J&S für J&S-Anfänger … wie mich

Es gibt ja so Leute, die alles Neue direkt haben und jedem Trend hinterherlaufen müssen, ne? Bevor ihr jetzt die Augen verdreht und ruft „Ja, schrecklich, diese Leute“, möchte ich als Betroffene schnell gesagt haben: ich mache das alles nur für euch! Okay, jetzt könnt ihr die Augen verdrehen, ich schaue so lange weg.

Nachdem Sarah neulich so über die Shetland-Wolle von J&S geschwärmt hat, musste ich – natürlich im Namen der Wissenschaft – das Garn sofort auch ausprobieren. An Fair Isle habe ich mich in den letzten Monaten Stück für Stück herangepirscht. Bei der DROPS Sky ist dereinst alles gut gegangen, ich fühle mich also bereit für das nächste Level!

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Zunächst musste ich mich aber erst noch richtig mit dem Garn bekannt machen. Als alteingesessenes Merino-Mädel bin ich so an flutschigweiche Fäden gewöhnt, dass meine Hände ganz von selbst aufhören, Zug auf eine Masche auszuüben, sobald sie einen Widerstand spüren. Klar, Merino leistet ja auch keinen Widerstand, bis die Masche an der Nadel sitzt. Die etwas robustere Shetlandwolle dagegen sträubt sich etwas, sodass ich ganz automatisch aufgehört habe, Zug auf die Masche auszuüben, als sie noch gar nicht fest an der Nadel saß. Das Ergebnis: eine erstaunlich lockere Maschenprobe, hier das obere Exemplar:

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Erst nachdem ich gelernt hatte, ganz bewusst etwas mehr Spannung im Arbeitsfaden zu halten, bekam ich ein anständiges Maschenbild, das untere Exemplar. Dabei sind beide Maschenproben mit denselben Nadeln und derselben Maschenzahl gestrickt worden!

Nun, da das Garn gezähmt war, konnte es losgehen. Meine Wahl fiel spontan auf den Interstellar-Cardigan von Isabell Kraemer, bei dem mir das Muster sehr gut gefällt. Dass die J&S geheatherte Farben sehr gut kann, hat Sarah schon gezeigt. Ich wollte deshalb mal die durchgefärbten, leuchtenderen Farben ausprobieren und habe das tief dunkelblaue 0036 als Grundfarbe und das intensive Türkis 0071 als Kontrastfarbe ausgesucht.

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So gut mir das Muster des Pullovers auch gefällt, die Platzierung begeistert mich nicht so. Eine Fair-Isle-Banderole um die Hüften? Geschmackssache! Mein Fall ist es nicht, deshalb habe ich ein bisschen umgeplant und in diesem Zuge direkt eine Strickjacke daraus gemacht. Und wenn man schon mit J&S eine Strickjacke macht, dann kann man auch gleich steeken!

Der Muster-Umbau ist einfacher, als er aussieht. Grundlage für die Jacke war das Strickmuster Paulie, ebenfalls Isabell Kraemer, das zum Glück schon von sich aus nah an die Maschenprobe der J&S drankommt. Nach Beendigung der Schrägen für den V-Ausschnitt habe ich 7 neue Maschen angeschlagen und die Maschen zur Runde geschlossen. Das Interstellar-Muster habe ich nach vorne hin symmetrisch platziert, die mittleren 7 Steek-Maschen aber immer nur im einfachen Streifenmuster gestrickt, um später beim Aufschneiden keine langen Spannfäden herumbaumeln zu haben.

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Die gute J&S ist wirklich sehr kooperativ bei Fair Isle, da kann man sich wahrlich nicht beschweren. Spannfäden machen keine Mätzchen, sondern fügen sich schön in ihr Schicksal auf der Rückseite, kleine Ausreißer in der Fadenspannung resultieren nicht gleich in peinlichen Löchern. Leider hat mich das nicht vor einem Problem bewahrt, das viele Fair-Isle-Anfänger haben: Mein Fair Isle hat eine andere Maschenprobe als mein einfarbiges Gestrick in glatt rechts. Und zwar zieht sich der Musterteil aus irgendeinem Grund, der meinen Verstand übersteigt, stärker zusammen als der einfarbige Teil – und das, obwohl die Maschen im Musterteil viel größer zu sein scheinen. Muss etwas mit den Spannfäden, Quantenverschränkungen oder meinem persönlichen Karma zu tun haben!

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Meine Lösung bestand darin, den Musterteil eine Nadelstärke größer zu stricken als den glatten Teil. Die danach immer noch sichtbaren Unterschiede habe ich durch ein paar wohlplatzierte Stecknadeln nach dem Baden ausgeglichen. Danach war der Musterteil nicht mehr enger als der glatt rechts gestrickte Teil.

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Nachdem alles gestrickt war, habe ich die Maschen links und rechts der vorderen Mitte mit festen Maschen umhäkelt und den ganzen Spaß aufgeschnitten. Auch dabei war die J&S übrigens außerordentlich kooperativ, kein Fädchen ist da aus der Reihe getanzt. Ohne Sicherung durch die Häkelnaht hätte ich mich aber nicht ans Durchschneiden getraut. Egal, wie viele Leute berichten, dass das ginge!

Durch die Knopfleiste ist die Schnittkante wie immer beim Steeken schön nach innen geklappt, sodass man nichts mehr davon sieht. Warum steeke ich eigentlich nicht viel öfter?

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Ich kann nur alle Mit-Anfänger in Sachen Fair Isle ermutigen, sich mit der J&S an ein Projekt zu wagen. Lasst euch nicht entmutigen, wenn mal eine Masche aus der Form gerät! Das passiert mir noch sehr oft, ich ziehe sie dann immer nachträglich in Form. Viele Probleme erledigen sich mit dem Baden des Strickstücks, ich war da selbst noch positiv überrascht.

Experimentiert ruhig mit Mustern, beim Fair Isle kann man da weniger falsch machen als zum Beispiel bei Lace. Beim Anpassen des Musters an die Ärmel habe ich auch keinen Nobelpreis gewonnen, die Maschenzahl kam nämlich nicht ganz hin. Macht nichts, das überbrückte Stückchen fällt an der Innenseite eh nicht auf. Und ihr sagt es doch keinem, oder?

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Anleitung: Interstellar & Paulie in Größe M von Isabell Kraemer
Garn: Jamieson & Smith 2ply Jumper Weight, 10× Fb. 0036, 2× Fb. 0071
Nadeln: KnitPro Bamboo Nadelspitzen & Nadelspiel in 2,5 mm (Bündchen), 3,0 mm (glatt rechts) und 3,5 mm (Fair Isle)

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Kommentare

  1. Von Petra P. am 13. September 2018:

    Hallo Nina,

    es ist eine tolle Jacke geworden. Da Du das Muster mit einer größeren Nadel gestrickt hast, wirkt es plastischer, ich würde sagen, es hebt sich vom glatt gestrickten besser ab. . Sieht wirklich klasse aus. . Solche Muster sind für mich immer eine Herausforderung und kommt gleich nach „Hunde flöhen“, so sagt man es bei uns. Aber die Wolle werde ich irgendwann auch einmal probieren, denn das Maschenbild gefällt mir. Außerdem war es wieder ein super Beitrag von Dir, danke!

    • Von Nina am 17. September 2018:

      Hallo Petra,
      Hund flöhen kannte ich noch nicht, der Ausdruck ist gut! 😀
      Freut mich, dass dir die Jacke gefällt. Vielleicht ist eine Mütze ein gutes Einstiegsprojekt für dich? Die J&S hält auf jeden Fall gut warm und du hast kurze Runden, die ermutigend schnell gehen. 🙂

  2. Von Kerstin am 14. September 2018:

    Tolle Jacke!
    Und ja – nach diversen WIPs, dem MKAL und ein, zwei Projekten in der Pipeline werde ich mich auch mal an Vergleichbarem versuchen.
    Lieben Dank, Nina, für den wieder einmal überaus gelungenen Bericht!

    • Von Nina am 17. September 2018:

      Vielen Dank, Kerstin!
      Die J&S passt gut in den Winter, vielleicht ist da ja noch ein Plätzchen auf deiner Liste frei 😉

  3. Von Peppersocks am 14. September 2018:

    Eine superschöne Jacke und ein toller Beitrag, vielen Dank dafür!!
    Auch die Idee, das Muster nach oben zu verlegen finde ich gelungen.
    Ich glaube, das klaue ich mir mal 🙂
    LG Kerstin

    • Von Nina am 17. September 2018:

      Danke, Kerstin! Der Abschnitt zwischen Achseln und Taille ist meine Lieblingsposition für Streifen, Einstrickmuster und dergleichen, deshalb war es sehr nahe liegend, den Interstellar in diese Richtung umzubauen. Oh je, ich weiß gar nicht, wieviele Oberteile in dieser Art ich jetzt schon habe … egal, ich bereue nichts! 😀

  4. Von Ute am 14. September 2018:

    Ein absolut gelungenes Teil, da teile ich die Meinung der andern.
    Mut zum stekken habe ich hoffentlich auch mal, deshalb die Frage: Du hast die Häkelmaschen jeweils in 2 re Maschen gesetzt, sehe ich das richtig? Die zweite dann in der mitteren re und der M daneben? Brauchst also 3 re Ma für die Kante?
    Stimmt so, oder?
    Liebe Grüße
    Ute

    • Von Nina am 17. September 2018:

      Hallo Ute,
      ja genau, mehr oder weniger. Ich habe insgesamt 7 Maschen für den Steek gelassen und davon die mittleren 3 zum Fixieren genutzt. Die rechten Beinchen der mittlersten Masche habe ich mit den linken Beinchen der Masche rechts daneben zusamengehäkelt, die linken Beinchen der mittlersten Maschen dann dementsprechend mit den rechten Beinchen der Masche links daneben (puh, das klingt jetzt verwirrender als es ist …). So lag dann zwischen den beiden Häkelreihen keine Masche mehr. Nach dem Durchschneiden guckten dann nur noch Millimeterbruchteile der zerschnittenen Fäden aus der Häkelnaht heraus. Bei reinen Merinogarnen kann es passieren, dass diese sehr knappen Enden aus den Häkelmaschen rausflutschen, der J&S kann man so ein Manöver aber bedenkenlos zutrauen.
      Die 7 statt nur 3 Maschen, die ich für den Steek angeschlagen habe, haben der Kante dann noch etwas mehr Platz gelassen, nach innen umzuklappen. Mit nur 3 Maschen hätte es aber vermutlich auch gut funktioniert. 😉

  5. Von Ute am 17. September 2018:

    Liebe Nina,
    vielen Dank für die tolle Beschreibung, die schreibe ich gleich in mein schlaues Buch.
    Und nach dem Mysteriösen KAL von Antje und noch …..zwölfeinundzwanzig geplanten Werken werde ich irgendwann mal drüber stolpern und hoffentlich den Mut haben, es zu versuchen.
    Denn ein RVO und dann aufschnibbeln, schneller kommt man nicht zu einer schönen Jahre.
    Einen schönen Tag wünsche ich euch.
    LG Ute

  6. Von Ute am 17. September 2018:

    Boah ey….Handy-Rechtschreibung.
    Im letzten Satz sollte es natürlich eine schöne Jacke werden….

  7. Von Britta D. am 22. September 2018:

    Hi, Nina, ich will demnächst auch mal „richtig“ steeken, verstehe dieses Gehäkel aber nicht so richtig, ich stehe auf dem Schlauch. Gibt es Detailfotos, welche Maschenbeine Du zusammengehäkelt hast?

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