Immer schön flauschig bleiben: Winterpullover aus DROPS Air

Was mich am Stricken ja so begeistert, ist wie beinahe grenzenlos kreativ man werden kann. Eine Anleitung mag einen Schnitt, eine Vorgehensweise, ein Garn und eine Farbe vorschlagen – aber ob man sich dran hält, ist eine ganz andere Geschichte. Die Passform anpassen, aus einem Top-Down einen Bottom-up oder umgekehrt machen, ein Streifenmuster einbauen oder das Zopfmuster ändern, alles kein Problem.

Am Ende gleicht kaum ein Projekt zu einer Anleitung dem anderen und allesamt sind sie so viel persönlicher und wunderbarer als Anziehsachen von der Stange, bei denen man sich mit viel Glück noch eine von fünf Größen und drei Farben aussuchen kann.

Besonders spannend finde ich es, ein Muster mit einem Garn umzusetzen, das ganz andere Eigenschaften hat als von der Designerin vorgesehen. Der Pullover „Behind my Back“ von Justyna Lorkowska zum Beispiel geistert schon seit Unzeiten in meiner To-Knit-Liste herum und sieht in der vorgeschlagenen Malabrigo Silky Merino auch fantastisch aus. In den vergangenen Winterwochen war es aber so bitterkalt und ungemütlich, dass ich ein großes Bedürfnis nach einem höheren Kuschelfaktor hatte. Und was könnte kuscheliger sein als die DROPS Air?

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Die Air gibt als ultrafluffiges Blow-Garn mit hohem Alpaka-Anteil natürlich einen ganz anderen Look als die glatte, edel glänzende Malabrigo Silky Merino. Der ganze Pullover wird dadurch um ein ganzes Level kuscheliger und puscheliger. Seht selbst!

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Lila Nebel heißt die wunderbare Farbe, die nach zartvioletten Wölkchen mit gelegentlicher hellblauer Melierung aussieht. Das Garn wärmt gut, ist aber federleicht und damit auch noch in der Übergangszeit gut zu tragen. Was mich am meisten erstaunt hat: Obwohl ich sonst echt empfindlich bei Alpaka-Garn bin und mir deshalb auch extra einen Pullover mit halsfernem Ausschnitt ausgesucht habe, fand ich die Air auf der nackten Haut total angenehm.

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Ein bisschen Knobelei kam ins Spiel, als ich das Muster auf die Maschenprobe der Air anpassen musste. Justyna kommt mit ihrer Malabrigo Silky Merino auf 20 Maschen pro 10 cm, ich brauche mit der Air aber nur 17 Maschen. Bevor ich eine Stunde lang mit dem Taschenrechner über der Anleitung brüte, mache ich aber immer erstmal einen kleinen Schnelltest um zu sehen, an welcher Größe ich mich orientieren kann. Dieser Test geht ganz fix:

  1. Ich suche mir eine Stelle am Projekt, die für die Passform besonders wichtig ist. Im Falle eines Pullovers wie dem „Behind my Back“ ist das für mich der Brustumfang.
  2. Als nächstes sehe ich mir an, wie viele Maschen die Anleitung an dieser Stelle für die empfohlene Maschenprobe für meine Größe vorsieht. Bei in einem Stück von oben nach unten gestrickten Pullover gibt es meistens irgendwo eine Angabe wie „… nach Stilllegung der Ärmelmaschen haben Sie X Maschen auf der Nadel“.
    Beispiel: Die Anleitung sagt, für Größe M sollte ich jetzt 200 Maschen bei einer Maschenprobe von 20 Maschen pro 10 cm haben. 200 geteilt duch 20 sind 10, 10 × 10 cm sind 100 cm Brustumfang. Genau die Maße, die mein Pullover haben soll.
  3. Jetzt berechne ich, wie viele Maschen ich mit meiner eigenen Maschenprobe für dieses Maß haben sollte. 17 Maschen bringt die Air auf 10 cm, hochgerechnet auf 100 cm sind das 170 Maschen. Ganz ohne Taschenrechner geschafft!
  4. Jetzt kommt der Trick: Ich sehe in der Anleitung nach, welche Größe im Brustbereich möglichst nah an diese 170 Maschen drankommt. Aha, Größe XS hat eine nahezu passende Maschenzahl! Die paar fehlenden Maschen kriege ich noch durch eine zusätzliche Runde an den Raglanzunahmen rein.
  5. Zur Sicherheit mache ich noch ein paar Stichproben mit derselben Methode für Hüftumfang und Schulterbreite und merke mir die Bereiche, in denen die Maschenzahl zu sehr abweicht. Für meine Hüftweite beispielsweise werde ich noch ein paar mehr Zunahmen unterhalb der Taille einmogeln müssen, das entscheide ich dann aber nach Gefühl und Anprobe während des Strickens.

So kann ich mich jetzt ganz bequem größtenteils an die Anleitung halten, ohne jeden Schritt neu für meine Maschenprobe ausrechnen zu müssen – mal ganz abgesehen davon, dass es auch mal ganz gut für die Seele ist, etwas in Größe XS stricken zu können 😉

Zugegeben, die Methode stößt schnell an ihre Grenzen. Ist der Unterschied in der vorgeschriebenen und tatsächlichen Maschenprobe zu groß, wird man auch keine Ersatzgröße mehr erwischen, die noch die richtigen Maschenzahlen vorgibt. Auch empfiehlt es sich, wirklich gut aufzupassen, ob die Rechnung auch in jedem Schritt aufgeht. Für eine grobe Orientierung und unkomplizierte Glücksfälle lohnt sie sich aber auf jeden Fall!

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Anleitung: Behind my Back von Justyna Lorkowska
Größe: XS, um auf M zu kommen
Garn: 6× DROPS Air, Fb. 15, lila nebel
Nadeln: KnitPro Symfonie Rundstricknadel 4,5 mm

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Kommentare

  1. Von Maike am 21. Februar 2017:

    Nina was für ein Traum! Super schön geworden und steht dir echt super! Ich muss zugeben,gefällt mir in der kuschel-air-variante viel besser 🙂 ich hab mir gerade eine kuschel jacke aus der air gestrickt,sie ist so weich…

    • Von Nina am 22. Februar 2017:

      Vielen Dank, Maike! Ich bin auch restlos begeistert von der Air. Die kommt bei mir definitiv noch öfter zum Einsatz!

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