Och nööö … äh … näh!

In den Kommentaren zu meiner Ärmelmisere hat sich abgezeichnet, dass es großen Bedarf an einem Beitrag gegen die gemeine Zusammennäh-Unlust gibt.
Fertig gestrickte Schönheiten schlummern vergessen in den Tiefen der Strickkiste, weil sich einfach kein Heinzelmännchen findet, das sich der Nähte annehmen möchte. Ebenso scheinen lose Fäden wahrlich unermessliches Grauen hervorzurufen und die Freude auf ein neues, wochenlang in Vorfreude gestricktes Pullöverchen völlig in den Hintergrund zu drängen. Auch hier versacken unzählige, eigentlich fertige Projekte in dunkeln Ecken. Doch heute soll es um Nähte gehen.

Lasst uns mal ehrlich sein: So schlimm ist es ja eigentlich nicht. Oder doch?
Ich kann es verstehen, von Herzen. Auch da habe ich in meinen Jahren des eifrigen Strickens dazugelernt und möchte euch teilhaben lassen.

Für mich war das Schlimmste am Zusammennähen stets die Tatsache, dass die Nähte – gelinde gesagt – unschön aussahen. Ich muss dazu sagen, dass ich – Schneiderlein, das ich bin – sehr pingelig sein kann, wenn es um die Makellosigkeit von Nähten geht. Seit ich mir allerdings diverse Videos zu Gemüte geführt habe, produziere ich nun wunderbar gleichmäßige Nähte und habe die Unlust weitestgehend verloren, da die Freude über die gelungene Naht überwiegt.

Jede Naht will anders zusammengenäht werden, darum stelle ich euch hier nun einige Videos aus dem umfangreichen Technik-Video-Fundus von DROPS vor. Es lohnt sich übrigens dort generell ein bisschen zu stöbern – was es nicht alles zu lernen gibt!

Seitennähte:
Für Kraus-rechts-Strickstücke bietet sich diese Variante an. Die Naht ist weitestgehend unsichtbar:

Schick, oder?
Ein bisschen anders funktioniert es bei Glatt-rechts-Gestricktem, dafür ist diese Naht tatsächlich nicht zu sehen. Warum dieser Stich nun „Matratzenstich“ genannt wird, darf man mich allerdings nicht fragen …

Auch nicht schwer, oder?
Man braucht also keine wulstigen, doppellagigen Nähte zu produzieren.
Es gibt hierfür sogar noch eine zweite Variante, wobei mir der „Matratzenstich“ ein bisschen besser gefällt, da es die Maschen sich da schöner legen. Vorstellen will ich euch diese Variante dennoch:

Schaut auch sauber aus, oder?

Womit wir zu Schulternähten kommen.
Für Pullover oder Jacken bevorzuge ich eine ordentliche Schulternaht. Damit die Jacke nachher schön auf den Schultern sitzt, ist eine echte Naht einfach besser. Meiner Erfahrung nach sehen unsichtbare, glatte Nähte an den Schultern ungetragen zwar prima aus, die Sachen hängen aber nachher aufgrund Ihres Gewichts unschön am Körper. Hier also lieber klassisch:

Die bereits erwähnte, unsichtbare Naht erfordert zwei offene Kanten, die aneinander genäht werden wollen. Dies hat man zum Beispiel bei Loops oder Röcken, wo die Übergänge fließend sein sollen und eine Naht den Fall des Strickstücks beeinträchtigen würde. In der Regel arbeitet man hier mit einem provisorischen Anschlag, mit dem man die Anschlagkante nachher einfach wieder auftrennen und die beiden Kanten unsichtbar verbinden kann. Im Englischen heißt der hierfür verwendete Stich „Kitchener Stitch“ und ja, ich gebe zu, der ist nicht ganz einfach. Zumindest kann ich ihn mir bis heute nicht merken und muss mir jedes Mal ein Video dazu anschauen, bevor ich starte. Aber für dieses Ergebnis loht es sich wahrlich, hier also der „Maschenstich“:

So, was haben wir nun noch nicht zusammengenäht … hm. Ah! Die Unterarmnaht beim Raglan! Ob von oben oder von unten gestrickt ist egal, man hat in jedem Fall die Löcher zuzumachen.
Da diese Naht sehr kurz ist, habe ich die meist einfach irgendwie zusammengeschustert, aber so sieht das dann schon sauberer aus:

Ist dieser Mini-Raglan nicht niedlich?

Tja, und dann sind da noch die Ärmel. Ärmel einzunähen bei in Einzelteilen gestrickten Pullovern oder Jacken ist, denke ich, die größte Hürde. Letztlich werden auch keine anderen Methoden verwendet, als oben schon gezeigt, aber die Kanten sind in diesem Fall eben nicht identisch.
Ich habe hierfür leider kein Video von DROPS gefunden. Selbstverständlich habe ich dies direkt an DROPS gemeldet und wer weiß, vielleicht gibt es dann demnächst ja eins.

So lange müssen wir eben mit den Angeboten auf Youtube vorliebnehmen. Erstaunlicherweise gab es auch dort recht wenig gute Videos, doch eins habe ich gefunden, das auch ohne Englischkenntnisse gut zu verstehen ist, da die Dame alles sehr schön zeigt. Hierfür habe ich euch allerdings nur einen Link zum Youtube-Video „How to Seam: Set-in Sleeve“.
Generell wird empfohlen, für das Einnähen der Ärmel diese und den Armausschnitt vorab vorsichtig zu dämpfen und in Form zu bringen, damit die Kanten glatt liegen, das Erleichtert nachher das Finden der richtigen Masche zum Nähen.

Und das war’s auch schon. Sämtliche Nähte ordentlich und sauber. Probiert’s einfach mal aus, wenn man weiß, dass es hinterher auch nach was aussieht, macht es vielleicht auch mehr Spaß!
Zumindest geht es mir so.

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Kommentare

  1. Von Sonja am 28. Oktober 2014:

    Hallo Carolin,

    da hast du dir ja mal wieder so viel Mühe gemacht, um uns zusammennähunlistigen leidenschaftlichen Strickerinnen es schmackhaft zu machen, endlich die vielen Ufo´s aus den dunklen Ecken rauszuholen. Werde mir auf jeden Fall das eine oder andere Video zu Gemüte führen und hoffen, dass die Unlust dann zur Lust wird. Sage auf jeden Fall, viiiiiiiiiiiiiiieeelllllllllllllllllllleeeeeeeeeeennnnnn
    Dank für deinen unermüdlichen Einsatz.

    Liebe Grüße aus Bayern

    sendet Sonja

  2. Von Christina am 28. Oktober 2014:

    Liebe Carolin,
    ich kann mich Sonja nur anschließen und mir ein Herz nehmen und mal mit dem Videoansehen beginnen!
    Ich glaub, bei mir liegts gar nicht so sehr am Nähen an sich, als eben daran, dass es mir dann hinterher nicht richtig gefällt – vielleicht sollte ich eher an meinen Randmaschen arbeiten???
    Jedenfalls herzlichen Dank, vor allem auch aus meinen Kisten und Schränken …
    Christina

  3. Von Jana Timm am 29. Oktober 2014:

    Wunderbar! Nun handarbeite ich schon seit 50 Jahren und war immer unglücklich über die häßlichen Nähte. Aber auf so einfache Ideen bin ich leider nicht von allein gekommen.
    Vielen lieben Dank für die Mühe!

  4. Von Monika Nieborg am 29. Oktober 2014:

    Danke Karoline,

    die Nähte sehen ja wirklich super ordentlich aus. Ich habe sie bis jetzt immer zusammengehäkelt, aber das waren dann immer so dicke Nähte.
    Liebe Grüße, zur Zeit aus Griechenland,
    Monika

  5. Von birgit am 30. Oktober 2014:

    Äußertst empfehlenswert, diese Drops-Technik-Videos! Ich bin regelrechter Fan davon.
    Eigentlich hatte ich nie Nahtprobleme, aber durch diese Videos ist mein Ehrgeiz gestiegen, manche Teile eben perfekter zusammenzubringen. Und es funktioniert!
    Aber Carolin, es geht mir wie Dir, dieser „Kitchener Stitch“ ist genial, aber freihändig krieg ich den einfach nicht hin! Ich brauche immer die Anleitung dazu. Ich habe mir sogar den Text ausgedruckt und hüte sorgsam diesen Zettel. Das Internet könnte ja mal weg sein ;)) !
    Liebe Grüße !

  6. Von Kathi am 31. Oktober 2014:

    Wenn ich bedenke, wieviele schöne Strickstücke ich durch hässliche Nähte verhunzt habe….
    Einziger Trost war immer, dass die gekauften Strickpullover auch keine unsichtbaren Nähte aufweisen 🙂

  7. Von Ute, Stralsund am 10. November 2014:

    Liebe Carolin, und ich dachte immer, daß nur ich die blöden Nähte nicht mag!! Dagegen habe ich im Laufe der Jahre Rezepte entwickelt. Pullover werden rund gestrickt, Jacken immer in einem Stück. So muß ich nur Ärmelnähte schließen. Meine Mutter strickt die Ärmel an und arbeitet mit der Rundnadel. Sie näht überhaupt nicht mehr.
    Bei den Jacken habe ich Glück: Mein Mann näht die Knöpfe an!! Wer hat noch so viel Glück??

    • Von Carolin am 11. November 2014:

      Hallo liebe Ute,

      oh ja, das ist natürlich wertvoll! Knöpfe annähen ist sicherlich auch etwas, warum viele Sachen einfach nicht fertig werden.
      Ich finde das ganz wunderbar, dass sich Dein Mann da opfert.

      Liebe Grüße Carolin

  8. Von Anna am 12. November 2014:

    Noch ein kleiner Tipp für das Vernähen einzelner Fäden, die ja bei größeren Projekten zahlreich auftreten, wenn ein neues Knäuel angebrochen wird:
    einfach vernähen, bevor man das Strickstück zur Seite legt für den Tag. Das dauert nur ein paar Minütchen. Wenn man dann ganz fertig ist, bleibt kaum noch etwas zum vernähen übrig. Und man braucht nicht eeeeewig, weil man noch so viel zu vernähen hat, die Arbeit ist schon getan und man erspart sich das Aufregen….

    • Von Carolin am 12. November 2014:

      Hallo Anna,
      jaaa, das ist auch, was ich gerne mache. Sobald ich ein paar Reihen drüber gestrickt habe, vernähe ich. Dann ist alles immer schön ordentlich und man muss sich am Ende nicht überwinden. Habe die Nadel immer bereit liegen.
      Liebe Grüße, Carolin

  9. Von Carmen am 10. Dezember 2014:

    Hallo Carolin,was ist das für eine Nähnadel die Du da benutzt? Die sieht toll aus.
    Viele Grüße Carmen

  10. Von Lilo am 06. November 2018:

    Echt super diese Nähte. Danke. Aber eine Naht vermisse ich dennoch: Bei Wellen- oder Zickzackmustern werden die Schultern auch „wellig“ bzw. gezackt. Wie geht ihr damit um? Bei soviel Freude an den Nähten von Carolin ist doch sicher eine Erfahrung damit ider Idee dabei. Bitte bitte. Freu mich auf eure Kommentare.

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