Doubleface-Stricken

Hat euch Havariemaries letzter Cowl gut gefallen? Na dann macht’s euch mal gemütlich hier, sie zeigt nämlich heute gleich das nächste Sahneteilchen und erklärt gleichzeitig wieder eine Stricktechnik, die sicher einige von euch schon lange mal ausprobieren wollten.

Dazu braucht ihr dieses Mal kein Spezialequipment, sondern nur „das Übliche“ und Garn in zwei gut zueinander passenden Farben. Malabrigo Merino Worsted bietet sich aktuell an, zwinker zwinker. Übrigens, falls ihr bei Farbkombinationen einmal unsicher sein solltet: kommt gern zu uns in den Chat oder schreibt uns eine Mail. Wir beraten euch gern 🙂

Und nun viel Spaß mit Havariemaries nautischem neuen Teil und den technischen Raffinessen dahinter 😀

Ahoi, ihr Wollwickler!

Ich darf euch heute wieder eine aufregende Technik vorführen: Doubleface-Stricken! Was das ist? Reine Magie, meine Lieben. Reine Magie.

Doubleface ist eine Technik für zweifarbiges Stricken, mit der man mit der Vorderseite des Projekts gleichzeitig eine zweite Lage auf der Rückseite strickt – und zwar mit umgekehrten Farben. Das Ergebnis ist ein Strickstück, das auf beiden Seiten glatt rechts erscheint und kuschelig dick ist. Zur Veranschaulichung habe ich diesen fantastischen Cowl gestrickt:

Bild für Beitrag „Doubleface-Stricken“ 1a

Und wenn ich den einmal von innen nach außen kremple, sieht er so aus:

Bild für Beitrag „Doubleface-Stricken“ 1b

Anleitung: „Double Knit Kraken Cowl“ von Kraftling, Größe S
Garn: Malabrigo Merino Worsted, 2 Stränge 062 Marine & 2 Stränge 083 Water Green
Nadelstärke: 4,5 mm

Doubleface-Stricken ist einfacher, als man auf den ersten Blick denken mag, und tatsächlich auch noch mal ein ganzes Stück einfacher als gewöhnliches mehrfarbiges Stricken. Sehen wir uns die Technik mal in Aktion an:

Bild für Beitrag „Doubleface-Stricken“ 3

Im Grunde hat man beim Doubleface-Stricken zwei Strickstücke gleichzeitig auf den Nadeln, die immer Masche für Masche abwechselnd gestrickt werden. Die erste Masche wird in der aktuellen Farbe der Vorderseite rechts abgestrickt, die folgende Masche in der jeweils anderen Farbe wird links abgestrickt. Die beiden Lagen wenden so ihre Rückseiten nach innen, wo man sie nicht mehr sieht, und die glatt rechts gestrickten Vorderseiten nach außen.

Kommt man zum Muster, geht es im gleichen Prinzip weiter: Die Maschen der Vorderseite werden dann in der Kontrastfarbe rechts gestrickt, die folgende Maschen dann einfach in der jeweils anderen Farbe links. Et voilà: Die eine Seite erhält einen mintfarbenen Kraken auf blauem Grund, die andere einen blauen Kraken auf mintfarbenem Grund. Magie!

Bild für Beitrag „Doubleface-Stricken“ 2b

Garnstudio DROPS hat dazu wieder ein schönes Video, das das Ganze noch mal etwas anschaulicher macht:

Die Fadenhaltung, genau wie die Fadenspannung, ist beim Doubleface-Stricken viel unkomplizierter als beim normalen zweifarbigen Stricken, weil beide Farben immer gleich schnell verstrickt werden. Man hat nie mehr als zwei Maschen mit einem der beiden Fäden zu überbrücken, sodass man nie das klassische Norwegerproblem hat, dass einem der eine Faden vom Finger rutscht oder riesige Schlaufen wirft, während man mit der anderen Farbe kaum schnell genug neues Garn vom Knäul gewickelt kriegt.

Dadurch ist dann auch das Strickbild beim Doubleface -Stricken viel gleichmäßiger und entspannter. Glaubt mir – Norwegermuster sehen bei mir normalerweise auch nach dem Baden noch aus, als hätte meine Katze sie gestrickt. Das Foto oben dagegen zeigt den Cowl frisch von den Nadeln. Ungebadet!

Bild für Beitrag „Doubleface-Stricken“ 2a

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die beiden Fäden während des Strickens zu managen. Manche halten einen auf jedem Zeigefinger, manche nehmen den Mittelfinger der linken Hand dazu. Ich lege immer beide Fäden auf einen Finger, die Hauptfarbe links, die Kontrastfarbe rechts.

Bild für Beitrag „Doubleface-Stricken“ 5

Probiert es mal aus! Doubleface macht richtig Spaß und wird richtig schön kuschelig warm. Wenn ihr in der Runde strickt, habt ihr immer die gleiche Seite als Vorderseite, was das Projekt sehr einfach macht. Strickt ihr in Reihen, müsst ihr bei jeder Reihe umdenken, welche Farbe die Hauptfarbe und welche die Kontrastfarbe ist. Das habt ihr aber auch schnell drin.

Die Anleitung für den kultigen Kraken Cowl ist auf Englisch bei Ravelry erhältlich und kann auch ohne große Sprachkenntnisse gemeistert werden, da es dabei hauptsächlich um das Einstrickmuster geht. Wenn ihr aber erstmal an einem kleineren Projekt wie Stulpen oder einer Handysocke üben wollt, könnt ihr auch einfach selbst ein Muster entwerfen.

Denkt nur daran, dass Maschen etwas breiter als hoch werden – auf Karopapier gezeichnete Muster kommen am Ende etwas gestaucht heraus. Hier habe ich ein paar kleine Motive für euch entworfen, auf der zweiten Seite könnt ihr euch selber austoben:

Bild für Beitrag „Doubleface-Stricken“ 6

Schlagt einfach doppelt so viele Maschen an, wie das Projekt braucht, strickt in der ersten Runde jede zweite Masche mit eurer Kontrastfarbe links ab und los gehts! Ihr werdet sehen, Doubleface macht süchtig. 😉

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Kommentare

  1. Von Claudia Musal am 10. Dezember 2015:

    Schaut das schön aus , hört sich auch gar nicht so schwer an , werde ich ganz bestimmt demnächst mal ausprobieren .
    Danke für den inspirierenden Beitrag

  2. Von Ursula am 10. Dezember 2015:

    das sieht wirklich hübsch aus und auch die Anleitung ist wieder mal sehr anregend. Nur was macht man mit losen Fäden, kann man die dann nach innen verstecken oder werden die von aussen vernäht.

    • Von Havariemarie am 11. Dezember 2015:

      Hallo Ursula,
      unterwegs kann man die Fäden vom Knäulwechsel ganz einfach zwischen den beiden Lagen des Strickstücks verschwinden lassen, was extrem praktisch ist. Anfangs- und Endfaden muss man dann allerdings wieder ordentlich vernähen.

  3. Von Katharina am 10. Dezember 2015:

    Dein Betrag kommt genau zur rechten zeit! Ich muss nämlich noch einen Doubleface-Topflappen für Weihnachten stricken, hatte bisher aber ziemlich viel Respeckt vor der Technik – jetzt habe ich Lust, den Topflappen direkt anzuschlagen!
    Liebe Grüße

  4. Von Petra am 11. Dezember 2015:

    sehr einleuchtend dargestellt-einfach super.Man sollte aber 2 dünnere Garne nehmen,sonst wird es vielleicht zu dick.Mir gefällt Norweger Muster aber stricken? Aber so werde ich es demnächst versuchen und mich einmal heran tasten. Danke für den klasse Beitrag.
    Warum nennt man Dich „Havariemarie“? Wo Du doch so gut erklären kannst.
    LG Petra

    • Von Havariemarie am 14. Dezember 2015:

      Hallo Petra,
      stimmt, mit der Malabrigo Worsted ist der Cowl dick geworden, aber nicht zu dick – genau richtig für den Winter! 🙂
      Mit dünnerem Garn wird so ein Teil dann bestimmt frühlingstauglich. Guter Tipp!

      Warum man mich Havariemarie nennt? Puh, gute Frage. Weil ich das Wort „Havarie“ wie alles aus dem nautischen Bereich sehr gerne mag und sich „Marie“ darauf reimt. Eine spannende Geschichte dazu gibt es nicht, sorry. Aber sobald mir ein gutes Argument einfällt, um für meinen nächsten Lanade-Beitrag meine nackten Füße zu fotografieren, zeige ich dir mein cooles Ankertattoo! 😉

  5. Von Heike am 11. Dezember 2015:

    Die Doubleface-Technik eignet sich übrigens auch hervorragend, um Socken mit einer extra dicken Sohle auszustatten.

    • Von Carolin am 11. Dezember 2015:

      Das ist ja eine supercoole Idee, Heike!

  6. Von Caro am 12. Dezember 2015:

    Das ist eine super prima tolle Erklärung, wo doch meine Norwegermuster auch eher…naja….sch…recklich aussehen! Da hab ich immer gedacht, dass es beim Doubleface noch viel schlimmer sein müsste. Aber so wird es bestimmt über die Feiertage ausprobiert. Nur, wie bekomme ich denn die beiden Farben zusammen angeschlagen? Und wird das Strickstück dann im Prinzip doppelt so dick wie bei „normalem“ Norwegermuster bzw. brauche ich mit Doubleface die doppelte Garnmenge? Fragen über Fragen… 😉
    Liebe Grüße Caro 🙂

    • Von Havariemarie am 14. Dezember 2015:

      Hi Caro,

      für den Anschlag gibt es verschiedene Möglichkeiten. Folgende fallen mir spontan ein:
      1. Doppelte Maschenmenge immer abwechselnd mit einer Farbe anschlagen.
      2. Einfache Maschenmenge mit einer Farbe anschlagen, dann in der ersten Reihe aus jeder Masche eine zweite herausstricken, in der nächsten Reihe dann jede zweite Masche in der Kontrastfarbe links abstricken. (so hab ich es gemacht).
      3. Die beiden Fäden zusammennehmen und einfache Maschenmenge doppelfädig anschlagen. In der ersten Reihe dann jeden Faden als eigene Masche stricken (evtl. müssen dann noch die Fäden sortiert werden).

      Und ja, das Strickstück wird doppelt so dick und braucht doppelt so viel Garn. 😉

  7. Von Anette am 12. Dezember 2015:

    Liebe Antje, wie wundervoll – wieder eine tolle neue Idee! Seit sooooooo vielen Jahren stricke ich und Du bringst mich immer wieder auf neue Ideen! Ich werde die Technik gleich mal für ein paar Pulswärmer ausprobieren. Lieben Dank für Deine tollen Beiträge – habe mir schon einen extra Ordner angelegt, damit ich immer mal wieder nachlesen und neue Projekte entwicklen kann – wo doch die unglaublich schöne Malabrigo immer wieder lockt!

    Liebe Grüße
    Anette

    • Von Antje am 13. Dezember 2015:

      Hallo Anette, oh wie hübsch – fremde Federn 😉 DIesen Beitrag (jedenfalls den informativen Teil) hat aber unsere liebe Havariemarie geschrieben. Das mit dem Ordner find ich ja super. Ich hab auch so einen Ordner auf meiner Festplatte 😀

  8. Von Petra am 17. Dezember 2015:

    Hallo, Havariemarie,
    ich komme noch einmal auf Deine Anleitung für Caro.Du nimmst normal Maschen auf und strickst dann eine zweite Masche heraus,schon mit der 2. Farbe ? Denn wenn ich eine Masche heraus stricke und in der nächsten Reihe die Kontrastfarbe links ab stricke,muß sie ja schon da sein ? Jetzt trenne ich mein Teil erst mal wieder auf und danach beginne ich von Neuem.
    Carolin sagt immer,sie rippelt auf,der Begriff gefällt mir ganz gut.
    Lg Petra

    • Von Antje am 06. Januar 2016:

      Hallo Petra,
      die Runde in der du die Maschen verdoppelst, wird noch komplett in der ersten Farbe gestrickt. Das fällt nachher kaum auf 🙂

  9. Von Karin am 05. Januar 2016:

    Liebe Leute! Zuerst ein frohes neues Jahr für euch alle! Glück, Gesundheit und Zufriedenheit – denn davon kann Mann und Frau und Kind ja nie genug haben! Jetzt kommt mein Anliegen: wer zeigt mir wie ich einen schönen runden Halsausschnitt mit einem Bündchen oder irgendeiner Kante verzieren kann? Schon lange stricke ich und meistens gut. Aber wenn der Pulli fertig ist und ich einen schönen Rand am Halsausschnitt machen möchte, brauche ich mindestens drei Versuche und auch der Letzte ist noch nicht wirklich gelungen. Wer hilft? Übrigens ich stricke RVO. Liebe Grüsse aus dem verschneiten Norden!

    • Von Antje am 06. Januar 2016:

      Hallo Karin,
      deine Frage bezieht sich nicht konkret aufs Double-Face Stricken, oder? Was gefällt dir denn an den bisher getesteten Varianten nicht? Ich persönlich fange, wenn ich schon RVO stricke, gleich mit dem Halsbündchen an und arbeite hinten im Nacken mit verkürzten Reihen um den Ausschnitt vorn weiter nach unten zu bekommen. Das spart den Schritt mit der erneuten Aufnahme von Maschen am Ausschnitt. Bei Raglanzu- oder Abnahmen in der Passe wird der Ausschnitt übrigens immer viereckig weil die Zu- bzw Abnahmen ja nicht gleichmäßig verteilt sind. Ist es das was dich stört? Dann hilft es eine Rundpasse oder eine Kombination aus Rundpasse und Raglan zu stricken 🙂

  10. Von Heike am 25. Februar 2016:

    Hallo Havariemarie,
    schon eine Weile schleiche ich um diese Anleitung herum und da die Malabrigo Twist gerade im Angeobt ist, frage ich mich, ob dieses Garn, etwas dickere Garn, auch geeignet wäre oder wird der Cowl dann zu dick und unflexibel? Wenn entsprechend die Nadelstärke ‚mit wächst‘ dann wird der Cowl ja eigentlich nur größer, was mir sehr entgegen käme oder bin ich auf dem Holzweg?
    Danke für den tollen Support! 😉
    Liebe Grüße, Heike

  11. Von Marion Kühn am 12. Juni 2016:

    Ich tue mich ein bissel schwer mit der Handhabung und auf meinen dünnen und kurzen Fingerchen wollen die 2 Fäden einfach nicht drauf bleiben. So habe ich dann viel im Internet gestöbert und dann fiel mir ein, dass ich ein Strickmusterbuch noch habe, wo auf den letzten Seiten beschrieben steht, wie man diese Technik stricken kann.

    Ich stricke eine Reihe quasi 2x. Dies geht zwar langsamer voran, aber es wird. Sowohl in Runden, als auch in Hin- und Rückreihen.

    Zu Anfang habe ich mir kleine Proben gestrickt und bevor ich wieder irgendeinen „Strickunfall“ habe und alles wieder aufmachen muss, habe ich jetzt immer ein Übungsstück neben mir liegen. Wo ich quasi nach Herzenslust so lange probieren kann, wie ich will. Hab so viele Wollreste übrig und ist dafür sehr gut geeignet.

    Ein Problemchen habe ich dennoch. Könnte mir jemand mal erklären, wie ich bei Doubleface richtig abkette?

    • Von Antje am 22. Juni 2016:

      Hallo Marion,
      ich habe mich gerade bei Nina (Havariemarie) schlau gemacht. Sie empfiehlt in der Abkettrunde immer zwei Maschen rechts zusammen zu stricken und auf der rechten Nadel jeweils die rechte über die linke Masche zu ziehen. Falls das zu fest wird, kann und sollte man eine etwas größere Nadel wählen 🙂

      Liebe Grüße!

  12. Von HCL am 27. September 2016:

    Ich trage mich mit dem Gedanken, einen Pullover in dieser Technik zu stricken – ich habe aber so gar nichts im Internet dazu finden können. Habt Ihr vielleicht Tips, Anregungen oder gar Anleitungen, welcher Schnitt, welche Bündchen etc. hier taugen würden? Schönen Dank schon mal!

  13. Von Helena am 25. Januar 2017:

    Ich habe eine – vielleicht etwas naive – Frage. In den Teilen ohne Muster sind die Strickstücke ja quasi separat, wenn ich das richtig verstanden habe. Hält das denn dann überhaupt? Verrutschen die Teile nicht gegeneinander?
    Ich überlege, einen Schal zu stricken – und würde längere Stücke auch einfarbig behalten wollen. Geht das?

    • Von Marion am 05. März 2017:

      Bin keine von den Profis (und manchmal wirklich Künstlern!) hier, aber grad über deine Frage gestolpert 🙂
      An den Stellen, die einfarbig bleiben, strickst du quasi einen Schlauch, die Teile sind separat voneinander, aber die Kanten links und rechts sind verbunden, und sobald du wieder ein Musterstück hast, verbindet sich Vorne und Hinten wieder. Verrutschen kann so also nichts, auch wenn du an diesen Stellen die Vorder- und Rückseite auseinanderziehen kannst. Falls dir das nicht gefällt, kannst du ja zwischendurch in einer Reihe oder immer mal verteilt ein paar Maschen in der jeweiligen Kontrastfarbe „aufblitzen“ lassen. Muss ja kein Muster sein, sondern ganz zufälliges, weit verstreutes Maschenkonfetti 😉

      Viel Spaß beim Ausprobieren!

  14. Von Brigitte Buscher am 04. März 2017:

    Möchte gern einen Raglanärmel Pullover stricken

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