Ausgefuchst: Fehler im Farbstrick korrigieren

Neulich haben wir über Intarsienstrick gesprochen, heute habe ich ein Thema für euch mitgebracht, das direkt dazu passt: Was tun, wenn man sich beim Umsetzen eines Musters mal mit der Farbe vertan hat?

Bild für Beitrag „Farbfehler“ Teaser

Ob Intarsia, Fair Isle oder Doubleface, mehrfarbige Motive haben den großen Nachteil, dass Fehler sofort ins Auge springen. Bei Lace eine Abnahme in die falsche Richtung führen lassen: sieht keiner. Beim Zopfmuster falsch rum verzopft: geschenkt. Aber im Farbstrick eine Masche in der falschen Farbe? Katastrophe!

Bild für Beitrag „Farbfehler“ Fehler

Okay, ich übertreibe. Zum Ausgleich habe ich aber auch ein paar Tricks dabei, um solche Fehlerchen mit so wenig Aufwand wie möglich wieder verschwinden zu lassen. Hier meine Hitliste ausgefuchster Lösungen, sortiert von Verzweiflungstat bis Profilösung.

1. Übermalen

Bild für Beitrag „Farbfehler“ Malen

Aufwand: Gering.
Empfehlung: Nicht wirklich …
So gehts: Genau so wie es klingt – Stift nehmen, Masche anmalen. Das ist auch exakt genauso sinnvoll wie es klingt, nämlich gar nicht. Ich würde diesen Trick anwenden, wenn ich gerade eine Mütze mit Fair-Isle-Muster fertiggestellt hätte, draußen ein Schneesturm tobt und ich in fünf Minuten raus müsste. Und sonst absolut nichts hätte, was ich mir über den Kopf ziehen könnte. Und keine Wolle mehr im Haus hätte, dafür aber einen Stift in der passenden Farbe. Wie auch immer das passieren kann.

2. Ribbeln, neu stricken

Bild für Beitrag „Farbfehler“ Ribbel

Aufwand: Gigantisch.
Empfehlung: Nur für Perfektionisten. Mit masochistischer Ader.
So gehts: Fadenende packen und kräftig ziehen. Taschentücher bereithalten. Zwischen 50 und 50.000 Maschen neu stricken, diesmal die betreffende Masche in der richtigen Farbe. Feststellen, dass nun eine andere Masche in der falschen Farbe gestrickt ist. Alles wiederholen. Weinen.
Kleine Hilfestellung für die tapferen Seelen, die diesen Weg wählen: Wenn ihr vor dem Ribbeln eine dünne Stricknadel in die Maschenreihe unterhalb des Fehlers einfädelt, ribbelt ihr nicht versehentlich zu weit und kommt auch nicht mit den Spannfäden im Fair Isle durcheinander. Viel Glück.

3. Kontrollierte Fallmaschen

Aufwand: Geht.
Empfehlung: Für Perfektionisten mit praktischer Ader. 
Die kontrollierte Fallmasche ist das, was fast immer als Musterlösung empfohlen wird. Der Vorteil ist, dass man für diese Technik nicht alles wieder aufribbeln muss, sondern nur die eine Maschensäule, in der sich der Fehler befindet. Das kann natürlich immer noch eine Menge sein, wenn euch erst nach 300 Reihen auffällt, dass in Reihe 3 ein Fehler steckt, aber es ist machbar. Und immerhin besser als 300 Reihen komplett neu zu stricken.
So gehts:

  1. Strickt bis zu der Masche, die genau über dem Fehler sitzt.
  2. Lasst die Masche jetzt von der Nadel fallen und ribbelt bis zur Problemstelle runter. Durchatmen.Bild für Beitrag „Farbfehler“ Fall 1
  3. Jetzt nehmt ihr eine Häkel- oder Stricknadel – was immer für euch besser funktioniert –, schiebt den Faden der fehlerhaften Masche nach hinten und arbeitet die Masche mit der richtigen Farbe, die da als Spannfaden rumlungern sollte. Eventuell müsst ihr etwas mit der Fadenspannung kämpfen. Denkt dann daran: Neu zu stricken ist schlimmer.Bild für Beitrag „Farbfehler“ Fall 2
  4. Danach arbeitet ihr die Maschen wieder hoch. Schaut zur Sicherheit ab und zu auf eure Mustervorlage, damit ihr jetzt nicht versehentlich einen neuen Fehler einbaut.Bild für Beitrag „Farbfehler“ Fall 3

Geschafft! Der Nachteil der Angelegenheit ist, dass es nur bei Fair Isle (und Doppelstrick) funktioniert, weil Intarsienstrick keine Spannfäden hat, die man sich greifen kann. Aber einen Trick habe ich auch noch auf Lager.

4. Maschen aufsticken

Bild für Beitrag „Farbfehler“ Stick

Aufwand: Klein.
Empfehlung: Für Superstrickfüchse. 
Aufsticken ist eine Technik, die bei allen Arten von Farbstrick funktioniert, schnell geht, kein Ribbeln erfordert und sogar angewendet werden kann, nachdem das Projekt schon abgekettet wurde. Klingt klasse, oder? Ist es auch.
So gehts: Nehmt euch ein Restchen vom Strickgarn in der richtigen Farbe und eine Wollnähnadel und stickt einfach über die Ärgermacher-Masche drüber. Es gibt ein paar wenige Garne, mit denen das nicht gut funktioniert, weil die ursprüngliche Masche durchblitzt, aber in 95 Prozent aller Fälle löst das das Problem schnell und unsichtbar. Auf der Rückseite vernäht ihr hübsch die Fäden und freut euch.
Mit dieser Technik kann man übrigens auch ganze Motive aufsticken, wenn man keine Lust auf Fair Isle oder Intarsia hat. Wird dann etwas steif, aber es geht. Auch gut, wenn man mal das Garn nur zum Teil erwischt hat und im Nachhinein feststellt, dass mitten im Gestrick eine einzelne Masche am sprichwörtlichen seidenen Faden hängt. Das Nachsticken stellt dann die Masche wieder her, so dass das seidene Fädchen machen kann, was es will. Wenn das nicht ausgefuchst ist, weiß ich es auch nicht.

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Kommentare

  1. Von Gudrun am 24. August 2017:

    Haha, die kontrollierte Fallmasche nutze ich gerne. Nicht nur bei Farbfehlern: Wenn man nach fast 10 cm feststellt, dass man irgendwie mitten unterm Stricken den Krausrippenrand bei einer Jacke spontan erweitert hat und das jetzt irgendwie doof aussieht…!

    Aufsticken ist zwar extrem praktisch, aber ich versuche es zu vermeiden, weil ehrlich gesagt lieber einen halben Meter nach unten „falle“, als nur einen Faden mehr als notwendig zu vernähen… >.>

  2. Von Mum@work am 24. August 2017:

    Ich hab schon kontrollierte Fallmaschen bei Zopfmustern angewendet … weil, ICH sehe die falsche Richtung …

  3. Von Petra P. am 25. August 2017:

    heute wieder ein klasse Thema. Ja , ich habe schon etliche Double Face Mützen gestrickt und in der nächsten Runde, oh Schreck, es ist zum Kotz… eine falsche Masche. super.
    ich nutze dann das Maschen aufstricken oder die kontrollierten Fallmaschen. Geht super.
    Wende ich auch an, wenn man plötzlich merkt, man hat in einen Faden gestochen und dadurch hat man nicht alles erwischt. Merkt man meistens erst 2 Runden später.

  4. Von Britta D. am 27. August 2017:

    die Fallmaschen und die Häkelnadel sind meine besten Freunde….vor allem bei Drops Alpaka, da sind die Maschen, die man nur mit einem Fädchen erwischt leider sehr häufig, weil es sich beim Stricken aufdröselt…und man sieht es erst, wenn man das Teil gegen das Licht hält.

    und dann sind die Maschensäulen wegen der Struktur auch ganz schwer zu lokalisieren…..

    Kennst Du das auch, wenn Du Dich bei den Fallmaschen vertan hast und NEBEN der gesuchten Masche rauskommst? augenroll…..

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