Der türkische Maschenanschlag

Vor einem Monat habe ich euch ein paar Handschuhe aus dem PomPom-Magazin vorgestellt, die mehrfarbigen Carimbo-Mitts, aus denen ich kurzerhand Fäustlinge gezaubert habe. Die Anleitung begann mit einem türkischen Maschenanschlag und ich stand erst einmal wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berge – ähhh, was soll ich machen? Nach ein wenig Recherche war es mir dann klar und ich möchte euch gerne an meinem neu erworbenen Wissen teilhaben lassen – der türkische Anschlag kann nämlich richtig was!

Der Türke unter den Maschenanschlägen gehört zu den sogenannten Short tail cast ons, er benötigt also keinen langen Faden wie zum Beispiel der Kreuzanschlag. Dies hat den Vorteil, dass man nicht zehn Maschen vor Ende des Anschlagens ohne Faden dasteht und von vorne beginnen muss, weil man sich anfangs zu wenig Faden vom Knäuel gewickelt hat – yay!

Kurz gesagt wird der Anschlag auf zwei parallel gehaltenen Nadeln aufgewickelt. Hört sich einfach an? Ist es auch! Das Tolle an diesem Anschlag sind die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Einige von euch kennen diesen Anschlag vielleicht schon vom Sockenstricken, denn Toe-Up-Socken, welche von der Spitze aus nach oben hin gestrickt werden, beginnen oft mit diesem Anschlag. Er lässt sich aber auch super als provisorischer Anschlag verwenden.

Die Technik

Man benötigt zwei Nadeln – mindestens eine davon sollte eine Rundstricknadel sein – und natürlich ein Garn. 

  1. Das Garn wird mit einer behelfsmäßigen Knotenschlinge an der Rundstricknadel befestigt – siehe Bild 1. Nun werden beide Nadeln in der linken Hand parallel gehalten, die Rundstricknadel mit angeknotetem Faden ist dabei unten.
  2. Der Faden wird nun ganz einfach um beide Nadeln gewickelt. Eine Wicklung entspricht dabei einer Masche, die Knotenschlinge wird dabei nicht mitgezählt – siehe Bild 2.
  3. Das wars schon!

Wie, das wars schon? Jetzt haben wir zwei umwickelte Nadeln – und nun? Nun erzähle ich euch, was wir damit anstellen können!

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 1

Die Verwendungsmöglichkeiten

Der Anschlag für die Sockenspitze

Der türkische Anschlag ist super für Toe-Up-Socken geeignet, da dieser eine Wulst oder Naht an der Spitze verhindert und einen glatten Übergang ergibt. So drückt später nichts vorne im Schuh und schick aussehen tut es auch noch.

  1. Die benötigten Maschen, zum Beispiel zwölf, werden wie oben beschrieben angeschlagen – siehe Bild 1.
  2. Danach folgt eine Vorbereitungsrunde, in der alle Maschen der ersten Nadel rechts abgestrickt werden. Dies geht leichter, wenn die untere Rundstricknadel hervorgezogen wird, sodass die Maschen auf dem Seil liegen – deswegen auch die Rundstricknadel beim Anschlagen – siehe Bild 2. Danach werden die Maschen auf der zweiten Nadel ebenfalls rechts abgestrickt. Hierbei aber nicht vergessen, die Anfangsschlinge am Anfang der Nadel vorher herunter zu schubsen – die benötigen wir jetzt nicht mehr.
  3. Das wars schon – siehe Bild 3.

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 2

Nun kann die Spitze mitsamt Zunahmen gearbeitet werden. Es gibt zahllose Anleitungen und Sockentabellen für Sockenspitzen, hier ist eine einfache Variante:

1. Runde: *re.vh, re bis 1 M vor Ende der Nadel, re.vh* insgesamt zweimal stricken
2. Runde: alle Maschen rechts stricken

Diese beiden Runden werden nun solange wiederholt, bis die gewünschte Maschenanzahl für die Socke auf den Nadeln ist. Wenn es irgendwann unbequem wird auf den beiden Nadeln zu stricken, wird einfach auf ein Nadelspiel oder eine Rundstricknadel für den Magic-Loop gewechselt.

Legende:
re.vh: Die Masche rechts stricken aber auf der Nadel belassen, danach noch einmal rechts verschränkt durch das hintere Maschenglied stricken. Danach wird die Masche von der Nadel gestubst und wir haben nun eine Masche zugenommen.
re: rechts stricken

Provisorischer Anschlag

Provisorische Anschläge werden benötigt, wenn ein Strickstück zuerst in die eine und erst später in die andere Richtung gestrickt werden soll, zum Beispiel bei einer Schulter oder einem Träger eines Oberteils. Der türkische Anschlag lässt sich hervorragend dafür verwenden. 

Wie oben im Technikteil beschrieben, werden die benötigten Maschen auf zwei Nadeln aufgewickelt. Eine der Nadeln kann nun ganz normal bestrickt werden, während die andere still und brav solange im Strickstück verweilt und faulenzt, bis sie an der Reihe ist und benötigt wird. 

Tipp: Habt ihr Angst, dass beim Stricken die Maschen von der faulenzenden Nadel fallen, dann helft mit Maschenstoppern aus. Diese verhindern, dass ungeduldige Maschen stiften gehen.

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 3

Provisorischer Anschlag für ein Bündchen

Ist ein Bündchen mit einer hübschen Kante gefragt, dann kann der türkische Anschlag ebenfalls aushelfen. Das Prinzip ist folgendes: Nach dem Anschlag wird das Bündchen einige Runden gestrickt, diese Runden werden hochgeklappt, die Maschen zusammen gestrickt und das Bündchen ganz normal fortgeführt, bis es die gewünschte Länge erreicht hat. Das Ergebnis ist ein Bündchen mit einem Klapprand, welcher hübsch ordentlich aussieht und zudem dehnbar ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Bündchen in Runden oder in Reihen gestrickt werden soll, diese Technik funktioniert für beides.

Für das Bündchen mit Klapprand wird, wie oben im Technikteil beschrieben, die gewünschte Maschenanzahl aufgewickelt. Für meine Carimbo-Handschuhe, also einem kleinen Bündchen in Runden, habe ich ein Nadelspiel und eine kurze Rundstricknadel von KnitPro verwendet. Wenn ihr keine kurze Rundstricknadel habt, könnt ihr aber auch einfach zwei lange Rundnadeln nehmen und das Bündchen mit der Magic-Loop-Methode stricken. Für ein Bündchen in Reihen spielt es keine große Rolle welche Nadeln ihr nehmt, es sollten nur alle Maschen darauf passen 😉

Nach dem Anschlag werden die Maschen der oberen Nadel im gewünschten Bündchenmuster abgestrickt und zusätzlich noch 2 weitere Runden beziehungsweise 3 weitere Reihen im Muster fortgeführt. Die untere Nadel darf währenddessen wieder mitsamt Maschen ein wenig faulenzen.

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 4

Nach diesen Runden respektive Reihen werden die Maschen nun mit den faulenzenden Maschen zusammengestrickt. Dafür legt man sich die faulenzende Nadel hinter die aktive und strickt die rechten Maschen rechts zusammen und die linken Maschen links zusammen:

Rechte Maschen werden rechts zusammen gestrickt, indem zuerst in die vordere und dann in die hintere Masche eingestochen wird. Beide abgestrickten Maschen werden zusammen von den Nadeln gestupst, zurück bleibt eine neue Masche auf der rechten Nadel. 

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 5

Linke Maschen werden links zusammen gestrickt, indem zuerst in die hintere und erst dann in die vordere Masche gestochen wird. Beide abgestrickten Maschen werden zusammen von den Nadeln gestupst, zurück bleibt eine neue Masche auf der rechten Nadel.

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 6

Nun wurde der Rand von den Maschen umhüllt und das Bündchen kann ganz normal im Muster weitergestrickt werden, bis es die gewünschte Länge erreicht hat. 

Tipp: Wer es extra-kuschelig und warm mag, kann sich ein doppeltes Bündchen stricken. Dafür wird das Bündchen – vor dem Zusammenstricken – doppelt so weit gestrickt, wie es später an Länge bekommen soll. Das Zusammenstricken erfolgt dann ganz zum Schluss, sodass es vollständig umgeklappt ist und eine doppelte Lage Strickstoff ergibt. 

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 7

Bild für Beitrag „Türkischer Maschenanschlag“ 8

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Kommentare

  1. Von Nicole am 02. November 2018:

    Den Anschlag kannte ich noch nicht – Danke für den Tipp! Wäre das nicht auch ein Anschlag für die Fischland- Mütze?!
    Viele Grüße, Nicole

    • Von Nora am 06. November 2018:

      Ich habe mir die Fischlandmütze grade einmal angeschaut und da dort ein provisorischer Anschlag verwendet wird, kannst du sicherlich auch den türkischen Maschenanschlag benutzen. Das Ergebnis dürfte dann das selbe sein, also probiere am besten einfach aus mit welcher provisorischen Anschlagstechnik du am besten zurechtkommst 🙂

  2. Von Carolin am 02. November 2018:

    Danke für die Bilder und Infos, die sind sehr gut erklärt. Ich frage mich allerdings, ob Nora Linkshänderin ist oder man die Nadeln am Anfang wirklich mit der linken Hand halten muss? Viele Grüße!

    • Von Sarah am 03. November 2018:

      Hallo Carolin! Du kannst die Nadeln natürlich auch in der rechten Habd halten und mit der linken Hand die Schlaufen wickeln. Den meisten Rechtshändern dürfte es aber andersherum leichter fallen 😉

    • Von Nora am 06. November 2018:

      Ich bin keine Linkshänderin und darum empfand ich das Wickeln mit rechts (und halten mit Links) angenehmer. Aber du kannst deine Hände natürlich so halten, wie es für dich am besten passt 🙂

  3. Von Inge am 04. November 2018:

    Danke liebe Nora für die super Erklärung dieses Anschlages! Ich finde insbesondere die Lösung für den Bündchenanschlag sehr schön, er sieht so aus wie der doch eher friemelige italienische Anschlag, ist aber scheinbar ganz einfach zu arbeiten. Ich werde es bei meinem nächsten Projekt mal ausprobieren!
    Liebe Grüße!

    • Von Nora am 06. November 2018:

      Ich finde den Italiener auch ziemlich friemelig, den mag ich lieber zum Abketten 😉

  4. Von Katrin F am 06. November 2018:

    Ich schließe mich Nicoles Frage an: ist dieser Anschlag für die Fischland-Mütze geeignet?

    • Von Nora am 06. November 2018:

      Den türkischen Maschenanschlag kannst du auch für die Fischlandmütze nehmen, schau einfach mit welchem provisorischem Anschlag du besser zurechtkommst, das Ergebnis dürfte das selbe sein 🙂

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