Mosaik, c’est fantastique!

Ich weiß ja nicht, wie es euch da geht, aber ich liebe mehrfarbige Strickstücke. Ich könnte Ewigkeiten damit verbringen, mir Farbkombinationen zu überlegen, und dann noch mal eine ganze Ewigkeit obendrauf, um die passenden Projekte dafür zu finden.

Tatsächlich habe ich den Verdacht, dass ich viel mehr Zeit auf Träumen und Planen verwende, als auf das tatsächliche Stricken. Wisst ihr, was super wäre? Wenn ich so etwa zwei Drittel meiner Ideen irgendwo in Auftrag geben könnte! Dann würde endlich alles umgesetzt werden, was mir so vor Augen schwebt … Freiwillige?

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich nämlich heute nicht meine Projekte delegieren, sondern euch eine Farbstrick-Technik vorstellen. Denn so gern ich auch mehrfarbig stricke, ich mag nicht immer nur geringelte Sachen machen und für Fair Isle, Intarsia und Doubleface habe ich auch nicht immer die Muße. Versteht mich nicht falsch, alle diese Techniken haben ihren Platz in meinem Herzen. Aber manchmal möchte ich einfach nur friedlich Reihe für Reihe vor mich hinstricken, ohne mehrere Fäden nacheinander oder gleichzeit managen zu müssen.

Zum Glück gibt es Mosaikmuster! Die Mosaik-Technik ist eine mehrfarbige Stricktechnik, die auf den ersten Blick dem Fair Isle sehr ähnlich sieht:

Bild für Beitrag „Mosaik“ 9

Hübsch, oder? Noch hübscher ist aber die Tatsache, dass es sich eigentlich um eine clevere Kombination aus Hebemaschen- und Streifenmuster handelt. Im Klartext: Jede Reihe wird immer nur mit einer Farbe gestrickt! Wer bei unserem Regentag-Mystery-KAL mitgestrickt hat, hat im Prinzip schon die Mosaiktechnik angewendet. Hier wurden beispielsweise die dicken Gewittertropfen in Clue 3 gebildet, indem senkrechte Streifen über die Reihen der Kontrastfarbe hinweggehoben wurden.

Bild für Beitrag „Mosaik“ 4

Klassische Mosaikmuster verwenden genau dieses Prinzip, um komplexe geometrische Designs zu bilden. Dabei wird meistens alles kraus rechts gestrickt, um die Hebemaschen besser ins Gesamtbild zu integrieren. Bei Mosaik sollen sie nämlich nicht so plastisch hervortreten wie beim Tropfenmuster oben, sondern möglichst unauffällig im Design verschwinden. Schauen wir uns das einmal in Aktion an!

Hier ist meine Musterprobe aus DROPS Flora in den Farben 12, türkis und 02, weiß. Das Muster stammt aus dem schönen „Xuan Wrap“ von Designerin Ambah O’Brien, für das ich noch an der perfekten Farbkombi knobele. Türkis und Weiß scheint mir aber schon mal eine gute Spur zu sein 😉

Bild für Beitrag „Mosaik“ 3

Meine aktuelle Reihe verwendet die Farbe Weiß. Ich stricke also weiße Maschen, wie die Anleitung sie vorschreibt, die türkisfarbenen dagegen hebe ich ungestrickt ab. Der Faden läuft dabei hinter der Arbeit weiter, damit er von der Vorderseite nicht zu sehen ist.

Bild für Beitrag „Mosaik“ 7

Bei der Rückreihe geht es noch einfacher. Da brauche ich gar nicht mehr auf die Anleitung zu schauen, sondern stricke alle Maschen, wie sie erscheinen: Weiße Maschen rechts, türkisfarbene Maschen ungestrickt abheben. Hier verläuft dann natürlich der Faden vor den türkisfarbenen Hebemaschen. Ist ja die Rückseite.

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Mit der nächsten Hinreihe wechsle ich zu Türkis. Nun werden die Maschen, die laut Anleitung diese Farbe kriegen sollen, in Türkis abgestrickt, während die Maschen der anderen Farbe nur abgehoben werden. Fäden verlaufen immer auf der Rückseite der Arbeit.

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Und das ist auch schon der ganze Trick. In der Praxis hat man beim Mosaikstrick immer nur rechte Maschen sowie Hebemaschen zu erledigen und hat mit dem Farbwechsel nicht mehr am Hut als bei klassischen Ringeln. Man muss sich ein bisschen darauf konzentrieren, wo im Muster man sich befindet, aber das gilt ja genauso für Fair Isle und Konsorten.

Mosaikmuster sind naturgemäß sehr geometrisch, da sich mit dieser Technik nicht jede Art von Motiven basteln lässt. Man kann also leider nicht (oder nur in Ausnahmefällen) Fair-Isle-Muster in Mosaikmuster verwandeln, sondern muss sich wohl oder übel an den Mosaikstil halten.

Auf der anderen Seite bietet Mosaik vielen Strickerinnen eine Mehrfarb-Lösung, die an Fair Isle verzweifeln, weil sie nicht mehrere Fäden gleichzeitig gebändigt kriegen oder ihnen die Fadenspannung das Strickstück verzieht. Hebemaschen sind zum Glück sehr kooperativ, sodass Mosaikstrick in der Regel problemlos ein regelmäßiges Strickbild ergibt.

Für alle, die sehr fest stricken und daher Schwierigkeiten haben, Hebemaschen über mehrere Reihen zu heben, habe ich außerdem noch einen Trick, den ich von Melanie Berg gelernt habe. Markiert euch vorab in der Anleitung, welche Hebemaschen eine lange Strecke zu überwinden haben. Wenn ihr diese Maschen in der Reihe strickt, die unmittelbar auf die Reihe folgt, in der sie zum ersten Mal abgehoben werden, zieht ihr den Faden einfach doppelt durch die Masche. Etwa so:

Bild für Beitrag „Mosaik“ 5

Dadurch habt ihr so etwas wie eine Doppelmasche, die ihr euch bis zur nächsten Reihe merkt oder mit einem Maschenmarker kennzeichnet. In der nächsten Reihe werft ihr dann eine der beiden Schlaufen wieder von der Nadel und hebt die andere anleitungsgemäß ab. Voilà, eine große Hebemasche.

Diese Masche hat jetzt genug „Leine“, um mehrere Reihen zu überbrücken. Wenn es hart auf hart kommt, kann man natürlich auch mehr Umschläge aufnehmen, um die Masche noch größer zu machen. Probiert einfach mal ein bisschen aus, was bei eurem individuellen Strickstil am besten funktioniert.

Bild für Beitrag „Mosaik“ 1

Bild für Beitrag „Mosaik“ 2

Wenn ihr jetzt Appetit auf Mosaik habt, kann ich euch eine ganze Palette schöner Stricktücher von Melanie Berg und Lisa Hannes ans Herz legen. Wenn ihr erstmal nur ausprobieren möchtet, wie euch Mosaik schmeckt, findet ihr auf Ravelry aber auch schöne Gratis-Sockenmuster auf Deutsch – wie das von Andrea Krüß-Anders oder von Tanja Steinbach.

Ich für meinen Teil muss jetzt noch ein paar Musterproben mit weiteren Garnen machen. Mosaik sieht nämlich auch ganz fantastisch mit Farbverlaufsgarn wie DROPS Delight aus!

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Kommentare

  1. Von Regina Siggelkow am 12. Dezember 2017:

    Ja, eine tolle Technik ohne jeden Fadensalat; mich begesitert sie, seit ich die genialen Musterbücher von Barbara Walker habe, die sich sehr ausfühlich mit dieser Technik beschäftigt hat; neben den Abschnitten in den „Treasurys“ gibt es von ihr auch ein komplettes Buch zum Thema. Wenn man diese Strickweise erstmal verinnerlicht hat, kann man mit ein wenig Fantasie auch eigen Muster kreieren.
    Liebe Grüße
    Regina, die mit Spannung die neuen Posts hier verfolgt 🙂

    • Von Nina am 15. Dezember 2017:

      Hallo Regina,
      danke für den Tipp, die Bücher schaue ich mir mal genauer an! 😀

  2. Von Martina am 13. Dezember 2017:

    Nach dem Regentag-Tuch bin auch ich schwer begeistert von der Mosaiktechnik und werde es jetzt auch mal mit Socken probieren. Vielen Dank für den Post und die Erklärung. Das motiviert sehr. LG Martina

    • Von Nina am 15. Dezember 2017:

      Hi Martina,
      gern geschehen! Berichte doch hinterher mal, wie sie geworden sind. 😀

  3. Von Doro am 13. Dezember 2017:

    Die Sockenmuster finde ich auch interessant. Was da aber nicht dabeisteht, mich aber ins Grübeln bringt: wie und vor allem wo macht man da den Farbwechsel? Unter der Fußsohle? Oder an einer Seite? Bei den schmalen Streifen kriegt man doch immer so einen Zacken/Sprung im Streifen bei Farbwechsel…

    • Von Nina am 15. Dezember 2017:

      Hallo Doro,
      ich glaube, ich würde den Farbwechsel an der Seite machen, am Übergang zwischen Streifen und Mosaikmuster. Eine leichte Stufe hat man dann schon, aber an dieser Stelle ist sie so unauffällig wie möglich.

  4. Von Eva am 14. Dezember 2017:

    „Xuan Wrap“ , was für ein wunderschönes Tuch! Das Mosaikmuster ist perfekt. Und was für tolle Farbkombis auf Ravelry zu sehen sind. Großartig!
    Schade, dass ich schon sie viele Tücher habe.

  5. Von Katrin R am 17. Dezember 2017:

    Hallo Nina!
    Nur ein paar Fragen zur Muster-Maschenprobe: Würdest du die verwendete Nadelstärke für die Probe auch für das eigentliche Projekt verwenden? Hast du die für die Drops Flora empfohlene Nadelstärke verwendet oder eine kleinere? Ist die Probe gewaschen?
    Du schreibst, dass man für Mosaik kraus rechts strickt, damit die Hebemaschen der beiden Farben in sich strukturell verschwinden und das Gestrickte gleichmäßiger aussieht. Wenn ich mir das Foto der Vorderseite anschaue, starre ich allerdings immer auf die , naja, großen Löcher bei den weißen Maschen. Vielleicht liegt es aber auch nur an meiner Abneigung von Lockergestricktem (vor allem von gekauften Industrie-Strickpullovern).
    Ansonsten danke für den Beitrag. Ich habe schon von der Technik gelesen und fand sie für mich interessant, aber ohne passende Bilder hatte ich nur bedingt verstanden, wie es funktioniert und wie es auszusehen hat.
    P.S.: Türkis-Weiß passt sowohl in den Sommer als auch in den Winter 😉

    • Von Nina am 17. Dezember 2017:

      Hallo Katrin,
      ich habe für meine Probe die gleiche Nadelstärke benutzt, mit der ich die Flora auch in glatt rechts verstricke, nämlich 3,0. Gewaschen ist die Probe allerdings nicht, erwischt. 😉
      Du hast recht, den Hebemaschen sieht man schon an, dass sie ein bisschen gedehnt werden. Weiß hebt das vermutlich auch noch mal etwas mehr hervor als andere Farben, ansatzweise sieht man die Hebemaschen aber immer. Ich fürchte auch, dass kraus rechts umgesetztes Mosaik immer etwas lockerer aussieht – bei mir als Lockerstrickerin ist kraus rechts auf jeden Fall immer sehr luftig. Ich habe auch schon ein paar wenige Anleitungen gesehen, die Mosaik in glatt rechts einsetzen (z.B. https://www.ravelry.com/patterns/library/pucker-2 und https://www.ravelry.com/patterns/library/mosaic-marbles-socks), das geht vielleicht eher in deine Richtung. Mach einfach mal eine Musterprobe mit ein paar Garnresten und schau, ob du mit kleineren Nadeln oder glatt rechts ein Ergebnis bekommst, mit dem du zufrieden bist! Alle Techniken, bei denen Garnspannung eine große Rolle spielt, sind ganz extrem von der individuellen Strickweise jedes Einzelnen abhängig. 🙂

    • Von Britta D. am 18. Dezember 2017:

      ich habe gerade eine Jacke aus Drops Merino mit einem großen Anteil Hebemaschenmuster gestrickt, im Körperteil glatt rechts mit Hebemaschen, teilweise ohne Hebemaschen, an den Bündchen 15 cm hoch kraus mit Hebenmaschen, damit es sich nicht rollt und statt dessen auf das klassische Bündchen verzichtet.

      Die Hebemaschen habe ich statt wie beim „Reis“ nicht versetzt gestrickt sondern übereinander, vorher eine Maschenprobe gemacht, gewaschen…..

      Trotzdem wurde nach der Wäsche ein Kleid daraus…..das Strickstück wurde liegend schon 50 % länger und weiter und reichte bis zum Schienbein, im Wäschetrockner krumpfte es wieder etwas, ist aber immer noch um 3 Größen gewachsen.

      Bei krausem Mosaik dürfte der „Effekt“ noch etwas heftiger ausfallen, vor allem bei großen schweren Teilen, versuchs lieber erstmal mit einem Tuch.

    • Von Nina am 20. Dezember 2017:

      Hallo Britta,
      ach du Schreck, 50 %?! Du hast Recht, ein komplettes Kleidungsstück aus Kraus-Rechts-Mosaik ist vermutlich recht riskant. Ich stricke im Moment einen Pullover mit Hebemaschenmuster und werde mal darauf achten, wie der sich nach dem Baden verhält.

  6. Von Eva am 20. Dezember 2017:

    Vielen lieben Dank für den Tipp mit der Mosaikstrickerei.
    Diese Technik kannte ich bisher noch nicht, aber sie gefällt mir.
    Erstens lassen sich die Muster viel einfacher und schneller stricken, als Fair-Isle, zweitens gibt es keine lästigen Spannfäden udn drittens bleibt das Strickstück elastisch.
    Ich hab jetzt mit Socken angefangen und bin schon ganz gespannt, wie sie später am Fuß sitzen werden. Fair-Isle und Socken verträgt sich ja gar nicht, denn durch die Spannfäden wird das Gestrick oft so unelastisch, dass sich die Strümpfe nur mühsam über den Fuß ziehen lassen. Mit Mosaikstrick dürfte es eigentlich keine Probleme geben – hoffe ich wenigstens.

  7. Von Britta D. am 20. Dezember 2017:

    Hallo, Nina,

    ja, das war frappierend. Ich hatte einen Cardigan gestrickt, konzipiert als weit schwingende A-Linie, beim Stricken hatte ich schon so eine Ahnung und bereits bei Leistenbeugenlänge aufgehört und die Ärmel bereits 2 cm über dem Handgelenk beendet. Nach der Wäsche reichte der Saum bis 10 cm unter das Knie und die Ärmel hingen 5 cm über die Fingerspitzen rüber. Nach brutalem Trocknen im Wäschetrockner reicht die Jacke bis Mitte Oberschenkel und die Ärmel sind genau richtig….

    tja, Superwash-Merino ist immer wieder spaßig…

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