery Knit-Along (mKAL) 2016 steht vor der Tür. Da er wirklich vorgestern erst angekündigt wurde, kann ich dazu noch überhaupt nichts Konkretes sagen. Nur so viel: Die Erwartungen sind hoch!

Der letztjährige mKAL war nämlich ein Riesenevent, dass nicht nur bei uns in der Facebook-Gruppe, sondern auch in der weltweiten Strickgemeinde, bei Ravelry und Instagram, ganz schön hohe Wellen geschlagen hat. Inzwischen 4256 Projekte bei Ravelry sprechen eine deutliche Sprache. Carolin berichtete euch im letzten Jahr ausführlich über den Doodler (mKAL 2015), Nina schrieb kürzlich über den Exploration Station (mKAL 2013) und ich krame, aus gegebenen Anlass, heute mal meinen im Juni abgeketteten Rockefeller (mKAL 2012) hervor.

Bild für Beitrag „Rockefeller“ 3

Mystery Knit-Alongs, für die, die das noch nicht wussten, funktionieren so:

  1. man hält die Augen auf und Ohren so semi-weit auf; irgendein verrücktes Huhn wird einem sicher die brühwarme Ankündigung für den nächsten Mystery Knit-Along auf irgendeinem Kanal präsentieren – Kikeriki! – und hallo, Reiz des Unbekannten
  2. man kauft die Anleitung bei Ravelry, sie besteht allerdings erst mal nur aus einer Materialliste und vielleicht ein paar Tipps zur Farbwahl; ohne auch nur ansatzweise zu wissen, wie das fertige Projekt (okay – Tuch; so viel ist immerhin bekannt) aussehen wird, sucht man Garne und Farben aus dem Stash aus, die man später nicht verwenden wird
  3. man entscheidet sich spontan für eine andere Kombination
  4. man entscheidet sich spontan für eine andere Kombination
  5. man wird langsam leicht wahnsinnig und entscheidet sich spontan für eine andere Kombination
  6. man schaut sich an, was die anderen so gewählt haben
  7. man entscheidet sich spontan für eine völlig andere oder vielleicht doch die erste Kombination
  8. der Mystery-KAL startet mit dem ersten Teil der Anleitung, den man sich als Update der gekauften Anleitung bei Ravelry herunterladen kann; man schlägt an, was gerade in Reichweite ist – entscheiden kann man sich eh nicht
  9. jeder strickt in seinem Tempo die angegebenen Reihen, schaut sich Fotos der wachsenden Projekte an und holt sich Tipps von den Mitstrickern; dabei wird viel gelacht, sich getroffen und gerätselt wie es wohl weiter geht, welche Form am Ende dabei herauskommt und welche Farben im nächsten Teil dran kommen;
    Schnellstricker sind oft nach ein bis zwei Abenden schon fertig und müssen den Rest der Woche auf das nächste Update warten – ätsch! –, der ganze Spaß wiederholt sich so vier- bis fünfmal, bis das Projekt beendet und die Neugier endlich befriedigt ist;
    je nach persönlicher Schmerzfreiheit besteht dabei (Berichten zufolge) durchaus das Risiko, das Teil für die sofortige Weiterleitung an die Kleidertonne produziert zu haben – aber das finde ich schon drastisch; es spricht auch nichts dagegen, auf halbem Weg auszusteigen, erstmal abzuwarten was noch kommt, oder das Garn für etwas anderes zu verwenden, sollt man mit dem Design nicht warm werden
  10. und  letztens – wenn der KAL beendet und das Geheimnis gelüftet ist – kann man kurze Zeit später die Anleitung in einem Stück kaufen, so wie jede andere auch; die einzelnen Etappen sind dann noch erkennbar und man kann sich auch Jahre später noch den Spaß machen, mit ein paar Freunden einen Memorial-mKAL zu stricken – volles Vergnügen bei reduziertem Nervenkitzel: ich kann es nur empfehlen

Ich entschied mich bei unserem kleinen Rockefeller-MmKAL für eine Kombination aus Malabrigo Sock in Chocolate Amargo und Malabrigo Finito in Glitter (meine farbliche Komfortzone), während Carolin eine Kombination aus Hellgrau- und Blautönen (ihre farbliche Komfortzone) wählte. Und los ging der Spaß!

Schon in der ersten Woche zeigte sich, dass der feine Unterschied in der Garndicke zwischen der Sock (Light Fingering) und der Finito (Fingering) zwar spürbar, und im Gegenlicht auch sichtbar, aber im Gesamtbild überhaupt nicht störend ist. Seht ihr, wie die Sonne im quer gestrickten Teil in der oberen Mitte durch die schokoladenbraune Sock hindurch scheint? Hoffentlich bekomme ich keinen kraus-rechten Sonnenbrand 😀

Bild für Beitrag „Rockefeller“ 1

Für die verschiedenen Elemente im Hauptteil, den wir nach ein paar Tagen selbst auferlegtem Auf-Die-Finger-Setzen in Woche zwei gestrickt haben, erwies sich ein weiterer Unterschied zwischen beiden Garnen als sehr günstig: Die Finito besteht nämlich aus den feinsten Merinofasern der Erstschur und ist deshalb unvergleichlich weich und auch bauschiger, sodass die glatt rechts gestrickten Flächen schön dicht wurden, die Löchlein ein Detail blieben und nicht allzu viel steife Brise hereinlassen. Die Textur der kraus rechts gestrickten Balken, die sich von links und rechts in den Hauptteil schieben, kommt hingegen aufgrund der höheren Elastizität und der glatteren Faser der Malabrigo Sock besser zum Vorschein als sie es bei der Finito tun würde.

Teil drei unseres MmKALs war die schnell gestrickte Borte in der unteren Mitte. Hier hätte ich mir mehr Kontrast in meiner Farbwahl gewünscht. Bei Carolin sind die Details besser und gleich auf den ersten Blick zu erkennen.

Bild für Beitrag „Rockefeller“ 4

Teil vier sprengte leider sowohl unseren angepeilten zeitlichen Rahmen, als auch unsere Verbrauchsplanungen. Wir brauchten beide Garn-Nachschub für die zwei gestreiften und nur sehr zögerlich schmaler werdenden Enden dieses Tuchs. Da zeigt sich mal wieder, dass man bei Tüchern zwar nicht dringend eine Maschenprobe machen muss (dann wird’s halt größer, stört ja nicht), bei lockerer Strickweise aber unbedingt den Mehrverbrauch (denn irgendwo muss die Größe ja herkommen) berücksichtigen sollte.

Und zwar am Besten von Anfang an, dann kommt man nicht zwischendrin in Bedrängnis, weil die Farbe vielleicht gerade nicht lieferbar ist, und kann bei handgefärbten Garnen auch – wie empfohlen – abwechselnd von zwei Strängen stricken, um harte Kanten zu vermeiden.

Technisch ist der Rockefeller mit seinen seitlichen und abschließenden I-Cords, verkürzten Reihen, Hebemaschen, Intarsien-Technik und zweimal drei klitzekleinen Maschenstichlein eine Spielwiese, auf der auch erfahrenen Strickern nicht langweilig wird – Anfänger können hier richtig viel dazulernen. Zum Ende hin braucht man Ausdauer, aber das Ergebnis ist es definitiv wert. Findet ihr nicht auch?

Bild für Beitrag „Rockefeller“ 2

Modell: „Rockefeller“ von Stephen West
Garn: 3 Stränge Malabrigo Finito in Fb. 048, Glitter und 2 Stränge Malabrigo Sock in Fb. 812, Chocolate Amargo
Nadeln: KnitPro Nova Nadelspitzen, 3,5 mmverschiedene Seillängen
Modifikationen: Keine. Wirklich nicht. Könnt ihr im Ravelry-Projekt (nicht) nachlesen 😉

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Kommentare

  1. Von Kerstin am 09. September 2016:

    Den hab ich auch gemacht, ebenso den Doodler. Ich fand es toll und habe einiges gelernt. Ob ich dieses mal dabei bin weiß ich noch nicht.

  2. Von Susanne am 09. September 2016:

    Liebe Nina,
    Deine Erklärung hat mich neugierig gemacht…, vor allem die Punkte 3 bis 7 🙂
    Bislang bin ich zwar nicht so ein Riesenfan von Stephen West, aber rein stricktechnisch gesehen reizt es mich schon sehr. Schließlich muss man ja auch ab und zu über den Tellerrand schauen 😉 Mal sehen, ob ich es zeitlich schaffe…
    LG von Susanne

  3. Von Susanne am 09. September 2016:

    Sorry für die falsche Anrede, liebe Antje!

    • Von Antje am 14. September 2016:

      Macht nichts, Susanne,
      wir hören inzwischen beide sowohl auf „Nina“ als auch auf „Antje“ 😉
      Viel Spaß beim KAL 🙂

  4. Von Petra P. am 09. September 2016:

    Hallo Antje,

    Dein Beitrag über den Rockefeller- Memorial ist wieder klasse. Auch das Farbenspiel gefällt mir sehr gut. Wenn Du den Rockefeller so um den Hals trägst, erinnert es mich etwas an die Antike vom Muster her und wirkt wirklich mystisch. Vielleicht hat sich Herr West von der „Alten Zeit “ inspirieren lassen. Wer weiß das schon ?

    • Von Antje am 14. September 2016:

      Vielleicht!
      Der Herr West lässt aber auch nichts aus ;D

  5. Von Moni am 10. September 2016:

    Hallo Antje,
    mir ist es gegangen, wie du es beschreibst;-). Ich hatte mir wunderschöne Farben ausgesucht und bestellt (genau nach Anleitung), alle Teile ordentlich nachgearbeitet und dann festgestellt, es reicht definitiv nicht für die zweite Seite des „Flügels“. Ich stricke locker, wusste ich aber damals noch nicht. Also Wolle nachbestellen (bei einer Handfärberin), die natürlich in meinen Farben komplett anders aussah, viel dunkler und auch nicht im Reihenwechsel verstrickt aussah:(. Anfang diesen Sommers habe ich geribbelt und die Wolle mit anderen Resten zu einem Edie von Isabell Kraemer verstrickt.
    Den ziehe ich jetzt regelmäßig an und nutze ihn bestimmt häufiger, als ich das Tuch verwendet hätte. Nur Schade um die Arbeit ….
    Liebe Grüße
    Moni

    • Von Antje am 14. September 2016:

      Jaja, Lehrgeld… Haben wir das nicht alle schon in der einen oder anderen Höhe zahlen müssen?
      Schön, dass du so eine gute Lösung gefunden hast 🙂

    • Von Britta am 16. September 2016:

      Hi, Monie, was ist ein Edie???

      LG

  6. Von Maria am 11. September 2016:

    Hallo Antje,
    habe mir heute Nacht mit viel Vorfreude bei euch im Shop für dieses neue Projekt Madelinetosh Pashmina ausgesucht, von der ich schon eine Farbe zu Hause habe. Jetzt bin ich mir unsicher, ob mir 4 Stränge langen, nicht dass mir dann am Schluss 35 m abgehen beim großen Modell. Habt ihr als „Obermegasuper Wollanbieter“ die Möglichkeit, bei Herrn West nachzufragen, ob dieses Wollschätzchen passt? Seine angegebene Qualität ist ja nicht so leicht erhältlich. Wäre schade um Zeit und Geld, wenn es am Ende zwickt.
    Herzlichen Dank für eure wunderbare Wollauswahl und eure Blogartikel. Ich schätze euer großes Engagement!
    Liebe Grüße
    Maria

    • Von Antje am 13. September 2016:

      Hi Maria,
      grundsätzlich kannst du das Modell natürlich auch aus der Pashmina stricken. Solange du die Maschenprobe einhältst, bleibt der Verbrauch in Metern gleich. Da die Pashmina aber um einiges dicker ist als die vorgeschlagenen Garne, glaube ich nicht, dass das nachher ein angenehmes Maschenbild abgibt. Sobald du von der Maschenprobe abweichst, kann dir aber keiner auf 35 Meter exakt vorhersagen ob die 4 Stränge deiner Wahl ausreichen oder nicht. Auch nicht der Herr West 😉 Das hängt einfach von zu vielen Faktoren (zB. Nadelstärke, Nadelmaterial, persönliche Strickfestigkeit) ab.
      Was du aber machen kannst, wenn du merkst, dass dein Garn knapp nicht reichen wird, ist an den beiden Zipfeln häufiger abzunehmen. Da steckt nämlich einiges an Material – also auch Einsparpotential – drin.
      Liebe Grüße!

  7. Von Hanka am 14. September 2016:

    Hallo Antje,

    Dein Rockefeller gefällt mir so sehr, dass ich ihn am liebsten sofort mit den gleichen Garnen nachstricken würde. Und danke für die Beschreibung des M-KAL, die half mir mit der Entscheidung 😉

    • Von Antje am 14. September 2016:

      Dafür oder dagegen? 😉
      Freut mich, dass dir die Farbkombination gefällt. Ich könnte diese Farben auch immer wieder und wieder verstricken 🙂

  8. Von Renate am 15. September 2016:

    Hallo Antje,
    Du hat den MKALProzeß super beschrieben!
    Aber Du könntest noch (unter 3a vielleicht) einfügen: zum vorhandenen Stash spontan Garn bei lanade dazu bestellen. *grins*
    Das habe ich gemacht ,hatte ich doch endlich einen Vorwand gefunden, Madelinetosh zu bestellen. Und die ist so was von schön!
    Liebe Grüße
    renate

  9. Von Britta am 17. September 2016:

    auch auf die Gefahr, von der Fangemeinde gesteinigt zu werden: ich finde die Modelle von Mister Strick irgendwie alle gleich, ich kann die verschiedenen Tücher echt nicht auseinanderhalten….. alles kommt stilistisch gleich daher, laaaaangweilig!
    A:
    Brioche, was fürchterlich aufträgt, als Tuch oder Pulli unter keine Jacke passt und für kurzhälsige Pummelfeen wie mich so ist, als würde man einem Schwein ein Bettlaken umwickeln….

    B:
    betont „männliche“ Muster, die alle irgendwie eckig oder mit Blöcken daherkommen, nur aufgepeppt durch wilden Material- und Farbmix, bei dem mir manchmal die Augen brennen

    C:
    gewollte Asymmetrien bei den Tüchern, um sich irgendwie abzuheben.

    Das wars dann auch schon. Das ich mit Tüchern nichts anfangen kann habt Ihr sicherlich mitbekommen…..

    Als Dicke bin ich bei der Verwendung von Tüchern echt ratlos, was macht man damit, außer sie als Schal zu tragen?

    Wenn schon Tuch, dann so etwas leichtes wie Lente von Angelique den Brok, das Ihr hier
    vorgestellt habt, das ist superleicht und anschmiegsam und trägt sich sehr angenehm.

    Ich lese Euren Blog schon lange mit, würde mir aber echt wünschen, wenn Ihr mal ein bißchen weniger von Mister Strick bringen würdet, das wird langweilig.

    Sorry Mädels.

    • Von Antje am 17. September 2016:

      Hallo Britta,
      Danke für dein ehrliches Posting. Du wirst dafür ganz sicher nicht gesteinigt denn deine persönliche Meinung steht dir absolut zu und wird als solche akzeptiert. Sicher hast du Verständnis dafür, dass wir unsere Aktion noch wie geplant bis zum Ende des Jahres fortführen werden. Die Beiträge dazu sind immer mit dem Hashtag #GoWestLanade gekennzeichnet, so dass du die noch folgenden ganz leicht ignorieren und dich stattdessen einfach schon mal auf den nächsten Technik-, Plausch- oder Garntestbeitrag freuen kannst 🙂

      Schöne Grüße!
      Antje

  10. Von Britta am 25. September 2016:

    na klar, Eure anderen Beiträge sind super, vor allem die kreativen zum Färben oder Weben.

    Könnt Ihr nicht mal so eine Art Grundkurs zu Spinnen ausarbeiten? Auf das Weben verzichte ich erstmal, weil die Webrahmen so teuer sind, aber Spinnen wäre wirklich interessant.

    Übrigens macht es riesigen Spaß, Euer Alpaka zu filzen und nass zu Walken 🙂 Das gibt ganz neue Möglichkeiten.

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