Liebe auf den hundertsten Blick: DROPS Andes

Wenn ich so auf meine Strickgeschichte zurückblicke, kann ich beinahe so etwas wie Strick-Lebensphasen erkennen. Am Anfang herrschte bei mir jugendlicher Übermut: Alles haben wollen, alles ausprobieren wollen, alles mal anstricken. Okay, größtenteils geht es bei mir heute auch noch so. Trotzdem haben sich nach den ersten wilden Jahren bei mir doch ein paar Vorlieben und starke Meinungen hinsichtlich Wolle herausgebildet und das war dann die zweite Lebensphase. Ich liebe Merino, ich hasse Mohair und niemals stricke ich dieses oder jenes … Ihr wisst, was ich meine?

Und nun finde ich mich langsam in der dritten Lebensphase der weisen Strickdame (oder zumindest hoffe ich das). Dazu gehört, dass ich etwas gelassener bin, etwas offener – und dass ich Sachen stricke, von denen ich jahrelang behauptet habe, dass ich sie nie, nie, nie stricken und ewig hassen würde. Und dass ich sie dann auch noch gut finde! Zum Beispiel das hier.

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Der Aidez-Cardigan von Designerin Cirilia Rose ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich für mich. Zum einen ist da das Garn: DROPS Andes. Jahrelang habe ich einen großen Bogen um das Garn gemacht. Alpaka ist für mich tendenziell immer schwierig, weil es mich schnell piekst. Je dicker das Garn, desto mehr Piek, war wohl meine Logik. Bis mir dann eines Tages klar wurde, dass ich ja auch DROPS Flora und Nord ohne Tränen tragen kann und es keinen Grund gibt, der Andes nicht zumindest eine Chance zu geben.

Außerdem gibt es sie in fantastischen Farben – wie zum Beispiel das von mir gewählte Nebelrosa.

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Hach, herrlich! Aus der Ferne einfach nur sanftes Rosé, aus der Nähe eine ganz zarte Melierung aus Rosa und hellen Blau-Grau-Tönen. Das sollte sie sein für meinen warmen Winter-Cardigan.

Die Konstruktion des Cardigans ist der andere Punkt, der ungewöhnlich für mich ist: Ich habe ihn nämlich in Einzelteilen gestrickt. Freiwillig. Ewigkeiten habe ich Strickmuster von Einzelteil- in Nahtlosstrick konvertiert oder komplett vermieden, wenn das nicht möglich war, um mir das Zusammennähen zu ersparen. Den Aidez könnte man nun tatsächlich sehr einfach und ohne großes Nachdenken in einem Stück stricken, da es sich im Grundaufbau um eine ganz simple Raglankonstruktion handelt.

Ich habe trotzdem ganz nach Anleitung brav jedes Teil einzeln gestrickt. Erstens, weil ich meinen Handgelenken die Mühe ersparen wollte, gegen Ende ein kiloschweres Strickstück über die Nadeln jagen zu müssen. Und zweitens, weil man bei Einzelteilen den Strickfortschritt viel schneller sieht. Stricken muss man natürlich genauso lange wie an einer Nahtloskonstruktion, aber manchmal ist Motivation einfach ein wichtiger Faktor beim Stricken. Und schließlich ist das Zusammennähen bei dicken Garnen auch nicht so dramatisch und geht ganz fix.

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Darf ich euch noch ein bisschen von diesem Cardigan vorschwärmen? Als bekennender Zopfmuster-Fan war ich nämlich extrem begeistert von den verschiedenen Mustern, die hier zum Einsatz kommen. Einige davon werden auf Weisen gestrickt, wie sie mir noch nicht untergekommen sind: ohne das klassische Plätzetauschen der Maschen vor dem Abstricken werden Maschen sozusagen aneinander vorbeigestrickt. Das Ergebnis sind interessante, aber weniger voluminöse Zöpfe, sodass die dicke Jacke nicht noch zusätzlich aufgeplustert wird. Gefällt mir!

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Natürlich musste auch dieses Mal wieder etwas schiefgehen. Nachdem ich das hufeisenförmige Zopfmuster im ersten Frontteil viermal wiederholt hatte, war ich der Überzeugung, es nun auswendig zu können und habe es ohne weiteren Blick auf das Zopfdiagramm und ohne jedes Störgefühl zu Ende gestrickt. Erst nach dem Abketten der Maschen fiel mir dann auf, dass ich bei jeder Wiederholung des Musters zwei Reihen komplett ausgelassen habe, sodass sich das Muster etwas gestaucht hat. Ups!

Die Lösung: Auf der anderen Seite genauso machen und behaupten, dass es Absicht war. Im Nachhinein gefällt mir die dezente Veränderung des Zopfstreifens sogar besser, weil sie die leichte A-Linie des Cardigans unterstreicht. Außerdem war das Manöver natürlich von Anfang an genau so und nicht anders geplant 😉

Der Cardigan wird offen getragen, was vielleicht nicht jeder mag, aber ebenfalls leicht geändert werden kann. Zu dem Modell und der Wolle passen nämlich hervorragend große Knebelknöpfe mit Schlaufenverschluss, die nachträglich angenäht werden können. Ich weiß aber noch gar nicht, ob ich die Knöpfe hier wirklich brauche. Was meint ihr?

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Anleitung: Aidez von Cirilia Rose, Größe M
Garn: 9× DROPS Andes Fb. 4276m, nebelrosa
Nadeln: KnitPro Rundstricknadel 5,0 mm

Die DROPS Andes ist mir auf jeden Fall richtig ans Herz gewachsen und piekst mich zum Glück auch nicht im Geringsten. Nur wie man mit der empfohlenen Nadelstärke von 9 mm irgendetwas produzieren soll, was auch nur annähernd nach einem Strickstück aussieht, ist mir ein Rätsel. Ich bin nach vielen, vielen Maschenproben bei 5 mm gelandet und absolut glücklich damit. Um die übermenschliche Fadenspannung der Norweger zu erreichen, muss ich wohl noch ein bisschen Hanteltraining machen …

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Kommentare

  1. Von Martina am 31. Januar 2018:

    Hallo Nina,
    danke für den Bericht über die Andes. Ich kann dir nur zustimmen.
    Beim letzten Sale habe ich sie nun endlich auch ausprobiert und bin begeistert.
    Statt 9er Nadeln habe ich mit 8er gestrickt. Das tolle ist, dass frau mit dem
    Strickstück razfaz fertig ist. Das Garngefühl ist einfach schön.
    Ich werde die Andes weiter nutzen, der Winter ist noch nicht vorbei.
    Liebe Grüße

    • Von Nina am 01. Februar 2018:

      Hallo Martina,
      hach ja, wäre das nicht toll, wenn sich jedes Garn so schnell verstricken ließe wie die Andes? 😀

  2. Von Lilli am 31. Januar 2018:

    Hallo Nina,

    vielen Dank dafür! Die Andes habe ich noch nicht getestet, dafür stricke ich aber gerade zufälligerweise einen Aidez! Ich verwende aber drei Fäden zusammengehalten und habe das Ganze auch umgemodelt, um nicht in Einzelteilen stricken zu müssen.

    Mit der Motivation habe ich eigentlich kein Problem, ich bin immer ganz froh, wenn ich erst mal raushabe, wie alles muss und dann möglichst lange ungestört vor mich hinstricken kann 🙂

    • Von Nina am 01. Februar 2018:

      Hi Lilli,
      ui, dreifädig ist der Aidez sicher eine Herausforderung mit den vielen Zöpfen! Ich kann mir aber gut vorstellen, dass man so eine ganz zarte Melierung reinbringen könnte, wenn man einen der drei Fäden in einem leicht anders gefärbten Garn benutzt. Sähe bestimmt toll aus bei diesem Modell!

  3. Von Eva am 31. Januar 2018:

    Tolle Jacke – Gratulation!
    Ich fürchte, jetzt hast Du mich angefixt.
    Ich hab mich nämlich bisher noch nie an ein Aran-Muster herangetraut, weil ich einfach keine Lust habe, pro Reihe -zig mal zu verzopfen und bei jeder einzelnen Masche aufpassen zu müssen. Ich hab es ganz gern, wenn ich zumindest ab und zu mal ein entspannte einfarbinge Runde glatt rechts einlegen kann.
    Aber mit dem dicken Garn ist man ja andererseits auch schnell fertig.
    Jacken hab ich zwar genug, aber meinem Mann oder den Söhnen würde ein Aran-Pullover eigentlich ganz gut stehen.
    So ein wenig hab ich bloß Angst, dass mir die viele Fummelei irgendwann lästig wird und das Ding zu einem UFO mutiert.

    • Von Nina am 01. Februar 2018:

      Hi Eva,
      mir geht es da genau umgekehrt, für mich kann ein Muster gar nicht genug Zöpfe haben. 😀 Aber stimmt schon, schnell strickt sich sowas nicht. Beim Aidez fand ich das Zopf-Level eigentlich ganz angenehm, weil tatsächlich viel weniger verzopft wird, als es den Anschein hat. Auf dem Rücken wird nur das große Rautenmuster richtig verzopft, die Zöpfchen links und rechts davon sind ohne Maschentauschen getrickst. Auf den Fronten und Ärmeln sind nur zwei Sorten von Zöpfen – die eine davon tauscht immer nur zwei Maschen miteinander, die andere hat ihr Zopfmanöver nur alle 10 Reihen (oder alle 8, wenn man wie ich meint, ohne Chart stricken zu können). Ist also alles in allem ein ganz gutes Projekt für Zopf-Scheue. Und wenn man ihn für einen Herren auf Hüfthöhe enden lässt, geht es auch schön schnell. 😉

    • Von Eva am 01. Februar 2018:

      Danke, Nina!
      Dann werde ich es demnächst vielleicht doch mal mit einem Aran-Pullover versuchen.
      Die Aidez-Jacke wird es aber eher nicht, muss mal sehen, was der Muster-Fundus von Dorps für Herrenpullover hergibt.

  4. Von Klara am 31. Januar 2018:

    Hallo Nina,
    die Andes hatte ich bis jetzt noch überhaupt nie auf dem Schirm. Dafür habe ich vor kurzem als Premiere die Nepal probiert. Und war ganz überrascht, dass sie weicher war als gedacht. Wie dick ist denn die Strickjacke mit der Andes? Habe Angst dass diese Jacke (die ich ja sowas von hübsch finde) zu dick und unbequem werden könnte.
    LG, Klara

    • Von Nina am 01. Februar 2018:

      Hallo Klara,
      als dünn und leicht kann man die Jacke natürlich nicht bezeichnen mit einem knappen Kilo Eigengewicht. Ich finde sie aber ganz und gar nicht dick, wulstig oder unbequem, weil der Alpaka-Anteil in der Andes das ganze Gestrick sehr geschmeidig macht. Und das trotz etlichen Zöpfen, niedriger Nadelstärke und sehr körpernahen Maßen! Ein sehr gutes Winterteil also, das warm hält, ohne einen direkt in einen lebenden Wattebausch zu verwandeln.
      Ansonsten habe ich auf Ravelry auch schon viele Aidez-Jacken aus Nepal gesehen. 😉

  5. Von Petra P. am 01. Februar 2018:

    Hallo Nina,

    Die Jacke sieht super aus und der Farbton passt perfekt zu Deinen Haaren, klasse. Ich habe schon öfters Drops Andes verstrickt. Erst ein ganz einfaches Dreiecktuch, dass ich aber dann vorn geschlossen habe und ich es jetzt über den Kopf anziehe und damit habe ich einen Poncho mit Ecken.
    Die Wolle strickt sich super und ist sehr angenehm zu tragen. An eine Jacke davon habe ich auch schon gedacht, es aber dann wieder verworfen, da sie mir in Größe 48 zu schwer erscheint und mich wahrscheinlich noch kräftiger macht.
    Auch habe ich schon kleinere Teile mit Andes gestrickt, mit der Wolle bin ich sehr zufrieden und kann sie gutem Gewissens weiter empfehlen.

  6. Von Nicole am 01. Februar 2018:

    ….Vielleicht sollte ich mich doch mal an die Andes trauen….hatte auch immer die Befürchtung, dass sie kratzen könnte. Aber verstrickt sieht sie doch ganz hübsch aus .
    Vielleicht einfach mal machen…

    Liebe Grüße, Nicole

  7. Von Claudia am 02. Februar 2018:

    Huhu Nina , die Jacke ist super geworden ,gefällt mir ausgesprochen gut . Vielleicht sollte ich auch mal was größeres aus der Andes machen außer Stirnbänder .

    • Von Nina am 09. Februar 2018:

      Danke Claudia!
      Wenn es deiner Motivation dienlich ist: Am Ende ist die Jacke auch nur eine Ansammlung vieler, vieler Stirnbänder. 😉

  8. Von Solveig am 02. Februar 2018:

    Tolle Jacke!
    Ich stricke die Andes immer mit 10-12 er Nadeln für ein schmiegsames Ergebnis.
    Vielleicht probier ich’s auch mal dichter….Kissen oder so.
    Wie immer, ich bewundere die Geduld hinter dem Werkstück!
    GLG, Solveig

    • Von Nina am 09. Februar 2018:

      Hi Soli!
      10 bis 12?! Wahnsinn! Ich staune immer wieder, mit wie unterschiedlichen Mitteln wir Strickerinnen zu so ähnlichen Ergebnissen kommen. 😀

  9. Von Petra am 02. Februar 2018:

    Hallo Nina,
    wunderschöne Jacke, Muster und Farbe sind absolut genial – genau so eine möchte ich auch! Ich wäre nie darauf gekommen, Andes für diese Jacke zu nehmen, ich dachte, die wäre viel zu dick und das fertige Stück dann irgendwie „sperrig“. Sogar Deine „geplante“ Veränderung des Zopfes finde ich sehr gut, das werde ich wohl auch so machen!
    Nur noch kurz eine Frage: In den Kommentaren zur Andes heißt es, sie wäre flusig, auch noch nach dem Waschen. Neigt die Jacke dann nicht zum Pilling beim Tragen? Das wäre doch bei einem so tollen Stück sehr schade.
    Danke auch für Deine vielen anderen Beiträge, die munteren Kommentare und die vielen, vielen Anregungen für neue Projekte!
    Schöne Grüße – Petra

    • Von Nina am 09. Februar 2018:

      Hallo Petra,
      bisher hat sich die Andes mit Fluseln und Pilling zurückgehalten. Vom Gefühl her würde ich aber sagen, dass die Verzwirnung die Sache ganz gut in Schach halten wird. Ich berichte aber nochmal, wenn ich etwas Langezeiterfahrung habe!

  10. Von Anke am 03. Februar 2018:

    Hallo Nina,
    da ist dir wirklich ein Schmuckstück gelungen ! Leider ist dicke Wolle bzw dicke Nadeln nix mehr für meine Handgelenke. Gibt’s denn diese tolle Farbe auch in dünneren Qualitäten ?

    Liebe Grüße
    Anke

    • Von Nina am 09. Februar 2018:

      Hi Anke,
      ich finde, die DROPS Air in Lila Nebel kommt an diese schöne Färbung sehr nah dran. Sie ist ebenso schön meliert, minimal bläulicher als meine Andes und so federleicht, dass kein Handgelenk meckern kann. Leider ist die Air gerade nicht auf Lager, aber auf die Lauer legen lohnt sich! 😉

  11. Von Sabine am 04. Februar 2018:

    Hallo NIna,
    danke für die Anregung. Ich habe mir beim Sale die Andes in Meeresgrün bestellt, um mir davon einen Schal zu stricken. Für meine Tochter habe ich den für Weihnachten schon in beige gestrickt. Da ich nicht unbedingt das gleiche Muster nochmal stricken wollte, habe ich am Freitag meinen nun mit den Zöpfen aus deiner Anleitung angefangen. Geht in Nadelstärke 8 richtig flott. Hab schon über einen Meter.
    Die Jacke überlege ich mir auch nochmal, das Muster strickt sich extrem einfach, auch ganz ohne Zopfnadel. Die Maschen von der Andes bleiben gut stehen, so dass man die Nadel problemlos rausziehen und die Maschen wechseln kann.

    Grüßle
    Sabine

    • Von Nina am 09. Februar 2018:

      Hi Sabine,
      ja, die Andes ist suuuper für Zöpfe! Und das Meeresgrün steht auch schon lange auf meiner Wunschliste. 🙂

  12. Von Jutta am 08. Februar 2018:

    Hallöchen,
    ich mag die Wolle auch gerne. Habe daraus mit 7er Nadeln einen Patentschal gestrickt. Jetzt habe ich den zum ersten Mal mit der Hand gewaschen, und er ist total labberig und aus der Form. Wie bekomme ich denn da wohl wieder ein wenig „Fluff“ also Volumen und Form rein??? Schade um das schöne Teil…..Habt ihr einen Tipp für mich?

    • Von Nina am 09. Februar 2018:

      Hallo Jutta,
      das ist echt ärgerlich. Ich habe mal ein bisschen geforscht: Du bekommst vielleicht wieder etwas Form in das Strickstück, wenn du es zuerst in heißes Essigwasser, dann in kaltes einweichst (einfach normales Kranwasser mit einem Schuss Essig drin) und es dann liegend trocknen lässt. Ich habe das aber selbst noch nie probiert und kann dir daher leider keine Erfahrungswerte liefern. Wenn du noch etwas von der Wolle übrig hast, empfehle ich dir unbedingt, vorab ein Probestück mit gleicher Nadelstärke und gleichem Muster zu stricken und gewaltsam lappig zu machen, damit du die Prozedur damit einmal durchspielen kannst.
      Viel Glück! Berichte uns doch bitte hinterher, wie es funktioniert hat. Das würde mich auch sehr interessieren!

  13. Von Pia Nussbaumer am 09. Februar 2018:

    Wow gefällt mir super und obwohl der sale vorbei ist und ich wahrlich genug stash habe möchte ich es mal mit dieser Jacke probieren. ( in diesem Abendblau Ton…) Die Anleitung ist allerdings englisch und ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Probleme ihr alle offenbar damit habt. Meine Frage wäre… Darf ich mich melden, wenn ich mich lost in Translation wiederfinde? Liebe Grüße aus Berlin, Pia

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