Eine wie Alaska

Leute, ihr wisst, dass ich mich für ein weiches Merinogarn, Kaschmir und sogar das eine oder andere Alpaka bis zur Besinnungslosigkeit begeistern kann. Heute möchte ich allerdings mal ein Garn lobend hervorheben, das eigentlich nur aus ganz schnöder Schafwolle besteht: DROPS Alaska.

Die gute Alaska als kuschelweich zu bezeichnen, wäre wirklich eine Übertreibung. Aber es gibt Projekte, da muss Garn für mich gar nicht so schrecklich weich sein. Und es gibt Projekte, wo es sogar besser ist, ein etwas festeres, rustikaleres Garn zu haben. Klar, rund um den Hals darf nichts kratzen oder pieksen. Bei einem Winterpulli dagegen, den man nie auf nackter Haut trägt, kann die DROPS Alaska ihre Vorzüge richtig gut ausspielen. Ich habe mir vor Kurzem diesen hier gestrickt:

Bild für Beitrag „Alaska“ 3

„Wolf River“ heißt die Anleitung von Melissa Schaschwary, die ich hier verwendet habe. Ein wirklich schönes Modell, das an Blockhütten im Wald und heißen Kaffee am Lagerfeuer erinnert, warm genug für den Winter, aber durch das nicht zu verspielte Lacemuster trotzdem noch leicht. Hier passt die Alaska wie die Faust aufs Auge. Zum einen natürlich wegen ihrer schönen Naturfarben mit leichter Melierung. Zum anderen aber vor allem wegen ihres etwas festeren Griffs.

Die weichen Fasern von Merino und insbesondere Merino Superwash gleiten aneinander ab, so dass das Gestrick tendenziell auseinandergeht. Das ist gut, wenn man beispielsweise ein Lacetuch strickt und möchte, dass sich das Muster möglichst luftig entfaltet. Aber es ist nicht gut, wenn man einen Winterpullover mit Lacemuster strickt und Wert darauf legt, dass er seine Form behält.

Bild für Beitrag „Alaska“ 4

Hier leistet die Alaska ganze Arbeit. Die Schurwoll-Fasern verschränken sich ineinander und sorgen dafür, dass das Muster schön zusammenhält, obwohl ich den Körper um fast zwanzig Zentimeter verlängert habe. Da, wo nicht gerade musterbedingt Löcher sind, wird die Wärme gut festgehalten.

Noch besser eignet sich das Garn übrigens für Fair Isle, weil die kontaktfreudigen Fasern die verschiedenfarbigen Garne zusammenhalten und unregelmäßige Fadenspannung ein Stück weit ausgleichen können. Wo Fair Isle aus Merino löchrig und unregelmäßig aussieht, wirkt es aus Schurwolle gleich viel einheitlicher. Probiert es mal aus!

Das Ganze hat natürlich einen gewissen Preis. Dass die Alaska für Schals und Rollkragen eher ungeeignet ist, ist die eine Sache. Die andere ist, dass sie recht schnell filzt. Das kann natürlich wieder ein Vorteil sein, wenn man sowieso ein Filzprojekt anstrebt, ist aber zum Beispiel bei einem Pullover eher ein Nachteil.

Angeregt von Caros Beitrag damals habe ich mir einen kleinen Fusselrasierer angeschafft, mit dem ich regelmäßig meinen Wolf River behandle, damit ich nicht irgendwann die dicken Pilling-Locken unter den Armen und eine popoförmige Filzfläche auf der Rückseite habe. Man kann aber auch vorausschauend die Ärmel etwas weiter stricken, damit nicht jede Armbewegung sofort Wolle auf Wolle scheuern lässt, und einen Pullover auf Hüfthöhe enden lassen.

Bild für Beitrag „Alaska“ 5

Ich habe bei diesem Pullover übrigens nicht nur die Länge verändert, sondern die ganze Konstruktion. Eigentlich wird er in Einzelteilen gestrickt. Darauf hatte ich aber eher weniger Lust, deshalb habe ich den Körper vom Bündchen aus in Runden raufgestrickt und erst an den Armausschnitten geteilt (hier hatte ich schon mal im Detail erklärt, wie man eine Anleitung umrechnet).

Die Anleitung ließ ganz gut darauf schließen, wo die Ärmelöffnung beginnt. Man kann aber auch zur Sicherheit ein paar Zentimeter früher in Vorder- und Rückenteil trennen und dann an den Seiten schließen, was an Ärmelöffnung zu viel ist. Die Ärmel selbst habe ich nach Anleitung direkt an die Öffnung angestrickt. Überschnittene Schultern haben echt was für sich.

Bild für Beitrag „Alaska“ 1

Weil ich den ganzen Pullover etwas länger gemacht habe, habe ich noch eine leichte Taillierung eingebaut, was ganz ohne Eingriff in das Lacemuster ging. Den Halsausschnitt wiederum habe ich etwas erweitert, damit später nichts piekst.

Sowohl Muster wie auch Garn sind mir echt ans Herz gewachsen. Lace mit dickerem Garn ist sowieso immer eine Freude, finde ich. Das strickt sich fast von selbst!

Bild für Beitrag „Alaska“ 2

Anleitung: Wolf River von Melissa Schaschwary, Größe S
Garn: 13× DROPS Alaska in Fb. 23, braun
Nadeln: KnitPro Symfonie Rundstricknadel und Nadelspiel in 4,5 mm
Modifikationen: mehr Länge, Taillierung, Halsausschnitt erweitert, in der Runde gestrickt

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Kommentare

  1. Von Sabine am 19. Dezember 2017:

    Och ist der schön, das ist genau meine Kragenweite, leider liegen noch zu viele Ufos herum, aber ich mag auch die Alaska und vor allem die Karisma sehr gerne. Es gibt einfach ein schönes Maschenbild.

    Ich habe heute gelesen, dass Stricken genauso entspannend wie Meditation ist. Was natürlich die Ausgaben für Wolle als Gesundheitsvorsorge rechtfertigt. Da könnte ich mir direkt einen kleinen Alaskavorrat anlegen.

    Liebe Gßüße

    • Von Nina am 20. Dezember 2017:

      Hi Sabine,
      dass Stricken wie Meditation ist, erzähle ich heute Abend meinem Mann. Der meint immer, Stricken macht mich aggressiv. Typische Szenen einer Ehe: „Hallo Liebl-“ – „RUHE, ICH MUSS MASCHEN ZÄHLEN!“, „Gib mir einen Ku-“ – „MIR IST DER MARKER RUNTERGEFALLEN KEINER BEWEGT SICH VERDAMMTE AXT!“

    • Von Irene am 20. Dezember 2017:

      Ist der Grad der Meditation eventuell direkt abhängig von der Wahl des Projektes?!?!?

  2. Von Annie am 20. Dezember 2017:

    Der Pulli ist etwas ganz Besonderes, danke fürs Zeigen und Erklären. Kannst du die Drops Alaska mal mit der Drops Nepal vergleichen? Ich würde gern einen Aran Sweater mit vielen Zöpfen fabrizieren. Dafür wäre die Alaska sicher ideal, ABER … die ideale Farbe ist nicht für mich dabei. Da gäbe es bei der Nepal mehr Auswahl.

    • Von Nina am 20. Dezember 2017:

      Hallo Annie,
      vielen Dank! Es ist schon etwas her, dass ich die Nepal verstrickt habe (hmm… zu lange!), aber vom Bauchgefühl her würde ich sagen, dass sie etwas fester und geschmeidiger ist als die Alaska. Wenn du Alpaka gut verträgst, kann ich sie dir auf jeden Fall für einen Zopfpulli empfehlen!

      Jetzt habe ich selbst Lust auf die Nepal bekommen … 😀

    • Von Katrin am 21. Dezember 2017:

      Hallo Annie,
      für Zopfpullover ist auch Drops Alpaca toll (doppelt genommen). Ich habe fünf superschöne, superzopfige Pullover daraus – nicht selbst gestrickt, deshalb darf ich so angeben – und aus den Resten plus ein paar neuen Farben entsteht gerade ein Fair-Isle-Pullover.

    • Von Annie am 27. Dezember 2017:

      Habe mit der Nepal nun einen Zopfhalswärmer als Test fabriziert. Ergebnis: kein Aranpulli aus NEPAL (eigentlich sagt das ja schon der Name). Die Zöpfe wurden nach dem Waschen recht flach, alles etwas schwer und labberig. Dann also doch die ALASKA oder ein anderes Schurwollgarn mit Grip, genau wie du empfiehlst, Nina.

    • Von Nina am 01. Januar 2018:

      Uh, echt? Gut zu wissen, danke für das Experiment! 😀

  3. Von Karin am 20. Dezember 2017:

    Hallo Nina, ich kann deiner Begeisterung nur zustimmen! Ich stricke sehr gern mit der Alaska, Loch- und Strukturmuster kommen wunderbar zur Geltung. Ich habe auch schon unzählige Fischland Mützen gemacht und verschenkt. Nach dem Waschen wird das Gestrickte so dicht, dass selbst beim stärksten Wintersturm die Ohren schön warm bleiben.
    Das mit dem Fusselrasierer kann ich nur empfehlen: danach sieht der Pulli aus wie neu:-)
    So und jetzt muss ich „meditieren“;-)

  4. Von Petra P. am 20. Dezember 2017:

    Hallo Nina,

    Dein Pullover gefällt mir sehr gut und ich stimme Dir zu , Alaska strickt sich sehr gut und die Karisma mag ich auch sehr gern. Das Muster finde ich toll aber mein „zarter Körper“ verlangt nach glatteren mustern, sonst sehe ich aus, wie eine Tonne.
    Sabine , ja stricken entspannt den Körper und ich habe sogar damit meinen Blutdruck wieder in Ordnung gebracht, also gesengt. Deshalb bleibe ich auch dem Stricken treu.
    Allen Strickerinnen wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gesundes Jahr 2018
    LG Petra
    Außerdem danken wir dem Lanade-Team für die tollen Blog- Beiträge und hoffen, dass es im nächsten Jahr genau wieder solch interessante Beiträge gibt

    • Von Nina am 21. Dezember 2017:

      Vielen Dank, liebe Petra! Wir wünschen dir und allen unseren Blog-Leserinnen ebenfalls frohe Weihnachten und ein wollreiches neues Jahr. 😀

  5. Von Klara am 31. Dezember 2017:

    Die Alaska ist meine Lieblingswolle, weil sie einfach pur und echt ist. Mit ihr zu stricken ist eine Wonne. Das Strickbild ist hervorragend, und das Ergebniss hält warm. Wenn es nur noch Varianten in allen Garnstärken gäbe, das wäre was… Aber Drops ist seit Jahren auf dem Alpakka-Trip. Hoffentlich springen sie nicht auch noch auf dem Handfärbe-Zug!

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