Kleiner Sockenlehrgang, Teil 2: Spitzen

Guten Morgen, liebe Strickschulklasse! Ich freue mich, dass ihr euch alle zur zweiten Stunde des Sockenlehrganges eingefunden habt. Was höre ich da, ihr wollt hitzefrei? Kommt nicht in Frage, ihr müsst doch an eure Zukunft denken! Schon Sokrates sagte: „Wer im Juli Wollsocken strickt, hat im Dezember alle Weihnachtsgeschenke.“

Nachdem wir letztes Mal die verschiedenen Fersentypen behandelt haben, geht es heute um Sockenspitzen. Wie auch schon neulich bei den Fersen, rate ich euch auch hier bei Interesse zur Anschaffung eines guten Grundlagenbuches, damit ihr alle Tabellen, Detailanleitungen und so weiter zur Hand habt. Einen kleinen Überblick könnt ihr aber jetzt schon bekommen.

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Wie bei der Ferse, hat man beim Stricken der Spitze die Wahl zwischen verschiedenen Formen und Bauarten, mit denen man der individuellen Fußform des Sockenträgers und der aktuellen Abenteuerlust der Strickerin entgegenkommen kann. Zwei gute Nachrichten vorab: Spitzen sind generell einfacher zu stricken als Fersen und passen sich dem Fuß auch bereitwilliger an. Ihr könnt also im Zweifelsfall die Spitze stricken, die euch am leichtesten fällt, und habt gute Chancen, dass die Socke hinterher passt. Soll die Socke jedoch ganz besonders gut passen, empfehle ich, die richtige Passform zu wählen.

1. Schmale & spitze Zehen

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Was ist da los? Schmale Füßchen mit spitz zulaufenden Zehen kommen wunderbar mit der Propeller- oder Sternchenspitze zurecht. Diese Spitzen sind zudem so einfach, dass man sie ganz schnell ohne Spickzettel auswendig runterstricken kann. Durch regelmäßige Abnahmen läuft die Socke genau in der Mitte spitz zu, was ein Fuß zugegebenermaßen selten tut, aber trotzdem erstaunlich gut sitzt.

Wie geht das? Teilt eure Maschenzahl durch 8 für eine längere, durch 4 für eine kürzere Spitze. Dann nehmt ihr jede zweite Runde in jedem 8er- beziehungsweise 4er-Blocks eine Masche ab, bis ihr insgesamt nur noch 8 Maschen übrig habt. Durch die zieht ihr den Faden und seid auch schon fertig!

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Im Bild seht ihr links eine längere Spitze (Maschenzahl durch 4 geteilt) mit linksgerichteten Abnahmen, die ich zusätzlich immer eine Masche nach links versetzt habe. Bei der Spitze rechts habe ich die Maschenzahl durch 8 geteilt und die Abnahmen vorgenommen, indem ich immer die ersten zwei Maschen jeder Einheit rechts zusammengestrickt habe.

Aber meine Maschenzahl lässt sich nicht durch 4 oder 8 teilen! Dann nimm im Vorfeld entsprechend Maschen ab, bis du die passende Maschenzahl erreicht hast. Das ist nur eine Socke und keine Marsrakete, da darf man schon mal ein bisschen schummeln.

2. Durchschnittszehen

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Was ist da los? Die Standardspitze, wie Großmütter und zahllose Sockenwollhersteller sie lehren, ist die Bändchenspitze. Sie passt mehr oder weniger auf die meisten Füße, ist aber auch leider furchtbar kleinteilig.

Wie geht das? Je nach Maschenzahl werden in bestimmten Abständen an den Seiten des Fußes Maschen abgenommen, so dass eine sanfte Rundung zu den Zehenspitzen hin stattfindet. Optisch bildet sich durch die Abnahmen ein Band an der Fußkante, daher der Name Bändchenspitze. Die Tabellen zum Stricken der Spitze findet man in jedem Buch über das Sockenstricken, ich habe sie aber auch immer noch mal als Spickzettel auf dem Handy gespeichert.

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Gehts noch besser? Jawohl. Die Bändchenspitze lässt sich mit geringem Aufwand anatomisch optimieren, so dass sie auch dem Onkel mit dem besonders dicken Onkel passen. Voilà:

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Der Trick besteht darin, die Abnahmen nur an einer Seite vorzunehmen, bis man an den Punkt kommt, an dem ohne Zwischenrunden in jeder Runde abgenommen wird. Dann macht man mit den Abnahmen nach Plan auf beiden Seiten des Fußes weiter. Was übrig bleibt, wird im Maschenstich vernäht.

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Der Nachteil dieser Variante ist natürlich, dass man nicht mehr blind jede Socke an jeden Fuß ziehen kann. Der Vorteil ist dafür allerdings, dass Groß-Zeher nicht mehr so schnell Löcher in die Sockenspitzen schrubbeln.

3. Breite Zehen

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Was ist da los? Wer besonders breite Zehen hat, braucht sich gar nicht erst groß mit anatomischer Formung und spitzen Abnahmen abzuplagen. Hier kann man die Abnahmen im Laufe einer Handvoll Runden abhandeln, den Rest per Maschenstich schließen und sich freuen.

Wie geht das? Hefte raus, Mathearbeit! Folgende Rechnung bitte aufschreiben: Eure Maschenzahl wird durch 8 geteilt (wenn nötig auf- oder abrunden). Das Ergebnis ist die Anzahl der Runden, in denen ihr Maschen abnehmen müsst, und zwar insgesamt 4 Stück pro Runde, immer an den Seiten des Fußes wie bei der Bandspitze. Die erste Hälfte davon (oder die Hälfte +1, wenn euer Ergebnis ungerade war) strickt ihr immer mit einer Runde ohne Abnahmen dazwischen. Die andere Hälfte der Abnahmerunden wird ohne Zwischenrunden gestrickt.

Als Beispiel: Ich habe bei meinen Socken 56 Maschen. Geteilt durch 8 ist gleich 7 – 7 Abnahmerunden gibt es also insgesamt. Davon stricke ich 4-mal je eine Abnahmerunde und eine Zwischenrunde ohne Abnahmen, danach 3 Abnahmerunden ohne Zwischenrunden. Es bleiben 28 Maschen übrig, 14 vom Oberfuß und 14 von der Sohle. Zipp, zapp, Maschenstich, freu, freu.

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Mit diesen drei Grundtypen kommt man eigentlich durch alle (Socken-)Lebenslagen. Aber das wäre natürlich ein schwarzer Tag für dieses Blog, wenn wir nicht noch eine Extrawurst hätten!

4. Zehen egal, Hauptsache cool

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Ich liebe die Tipsy Toe Socks von Sybil R.! Sie sehen mit gemustertem und handgefärbtem Garn großartig aus und machen aus einer schlichten Socke etwas echt Außergewöhnliches. Die Passform liegt zwischen Bändchenspitze und der breiten Spitze, womit ich sehr gut leben kann. Das Stricken ist zwar durch die Keile aus verkürzten Reihen etwas aufwändiger, geht aber recht fix. Einziges Manko: Die Anleitung sieht vor, dass man die Socke von der Spitze an strickt. Wer das nicht gern macht, muss die ganze Geschichte für die Gegenrichtung umrechnen – aber auch das ist mit etwas Knobelei möglich. Für mich gehören die Tipsy Toes daher zu den Spitzentypen, auf die ich immer wieder zurückgreife!

Kennt ihr noch weitere Sockenspitzen? Welche ist eure Lieblingsvariante?

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Kommentare

  1. Von Kerstin am 19. Juli 2018:

    Liebe Nina, vielen Dank für diese tolle Übersicht. Man lernt nie aus. Kannst du mir ein Grundlagenbuch empfehlen?

    • Von Nina am 23. Juli 2018:

      Hallo Kerstin,
      ich zehre seit Jahren vom sehr guten Buch „Der geniale Socken-Workshop“ von Ewa Jostes, das aber leider nicht mehr im Handel ist. Wenn du es irgendwo findest: unbedingt zuschlagen! Alternativ scheint mir auch dieses hier sehr brauchbar zu sein: https://www.topp-kreativ.de/basiswissen-socken-stricken-8109 – ich habe es aber selbst nicht, daher nur Empfehlung aus zweiter Hand. Ich hoffe, das hilft dir trotzdem weiter!

    • Von Marion K. am 23. Juli 2018:

      Ich finde „101 Socken“ vom OZ Verlag (?) ziemlich gut. Nicht nur gestrickte Socken, aber sehr vielfältig und variabel. 😀

  2. Von Claudia am 19. Juli 2018:

    Hallo Nina, die Spitze der Tips Toe Socke schaut ja mal witzig aus , kannte ich bisher noch nicht . Vielen Dank , ich mag es immer noch was Neues zu entdecken.
    LG

    • Von Nina am 23. Juli 2018:

      Hallo Claudia,
      ich kann die Tipsy-Spitze echt empfehlen! Gerade Tow-up-Socken machen so viel mehr Spaß. 😉

  3. Von Ingrid am 19. Juli 2018:

    Die Tipsy Toe gefällt mir total gut, mal etwas anderes. Ansonsten stricke ich meist die Bändchenspitze.
    LG
    Ingrid

    • Von Nina am 23. Juli 2018:

      Hi Ingrid,
      die Bändchenspitze ist auch ein echt guter Allrounder. Ich glaube, wenn man das Sockenstricken ganz klassisch mit Käppchenferse und Bändchenspitze gelernt hat, ist man wirklich auf so ziemlich alles vorbereitet, was man so stricken kann! 😀

  4. Von Cordula am 20. Juli 2018:

    Beim Sockenstricken bloß kein Stress, also die altbewährte Bändchenspitze. Was ich aber echt super fand, war der Tipp mit dem Spickzettel auf dem Handy. Das werde ich gleich morgen mal umsetzen. Danke dafür.
    LG Cordula

    • Von Nina am 23. Juli 2018:

      Hallo Cordula,
      ohne mein Handy wäre ich verloren! Von der Anleitung über Garnbanderolen bis hin zur Musterprobe fotografiere ich alles, was schnell in den Tiefen meines Gehirns und/oder Strickzimmers verloren geht. 😉

  5. Von Marion K. am 21. Juli 2018:

    Wie immer super, und das mit der Marsrakete… 😀

    Was ist das für tolles grünes Garn beim ersten Bild? Bitte sag nicht selbst gefärbt/OOAK!

    • Von Nina am 23. Juli 2018:

      Vielen Dank, Marion. 🙂
      Für das schöne grüne Garn muss ich mal schnell meine zauberhafte Bildassistentin hinzurufen. Aaaantje…?

  6. Von Maike am 22. Juli 2018:

    Nina, das ist total genial! Lieben Dank für deine Unterrichts-Einheit 🙂

    • Von Nina am 23. Juli 2018:

      Hi Maike, gern geschehen! Es gibt bestimmt auch noch eine Fortsetzung. 😉

  7. Von Dagmar am 24. Juli 2018:

    ich stricke fast ausschließlich die klassische Bandspitze nach der R..ia Sockentabelle (kleine Varianten bei den Wiederholungen sind erlaubt). Bei 12 bis 16 Maschen Rest schließe ich mit Maschenstich.
    Asymmetrische Spitzen stehen noch auf meiner ToDo-Liste, aber meistens bin ich am Ende der Socke zu bequem, um mir da irgendwas zurecht zu konstruieren. Nach der von dir beschriebenen Systematik werde ich das aber sicher einmal probieren.

    Sollte uns das Loch auf dem Titelfoto etwas zur unterschiedlichen Haltbarkeit der Spitzentypen sagen? 😉

  8. Von Magdalena am 25. Juli 2018:

    Hallo Nina,
    Ich habe und liebe ebenfalls Ewa Jostes „Socken-Workshop“ und stricke daraus am liebsten die Blumenspitze – runde Spitzen gefallen mir irgendwie besser und diese sitzt einfach wunderbar!
    Ich habe sie mittlerweile auch meiner Tante beigebracht, die seit fast 40 Jahren Socken mit Bandspitze strickt, und sie ist ebenfalls begeistert 🙂

    Liebe Grüße,
    Magdalena

  9. Von Cordula am 25. Juli 2018:

    Ich korrigiere meinen Eintrag vom 20.7.
    Habe mir meine Zehen mal richtig angeguckt (wurde ja auch mal Zeit) und bin jetzt der Meinung, dass die leicht abgeänderte Bändchenspitze (eine Seite länger ohne Abnahmen stricken) eigentlich eine gute Alternative (ohne viel Aufwand) ist, da ja wirklich die Seite mit dem großen Zeh anders geformt ist als die restlichen 4 Zehen. Also: doch was dazugelernt!!! Merci!

  10. Von Sigrid am 26. Juli 2018:

    Moin, das Buch „Der geniale Socken-Workshop“ von Ewa Jostes gibt es noch zweimal (eben waren es noch drei) gebraucht bei einem großen Versandhändler, den ich nicht nenne, der aber mit a anfängt.
    Liebe Grüße
    Sigrid

  11. Von Eva am 28. Juli 2018:

    ich bin da ganz konservativ und stricke bei Socken am liebsten die klassische Käppchenferse und die gute alte Bändchenspitze. Das hab ich so vor fast 60 Jahren von meiner Mutter so gelernt (obwohl sie selber irgendwann auf die Herzchenferse umgesattelt hatte). Ich habe auch schon andere Varianten ausprobiert (Bumerangferse, Tomatenferse und Sternchenspitze) finde aber, dass die klassischen Sockenvarianten echt am besten sitzen.
    Die schräge Spitze werde ich aber mal ausprobieren, ich habe nämlich echte Problemfüße.

  12. Von Stefanie am 29. Juli 2018:

    Ich bin erst nach einer 30jährigen Strickkarriere auf die Idee gekommen, Socken zu stricken… die Anleitung, die mir am besten gefiel war ‚toe-up-socks‘, die ich dann vor über 15 Jahren in einem amerikanischen Blog fand, also Bumerangferse und -Zehenspitze, allerdings von mir mit Zunahme für den Spickel verfeinert. Mir gefällt, daß ich bis zum Ende des 50 g Knäuels stricken kann und daß die „Abnahme“ elastisch bleibt und nicht aufträgt! Die Spitze arbeite ich symmetrisch, weil das meiner Fußform entspricht.

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