Kleines Reißverschluss-Rodeo

Eine kleine Anekdote aus meinem Alltag als Strickerin: Ich bin neulich ein bisschen durch Ravelry gebummelt, ein bisschen Inspiration sammeln, ein paar Anleitungen für eine mögliche zukünftige Strickjacke ansehen, ein bisschen schauen, was andere Leute so stricken.

Und wie ich da so durch die Projekte scrolle, bleibe ich bei einem Bild hängen, weil es so toll aussieht. Eine Strickjacke mit Reißverschluss? Das ist ja genial! Moment mal, dachte ich. Warum ist das genial? Reißverschlüsse sind ja nun wirklich keine neue Erfindung! Da erst ist mir aufgefallen, wie selten ich Strick- und Häkelstücke mit Reißverschlüssen sehe.

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Die Gründe liegen nahe: Knöpfe sind oft einfach hübscher und dazu noch einfacher anzubringen. Ich selbst lasse mich oft dazu hinreißen, süße Knöpfchen in allen möglichen Formen und Farben zu kaufen (die dann in meiner großen Knopfkiste landen und für immer vergessen werden). Einen Reißverschluss-Impulskauf gab es dagegen bei mir bislang noch nicht.

Trotzdem haben Reißverschlüsse auch unschlagbare Vorteile: Bei einer Strickjacke können sie die Blende stabilisieren, die mit einer Knopfleiste unschön außer Form geraten würde. Bei kleineren Accessoires wie Taschen können sie dafür sorgen, dass der Verschluss tatsächlich geschlossen bleibt und nichts ungefragt rauskullert. Und bei Kindersachen haben Reißverschlüsse natürlich den Vorteil, dass sie auch am zappelden Objekt schneller geöffnet und geschlossen werden können als fummelige kleine Knöpfe. Deshalb möchte ich mich heute mit der Frage beschäftigen, wie man Reißverschlüsse möglichst geschickt an Strick- und Häkelsachen anbringen kann.

Methode 1: Kurz und schmerzlos

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Die naheliegendste Methode besteht natürlich darin, den Reißverschluss ganz einfach mit Nähgarn und Nadel an das fertige Strick- oder Häkelstück anzunähen. Dafür nimmt man am besten ein Nähgarn, das farblich zur verwendeten Wolle passt, und versucht die Naht so gut wie möglich in der Strick- oder Häkelstruktur verschwinden zu lassen.

Wer eine Nähmaschine zur Verfügung hat und gut mit ihr umgehen kann, ist hier natürlich im Vorteil. Ich selbst stehe auf Kriegsfuß mit meiner Nähmaschine und kann euch leider nichts Hilfreiches dazu auf den Weg geben.

Zur handgenähten Variante habe ich aber noch den Tipp, dass ihr auch direkt euer Strickgarn zum Annähen verwenden könnt, wenn es nicht zu dick ist. Das geht zum Beispiel mit dicken Stopfnadeln und etwas Schmackes ganz gut und fällt dann hinterher auch nicht mehr so auf.

Methode 2: Zierkante zum Anhäkeln

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Wie man eine Ziernaht an eine Stoffkante anbringt, an die man dann anhäkeln kann, habe ich euch kurz vor Weihnachten schon mal in einem Beitrag gezeigt. Hier ist das schöne DROPS-Video zur Technik:

Genauso macht man es auch beim Reißverschluss. Wenn euer Strick- oder Häkelgarn zu dick für eine Ziernaht ist, könnt ihr auch ein farblich passendes dünneres Garn nehmen. Im nächsten Schritt häkelt ihr eine Reihe feste Maschen oder Halbstäbchen in die Ziernaht und arbeitet von da an beliebig weiter. Diese Technik eignet sich gut, um kleine Taschen für Stifte oder anderen Krimskrams zu machen: Man häkelt von jeder Seite des Reißverschlusses ein Rechteck runter, näht die Seiten zusammen und fertig.

Methode 3: Senkrechte Naht

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Wenn ihr den Reißverschluss ein bisschen mehr verdecken wollt, könnt ihr übrigens auch statt der Ziernaht an der Kante eine gerade Naht weiter innen im Stoffstreifen setzen und an diese anhäkeln. Markiert euch vorher mit Lineal und Stift, wo ihr mit der Nadel einstechen müsst, und setzt dann die Naht mit dickem Nähgarn oder dünnem Strickgarn. An diese Naht könnt ihr dann einfach die Kante eures Projekts mit Kettmaschen anbringen – das geht mit Strickstücken ebenso gut wie mit Häkelstücken.

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Methode 4: Maschenaufnahme durch den Stoff

Wenn ihr, ähnlich wie bei der zweiten Methode, vom Reißverschluss ausgehend losstricken wollt, könnt ihr auch direkt durch den Stoff des Reißverschlusses hindurch Maschen mit eurem Strickgarn aufnehmen und von dort aus abstricken. Das setzt voraus, dass der Stoff stabil genug und euer Arbeitsgarn nicht allzu dick ist, funktioniert aber in der Regel problemlos.

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Markiert euch wieder mit Lineal und Stift die Einstichlöcher auf dem Reißverschluss, versucht aber diesmal die Anzahl der Löcher eurer Maschenprobe anzupassen. Wenn ihr zum Beispiel mit einem Garn strickt, das 24 Maschen auf 10 cm bringt, verteilt ihr auch auf dem Reißverschluss 24 Einstichlöcher auf 10 cm.

Diese Löcher stecht ihr mit einer dicken Nähnadel vor, dann holt ihr euch Masche für Masche den Faden auf die Stricknadel. Hier hilft unter Umständen eine sehr dünne Häkelnadel, um den Arbeitsfaden durch die Löcher zu friemeln. Man kann auch den Faden direkt mit der Nähnadel durch den Stoff führen und um die Stricknadel legen, muss dann aber höllisch aufpassen, dabei nicht den Arbeitsfaden zu durchstechen.

Sobald ihr alle Maschen auf der Nadel habt, könnt ihr euch auf die Schulter klopfen. Das Schlimmste ist überstanden! Jetzt könnt ihr losstricken.

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Wenn ihr dagegen zum Beispiel an einer Jackenblende arbeitet, könnt ihr jetzt den Reißverschluss befestigen, indem ihr die Maschen der Blende zusammen mit den Maschen am Reißverschluss abkettet. Das erfordert ein bisschen extra Geduld, ist dann aber sehr ordentlich. Das Abketten mit drei Nadeln zeigt DROPS wieder sehr schön:

Fazit: Meiner Erfahrung nach kann bei der ersten Methode am wenigsten schief gehen – da kann man so lange dran rumnähen, bis der Reißverschluss so fest sitzt, dass man ihn die nächsten zwanzig Jahre unbesorgt auf- und zureißt. Leider ist diese Methode aber auch nicht so elegant wie die drei anderen.

Wenn ich einen Raglan-Cardigan schön in einem Stück völlig ohne Nähte und Einzelteilchen stricke, kratzt es doch etwas an meiner Strickerinnen-Ehre, wenn ich dann beim Reißverschluss so rummurksen muss. Deshalb wähle ich je nach Projekt eher eine der drei letzteren Methoden, meistens die zweite. Wenn der Reißverschluss dann noch nicht fest genug sitzt, kann man immer noch eine unauffällige Naht zum Fixieren anbringen!

Kennt ihr noch weitere Methoden, Reißverschlüsse in Strick- und Häkelprojekte zu integrieren?

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Kommentare

  1. Von Magda am 13. Juni 2017:

    Es gibt extra Reißverschlüsse für Strick und Häkelstücke die kleine Ösen haben zum Maschen aufnehmen, das sieht dann Piekfein aus.

    • Von Susanne am 13. Juni 2017:

      Genau Magda, die gibts zum Glück schon eine ganze Weile. 🙂

  2. Von Franziska am 13. Juni 2017:

    Ich habe einmal eine (lange!) Strickjacke mit Reißverschluss gestrickt und bin daran auch verzweifelt. Der Stoff von dem Reißverschluss war nämlich so stabil, dass ich mit der Nähnadel gar nicht durchkam. Beim nähen mit der Maschine dehnt sich aber das Gestrickte ganz fürchterlich. Funktioniert hat es am Ende weil ich den RV etwa alle 3 cm an der Blende festgesteckt hatte, dann konnte ich mit der Maschine drübernähen. Hat zwar viele Nerven gekostet, aber das Ergebnis hat gepasst 😉
    Die extraReißverschlüsse zum Anstricken hab ich auch schonmal gesehen und wollte das unbedingt mal ausprobieren. Das muss auf der To-Do-Liste mal wieder nach oben geschoben werden 😉

    • Von Nina am 16. Juni 2017:

      Diese Erfahrung habe ich mit meiner Nähmaschine auch gemacht – Wellen ohne Ende! Irgendwo habe ich mal den Tipp gehört, beim Nähen ein Blatt Papier über das Gestrick zu legen und es quasi mit anzunähen. Das soll das verziehen verhindern und man kann das Blatt hinterher einfach abreißen. Ich habs aber noch nicht ausprobiert, deshalb ohne Gewähr. 😉

  3. Von HCL am 13. Juni 2017:

    Vielen Dank für diese Tips! Ich habe ja ein Faible für Pullover mit Troyerkragen, habe aber bisher immer vor dem Reißverschluß gescheut, weil ich nun mal nicht nähen kann.

    Frage an Magda: Wie findet man diese Spezialreißverschlüsse? Ich habe tatsächlich vor einer Weile mal im Internet nach so etwas gesucht, aber wohl nicht die richtigen Suchbegriffe gehabt…

  4. Von Stefanie M. am 13. Juni 2017:

    Ich stricke immer eine kurze Blende (meist glatt rechts) in die eine Hälfte der Randmasche und noch eine in die andere Hälfte der Randmasche. Zwischen diesen beiden wird dann der Reissverschluss eingenäht und ist von beiden Seiten sauber eingefasst. Per Hand, unter der Maschine verzieht sich das so leicht.

    • Von Katrin am 13. Juni 2017:

      Das sieht bestimmt auch sehr schön aus – Danke !

    • Von Nina am 16. Juni 2017:

      Ah, hervorragende Idee!

  5. Von Katrin am 13. Juni 2017:

    Eine Jacke mit Reißverschluss wollte ich eigentlich schon „immer“ mal stricken. Da kommen mir Deine Erklärungen gerade recht, liebe Nina! 🙂
    Jetzt schein mir das Schwierigste zu sein, einen farblich passenden teilbaren Reißverschluss zu finden….
    Methode 3 gefällt mir besonders gut: damit kann man den das Reißverschlussband am besten verstecken.

    Also vielen Dank für die Tips!

    • Von Nina am 16. Juni 2017:

      Hi Katrin,
      du hast Recht, eine passende Farbe zu finden ist nicht immer leicht. Ich spiele schon mit dem Gedanken, bei meiner geplanten grauen Strickjacke einen Reißverschluss in Kontrastfarbe einzusetzen, zum Beispiel Neonpink. Sieht bestimmt gut aus, stiehlt dem Muster der Jacke aber schnell die Show.

  6. Von Elisabeth am 13. Juni 2017:

    Man kann den RV auch gut in ein „Steek-Sandwich“, wie ich das mal bei Kate Davies gesehen habe, einnähen (Man muss ja nicht unbedingt ein Steek machen!).
    https://katedaviesdesigns.com/2012/04/30/steeks-3-the-sandwich/
    Es bleibt aber immer das Problem, dass das Gestrick elastisch ist aber der RV nicht. Also hängt die Jacke rechts und links neben dem RV herunter oder umgekehrt. Welche Erfahrungen habt Ihr damit?

  7. Von kati am 13. Juni 2017:

    hallo nina 😀

    danke für die tipps!! sag mal, die wolle ist so schön, welche ist es denn? 🙂

    alles liebe, kati

    • Von Nina am 16. Juni 2017:

      Hi Kati, das ist die Malabrigo Arroyo in Lotus. 🙂

  8. Von Katrin am 14. Juni 2017:

    Oh ich liebe Methode 3, ich glaube, die muss ich testen. Ob mein Dexter damit gut aussieht?

  9. Von Martina am 14. Juni 2017:

    Hi Nina, Methode 3 und 4 werde ich ausprobieren, das klingt einfach und schaut sehr leicht aus. Danke für den Tipp. LG Martina

  10. Von Gitti am 20. Juni 2017:

    Ich finde die vierte sehr schön. Das werde ich definitiv mal ausprobieren. Ich habe letztens versucht, eine Stricktasche mit einem Reißverschluss zu versehen (aber nachträglich) und bin hoffnungslos gescheitert.
    Daher habe ich mich noch nicht an Kleidung gewagt, aber gerade für Oberteile, die am Hals eng sitzen sollen, ist ein Reißverschluss Pflicht. Schade, wenn man alles wieder auftrennen muss. Ich hab aber auch die Erfahrung gemacht, dass man eher hochwertig Wolle kaufen sollte (alsoo ich kaufe meine immer bei https://www.sockenwolleparadies.de/ , ohne jetzt übertreiben zu wollen, hab ich noch keine bessere für mich gefunden.) Damit die nicht reißt und trotzdem weich bleibt.

    Ich stöbere jetzt noch etwas auf deinem Blog.

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