Joyride 2.0

Der ist doch wirklich unwiderstehlich, der Joyride. Oder? Ich jedenfalls konnte, spätestens nachdem ich Carolins Maschenprobe gesehen hatte, nicht anders und musste mir auch Karisma-Farben aussuchen und bestellen.

Ich entschied mich ebenfalls für Fb. 72 perlgrau hell als Grundfarbe, dazu wanderten die Blau(grün)töne 17 marine, 37 dunkel blaugrün, 73 petrol, 50 grün meliert und 69 graugrün hell erst in mein Körbchen und dann in mein Paket.

Die Karisma, soviel will ich schon mal vorausschicken, hat mich mit ihrer Qualität total überzeugt. Die Reste werde ich definitiv aufstocken und zu einem Streifenpullover fürs Söhnchen verarbeiten. Der freut sich schon 🙂

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Aber zurück zum Joyride. Er wird von unten nach oben gestrickt – eine Konstruktion die mir etwas suspekt ist, weil ich die Gesamtlänge zum Schluss kaum noch beeinflussen kann. Und weil ich lange Zeit nicht weiß, ob das Garn wirklich reicht. Und ob ich oben genug Bewegungsfreiheit habe. Oder zuviel. Aber Bedenken sind ja kein Hinderungsgrund. Eher ein Modifikationsgrund 😉

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Angeschlagen habe ich für den Rumpf die in der Anleitung vorgegebene Maschenzahl für Größe M. Nach dem Bündchen (mit Anti-Klapp-Technik, schöne Grüße an Rita ♥) sollten nun alle 8 cm links und rechts Zunahmen gearbeitet werden. Insgesamt 16 Maschen auf den ersten 32 cm.

Ein kurzer Blick in den Spiegel bestätigte aber, dass ich in diesem Körperbereich, wenn schon, dann insgesamt eher andersherum trapezförmig ausfalle und so warf ich diese Anweisung über Bord und strickte wie gewohnt eine leichte Taillierung.

Auf die Gesamtlänge für den Rumpf habe ich auf Empfehlung Carolins 5 cm draufgeschlagen (auch die Ärmel habe ich ein paar Zentimeter länger gestrickt) und bin damit sehr zufrieden.

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Bei den Ärmeln wurde es spannend, denn die starten gleich nach dem Bündchen mit einem hübschen geometrischen Muster aus der Hauptfarbe und der ersten Kontrastfarbe. Da kann man schon mal schön üben, wenn man – wie ich – noch ein relativ blutiger Norwegermuster-Anfänger ist. Im weiteren Verlauf der Ärmel habe ich mich auch wieder mehr an meinen persönlichen Armen als an der Anleitung orientiert. Man kennt ja seine Pappenheimer 😉

Das führte dann natürlich dazu, dass ich mich, bei den Achseln angekommen, weit jenseits der veranschlagten Maschenzahl wiederfand. Das beunruhigte mich aber nicht weiter. Aufgelegt auf einen gut sitzenden Pullover aus meinem Schrank, konnte ich sehen, dass die Passform halbwegs stimmte.

Nach dem Zusammenfügen von Ärmeln und Rumpf (scheußliche Zerrerei, bis ich auf die Idee kam, auf zwei Rundstricknadeln umzusteigen) folgten ein paar Runden mit Raglan-Abnahmen, denen ich brav folgte. Vor dem eigentlichen Beginn der Musterpasse hatte ich nämlich noch eine Runde mit gleichmäßig verteilten Abnahmen erspäht und nahm mir vor, meine Maschenzahl dort auf eine für die Musterwiederholung akzeptable Zahl zu reduzieren. Das funktionierte bestens.

Es folgten aufregende Runden mit Marine und Perlgrau Hell, in denen mir irgendwann auffiel, dass ich nicht 17 Musterwiederholungen à 16 Maschen (das hätte übrigens Größe S entsprochen) sondern 16 Wiederholungen à 17 Maschen gestrickt hatte. Ups.

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Also habe ich wieder den Referenzpullover rausgekramt, festgestellt, dass immer noch einiges an Luft vorhanden war und dann kurzerhand 16-mal eine Masche unauffällig um die Ecke gebracht. Nun war ich also, von Größe M kommend, auf etwa Größe XS gerutscht und hatte noch immer gut Platz …

Es folgte ein Abschnitt, in dem ich so tat als würde ich mich an Anleitungen halten und ein Blauton jagte den nächsten. Als jedoch die Blättchen im hellsten Blauton fertig gestrickt waren, zeigte mir sowohl die Anprobe als auch die aktuelle Maschenzahl, dass es nun Zeit war abzuketten. Denn so sehr ich die Karisma auch schätze – als enganliegenden Halsschmeichler wollte ich sie dann doch nicht haben 😉

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Den Teil mit den senkrechten Strichen und dem geometrischenn Muster, das auch schon die Ärmel zierte, ließ ich weg und strickte stattdessen gleich die Nackenerhöhung und das Bündchen. Nun war er also etwas schlichter in der Passe, aber das Muster an den Ärmelbündchen passte nicht mehr recht dazu. Und weil ich dem guten Stück modifikationstechnisch sowieso schon fast alles angetan hatte was möglich war, griff ich also kurz vor Schluss auch noch zum Letzten: zur Schere.

Doktor Jekyll und Mr. Hyde lassen grüßen. Die Maschen habe ich mit zwei dünnen Nadeln gesichert,danach verliefen die Bündchen-Amputation und das Nachwachsen zweier neuer, ungemusterter Bündchen schnell, komplikationslos und narbenfrei.

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Ich bin zwar nicht ganz sicher, ob ich den jetzt eigentlich noch Joyride nennen darf, aber ich bin vollauf zufrieden mit dem Ergebnis und würde ihn so (oder seien wir ehrlich: ganz anders) immer wieder stricken 😀

Hier noch mal als kleine Zusammenfassung:

  • Maschenanschlag für Rumpf und Ärmel der Anleitung entnehmen, Länge und Form derselben nach eigenem Gutdünken, Vorerfahrungen und/oder so wie bereits fertig gestellte, gut sitzende Pullover (Überprüfen durch Auflegen) stricken
  • Anzahl der abzukettenden Maschen für die Achsel, Platzierung der Marker und Anzahl der Raglanabnahmen wie in der Anleitung beschrieben durchführen
  • in der letzten Abnahme-Runde vor dem Musterdiagramm auf die nächstkleinere Maschenzahl, teilbar durch 16 (oder 17, siehe oben), reduzieren
  • dem Musterdiagramm folgen bis ein angenehmer Umfang für den Halsausschnitt erreicht ist; dann die Nackenerhöhung und das Bündchen anfügen – fertig 🙂

P. S.: Das Garn hat trotz aller Modifikationen genau gereicht.

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Kommentare

    • Von Anja am 12. November 2015:

      Stimmt, das werd ich demnächst auf jeden Fall auch so handhaben – vielen Dank nochmal für diesen Tipp! Aber bei einigen Dingen ist es dafür eben einfach schon zu spät 😉
      LG
      Anja

    • Von Antje am 12. November 2015:

      Oh, hihi. Hast du ja gerade erst geschrieben. Da hab ich wohl den falschen Artikel mit den blauen Chunky Pullover ausgiebig studiert 😉 Ein sehr guter Tipp! Muss ich mich jetzt etwa doch noch mit Bottom-up anfreunden?

  1. Von Anja am 12. November 2015:

    Hihi, vielen Dank an Carolin, dass sie Dich überredet hat, den Beitrag hier zu schreiben und natürlich an Dich, dass Du es gemacht hast! Ich fand die Passform anhand der Anleitung nämlich auch eher – naja, unrealistisch, wenn ich das mit meinen eigenen Körperformen verglichen hab.
    Aber kannst Du das mit der Ärmel-Ampuationstechnik bitte nochmal genauer beschreiben? Das könnte man ja auch super anwenden, um etwas zu langes noch zu kürzen oder zu kurzes noch zu verlängern bei bottom-up-Gestricktem!

    • Von Antje am 12. November 2015:

      Hallo Anja, jaja du bist schuld 😉
      Beim Amputieren hab ich den Ärmel vor mich gelegt, Bündchen nach oben. Dann hab ich mir eine Reihe rechter Maschen ausgeguckt und mit einer (stimmt nicht, zwei) dünnen Rundstricknadeln alle Maschen aufgefädelt indem ich, von links nach rechts gehend, jeweils das rechte Beinchen der kleinen „Vs“ aufgenommen habe. Dann funktioniert das Nadelseil wie eine Safety line. Als nächsten kann man mit mindestens einer Reihe Sicherheitsabstand das unerwünschte Teil chirurgisch entfernen, die Flusen abzippeln und dann ganz normal auf die Rundstricknadel(n)= Safety Line runterribbeln und mit der richtigen Nadelstärke neu Stricken 🙂

  2. Von Eva am 12. November 2015:

    Der sieht auch super schön aus und steht dir ganz toll!

    Liebe Grüße Eva Eva

  3. Von Petra P. am 13. November 2015:

    Antje, auch Dein Pullover sieht super aus, Da Du zum Schluss den Ärmel gekürzt hast, fällt nun das Augenmerk mehr auf den oberen Teil des Pullovers und kommt dadurch mehr zur Geltung..
    Ich stricke nur ärmellose Pullover von unten, ansonsten stricke ich immer in einem Stück mit
    Raglan von oben.

    Freundliche Grüße
    Petra

  4. Von Löwi am 13. November 2015:

    Super schöner Joyride. Meiner wird auch modifiziert werden – wegen mehr Bauchumfang und schmaler Schultern- ich musste nur unterbrechen um einen laceschal aus lace beige und kidsilk natur zu fabrizieren. brauche ich für eine feier am sonntag und passt genau zu einem chanelljäckchen in der farbe.
    die kombination der beiden garne haut einen um. sanfter schimmer und umglaublich weich.
    Dann gehts nächsteWoche mit dem joyride weiter und ich hoffe er wird so schön wie eure vorgestellten. die blognachrichten machen auf jeden fall lust auf mehr…..
    lg und schönes strickwochenende – es soll ja stürmen und regen, perfekt :-))

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